Versicherungsrecht

Krankentagegeldversicherung: Der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit

06.04.2017

Mit diesem Rechtstipp möchte ich Sie informieren über Probleme im Zusammenhang mit der privaten Krankentagegeldversicherung, insbesondere den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit.

Bei der Krankentagegeldversicherung soll der Versicherungsnehmer im Falle vollständiger Arbeitsunfähigkeit ein tägliches Krankentagegeld erhalten, dessen Höhe von den vorherigen Einkünften und den vertraglichen Vereinbarungen abhängt.

Die Versicherung ist für den Versicherungsnehmer besonders wichtig, da hierdurch eine wirtschaftliche Notlage verhindert werden soll, welche andernfalls durch den Fortfall der Arbeitsfähigkeit entstehen würde.

Der Versicherer hat jedoch ein wirtschaftliches Interesse daran, dass möglichst wenig Krankentagegeld tatsächlich zur Auszahlung kommt.

Vor diesem Hintergrund wird durch den Versicherer häufig bereits angezweifelt, dass die vollständige Arbeitsunfähigkeit überhaupt besteht.

Hierbei ist es grundsätzlich der Versicherungsnehmer, der den Eintritt und die Fortdauer bedingungsgemäßer Arbeitsunfähigkeit darlegen und beweisen muss.  

Das geschieht in der Regel durch die Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung.

Wenn der Versicherer die inhaltliche Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung anzweifelt, reicht die einfache Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung jedoch nicht mehr aus.

Der Versicherer hat nämlich das Recht eine Nachuntersuchung zu verlangen und den Versicherungsnehmer durch einen von dem Versicherer selbst beauftragten Arzt untersuchen zu lassen.

Hier sollte der Versicherungsnehmer argwöhnisch werden, wenn derjenige Arzt der über die Leistungspflicht des Versicherers entscheiden soll von dem Versicherer beauftragt wird und möglicherweise auch zu einem großen Teil von diesen Aufträgen lebt.

Der Versicherungsnehmer kann sich der Untersuchung jedoch nicht entziehen, weil das einen Obliegenheitsverstoß darstellen würde, so dass der Versicherer dann nicht mehr zur Leistung verpflichtet wäre.

Die Praxis zeigt immer wieder, dass die von dem Versicherer beauftragten Ärzte dann tatsächlich Feststellungen im Sinne des Versicherers treffen und dieser die Zahlung des Krankentagegeldes dann ablehnt.

Nicht wenige Versicherungsnehmer lassen sich von diesen sogenannten ärztlichen Feststellungen beeindrucken und verfolgen den Zahlungsanspruch dann nicht weiter.

Wenn eine unberechtigte Ablehnung des Versicherers erfolgt, ist es jedoch wichtig, hiergegen schnell und effektiv vorzugehen.

Man muss dem Versicherer insbesondere klarmachen, dass er weiterhin in die Pflicht genommen wird und dass er einen diesbezüglichen Rechtsstreit verlieren würde.

Nur dann besteht die Aussicht, dass die Leistung doch noch kurzfristig und außergerichtlich erfolgt.

Für weitere Nachfragen stehen wir Ihnen gern persönlich zur Verfügung.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Frank Vormbaum
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Bült 27
59368 Werne

Telefon: 02389 - 4030660


Diesen Rechtsanwalt bewerten
Sie wünschen Rechtsberatung zu dem Thema des Artikels?
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Frank Vormbaum:
Datenschutzerklärung gelesen und einverstanden
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Versicherungsrecht Berufsunfähigkeitsversicherung: Die 5 grössten Fehler beim Abschluss vermeiden
21.04.2017

Berufsunfähigkeitsversicherung: Die 5 größten Fehler bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung vermeiden. In unserer heutigen Ausgabe möchte ich Sie darüber informieren, wie Sie bei dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung die fünf größten Fehler vermeiden können. Sollten Sie später bei der Beantragung der Berufsunfähigkeitsleistungen Probleme mit dem Versicherer bekommen, werden Sie feststellen wie wichtig es ist, in diesem Bereich rechtsschutzversichert zu sein. Häufig geht der Streit mit dem Berufsunfähigkeitsversicherer darum, dass bei dem Abschluss des Vertrags Fehler...weiter lesen

Versicherungsrecht Krankentagegeldversicherung: Der Einwand der Berufsunfähigkeit
06.04.2017

Mit diesem Rechtstipp möchte ich Sie informieren über Probleme im Zusammenhang mit der privaten Krankentagegeldversicherung, insbesondere den Einwand der Berufsunfähigkeit. Bei der Krankentagegeldversicherung soll der Versicherungsnehmer im Falle vollständiger Arbeitsunfähigkeit ein tägliches Krankentagegeld erhalten, dessen Höhe von den vorherigen Einkünften und den vertraglichen Vereinbarungen abhängt. Nach Sinn und Zweck der Krankentagegeldversicherung sichert diese das Einkommen in der Zeit zwischen Beginn der Erkrankung und der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit bis zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und soll...weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Versicherungsrecht Wohngebäudeversicherung des Vermieters muss für Wohnungsbrandschaden des Mieters zahlen

Karlsruhe (jur). Verursacht ein Mieter fahrlässig einen Wohnungsbrand, muss die Wohngebäudeversicherung des Vermieters grundsätzlich für die Gebäudeschäden aufkommen. Beseitigt der Vermieter die Brandschäden nicht, kann der Mieter gegebenenfalls auch die Miete mindern, urteilte am Mittwoch, 19. November 2014, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Az.: VIII ZR 191/13). Da die Kosten für die Wohngebäudeversicherung auf den Mieter umgelegt werden, müsse dieser so gestellt werden, „als hätte er die Versicherung selbst abgeschlossen“. Hintergrund des Rechtsstreits war ein brandgefährlicher Kochversuch. Am 7....weiter lesen

Versicherungsrecht Keine private Krankenversicherung für Asylbewerber

Karlsruhe (jur). Erhalten Asylbewerber Sozialhilfe, können sie sich nicht zum Basistarif einer privaten Krankenversicherung versichern lassen. Auch wenn das Sozialamt Flüchtlinge auf Abschluss einer entsprechenden Versicherung drängt, besteht für Sozialhilfeempfänger kein genereller Anspruch auf Aufnahme in die private Krankenversicherung zum Basistarif, urteilte am 16. Juli 2014 der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (Az.: IV ZR 55/14). Im konkreten Fall hatte eine Asylbewerberin mit ihren drei Kindern die Aufnahme in die private Krankenversicherung zum Basistarif beantragt. Die Frau lebt seit zehn Jahren in Deutschland. Bis Ende 2012 erhielt sie...weiter lesen

Versicherungsrecht Arbeitsunfall durch Sturz beim Autowaschen

Beim Autowaschen sollte man aufpassen. Die gesetzliche Umfallversicherung kommt normalerweise nicht für die Folgen eines Sturzes durch einen Versicherten auf. Vorliegend handelte es sich um einen Unternehmer, der ein freiwilliges Mitglied der gesetzlichen Unfallversicherung geworden war. Er begab sich auf dem Weg zu einem Geschäftstermin zu einer Autowaschanlage. Beim Verlassen stürzte er jedoch auf einer Eisplatte und verletzte sich. Daraufhin machte er einen Arbeitsunfall geltend. Doch der zuständige Träger der gesetzlichen Unfallversicherung stufte den Sturz nicht als Arbeitsunfall ein. Daraufhin verklagte der Unternehmer die Unfallversicherung. Erst...weiter lesen

Versicherungsrecht Betriebliche Direktversicherung und freiwillige Krankenversicherung

Mainz (jur). Freiwillige Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung müssen volle Beiträge auf die Auszahlungen einer Direktversicherung der betrieblichen Altersversorgung zahlen. Das gilt auch, wenn sie die Versicherung nach dem Ausscheiden aus dem Betrieb übernommen und mit eigenen Beiträgen fortgeführt haben, wie das Landessozialgericht (LSG) Rheinland-Pfalz in Mainz in einem am Freitag, 17. Januar 2014, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: L 5 KR 65/13). Im Streitfall hatte die Direktversicherung einen Einmalbetrag ausgezahlt. Die Krankenkasse verteilte dies auf zehn Jahre und erhob entsprechend Beiträge zur freiwilligen...weiter lesen

Ihre Spezialisten