Arbeitsrecht

Kurzfristige Beschäftigung: Steuer, Sozialversicherung & Urlaub

21.02.2017
Redaktion fachanwalt.de
 (1)

Eine kurzfristige Beschäftigung kann zum Beispiel für Schüler und Studenten, aber auch für Voll- oder Teilzeitbeschäftigte eine Möglichkeit sein, ihr Einkommen aufzubessern. Sei es, weil man sich einfach etwas mehr leisten möchte, oder man einfach zeitweise Abwechslung in seinen üblichen Alltag bringen möchte. Die Gründe für die Ausübung einer kurzfristigen Beschäftigung können daher vielfältig sein. Und auch für Arbeitgeber kann die kurzfristige Beschäftigung von Arbeitnehmern interessant sein.

 

Was ist eine kurzfristige Beschäftigung?

Bei einer kurzfristigen Beschäftigung handelt es sich um Tätigkeiten, bei denen der Arbeitnehmer die Tätigkeit

  • an maximal 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr,
  • oder wenn er an mindestens fünf Tagen pro Woche beschäftigt wird, für maximal drei zusammenhängende Monate ausübt.

Wird der Arbeitnehmer regelmäßig an weniger als an fünf Tagen pro Woche beschäftigt, dann ist wiederum auf die Grenze von maximal 70 Arbeitstagen im Jahr abzustellen.

Ein klassisches Beispiel für eine kurzfristige Beschäftigung ist die Ausübung einer Tätigkeit eines Schülers oder Studenten während der Schul-/Semesterferien oder einer Tätigkeit, die saisonabhängig ist (zum Beispiel als Erntehelfer).

Wichtig ist, dass es sich bei einer kurzfristigen Beschäftigung um eine Art Nebenbeschäftigung handelt, die gerade neben Schule, Studium oder zum Beispiel auch Vollzeitjob ausgeübt wird. Die kurzfristige Beschäftigung darf daher gerade nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitnehmer damit seinen Lebensunterhalt verdient. Die Ausgestaltung eines Arbeitsverhältnisses als kurzfristige Beschäftigung ist daher zum Beispiel für arbeitslos gemeldete Personen nicht möglich, da die Beschäftigung dann zum Erhalt des Lebensunterhalts dienen würde. Zwar handelt es sich bei der kurzfristigen Beschäftigung auch um eine Form der sogenannten geringfügigen Beschäftigung, diese darf jedoch nicht mit einer geringfügigen Beschäftigung auf 450 € Basis (450 € Minijob) verwechselt werden. Im Gegensatz zu einem sogenannten Minijob, bei dem der regelmäßige monatliche Verdienst 450 € nicht übersteigen darf, besteht diese Verdienstgrenze bei einer kurzfristigen Beschäftigung nicht. Allerdings ist die Ausübung eines 450 € Jobs nicht zeitlich begrenzt, wie es hingegen bei der kurzfristigen Beschäftigung der Fall ist.

Zu beachten ist, dass mehrere kurzfristige Beschäftigungen in einem Kalenderjahr zusammengerechnet werden. Hier haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer also auch insbesondere darauf zu achten, dass die kurzfristige Beschäftigung an nicht mehr als 70 Arbeitstagen im Jahr ausgeübt wird. War ein Arbeitnehmer zum Beispiel bereits 50 Arbeitstage bei einem anderen Arbeitgeber kurzfristig beschäftigt, darf er bei dem neuen Arbeitgeber nur noch an maximal 20 Arbeitstagen beschäftigt werden, um nicht aus den Regelungen der kurzfristigen Beschäftigung herauszufallen. Das gilt natürlich auch, wenn die kurzfristige Beschäftigung bei demselben Arbeitgeber mehrmals im Jahr ausgeübt wird.

Steuer und Sozialversicherung bei kurzfristiger Beschäftigung

Bei der kurzfristigen Beschäftigung bestehen Besonderheiten hinsichtlich der für sie geltenden steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen. Das hat zur Folge, dass der Arbeitnehmer für seinen Verdienst grundsätzlich nur die Lohnsteuer abzuführen hat, bzw. wird diese von seinem Bruttoverdienst abgezogen und ist vom Arbeitgeber an das zuständige Finanzamt abzuführen. Sozialversicherungsrechtliche Abgaben hingegen, das heißt Beiträge zur

  • Arbeitslosenversicherung,
  • Krankenversicherung,
  • Rentenversicherung und
  • Pflegeversicherung

sind für das Einkommen aus der kurzfristigen Beschäftigung vom Arbeitnehmer nicht abzuführen. Das gilt auch für den Arbeitgeber. Der hat lediglich die sogenannten Umlagen U1, U2 und U3, das heißt die Umlagen für Krankheitsaufwendungen, Mutterschaftsaufwendungen und Insolvenzgeldversicherung, sowie Beiträge für die gesetzliche Unfallversicherung, zu leisten.

Urlaub im Rahmen der kurzfristigen Beschäftigung

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen ist, dass ihnen auch bei kurzfristiger Beschäftigung ein Anspruch auf bezahlten Urlaub zustehen kann. Das hängt aber entscheidend mit der Ausgestaltung der kurzfristigen Beschäftigung zusammen. Da die kurzfristige Beschäftigung nur zeitweise ausgeübt werden kann, kann auch nur ein Anspruch auf Teilurlaub entstehen. Allerdings ist zu beachten, dass ein solcher Teilanspruch nur für volle Monate des Bestehens des Arbeitsverhältnisses entstehen kann. Der Teilurlaub beträgt für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses ein Zwölftel des Jahresurlaubs.

Würde der Jahresurlaub zum Beispiel 24 Tage betragen, hätte der Arbeitnehmer bei einer auf drei Monate ausgelegten kurzfristigen Beschäftigung Anspruch auf sechs Tage Urlaub (24 Tage : 12 Monate = 2 Tage x 3 Monate = 6 Tage Urlaubsanspruch). Wer hingegen immer nur auf Tage oder wenige Wochen beschränkte Arbeitsverträge im Rahmen der kurzfristigen Beschäftigung abschließt, erwirbt keinen Urlaubsanspruch, weil Ansprüche auf Teilurlaub nur dann entstehen können, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens einen vollen Monat besteht.

Zu beachten ist, dass die bezahlten Urlaubstage auf die dreimonatige Beschäftigung bzw. die maximal 70 Beschäftigungstage im Jahr angerechnet werden.

Fazit

Eine kurzfristige Beschäftigung kann sowohl für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer attraktiv sein. Für den Arbeitgeber besteht der Vorteil, dass er in Zeiten sehr hohen Arbeitsaufkommens nur für kurze Zeit mehr Personalkosten aufwenden muss, die darüber hinaus aufgrund der steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Besonderheiten auch noch niedriger sind, als bei anderen Beschäftigungsgruppen. Der Arbeitnehmer hat den Vorteil, dass er von seinem Verdienst aus kurzfristiger Beschäftigung mehr Netto vom Brutto hat, als es bei einer hauptberuflich ausgeübten Beschäftigung der Fall ist. Denn es wird nur die Lohnsteuer abgezogen, Beiträge zur Sozialversicherung hingegen nicht und die abgeführte Lohnsteuer kann sich der Arbeitnehmer ggf. sogar noch im Rahmen des Lohnsteuerjahresausgleichs zurückholen, wenn das Einkommen unterhalb des steuerlichen Grundfreibetrags lag.

Autor: Dr. Kluge Rechtsanwälte, Fachanwälte für Arbeitsrecht aus Hannover, Tel-Nr. 0511-94000630
Foto: © H-J Paulsen - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Redaktion fachanwalt.de




Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Was darf der Arbeitgeber beim Vorstellungsgespräch nicht fragen?

Nahezu jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer durchlaufen in ihrem Berufsleben mindestens einmal die Situation eines Vorstellungsgespräches. Daher stellt sich bei Arbeitnehmern auch immer wieder die Frage danach, was denn der potentielle neue Arbeitgeber im Rahmen des Vorstellungsgesprächs überhaupt fragen darf und auf welche Fragen man ggf. auch nicht wahrheitsgemäß antworten muss, also die Frage entweder gar nicht oder sogar mit einer Lüge beantworten darf. Klassiker unter den Fragen des Arbeitgebers sind z. B. immer wieder die nach einer Schwangerschaft, einer eventuellen Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit, nach dem vorherigen Verdienst...weiter lesen

Arbeitsrecht Wann muss die Krankmeldung beim Arbeitsgeber sein?

Nahezu jeder Arbeitnehmer kennt die Situation, wenn vor der Arbeit der Wecker klingelt und man feststellen muss, dass man erkrankt ist. Sei es eine starke Erkältung, eine Grippe, plötzliche Zahnschmerzen oder gar Schlimmeres, mit dem Ergebnis, dass man nicht dazu in der Lage ist, seine Arbeit aufzunehmen bzw. eine Arbeitsaufnahme zu einer Verschlimmerung der Erkrankung oder einer Verzögerung der Genesung führen würde. Gerade wer zum ersten Mal in diese Situation gerät, fragt sich, was nun zu tun ist. Wann muss ich meinen Arbeitgeber über meine Erkrankung in Kenntnis setzen? Muss ich ggf. sogar eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (auch...weiter lesen

Arbeitsrecht Wann und wie lange ist eine Urlaubsperre erlaubt?

Für jeden Arbeitnehmer stellt sich jedes Jahr erneut die Frage nach der Urlaubsplanung. Immerhin soll diese Zeit bei vielen in der Sonne, am Strand, beim Skifahren in den Bergen oder auch beim Wandern und insbesondere mit der Familie verbracht werden. Gerade für Familien mit schulpflichtigen Kindern stellt die Urlaubsplanung, insbesondere in den langen Sommerferien, immer wieder eine Herausforderung dar. Umso ärgerlicher ist es dann, wenn vom Arbeitgeber für diese Zeiten eine Urlaubssperre verhängt wird. Hier stellt sich dann die Frage, ob der Arbeitgeber eine Urlaubssperre verhängen kann. Und was ist, wenn dem Arbeitnehmer für diese Zeit...weiter lesen

Arbeitsrecht Abmahnung wegen ständigem Zuspätkommen: Vorlage/Muster

Viele Arbeitgeber ärgern sich, wenn ihre Arbeitnehmer zu spät kommen. Doch wann dürfen sie eine Abmahnung oder sogar Kündigung aussprechen? Worauf müssen sie bei einer Abmahnung achten? Arbeitgeber brauchen es nicht klaglos hinzunehmen, wenn Arbeitnehmer zu spät an ihrem Arbeitsplatz erscheinen. Denn sie verstoßen gegen ihre Pflichten aus dem Arbeitsvertrag, wenn sie nicht rechtzeitig zum Beginn der Arbeitszeit da sind. Handelt es sich um einmaligen Vorfall, brauchen Arbeitnehmer gewöhnlich noch nichts befürchten. Anders sieht es jedoch dann aus, wenn dies mehrfach vorkommt. Der Arbeitgeber ist hier unter Umständen zum Ausspruch...weiter lesen

Ihre Spezialisten