Familienrecht

Umgangsrecht - Wie oft darf ich mein Kind besuchen?

02.03.2015
Redaktion fachanwalt.de

Eine Ehescheidung oder Trennung hat keine Auswirkung auf das Sorgerecht und Umgangsrecht der gemeinsamen Kinder. Nach § 1684 BGB steht dem, das Kind nicht betreuenden Elternteil, das Recht zum persönlichen Umgang zu. Fraglich ist jedoch, wie dieser Umgang ausgestaltet ist, vor allem wie oft das Kind besucht werden darf?

Wille der Eltern entscheidend

In der Regel richtet sich eine Umgangsregelung nach dem Willen der beiden Elternteile. Wichtig dabei ist, dass diese Regelung sich nicht ausschließlich nach der Auffassung des sorgeberechtigten Elternteils richtet, sondern es eine gemeinsame Umgangsregelung ist. Insofern sind primär die Interessen des Kindes zu berücksichtigen. Zwischenmenschliche Streitigkeiten der Eltern sind bei der Frage zu vernachlässigen. Bei der Einigung ist anzumerken, dass jedes Kind für eine ungestörte, ausgeglichene Entwicklung beide Elternteile braucht. Daher sollte darauf geachtet werden, dass die Regelung sicherstellt, dass die Kinder zu beiden Elternteilen einen regelmäßigen Kontakt haben. Vor allem unter dem Hintergrund, dass das Kind nicht mehr in einem gemeinsamen Haushalt  lebt, sollte ein vernünftiges Umgangsrecht vereinbart werden. Dazu gehören eine Regelungen während der Ferienzeit und am Wochenende.

Fehlende Einigung – Gericht entscheidet 

Sofern es zwischen den Geschiedenen nicht zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, entscheidet das zuständige Familiengericht über das Umgangsrecht. Diese Entscheidung ergeht entweder von Amts wegen oder aufgrund eines Antrages des Elternteils. Nach § 623 Abs. 3 ist dabei immer das Kindeswohl zu beachten. Es muss sichergestellt werden, dass die Regelung für das Kind förderlich und dienlich ist.

„Folgesachen sind auch rechtzeitig eingeleitete Verfahren betreffend die Übertragung der elterlichen Sorge oder eines Teils der elterlichen Sorge wegen Gefährdung des Kindeswohls auf einen Elternteil, einen Vormund oder einen Pfleger. Das Gericht kann anordnen, dass ein Verfahren nach Satz 1 von der Scheidungssache abgetrennt wird. Absatz 2 Satz 3 gilt entsprechend.“

Das Gericht hat insofern eine umfassende Abwägung vorzunehmen. Es muss dabei sämtliche vorgebrachten Aspekte der Parteien würdigen und ausschließlich eine Entscheidung zugunsten des Kindes treffen. Liegt eine Entscheidung vor, so ist diese für die Parteien verbindlich. In der Entscheidung ist auch eine Antwort auf die Frage, wie oft darf ich mein Kind besuchen, zu finden.

Was tun, wenn Umgangsrecht verweigert wird?

Wenn eine gemeinsame Einigung oder gar eine richterliche Entscheidung vorliegt, dann ist diese für beide Elternteile bindend. Leider kommt es häufig vor, dass dem einen Elternteil ein Umgang verboten wird, obwohl die Person ein Umgangsrecht besitzt. Dieses Verhalten stellt einen Verstoß gegen die elterlichen Pflichten nach § 1684 Abs. 2 BGB dar.

„Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Entsprechendes gilt, wenn sich das Kind in der Obhut einer anderen Person befindet.“

Liegt ein Verstoß vor, kann dies weitreichende Konsequenzen haben. So macht sich die Person unter anderem schadensersatzpflichtig. Hat beispielshalber der Umgangsberechtige die Reise zum Kind angetreten und wird anschließend der Umgang zum Kind verwehrt, müssen die Aufwendungen vollständig ersetzt werden.

Sofern es häufiger zu einem Verstoß nach § 1684 Abs. 2 BGB kommt, kann das Familiengericht eine Umgangspflegschaft anordnen. Die Umgangspflegschaft umfasst nach § 1684 Abs. 3 BGB das Recht, die Herausgabe des Kindes zur Durchführung des Umgangs zu verlangen und für die Dauer des Umgangs dessen Aufenthalt zu bestimmen. So wird sichergestellt, dass das Umgangsrecht eingehalten wird.

Quelle: Rechtsanwalt Gramm - Fachanwalt.de

Symbolgrafik: © M. Schuppich - Fotolia.com

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