Kündigungsfrist nach Betriebszugehörigkeit – welche Frist gilt nach 3, 5, 10, 20 oder 25 Jahren im Betrieb??

Von fachanwalt.de-Redaktion, letzte Bearbeitung am: 21. Juli 2022

Für eine wirksame Kündigung muss u.a. auch die geltende Kündigungsfrist eingehalten werden. Diese kann sich aus dem Arbeitsvertrag, dem Tarifvertrag oder aus dem Gesetz ergeben. Die vom Arbeitgeber einzuhaltende Kündigungsfrist richtet sich dabei auch nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit des Arbeitnehmers. Je länger also ein Mitarbeiter schon im Unternehmen ist, umso länger ist die Kündigungsfrist, die der Arbeitgeber einzuhalten hat. Im Folgenden erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema Kündigungsfrist und Betriebszugehörigkeit.

Wie ändert sich die gesetzliche Kündigungsfrist für Arbeitgeber und Arbeitgeber mit der Betriebszugehörigkeit? 

Kündigungsfrist nach Betriebszugehörigkeit  (© rosifan19 - stock.adobe.com)
Kündigungsfrist nach Betriebszugehörigkeit (© rosifan19 - stock.adobe.com)
Wenn Arbeitnehmer kündigen, gilt der gesetzliche Standard. Arbeitnehmer können somit mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats kündigen. Arbeitnehmern soll es so ermöglicht werden, auch eine neue Arbeitsstelle möglichst zeitnah aufnehmen zu können, ohne durch ausgedehnte Kündigungsfristen unnötig lange an die alte Arbeitsstelle gebunden zu sein.

Möchten hingegen Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis beenden, können längere Kündigungsfristen gelten. Und diese verlängern sich umso mehr, je länger der betreffende Arbeitnehmer bereits im Unternehmen tätig ist. Kündigungsfristen können also von Arbeitnehmer zu Arbeitnehmer unterschiedlich ausfallen, wenn es um die Kündigung seitens des Arbeitgebers geht.

Dabei gilt jedoch: Entscheidend ist nicht das Alter des Arbeitnehmers. Vielmehr kommt es auf die Dauer seiner Betriebszugehörigkeit an, also, wie lange er bereits im jeweiligen Unternehmen beschäftigt ist.

Das Bundesarbeitsgericht hat bereits im Jahr 2014 entschieden, dass diese Staffelung der Kündigungsfristen bei Kündigungen seitens des Arbeitgebers nicht diskriminierend ist. Es kann darin zwar eine mittelbare Benachteiligung jüngerer Arbeitnehmer gesehen werden, jedoch wird diese dadurch gerechtfertigt, dass treue und dem Unternehmen bereits seit vielen Jahren zugehörige Mitarbeiter – die dann eben auch typischerweise älter sind – in den Genuss eines besseren Kündigungsschutzes kommen. Länger beschäftigten und betriebstreuen Mitarbeitern einen verbesserten Kündigungsschutz zu gewähren, wird durch das Gericht als rechtmäßiges Ziel angesehen. Eine mittelbare Altersdiskriminierung liegt somit nicht vor.

Bei einer Betriebszugehörigkeit von 7 Monaten bis 2 Jahre gilt auch für den Arbeitgeber zunächst die übliche Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats. Ab einer Betriebszugehörigkeit von zwei Jahren im gleichen Unternehmen profitiert man als Arbeitnehmer jedoch bereits von einer längeren Kündigungsfrist des Arbeitgebers (1 Monat zum Ende des Monats). Geregelt ist dies in § 622 BGB.

Insgesamt sieht das Gesetz sieben Stufen vor, in denen sich die Kündigungsfrist immer weiter verlängert, je länger der Arbeitnehmer schon im Unternehmen ist.

Fachanwalt.de-Tipp: Die Probezeit bildet eine Ausnahme. Gem. § 622 Absatz 3 BGB kann während einer Probezeit, die vereinbart wurde, das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von 2 Wochen zu jedem Tag gekündigt werden. Das gilt sowohl für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber. Die Probezeit darf eine Dauer von sechs Monaten nicht überschreiten. 

Dauer der Betriebszugehörigkeit berechnen

Was steht im Arbeitsvertrag? (© peterschreiber.media - stock.adobe.com)
Was steht im Arbeitsvertrag? (© peterschreiber.media - stock.adobe.com)
Um die Dauer der Betriebszugehörigkeit eines Mitarbeiters zu berechnen, kommt es vor allem auf das Datum der Einstellung und das Datum der Beendigung des Arbeitsverhältnisses an.

Es bestehen aber auch verschiedene Möglichkeiten, bestimmte Zeiten noch hinzu zu addieren. Wurde zum Beispiel in einem Unternehmen die Ausbildung gemacht und man wurde anschließend übernommen, wird auch die Ausbildungszeit zur Betriebszugehörigkeit hinzugerechnet. Dasselbe gilt im Falle eines bezahlten Praktikums mit anschließender Übernahme – soweit der Praktikant einem normalen Arbeitnehmer gleichzusetzen ist.

Kündigungsfristen im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag

Es gibt sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber drei Möglichkeiten, welche Kündigungsfristen für das Arbeitsverhältnis gelten können:

Sowohl für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer gibt der Arbeitsvertrag Aufschluss darüber, welche Kündigungsfrist jeweils einzuhalten ist. Oftmals wird im Arbeitsvertrag auf die gesetzlichen Regelungen verwiesen. Es können aber auch individuelle Regelungen zur Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag getroffen werden. Meist sieht der Arbeitsvertrag eine längere Kündigungsfrist als die gesetzliche vor. Nicht erlaubt ist es, dass die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer länger ist als für den Arbeitgeber. Und auch im Arbeitsvertrag ist es nicht unüblich, dass auf eine dynamische Verlängerung der Kündigungsfrist zurückgegriffen wird und man sich dabei an der Dauer der Betriebszugehörigkeit orientiert. Ebenfalls nicht erlaubt ist es, die gesetzlichen Kündigungsfristen zum Nachteil des Arbeitnehmers zu verkürzen – nur in wenigen Ausnahmefällen wäre dies zulässig, nämlich in Kleinbetrieben mit höchstens 20 Mitarbeitern oder wenn es sich um Aushilfen handelt, die nur bis zu 3 Monate beschäftigt sind, § 622 Absatz 5 BGB.

  • Tarifvertrag

Durch einen Tarifvertrag lassen sich die gesetzlichen Kündigungsfristen sowohl verlängern als auch verkürzen. Sollte es der Fall sein, dass sich Tarifvertrag und Arbeitsvertrag widersprechen, findet gem. § 4 Absatz 3 TVG die für den Arbeitnehmer günstigere Regelung Anwendung (sogenanntes Günstigkeitsprinzip). Voraussetzung ist, dass eine beiderseitige Tarifbindung vorliegt.

  • Gesetzliche Kündigungsfrist

Finden sich im Arbeitsvertrag keine eigenen Regelungen zu den Kündigungsfristen oder wird im Arbeitsvertrag auf die gesetzliche Kündigungsfrist verwiesen, findet § 622 BGB Anwendung. Gem. § 622 Absatz 1 BGB beträgt die Kündigungsfrist dann vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Diese Frist findet immer Anwendung, wenn es sich um eine Kündigung seitens des Arbeitnehmers handelt.

Fachanwalt.de-Tipp: Die in § 622 BGB genannten vier Wochen sind nicht mit einem Monat gleichzusetzen, sondern entsprechen genau 28 Tagen.

Übersicht: Kündigungsfristen nach Jahren der Betriebszugehörigkeit

Seitens des Arbeitgebers sind folgende gestaffelten Kündigungsfristen je nach Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter einzuhalten:

Dauer der Betriebszugehörigkeit

Kündigungsfrist

Unter 2 Jahre

4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende

Nach 2 Jahren

Ein Monat zum Monatsende

Nach 5 Jahren

2 Monate zum Monatsende

Nach 8 Jahren

3 Monate zum Monatsende

Nach 10 Jahren

4 Monate zum Monatsende

Nach 12 Jahren

5 Monate zum Monatsende

Nach 15 Jahren

6 Monate zum Monatsende

Nach 20 Jahren

7 Monate zum Monatsende

 

Wie kann ein Fachanwalt für Arbeitsrecht weiterhelfen?

Ist die Kündigung rechtens?  (© Gina Sanders - stock.adobe.com)
Ist die Kündigung rechtens? (© Gina Sanders - stock.adobe.com)
Die Berechnung der Kündigungsfrist muss korrekt erfolgen, damit die Kündigung wirksam ist. Wer hier sichergehen will, dass ihm fristgerecht gekündigt wurde, kann die Kündigung durch einen Rechtsanwalt überprüfen lassen. Hier finden Sie einen Fachanwalt für Arbeitsrecht in Ihrer Nähe.

Ebenso kann ein Anwalt die Erfolgsaussichten einer Kündigungsschutzklage prüfen, sollte man gegen eine Kündigung vorgehen wollen. Wer eine Kündigung erhalten hat, sollte sich zeitnah an einen Anwalt wenden. Denn wird nicht rechtzeitig innerhalb der dreiwöchigen Klagefrist Klage vor dem Arbeitsgericht erhoben, gilt die Kündigung als wirksam und das Arbeitsverhältnis als beendet.

Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann aber ebenso Arbeitgeber dahingehend beraten, eine wirksame Kündigung zu verfassen, bei der die Dauer der Betriebszugehörigkeit des zu kündigenden Arbeitnehmers exakt ermittelt und auch die korrekte Kündigungsfrist berechnet wurde. So lässt sich rechtssicher kündigen und mögliche Angriffspunkte seitens des Arbeitnehmers lassen sich vermeiden.




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