Musik am Arbeitsplatz - Wissenswertes zu Rechtslage, Wirkung sowie Vor- und Nachteilen mit Beispielen

Von fachanwalt.de-Redaktion, letzte Aktualisierung am: 15. März 2021

„Mit Musik geht alles besser“, das ist eine gängige Meinung und wahrscheinlich stimmt das auch in vielen Bereichen. Ob dies auch am Arbeitsplatz gilt, kann man unterschiedlicher Auffassung sein. Neben der Art der Tätigkeit und Aufgabe sind auch die Geschmäcker verschieden. Entscheidend ist was mehr zutrifft: Geht mit Musik tatsächlich alles besser oder stört sie die eigene und die Konzentration der anderen? Was sagt der Chef dazu und wie ist die rechtliche Lage. Alles was Sie über Musik am Arbeitsplatz wissen sollten.

Musik am Arbeitsplatz – rechtliche Situation

Musik am Arbeitsplatz (© contrastwerkstatt – stock.adobe.com)
Musik am Arbeitsplatz (© contrastwerkstatt – stock.adobe.com)
Es obliegt dem Arbeitgeber zu entscheiden, ob er Musik im Einzelfall und konkreten Arbeitsbereich erlaubt oder untersagt. Er kann allerdings kein generelles Verbot im ganzen Betrieb aussprechen, so das Bundesarbeitsgericht in einem Beschluss aus dem Jahre 1986 (14. Januar 1986, 1 ABR 75/83).

Im Vordergrund jeder Entscheidung wird der Störfaktor stehen. Ob andere Arbeitnehmer*innen oder Kunden / Kundinnen: Wenn durch den Musikgenuss eine Störung im Arbeitsablauf zur befürchten ist, andere Signale (bspw. das Klingeln des Telefons) untergehen, die Gefahr der Ablenkung zu hoch ist, hat der Arbeitgeber das Recht gegen die Berieselung aus den Lautsprechern sein Veto einzulegen (Direktionsrecht).

Hat der Betriebsrat ein Mitspracherecht?

Das ergibt sich aus § 87, Abs. 1, Nr. 1 BetrVG). Der Betriebsrat ist für Fragen der betrieblichen Ordnung zuständig und damit in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Es ist üblich die Regelung für Musik am Arbeitsplatz in einer Betriebsvereinbarung festzuhalten.

Sind Kopfhörer erlaubt?

Kopfhörer vermindern zwar, dass das Umfeld, oft unfreiwillig, den Musikgeschmack eines Arbeitnehmers akzeptieren muss, sie verhindern aber nicht die Ablenkung. Solange der Arbeitnehmer seinen Auftrag ordnungsgemäß und sorgfältig erfüllt, besteht für den Arbeitgeber kaum eine Handhabe dagegen vorzugehen. Haarig wird die Situation dann, wenn Fehler passieren, Schäden entstehen und der Arbeitgeber als Grund die Ablenkung durch Musik am Arbeitsplatz ins Treffen führt. Das kann arbeitsrechtliche Folgen für den Mitarbeiter haben (Abmahnung und Kündigung).

GEMA und Rundfunkgebühren – wie ist die Situation für Musik am Arbeitsplatz?

Rundfunkgebühren (© DOC RABE Media – stock.adobe.com)
Rundfunkgebühren (© DOC RABE Media – stock.adobe.com)
Die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) kommt nur dann in Betracht, wenn die Musik in öffentlich zugänglichen Räumen gespielt wird. Das trifft auf Büroräume eher nicht zu. Ausgenommen sind Veranstaltungen (Präsentationen, Feiern, etc.) zu denen auch Gäste geladen sind. Damit ist eine gewisse Teilöffentlichkeit gegeben und das kann dann ein Fall für die GEMA sein, bei der die Veranstaltung gemeldet werden muss.

Werden Radiogeräte am Arbeitsplatz betrieben, dann sind dafür Rundfunkgebühren zu bezahlen. Falls der Arbeitgeber eine generelle Erlaubnis für den Betrieb von Radios ausgesprochen hat, muss er auch die Gebühr dafür entrichten. Diese ist seit 2013 eine Lizenzgebühr, die sich nach der Anzahl der Beschäftigten richtet.

Wirkung von Musik auf die Konzentration und Produktivität

Unbestritten ist, dass sich Musik auf die Konzentration, Kreativität und Produktivität auswirken kann. Es hängt in jedem Fall von der Art der Beschäftigung ab, die die Klänge bestimmt. Ob laut, leise, als Hintergrundmusik, sie kann unsere Arbeitsweise beeinflussen.

Positive Aspekte können sein:

  • wirkt entspannend und stressreduzierend
  • kann Glücksempfinden auslösen
  • wirkt auf der emotionalen Ebene
  • hält uns bei Laune und fördert die Ausdauer
  • in manchen Fällen wirkt sie sogar schmerzlindernd
  • Musik bei der Arbeit (© ty – stock.adobe.com)
    Musik bei der Arbeit (© ty – stock.adobe.com)
    blendet manchmal störende Hintergrundgeräusche aus (Baustellenlärm, Verkehr)
  • fördert das räumliche Vorstellungsvermögen
  • fördert das Lernverhalten, weil Assoziationen leichter gebildet werden
  • lässt die Zeit schneller vergehen
  • beugt Müdigkeit vor
  • steigert die Motivation, wenn mal nicht die Sonne scheint

So viele Punkte dafürsprechen, gibt es doch auch einige Beispiele für die nachteilige Wirkung von Musik am Arbeitsplatz:

  • Wechselnde Lautstärken  und Rhythmen lenken ab, können sogar Aggressionen auslösen, die Konzentration sinkt.
  • Geschmäcker sind verschieden, es kann zu Diskussionen kommen, welche Art von Musik gespielt werden soll, wenn mehrere Kollegen sich ein Büro teilen.
  • der Musikuntermalung lenken von der Arbeit ab, richten den Fokus auf den Inhalt.

Welche Musik hat die beste Wirkung

Die Frage beschäftigt seit langem viele Forscher und Wissenschaftler. Als klarer Favorit geht klassische und / oder instrumentale Musik ins Rennen. Wiederum abhängig von der Arbeit, und mit Sicherheit auch vom Alter der Arbeitnehmer sind Popsongs, Sommerschlager und generell alle Lieder, die für gute Laune sorgen, sehr beliebt. Die Ablenkung wird erst in den Fällen spürbar, in denen sich die Zuhörer zu stark auf den Text konzentrieren müssen.

Menschen empfinden unterschiedlich und so nehmen sie auch Musik wahr. Was für den einen störend ist, kann für den anderen ungeahnte Kreativitätsschübe bewirken. Musik löst emotionale Reaktionen aus, die sich dann auch körperlich manifestieren können. Da reicht die Palette von leisem Genuss sanfter Melodien bis zu ekstatischen Bewegungen, die hämmerndem Rock folgen. Es ist eine Frage der Einstellungen und Rahmenbedingungen.

Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Musik mit 56 bis 64 Schlägen pro Minute, Menschen schnell in einen Entspannungszustand führt, da diese Frequenz mit dem Herzschlag übereinstimmt. Deshalb wird Musik mit dieser Frequenz auch beim tiefenentspannten Lernen eingesetzt. Klassische Musik, die der Frequenz 60 Hertz entspricht, kann gut bei mathematischen Aufgaben unterstützen, schnellere Pop-Musik eher, wenn schnelles und genaues Arbeiten gefordert ist.

Quellen für Musik

Musikquellen (© mangpor2004 – stock.adobe.com)
Musikquellen (© mangpor2004 – stock.adobe.com)
Wenn das Rundfunkgerät nicht in Frage kommt, so ist das Internet eine schier unerschöpfliche Quelle für Musikgenuss jedweder Art. Auf Spotify oder YouTube kann man sich eigene Playlists zusammenstellen, die abhängig von Aufgabe und Tageszeit abgespielt werden können. Ob Meeresrauschen oder die Geräuschkulisse eines klassischen Kaffeehauses: die meisten Anbieter werben mit der Möglichkeit auf „Millionen von Songs“ zuzugreifen.

Weiter Beispiele von Quellen:

  • Focus at will: Personalisierte Musik zum Stressabbau und Förderung der Konzentration
  • Noisili: Perfekte Klangumgebung zum Arbeiten und Entspannen
  • Hintergrundgeräusche von typischen Kaffeehäusern, helfen die Kreativität zu steigern
  • Get work done musik

Zusammenhang zwischen Musik und Arbeit

Neben den persönlichen Vorlieben bestimmt auch die Arbeit die Musik, die wir dazu hören, denn nicht jede Musik eignet sich für jede Aufgabe.

Monotone Tätigkeiten

Sie werden meist mit viel Routine erledigt, weil sich die Muster weitgehend gleichen. Ob Datenerfassung oder händische Verpackung von Kleinteilen, das Sortieren im Lager: Obwohl oft körperlich wenig anstrengend sind diese Tätigkeiten ermüdend, denn sowohl Körper als auch Geist sind kaum gefordert. Aus diesem Dilemma kann dynamische, abwechslungsreiche Musik führen.

Ob Rock, Popmusik oder Rap, das Tempo der Musik steigert auch das eigene Arbeitstempo. Balladen und langsame Stücke bewirken eher das Gegenteil. Letzteres fatal für jene, die eine ganze Nacht als Sicherheitsdienst in einen Monitor starren müssen. Da ist Einschlafen eine wenig gefragte Alternative.

Studien zufolge (Theresia Lesiuk, 1973), ist Musik bei der Arbeit immer hilfreich, wenn die Aufgabe klar umrissen ist und weitestgehend mit Routine erledigt wird.

Komplexe Arbeiten

Wenn die Tätigkeit hohe Konzentration und Genauigkeit erfordert, dann sollten Stücke mit Gesang und Text, der zum Mitsingen animiert, vermieden werden. Sie erschweren eindeutig die Konzentration. Besser geeignet sind Naturgeräusche wie Meeresrauschen, Vogelgezwitscher, Regen. Klassische- und Instrumentalmusik mit passender Lautstärke sind gute Alternativen.

Körperliche Arbeiten

Das Max-Planck-Institut hat in Studien nachgewiesen, dass man körperliche Anstrengung besser meistert, wenn dabei Musik läuft. Anscheinend verbrauchen die Muskeln weniger Energie für die gleiche Leistung, wenn das Gehirn bei kraftraubender Tätigkeit mit Musik beschäftigt ist. Sozusagen musikalisches Doping, weil die Effektivität gesteigert wird.

Was die Wissenschaft herausgefunden hat

In einer Studie (2015) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie wurde das Musikhörverhalten in Verbindung mit dem subjektiven Befinden erhoben. Durch die Feststellung des Cortisol-Wertes war nachzuweisen, dass Stress nicht allein durch die gehörte Musik reduziert wird, sondern vor allem wegen der Gründe des Musikhören.

Wissenschaft (© metamorworks – stock.adobe.com)
Wissenschaft (© metamorworks – stock.adobe.com)
Die Studie brachte das Ergebnis, dass es zu einer Stressreduktion kam, wenn Musik gehört wurde, um sich zu entspannen. Vor allem am späten Nachmittag und gegen den frühen Abend war dieser Effekt zu beobachten. Es gab scheinbar keinen Kontext zur Art der Musik. Der Effekt trat ein, unabhängig davon, ob es fröhliche, beruhigende oder aktivierende Rhythmen waren, die aus den Lautsprechern perlten.

Anders das Ergebnis, wenn kein besonderer Grund für das Hören vorlag. War die Musik beruhigend, sank im Anschluss auch der Alpha-Amylase-Wert im Speichel, ein weiterer Marker neben Cortisol, für Stress.

Insgesamt kam der Studienleiter (Prof. Dr. Nater) zum Ergebnis, dass in stressigen Zeiten das Hören von Musik eher keine entspannende Wirkung entfaltete. In solchen Zeiten wurde aber auch deutlich weniger Musik gespielt. Eine messbare Stressreduktion erfolgte nur, wenn die Personen sich gezielt mit Musik entspannen wollten.

Regelwerk

Um Konflikte zu vermeiden kann es eine gute Strategie sein, ein Regelwerk für Musik am Arbeitsplatz zu entwickeln. Falls es einen gibt, ist jedenfalls der Betriebsrat dazu einzuladen. Er hat ein gesetzlich begründetes Mitspracherecht, wenn es um Themen betrieblicher Ordnung geht (§ 87, Abs. 1, Nr. 1 BetrVG). Diese Punkte können in einem solchen Regelwerk enthalten sein:

  • Zustimmung der Kollegen und Kolleginnen erfragen: Generelles Einverständnis mit Musik, Art der Musik, die bevorzugt wird.
  • Welche Lautstärke kommt an: Die Erfahrung zeigt, dass Hintergrundmusik am besten zu sein scheint. Sie wirkt sich sehr gut auf das Konzentrationsvermögen aus.
  • Falls keine Zustimmung zu erreichen ist, sind Kopfhörer eine Alternative. Wobei auch hier zu beachten ist, dass alle Informationen aus dem Umfeld dennoch aufgenommen werden und eine Ansprache weiterhin möglich ist.

Definierte, vereinbarte Verhaltensregeln im Vorfeld erhöhen die positive Wirkung. Empfehlenswert ist, dass Bereiche definiert werden, in denen es keine Beschallung gibt. Das sind mit Sicherheit die Büros mit Kundenverkehr, Seminar- und Schulungsräume, betriebseigene Speiseräume, etc.

Beispiele

Finden Sie hier eine Auflistung von Fragen und Antworten zum Thema:

  • Ich arbeite in einem großen Warenlager. Darf ich während der Arbeit mit Kopfhörern Musik hören?
    • Im Zweifelsfall nein. Das leitet sich aus § 16 Abs. 2 DGUV-Vorschrift 68 – Flurförderfahrzeuge ab. Personen haben auf den gesamten Flurförderverkehr zu achten und dafür zu sorgen, dass ihre optische und akustische Wahrnehmung nicht eingeschränkt ist. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ist zu überprüfen, ob das Tragen von Kopfhörern, um Musik zu hören, eine derartige Einschränkung mit sich bringen kann. Im zutreffenden Fall ist der Gebrauch zu untersagen.
  • Ich arbeite in einem Kaufhaus. In dem Betrieb wird aus Gründen der Verkaufsförderung permanent Musik gespielt, die mir nicht gefällt und störend wirkt. Kann ich mich dagegen wehren?
    • Da bestehen wenig Chancen, da es Teil der Unternehmensstrategie ist und generell den Umsatz fördern soll.
  • Ich arbeite in einem Büro mit neun Kollegen. Mitten im Raum steht ein Radio aus dem den ganzen Tag, für mich zu laut, Musik schallt. Was kann ich dagegen tun?
    • Seitens des Arbeitgebers kann ein Verbot nur kommen, wenn durch das Radio die Leistung eingeschränkt ist oder nachweislich Fehler gemacht werden, die damit in Zusammenhang stehen. Es besteht allerdings die Möglichkeit der Intervention über den Betriebsrat.

Zusammenfassung und Fazit

Die Arbeitswissenschaftler sind sich uneins. Während einige behaupten, dass Mozart und Co. für die Konzentration und Leistungssteigerung insgesamt verantwortlich sind, harte Gitarrenriffs ungekannte Kräfte mobilisieren, behaupten andere wiederum das genaue Gegenteil.

1993 hat Francis Rauscher im Wissenschaftsmagazin „Nature“ einen Artikel veröffentlicht, der einen positiven Zusammenhang zwischen verbesserter Konzentrationsfähigkeit und Mozarts Musik nachweisen sollte. Der sogenannte „Mozart-Effekt“ war in die Welt gekommen. Jahre später widerlegten Wiener Forscher die Erkenntnisse von Rauscher. Sie meinten es gäbe keine Auswirkung.

Befürworter von Rauscher hingegen forschten weiter und erkannten, dass neben Mozart, auch die Musik von Schubert und Bach ähnliche Wirkung auf Leistung und Konzentrationsfähigkeit haben soll.

Die verlässlichste Quelle wird wohl das eigene Erleben und Erspüren sein: Menschen werden selbst gut in der Lage sein, zu erkennen welche Musik positive Wirkung auf Leistung und Wohlbefinden hat.

Fachanwalt.de-Tipp: Als Arbeitgeber können Sie Musik am Arbeitsplatz nicht generell verbieten. Erst wenn sie nachweisbar die Leistung und Arbeit beeinträchtigt können Sie Kraft Ihres Direktionsrechts eine Entscheidung treffen. Ein Verbot ist auch möglich, wenn sich Kunden oder andere Mitarbeiter gestört fühlen. Wenn es seit längerer Zeit eine generelle, wenn auch unausgesprochene Erlaubnis für Musik am Arbeitsplatz gab, dann ist diese nicht so einfach zu widerrufen. Es kann „betriebliche Übung“ eingewandt werden.



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