Schichtarbeit & Nachtarbeit – Definition, gesetzliche Regelung und Modelle aus der Praxis leicht erklärt

Schichtarbeit und Nachtarbeit sind im Arbeitsleben unverzichtbar geworden. Neben klassischen Berufen wie Krankenpflege, Polizei, Notdienste, der Industrie, sind eine Menge neuer Berufsmodelle mit hoher Anforderung an die zeitliche Flexibilität entstanden. Ob Call-Center, Handel oder Dienstleistung: Nachtarbeit / Schichtarbeit sind unverzichtbare Teile flexibler Arbeitszeitgestaltung. Regeln, Ansprüche, Formen und Modelle, zusammengefasst in diesem Artikel.

Definition: Schichtarbeit und Nachtarbeit

Dienstplan: Schichtarbeit (© andyller / fotolia.com)
Dienstplan: Schichtarbeit (© andyller / fotolia.com)
Nacht- und Schichtarbeitsmodelle verlängern die tägliche Betriebszeit, da Arbeitsplätze zu unterschiedlichen Zeiten mehrfach besetzt werden. Um allen Anforderungen gerecht zu werden, sind eine Anzahl von unterschiedlichen Systemen geschaffen worden:

  • Wechselschicht-Systeme (festgelegte, wechselnde Zeiten)
  • Dauernachtschicht
  • Systeme mit oder ohne Nachtschicht
  • Kontinuierliche Systeme mit Nacht- und Wochenendarbeit
  • Diskontinuierliche Systeme ohne Nacht- oder Wochenendarbeit

Nicht unter den Begriff Schichtarbeit fallen die „flexiblen Arbeitszeitsysteme“ wie Gleitzeit, Abrufarbeit, Zeitkonten-Systeme, Kurzzeit und dgl. mehr.

Regelungen zur Schicht- und Nachtarbeit im Arbeitsrecht

Das Arbeitsrecht ist ein Regelwerk, dass die Gesundheit von Arbeitgebern im Fokus hat. Andauernde Nachtarbeit / Schichtarbeit, ein Arbeitsleben gegen die innere Uhr, kann auf Dauer gesundheitsschädlich sein. Deshalb sind besonders bei Schichtmodellen, die Regelungen und Gesetzesvorgaben streng. Die wichtigsten gesetzlichen Regeln, für die beiden Arbeitszeitmodelle, finden sich vor allem im Arbeitszeitgesetz (ArbG), im Mutterschutzgesetz (MuSchG) und dem Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). In allen Gesetzesstellen wird man den Begriff „Schichtarbeit“ vermissen, denn diese ist in keinem Gesetz definiert, unterliegt aber dem Regelwerk des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) und findet sich in der EU-Richtlinie 93/104/EG wieder.

Arbeitszeit bei Nachtarbeit / Schichtarbeit

Das Arbeitszeitgesetz definiert im §2 Abs.1 die Arbeitszeit als jene Zeit, vom Beginn bis zum Ende der Arbeit, abzüglich der Pausen. Für Nacht- und Schichtarbeit sind zwei Begrifflichkeiten von Bedeutung:

  • Nachtzeit, ist die Zeit von 23:00 bis 06:00 Uhr (§2 Abs.3 ArbZG).
  • Nachtarbeit, verrichtet ein Arbeitnehmer, wenn er innerhalb der Nachtzeit mindestens zwei Stunden arbeitet (§2 Abs. 4 ArbZG).

Die gesetzlichen Regelungen für Nachtarbeiter gelten, wenn ein Arbeitnehmer regelmäßig in Wechselschicht oder an mindestens 48 Tagen im Jahr, mindestens zwei Stunden Nachtarbeit verrichtet (§2 Abs. 5 ArbZG). Alle sonstigen Regelungen des ArbZG bleiben ebenso für Nachtarbeiter aufrecht:

  • keine Überschreitung der täglichen Arbeitszeit (8 Stunden)
  • im Ausnahmefall bis zu 10 Stunden (Durchschnitt muss im Zeitraum von 4 Wochen wieder erreicht werden)

Wer darf keine Nachtarbeit leisten?

Nachtarbeit (© Reinald Döring / fotolia.com)
Nachtarbeit (© Reinald Döring / fotolia.com)
Die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und des Mutterschutzgesetzes schließen die Nachtarbeit aus:

  • für werdende und stillende Mütter im Zeitraum von 20:00 bis 06:00 Uhr (MuSchG)
  • für Jugendliche (14 bis 18 Jahre) im Zeitraum 20:00 bis 06:00 Uhr (JArbSchG)

Ab 1.1.2018 gibt es für werdenden Mütter die Möglichkeit auf eigenen Wunsch bis 22 Uhr zu arbeiten, wenn keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Für Jugendliche gelten in vielen Branchen Ausnahmen, wenn sie das 16. Lebensjahr erreicht haben.

Anspruch auf Nachtzuschlag bzw. Schichtzulage

Für die Besonderheiten dieser Arbeitszeitmodelle stehen den Arbeitnehmern zusätzliche Vergütungen in Form von Zulagen und Zuschlägen zu:

  • Schichtzulage wird dem vereinbarten Grundlohn / Grundentgelt angerechnet. Die Höhe der Schichtzulage ist im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung geregelt.
  • Nachtzuschläge sind im Arbeitszeitgesetz geregelt. Für den Arbeitgeber besteht die Pflicht die Nachtarbeit auszugleichen.
  • Nachtarbeit kann in Form eines angemessenen Freizeitausgleichs abgegolten werden (in den meisten Fällen ist dies in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag geregelt) oder in Form eines Zuschlags, der – abhängig von der Uhrzeit – im Ausmaß 25 und 40 Prozent des Stundenlohnes (Brutto), dem Arbeitslohn zugerechnet wird.
  • Jede regelmäßige, mehr als 2-stündige Arbeit, die zwischen 23:00 und 06:00 Uhr ausgeübt wird, begründet den Anspruch auf Nachtzuschlag (in Bäckereien beträgt der Zeitraum 22:00 bis 05:00 Uhr).

Formen und Modelle der Schichtarbeit

Die vom Markt und der Wirtschaft geforderte Flexibilität von Betrieben und Arbeitgebern, führt naturgemäß zu einer breiten Palette an möglichen Schichtmodellen. Abhängig von Faktoren wie:

  • notwendige Betriebszeiten,
  • Anzahl der benötigten Personen mit den entsprechenden fachlichen Kompetenzen,
  • generellen Bestimmungen des Arbeitszeitgesetzes

wird die individuelle Ausgestaltung des Schichtmodells erfolgen. Hinzu kommt, dass der Schichtplan sozial- und gesundheitsverträglich gestaltet werden soll. Solche Schichtmodelle müssen genau implementiert werden. Die Begleitung durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht ist in jedem Fall zu empfehlen. Die Varianten von Schichtmodellen, werden abgeleitet von:

  • Vollkontinuierlichen Schichtmodellen: der Betrieb oder die Abteilung ist an 7 Tagen, rund um die Uhr, produktiv. Die Bausteine dieses Modells sind Früh-, Spät-, Nacht- und Tagschichten, den Erfordernissen des Betriebes entsprechend
  • Teilkontinuierlichen Schichtmodellen mit freiem Wochenende (Montag bis Freitag auf 15 Schichten verteilt)
  • Teilkontinuierlichen Schichtmodellen an 7 Tagen in der Woche ohne Nachtarbeit

Vor- und Nachteile für Arbeitgeber

Zulagen & Zuschläge (© zerbor / fotolia.com)
Zulagen & Zuschläge (© zerbor / fotolia.com)
Ein Betrieb, mit einer Produktion, die Schichtarbeit in unterschiedlichen Varianten erfordert, ist mit wirtschaftlichen Überlegungen konfrontiert. Neben den technisch – organisatorischen Herausforderungen, sprechen einige gewichtige Vorteile für die Schichtarbeit.

Vorteile für Arbeitgeber

  • Die Betriebszeiten werden ausgedehnt, die unproduktive Zeit auf ein Minimum reduziert.
  • Im Dienstleistungsbereich erhöht sich die Servicequalität für die Kunden.
  • In der Produktion werden die Stückkosten gesenkt, weil die Maschinen besser ausgenutzt werden.
  • Standzeiten werden durch geringere Anlauf- und Rüstzeiten minimiert.
  • Hohe Flexibilität bei der Reaktion auf Marktschwankungen

Nachteile für Arbeitgeber

  • Kosten steigen wegen erhöhter Arbeitslohnkosten.
  • gesundheitliche Belastung für Arbeitnehmer
  • geringere Attraktivität am Arbeitsmarkt, gegenüber Betrieben mit reiner Tagesarbeit
  • Im Vergleich mit flexibleren Modellen, wie bspw. Arbeitszeitkonten, sind Schichtmodelle relativ starr.
  • Erfordernis einer hohen Personalanzahl, in Betrieben mit wenig Personal sind Schichtpläne wenig effektiv (Urlaub, Krankenstand, Zeitausgleich).
  • besonderer Aufwand für die Arbeitsvorbereitung

Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer

Aus der Sicht der Beschäftigten sind Vor- und Nachteile anders bewertet:

Vorteile für Arbeitnehmer

  • Andere freie Zeiten bieten mehr Möglichkeiten (Behördengänge, Sport, etc.).
  • positive Auswirkungen auf das Familienleben
  • Möglichkeit des Mehrverdienstes durch Zulagen und Zuschläge

Nachteile für Arbeitnehmer

  • Längere kontinuierliche Schichtarbeit kann gesundheitliche Probleme verursachen.
  • Das soziale Umfeld kann darunter leiden, negative Auswirkungen auf das Familienleben sind möglich.
  • Freizeit und Kultur sind nur in eingeschränktem Maß möglich.

Fachanwalt.de-Tipp: Das Arbeitszeitgesetz sieht für Nachtarbeiter zusätzliche Vergünstigungen vor:

  • Das Recht auf regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchungen alle drei Jahre (ab dem 50. Lebensjahr jährlich). Die Kosten trägt der Arbeitgeber.
  • Unter bestimmten Umständen können Nachtarbeiter eine Versetzung auf eine Tagesarbeitsplatz einfordern.
  • Nachtarbeiter können die Mehrbelastung durch Freizeit oder einen Zuschlag auf den Bruttolohn ausgleichen.



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