Rücknahme einer Kündigung des Arbeitsvertrags – Erläuterungen zu rechtlichen Wirkung und Muster für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Mitunter kann es vorkommen, dass ein Arbeitgeber es bereut, einem Mitarbeiter gekündigt zu haben, zum Beispiel bei falschen Vermutungen oder wenn ein Irrtum vorlag. Dann besteht die Möglichkeit der Rücknahme der Kündigung. Durch diese kann vereinbart werden, dass es praktisch nie zu einer Kündigung gekommen ist. Auch Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, eine ausgesprochene Kündigung wieder zurückzunehmen. Im Folgenden erfahren Sie alles Wissenswerte zur Rücknahme der Kündigung beim Arbeitsvertrag inklusive Muster.

Kündigung des Arbeitsvertrags zurückziehen

Bei einer Kündigung handelt es sich um eine einseitige Willenserklärung, die andere Seite muss also zur Kündigung nicht zustimmen, damit diese wirksam wird. In der Praxis passiert es nicht selten, dass Kündigungen vorschnell und übereilt ausgesprochen werden. Der Vertragspartner, der die Kündigung ausgesprochen hat, bereut dies eventuell und möchte die Kündigung wieder zurücknehmen. Ziel ist es dann, das Vertragsverhältnis wieder in den Zustand zurückzuversetzen, in dem es sich befinden würde, wäre die Kündigung nie ausgesprochen worden.

Kündigung zurückziehen? (© detailblick-foto / fotolia.com)
Kündigung zurückziehen? (© detailblick-foto / fotolia.com)
Die Rücknahmeerklärung einer Kündigung sollte bestenfalls per Einschreiben mit Rückschein verschickt werden. So besteht ein Nachweis, dass man die Kündigung tatsächlich zurückziehen wollte. Auch eine persönliche Übergabe des Schreibens ist möglich. Der Empfänger kann den Erhalt der Erklärung auf dem Schreiben bestätigen. Zudem wird empfohlen, die Rücknahmeerklärung möglichst zeitnah nach dem Kündigungsschreiben zuzustellen. Am besten sollte die Rücknahme der Kündigung innerhalb der ersten Woche nach Ausspruch der Kündigung erfolgen. Gesetzlich geregelt ist die Rücknahme der Kündigung im Arbeitsrecht im Übrigen nicht. Dennoch sind entsprechende Rücknahmeerklärungen in der Praxis keine Seltenheit.

Gründe für Rücknahme

Von Seiten des Arbeitgebers erfolgt die Rücknahme einer Kündigung oftmals aus taktischen Gründen. Sieht der Arbeitgeber sich einem Kündigungsschutzprozess ausgesetzt, stehen die Chancen für den Arbeitnehmer meist gut, dass das Arbeitsverhältnis gegen Zahlung einer Abfindung als beendet erklärt wird. Um solch einem Urteil zuvorzukommen, nehmen Arbeitgeber in solchen Fällen oft von der Kündigung Abstand und entscheiden sich für die Weiterbeschäftigung des Arbeitnehmers.

Aber auch eine geänderte Sachlage kann zur Rücknahme einer Kündigung führen. War ein Stellenabbau geplant, konnte dieser aber im Nachhinein verhindert werden, macht dies eine ausgesprochene Kündigung obsolet, die Arbeitskraft des gekündigten Arbeitnehmers wird weiter benötigt.

Auch beim Arbeitnehmer kann es unterschiedliche Gründe geben, warum er seine Kündigung nun doch wieder zurücknehmen möchte. Ärger über Vorgesetzte oder Kollegen kann zu einer vorschnellen Entscheidung geführt haben, das Arbeitsverhältnis beenden zu wollen. Vielleicht war auch ein Jobwechsel als notwendig erachtet, aufgrund eines geplanten Umzugs oder anderer, sich ändernder Lebensumstände. Fallen diese Veränderungen letztlich doch weg, besteht meist Interesse daran, den bisherigen Job doch beizubehalten.

Gekündigt wird in der Praxis auch oft, wenn eine neue, bessere Arbeitsstelle in Aussicht ist. Klappt es dann doch nicht mit dem Jobwechsel, kommt eine Rücknahme der Kündigung in Frage, um zum bisherigen Arbeitgeber zurückkehren zu können und so die Arbeitslosigkeit zu umgehen.

Annahme der Rücknahme

Der gekündigte Vertragspartner muss die Rücknahme der Kündigung auch annehmen. Dies ist ein entscheidender Unterschied zur Kündigung selbst. Beispielsweise kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer kündigen, auch wenn dieser der Kündigung eigentlich nicht zustimmt und seinen Arbeitsplatz behalten möchte. Die Kündigung ist dennoch wirksam.

Annahme der Rücknahme einer Kündigung (© Franz Pfluegl / fotolia.com)
Annahme der Rücknahme einer Kündigung (© Franz Pfluegl / fotolia.com)
Anders bei der Rücknahme der Kündigung. Will der Arbeitgeber seine ausgesprochene Kündigung doch wieder zurücknehmen, muss der Arbeitnehmer dem zustimmen, die Rücknahme also annehmen. Nimmt er die Rücknahme nicht an, wird auch das Arbeitsverhältnis nicht fortgesetzt. Der gekündigte Vertragspartner muss sich also mit der Vertragsfortsetzung einverstanden erklären.

Die Annahme der Rücknahmeerklärung kann dabei auf verschiedenen Wegen erfolgen. Sie kann beispielsweise mündlich, schriftlich oder auch per E-Mail angenommen werden. Eine Annahme ist aber auch durch konkludentes, also schlüssiges Verhalten möglich.

Nimmt beispielsweise der Arbeitgeber seine Kündigung zurück und setzt der Arbeitnehmer seine Arbeit einfach fort, kann dies als stillschweigende Annahme der Rücknahmeerklärung gesehen werden. Es ist jedoch in jedem Fall empfehlenswert, die Kündigungsrücknahme auch in einer vertraglichen Vereinbarung festzuhalten. Dies bietet zusätzliche Rechtssicherheit.

Fachanwalt.de-Tipp: Die einseitige Rücknahme einer Kündigung entfaltet rechtlich keinerlei Wirkung, wenn der gekündigte Vertragspartner die Rücknahme nicht annimmt!

Wirkung der Rücknahme einer Kündigung

Die Rücknahme einer Kündigung entfaltet eine besondere Rechtswirkung. Sie gilt als Vertragsangebot. Dem gekündigten Vertragspartner wird also das Angebot unterbreitet, das Arbeitsverhältnis ohne Unterbrechung fortzusetzen, und zwar zu den bisher geltenden Bedingungen. Dem gekündigten Vertragspartner steht es nun frei, dieses Angebot anzunehmen oder nicht.

Wer einmal eine Kündigung ausgesprochen hat, kann deren rechtliche Wirkungen nicht einfach nachträglich durch Rücknahme wieder einseitig beseitigen. Er kann dem gekündigten Vertragspartner aber ein Angebot unterbreiten, um das eigentlich gekündigte Arbeitsverhältnis einvernehmlich fortzusetzen.

Fachanwalt.de-Tipp: Es ist immer ratsam, sich als Betroffener an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu wenden, der die weiteren rechtlichen Schritte klären kann.

Vorlage - Rücknahme / Zurückziehen einer Kündigung

Soll die Rücknahme einer Kündigung verfasst werden, dienen folgende Vorlagen als Orientierung, die dem Einzelfall entsprechend angepasst werden können. So sollte beispielsweise die Aufforderung, wieder zur Arbeit zu erscheinen, nur dann in den Text aufgenommen werden, wenn der Arbeitnehmer auch tatsächlich schon aufgrund der Kündigung seine Arbeit niedergelegt hat. Nur dann macht die Aufforderung zur erneuten Arbeitsaufnahme auch Sinn.

Muster für Arbeitnehmer

Im Folgenden finden Sie ein Muster zur Rücknahme einer Kündigung für Arbeitnehmer zur kostenlosen Nutzung.

Name und Adresse Arbeitnehmer


Name und Adresse Arbeitgeber

                                                                                                                      Ort/Datum

Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses

Sehr geehrte/r Frau/Herr,

bezugnehmend auf meine Ihnen gegenüber am xx ausgesprochene Kündigung des zwischen uns
bestehenden Arbeitsverhältnisses, erkläre ich hiermit, dass ich an dieser Kündigung nicht länger
festhalte und aus meiner Kündigungserklärung keine weiteren Rechte ableiten werde.

Daher biete ich Ihnen an, das Arbeitsverhältnis zu unveränderten Bedingungen fortzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift Arbeitnehmer

Unterschrift Arbeitgeber: Bestätigung des Erhalts der Rücknahmeerklärung

Sie können hier eine Vorlage für Rücknahme einer Kündigung (Arbeitnehmer) als Word-Dokument herunterladen

Muster für Arbeitgeber

Im Folgenden finden Sie ein Muster zur Rücknahme einer Kündigung für Arbeitgeber zur kostenlosen Nutzung.

Name und Adresse Arbeitgeber


Name und Adresse Arbeitnehmer

                                                                                                                                 Ort/Datum

Rücknahme der Kündigung

Sehr geehrte/r Frau/Herr,

bezugnehmend auf unsere Kündigung vom xx, mit der wir das Arbeitsverhältnis zum xx gekündigt
haben, sprechen wir hiermit die Rücknahme der Kündigung aus. Ursprünglich war für unser
Unternehmen ein deutlicher Stellenabbau geplant, von dem auch Ihr Arbeitsplatz betroffen gewesen
wäre. Interne Änderungen haben jedoch nun dazu geführt, dass der Stellenabbau rückgängig gemacht
werden konnte.

Wir weisen Sie daher darauf hin, dass wir keine Rechte mehr aus der Kündigung
herleiten und bitten Sie hiermit, Ihre Arbeit am nächsten Montag wieder zum Dienstbeginn um xx Uhr
aufzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift Arbeitgeber

Unterschrift Arbeitnehmer: Bestätigung des Erhalts der Rücknahmeerklärung

Sie können hier eine Vorlage für Rücknahme einer Kündigung (Arbeitgeber) als Word-Dokument herunterladen

Rechtlicher Hinweis zu den Vorlagen: Bei dem kostenlosen Muster handelt es sich um ein unverbindliches Muster aus unserem Magazin. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Vorlage wird keine Gewähr übernommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die abrufbaren Muster nicht den zurzeit gültigen Gesetzen oder der aktuellen Rechtsprechung genügen. Die Nutzung erfolgt daher auf eigene Gefahr. Das unverbindliche Muster muss vor der Verwendung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater individuell überprüft und dem Einzelfall angepasst werden.

Autor: Fachanwalt.de Redaktion




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