Blitzscheidung - ist eine schnelle, einvernehmliche Scheidung ohne Trennungsjahr möglich?

Der Gesetzgeber und auch die Gesellschaft betrachten die Ehe als eine „heilige“ Institution. Auch wenn sich das Bild in den letzten Jahrzehnten gelockert hat, ist eine Ehe immer noch mehr als ein Vertrag, den man jederzeit wieder problemlos rückgängig machen kann. Ein erstes Zeichen hierfür setzt der Gesetzgeber mit dem vorgeschriebenen Trennungsjahr, welches die sogenannte „Blitzscheidung“ schon einmal von vorne herein ad absurdum führt. Nach dem Gesetz müssen die beiden Eheleute, bevor eine Scheidung ausgesprochen werden kann, erst einmal ein Jahr in getrennter Umgebung verbringen, beziehungsweise es darf sie in ihrer Lebensführung nichts mehr direkt verbinden. Ist ein Ehepartner mit der Scheidung nicht einverstanden, muss der andere gar drei Jahre warten, bis er eine Scheidung rechtskräftig erklärt bekommt.

Einvernehmliche Scheidung

Scheidung (© Gina Sanders / fotolia.com)
Scheidung (© Gina Sanders / fotolia.com)
Erste Voraussetzung für eine schnelle Scheidung, umgangssprachlich eine Blitzscheidung, ist allemal die einverständliche Scheidung. Das heißt, dass alle Ehefolgesachen geregelt sind, damit auch Unterhalt und Altersvorsorge, das Sorgerecht für Kinder etc. Dann, wenn das Familiengericht sich nicht mehr um andere Anträge in diesem Scheidungsverfahren kümmern muss, diese nehmen immer Bearbeitungszeit der Verwaltung in Anspruch, kann die Ehe ein wenig schneller geschieden sein. In aller Regel sind jedoch die behördlichen Abläufe abzuwarten.

Ausnahmefall Härteregelung

Es existiert die Möglichkeit einer schnellen Scheidung, einer „Blitzscheidung“, im Falle einer unzumutbaren Härte. Die Gründe für diese nicht mehr zumutbare Härte müssen zwangsläufig beim Partner zu finden sein. Es gibt typische Fälle in der deutschen Rechtsprechung, doch wird das Gericht immer den individuellen Einzelfall ganz genau betrachten. Eine Scheidung wegen unzumutbarer Härte durchzufechten ist nicht einfach.

Rechtfertigung

Verzweifelte Frau (© Berchtesgaden / fotolia.com)
Verzweifelte Frau (© Berchtesgaden / fotolia.com)
Der Antrag auf eine Scheidung nach dem Härtefallprinzip kann erfolgreich sein, wenn eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit des Partners vorliegt. Hier jedoch auch nur dann, wenn Entziehungskuren abgelehnt, nicht angetreten oder wirkungslos sind. Auch Morddrohungen, andere Bedrohungen und schwere Beleidigungen sowie die wiederholte Gewaltanwendung gegen den Partner in der Ehe oder die gemeinsamen Kinder kann ein hinreichender Grund sein, die Ehe sofort zu beenden, eine Blitzscheidung durchzuführen. Auch ein Ehebruch, der lange Zeit andauert und Intensität besitzt, vor allem wenn er dazu noch in der Wohnung des Ehepaares vollzogen wird, rechtfertigt eine Härtefallentscheidung. Das gleiche gilt für erniedrigende Handlungen oder Misshandlungen vor den Augen der Kinder. Hat der Partner eine neue Beziehung aufgenommen und erwartet die neue Partnerin ein Kind, gilt auch dies. Geht die Frau der Prostitution nach, ergibt sich ebenfalls ein Härtefall. Ebenso ist es möglich, dass die Nichtzahlung des gesetzlichen Unterhaltes an die Frau oder den Mann zu einem Härtefall führt. Es ist jedoch zu bemerken, dass jeder Fall vollkommen individuell behandelt wird, subjektive Meinungen und Emotionen spielen für das Gericht keine Rolle.

Keine Rechtfertigung

Das Familiengericht wird in seine abschließende Beurteilung keinesfalls Allgemeinplätze wie Lieblosigkeit, emotionale Kälte, eine nachlässige Führung des Haushaltes oder häufige Szenen der Eifersucht berücksichtigen, um einer Blitzscheidung zuzustimmen Genauso wenig sind von Interesse eine einmalige körperliche Misshandlung oder ein einmaliger Ehebruch. Der Ehebruch müsste schon über drei Monate laufen. Selbst eine Vergewaltigung in der Ehe oder auch in der Trennungszeit führt nicht automatisch zu einer Härtefallentscheidung des zuständigen Familienrichters. Ein Grund für eine sogenannte „Blitzscheidung“ wäre jedoch ein Verhältnis des Ehepartners mit einem Partner gleichen Geschlechts

Scheidung nach ausländischem Recht

Eine Möglichkeit, die unter Umständen für eine Blitzscheidung in Frage kommt, ist unter Umständen die Scheidung nach einem Eherecht im Ausland, in dem ein Trennungsjahr wie im deutschen Eherecht nicht vorgesehen ist. Dazu ist es jedoch zwingend nötig, dass der Ehepartner auch im Ausland wohnt und die entsprechende Staatsangehörigkeit besitzt. Grundsätzlich ist es Ehepaaren gestattet, sich auszusuchen, nach welchem Recht sie geschieden werden möchten. Ausführliche Erläuterungen hierzu sind in den ROM III-Verordnungen zu finden.

Aufhebung der Ehe

Aufhebung der Ehe (© M. Schuppich / fotolia.com)
Aufhebung der Ehe (© M. Schuppich / fotolia.com)
Eine Aufhebung der Ehe kann unter ganz besonderen Konstellationen stattfinden. So ist die Aufhebung der Ehe beispielsweise bei einer Doppelehe möglich, oder auch wenn die Ehepartner noch minderjährig sind, einer der Partner nicht geschäftsfähig ist, die Ehe unter Zwang oder Drohungen geschlossen wurde. Auch arglistige Täuschung in schweren Fällen, beispielsweise wenn der Ehemann verschweigt, dass er rechtskräftig verurteilt ist und der Haftantritt nahe liegt. Eine Annullierung der Ehe, weil der Partner über seine finanziellen Verhältnisse die Unwahrheit gesagt hat, ist keineswegs ein Grund für eine „Blitzscheidung“ bzw. eine Aufhebung der Ehe.

Résumé

Eine Blitzscheidung kennt das deutsche Eherecht nicht. Allenfalls ist ein Wegfall des Trennungsjahres möglich, wenn ganz besondere Umstände, wie oben beschrieben, vorliegen. Eine solche Entscheidung auf Härtefall vor dem Familiengericht durchzukämpfen, das ist eine starke emotionale Belastung. Da ja der Härtefall durchaus bewiesen werden muss, werden die Beteiligten vor Gericht nicht umhin kommen, auch unangenehme Tatsachen aufzudecken, um mit dem Volksmund zu reden „schmutzige Wäsche zu waschen“.

Besonders kompliziert und einer schnellen, einvernehmlichen Scheidung auf alle Fälle abträglich ist, wenn einer der Ehepartner nicht gewillt ist, in die Scheidung einzuwilligen. Dann wird die Scheidung im Regelfall, aufgrund der vorgeschriebenen  Trennungszeit, drei Jahre lang dauern. Gerade in Härtefallen ist es anzuraten, sich einen Fachanwalt für Scheidungsrecht zu suchen.



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