Härtefallscheidung - Voraussetzungen, Gründe & Dauer

Kann bei Ausübung psychischer Gewalt in der Ehe die Scheidung im Härtefall erfolgen?

Neben einem körperlichen tätlichen Angriff, mithin physischer Gewalt, können auch seelische Grausamkeiten in Form von psychischer Gewalt von großer Effizienz sein, trotzdem diese wesentlich subtiler und unauffälliger begangen werden. Laut Ergebnis einer europaweit durchgeführte Studie mit über 40 000 Befragten haben 43 % der Frauen die Bestätigung abgegeben, selbst bereits psychische Gewalt in der Beziehung erlebt zu haben. Demnach sind es meistens Ehefrauen, die unter den psychischen Attacken ihrer Partner zu leiden haben, trotzdem psychische Gewalt grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Mann und Frau macht.

Physische Gewalt in der Ehe

Sofern von Gewalt in der Ehe die Rede ist, wird damit zumeist die Begehung von physischer Gewalt in Form von z.B. Prellungen oder körperlicher Wunden in Verbindung gebracht. Als Hintergrund steht damit zumeist der Wille zur Machterhaltung, der oftmals von den Männern ausgeht. Die eingesetzte körperliche Gewalt ist dabei ein Weg der Männer, dem eigenen Willen zur Durchsetzung zu verhelfen, und die Frau zugleich einzuschüchtern und zu erniedrigen. Die körperliche Gewalt ist dabei zumeist eindeutig als solche erkennbar; diese kann sich u.a. in Form von Einsperren, Festhalten, Schubsen, Schlagen, Treten und Würgen äußern.

Psychische Gewalt in der Ehe

Misshandelte Frau (© Antonioguillem / fotolia.com)
Misshandelte Frau (© Antonioguillem / fotolia.com)
Während die Folgen der Ausübung körperlicher Gewalt eindeutig zu Tage treten, ist psychische Gewalt heimtückisch. Psychische Gewalt wird verdeckt ausgeübt, wobei niemand die Verletzungen sieht. Die Täter handeln dabei offen, manipulieren oder passiv-aggressiv. Wer psychische Gewalt ausübt, geht meistens strategisch vor. Dabei erkennt die Partnerin erst sehr spät, dass sie ein Opfer häuslicher Gewalt geworden ist. Psychische Gewalt kann als ein feindseliger Angriff auf das Denken, die Psyche, die Wahrnehmung und das Sein des Opfers verstanden werden. Einer körperlichen Überlegenheit bedarf es dazu nicht. Auch eine seelische Grausamkeit kann von Frauen in der Ehe ausgeübt werden. Partnerschaftsgewalt äußert sich zumeist in verschiedenen, subtileren Formen, die auch oft in Kombination miteinander auftreten. Besonders in Paarbeziehungen ist es dem Täter möglich, ein breites Spektrum von Gewalt auszuüben.

Kategorien der häuslichen Gewalt

Der Begriff der häuslichen Gewalt muss dabei in unterschiedliche Arten differenziert betrachtet werden. Die Kategorien der häuslichen Gewalt in Paarbeziehungen sind neben der körperlichen bzw. physischen Gewalt die verbale Gewalt, soziale Gewalt, ökonomische Gewalt, sexuelle Gewalt und letztlich psychische bzw. emotionale Gewalt.

Verbale Gewalt

Bei der verbalen Gewalt handelt es sich um Gewalt, die ohne die Hilfe von Schlägen begangen wird. Der Täter möchte dabei Macht und Kontrolle über das Opfer ausüben; dementsprechend geht es demjenigen nur um den Machtanspruch. Darunter fallen Beleidigungen, Beschimpfen, Anschreien, Demütigungen, Abwertungen und ständige Kritik.

Psychische Gewalt

Die Möglichkeiten der Ausübung von psychischer Gewalt sind tatsächlich unbegrenzt. Das Ausmaß ist dabei manchmal weder dem Opfer noch dem Täter bewusst. Unter die psychische Gewalt fallen dabei u.a. Drohungen, Beleidigungen und Demütigungen, Einschüchterung, emotionale Erpressung, eine ständige Kontrolle und permanente Abwertungen. Oftmals ist die psychische Gewalt über einen langen Zeitraum wirksam; das Quälen des Gegenübers dauert an. Durch die andauernden Abwertungen, Schuldzuweisungen, die Erniedrigungen und Unterstellungen versucht der Täter, die vollkommende Kontrolle über sein wehrloses Opfer zu erhalten. Eine Ähnlichkeit zum Mobbing im Arbeitsleben oder im Cyberspace ist dabei vorhanden.

Soziale Gewalt

Unter dem Begriff der sozialen Gewalt ist das Bestreben des Täters, eine hervorragende Kontrolle über das Opfer auszuüben, zu verstehen. Soziale Kontakte werden ausgeschaltet, das Opfer wird isoliert. Als Folge wird das Selbstwertgefühl reduziert. Diese Kontrolle kann einhergehen mit Kontaktverboten, der Missachtung der Privatsphäre (emails, Handy, Telefonate), einer Sabotage von Kontakten sowie der Verbreitung von Gerüchten. . Da ein Reflexionspunkt fehlt, wird sie oder er mit der Zeit tatsächlich der Annahme sein, den vorgeworfenen Mustern zu entsprechen.

Ökonomische Gewalt

Eine ökonomische Gewalt wird ausgeübt durch die Kontrolle der Finanzen, eine Zuteilung des Geldes, ein Zugriffsverbot auf das gemeinsame Konto, die Erteilung eines Arbeitsverbots sowie jegliches Handeln, was in Bezug auf das finanzielle Auskommen ausgelegt ist.

Sexuelle Gewalt

Die sexuelle Gewalt ist i.d.R. mit Vergewaltigung assoziiert. Tatsächlich fängt sexuelle Gewalt aber viel früher an, und zwar mit sexuellem Druck oder der Instrumentalisierung der Sexualität zur Legitimation von psychischer und verbaler Misshandlung. Oftmals sind sich die wenigsten Betroffenen bewusst, dass Sie im Rahmen der Misshandlungen in der Beziehung auch Opfer sexueller Gewalt sind. Auch die sexuelle Nötigung bis hin zur Prostitution kann unter den Begriff der sexuellen Gewalt fallen.

Härtefallscheidung aufgrund psychischer Gewalt in der Ehe

Eine einmalige Kränkung oder damit verbundene Demütigung des Ehepartners kann noch keine psychische Gewalt begründen. Sofern ein Ehegatte die Härtefallscheidung auf das Vorliegen von psychischer Gewalt stützen möchte, muss eine umfassende Dokumentation vorgelegt werden.

Da die Täter bei der Anwendung psychischer Gewalt oft sehr geschickt und intelligent vorgehen, ist das Vorliegen eines solchen Härtefalles in vielen Fällen sehr schwierig zu belegen. Sofern Kinder ebenfalls unter dem ausgeübten Psychoterror seitens eines Ehepartners zu leiden haben, wird sich in aller Regel das Vorliegen eines Härtefalles begründen lassen. So kann gleichzeitig einer Gefährdung des Kindeswohls vorgebeugt werden. Letztlich obliegt die Entscheidung, ob tätsächlich ein Härtefall vorliegt, dem Gericht. Sofern es erforderlich sein sollte, kann zudem ein Gewaltschutzverfahren angestrengt werden. Zudem sind Briefe, Emails und SMS ebenfalls dazu geeignet, das Vorliegen von psychischer Gewalt in der Ehe zu belegen. Eine anwaltliche Beratung sollte in solchen Fällen stattfinden.

Der Ehemann als Opfer von psychischer Gewalt in der Ehe

Falls es die Ehefrau sein sollte, von der die seelischen Grausamkeiten in Form von psychischer Gewalt begangen werden, ist es ebenso schwierig für den Mann, diese Taten nachzuweisen.

Hinzu kommt, dass häufig bei Männern, die unter der psychischen Gewalt durch die Ehefrau zu leiden haben, eine hohe Hemmschwelle existiert, sich das Vorliegen dieser Form von Gewalt überhaupt einzugestehen. Oftmals werden die Verhaltensweisen der Ehefrau von dem Mann als normal eingestuft, sofern es Ihnen nicht anders bekannt ist.

 

 

 




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