Kredit bei Scheidung - Was passiert mit gemeinsamen Krediten & der Baufinanzierung?

Wer kann zur Tilgung des Kredits nach einer Scheidung herangezogen werden?

Kredite nach Scheidung (© Falko Matte / fotolia.com)
Kredite nach Scheidung (© Falko Matte / fotolia.com)
In Scheidungsverfahren kommt es regelmäßig zu Streitigkeiten hinsichtlich bestehender Verbindlichkeiten der Eheleute. Sofern es sich bei den Verbindlichkeiten um einen Kredit handelt, der nach Eingehung der Ehe aufgenommen wurde, ist nicht immer eindeutig, ob ein Ehepartner allein als Schuldner den Kredit zu tilgen hat oder ob die Eheleute vielmehr eine gesamtschuldnerische Haftung trifft. Wer kann also zur Tilgung des Kredits nach der Scheidung herangezogen werden?

Aufnahme des Kredits durch einen Ehepartner

Sofern der Kredit nur von einem Ehepartner aufgenommen wurde, tritt dieser allein im Außenverhältnis gegenüber dem Kreditgeber als Schuldner auf. Der andere Ehepartner hingegen tritt nicht als Schuldner auf kann insofern von dem Kreditgeber nicht zur Tilgung des Kredits herangezogen werden.  

Strengerer Haftungsmaßstab bei Eingehung einer Bürgschaft

Sofern sich ein Ehepartner für die Erfüllung der Verbindlichkeit des anderen Ehepartners gegenüber dem Kreditgeber durch einen Bürgschaftsvertrag verpflichtet hat, finden strengere Regelungen Anwendung.

Durch die Übernahme der Bürgschaft seitens eines Ehepartners verpflichtet sich dieser gegenüber dem Kreditgeber, für die Tilgung des Kredits einzustehen.

Der Ehepartner, der sich als Bürge verpflichtet hat, sollte vor der Scheidung veranlassen, dass er von der Bürgschaft befreit wird. Dieser kann sodann für die Tilgung der Verbindlichkeit aus dem Kredit nicht mehr haftbar gemacht werden.

Im Grundsatz ist festzuhalten, dass Eheleute nicht untereinander den jeweilig anderen Ehepartner zur Tilgung eines Kredits heranziehen und somit nicht haftbar machen können.

Abschluss eines gemeinschaftlichen Kredits in der Ehe

Sofern die Eheleute im Rahmen der Ehe den gemeinschaftlichen Abschluß eines Kredits vorgenommen haben, müssen die daraus resultierenden Verbindlichkeiten auch gemeinsam getilgt werden. Im Außenverhältnis treten die Eheleute gegenüber dem Kreditgeber bzw. Gläubiger als Gesamtschuldner auf. Danach sind sie im Verhältnis zueinander zu gleichen Anteilen verpflichtet. Falls von einem Gesamtschuldner der auf ihn entfallene Beitrag nicht erlangt werden kann, so ist dieser Ausfall grundsätzlich von den übrigen zur Ausgleichung verpflichteten Schuldnern zu tragen. Demnach wird der Kreditgeber regelmäßig zur Tilgung des Kredits auf den anderen Ehegatten zurückgreifen, sofern ein Ehegatte dazu nicht mehr in der Lage sein sollte.

Es bieten sich zwei Möglichkeiten an, um eine Lösung für diese Problematik zu finden.

Im Außenverhältnis könnten sich die Eheleute in Absprache mit dem Kreditgeber darauf verständigen, dass die Tilgung der Verbindlichkeiten nur noch von einem Ehepartner zu leisten ist. Der Kreditvertrag muss dementsprechend in Absprache mit dem Kreditgeber geändert werden.

Im Innenverhältnis könnten sich die Eheleute dahingehend verständigen, dass der Kreditvertrag in der abgeschlossenen Form bestehen bleibt. Die getilgten Verbindlichkeiten in Form der Kreditraten könnten sodann mit einem bestehenden Anspruch auf Trennungsunterhalt angerechnet werden. Zudem sind auch andere Formen hinsichtlich einer Entschädigung denkbar, die als Ersatz für die Tilgung vereinbart wird.

Was passiert mit einem Kredit zur Baufinanzierung, sofern sich die Eheleute scheiden lassen?

Einfamilienhaus (© Eisenhans / fotolia.com)
Einfamilienhaus (© Eisenhans / fotolia.com)
Sofern beide Eheleute im Grundbuch als Eigentümer eingetragen sind, sind diese im Außenverhältnis als Gesamtschuldner anzusehen. Das gilt auch dann, falls der entsprechende Kreditvertrag nur von einem der Ehepartner unterzeichnet wurde. Für den Fall der Scheidung wird dieser als ein gemeinsamer Kredit angesehen.

Falls ein Ehepartner seinen Miteigentumsanteil an dem Haus auf den anderen übertragen möchte, sollte dieser zudem darauf achten, dass er aus dem Kreditvertrag entlassen wird, um zukünftig nicht mehr zur Tilgung der Verbindlichkeiten herangezogen werden zu können. Die Löschung der Eintragung aus dem Grundbuch muss insofern beantragt werden.

Wenn sich der Ehepartner weigern sollte, den anderen aus dem Kredit zu entlassen, besteht die Möglichkeit, die geleisteten Zahlungen auf den Ehegattenunterhalt anzurechnen.

Es kann durchaus sein, dass die Eheleute zu keiner Einigung gelangen. Dann sollte die Immobilie verkauft werden. Mit dem erlangten Geld kann der Kredit abgelöst werden. Eine etwaige Restsumme kann unter den Eheleuten aufgeteilt werden.




Ihre Spezialisten
INHALTSVERZEICHNIS

TOOLS

Gratis-eBook „Scheidung“


Alle Infos zu Scheidung & Trennung!
Die wichtigsten Fragen zu Scheidung & Trennung!

  • Ablauf und Kosten einer Scheidung?
  • Wichtige Infos zu Unterhalt, Sorgerecht usw.!
  • Kostenlos als PDF-Download

Gratis-eBook „Fachanwalt finden“


Alle Infos zur Fachanwaltssuche!
Informationen und Tipps zur Fachanwaltssuche!

  • Was ist ein Fachanwalt?
  • Wichtige Infos zu Anwaltskosten, Beratungshilfe!
  • Kostenlos als PDF-Download

Jetzt Rechtsfrage stellen