Was bedeutet Grad der Behinderung (GdB) und wie wird der GdB berechnet?

Behindertenausweis (© Björn Wylezich / fotolia.com)
Behindertenausweis (© Björn Wylezich / fotolia.com)
Die Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) ist in § 69 SGB IX gesetzlich normiert. Hiernach werden die Auswirkungen auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft als Grad der Behinderung (GdB) nach Zehnergraden abgestuft festgestellt. Eine Feststellung wird dann getroffen, wenn ein Grad der Behinderung von wenigstens 20 vorliegt. Es ist grundsätzlich ohne Belang, ob der gesundheitliche Schaden bereits angeboren, Folge eines Unfalls oder einer Krankheit ist. Diverse alterstypische Beeinträchtigungen hingegen finden keine Berücksichtigung.

Der Grad der Behinderung (GdB) hat die Auswirkungen von Funktionsbeeinträchtigungen auf alle Lebensbereiche und nicht bloß die Einschränkungen im Erwerbsleben zum Inhalt. Dieser dient somit als ein Maß für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung aufgrund eines Gesundheitsschadens.

Bei der Entscheidung über einen konkreten Grad der Behinderung (GdB) findet insofern nicht bloß eine diagnostizierte Krankheit Berücksichtigung, sondern es kommt auch darauf an, inwieweit eine Funktionsbeeinträchtigung vorliegt, die Auswirkungen für die betreffende Person auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft hat.

Gesundheitsstörungen und tatsächliche Einschränkungen detailliert darlegen

Daher ist es dem Antragsteller anzuraten, seine Funktionsbeeinträchtigungen nicht lediglich auf die ärztliche Diagnose der Krankheit zu stützen; vielmehr sollten auch die Gesundheitsstörungen und tatsächlichen Einschränkungen genau beschrieben und detailliert dargelegt werden. Aus dieser Beschreibung sollte sich ergeben, welche Körperregionen betroffen sind, wie stark die potentiellen Schmerzen sind und welche Beeinträchtigungen im täglichen Leben hieraus resultieren.

Im Rahmen der Einschätzung des Grad der Behinderung (GdB) ist somit sichergestellt, dass die umfassend und detailliert geschilderten Darstellungen der Gesundheitsstörungen eine angemessene Berücksichtigung finden. Somit ist die tatsächliche Leistungseinschränkung durch die Erkrankung bzw. Behinderung maßgeblich. Als schwerbehindert gelten Menschen, bei denen ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 festgestellt wurde.

Versorgungsmedizinische Grundsätze als Maßstab für die Feststellung der Behinderung

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der Behinderung, des Grades der Behinderung und der Ausstellung des Schwerbehindertenausweises nach den sog. „Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“ (Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung vom 10. Dezember 2008).

In den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen sind einzelne GdBs für nahezu alle denkbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen und und deren genaue Ausprägung bzw. Schwere festgelegt.

Fachanwalt.de-Tipp: Der Grad der Behinderung setzt eine Gesundheitsstörung voraus, die sich über mindestens sechs Monate erstreckt und dauerhaft ist. Um den Grad der Behinderung bestimmen zu können, werden zunächst einzelne Körperfunktionen untersucht und deren konkrete Beeinträchtigung festgestellt.

In diesem Zusammenhang wird für jede beeinträchtigte Körperfunktion ein Einzel-GdB nach Zehnerwerten im Bereich von 10 bis 100 bestimmt. Danach wird ein Gesamt-GdB gebildet.

SGB IX kennt nur den Gesamtzustand der Behinderung

Das SGB IX kennt nur diesen Gesamtzustand der Behinderung und nicht mehrere, nebeneinander bestehende Behinderungen.

Im Einzelnen werden folgende Körperfunktionen getrennt voneinander überprüft und beurteilt:

  • Gehirn einschließlich Psyche
  • Ohren
  • Atmung
  • Augen
  • Herz-Kreislauf
  • Verdauung
  • Harnorgane
  • Haut
  • Geschlechtsapparat
  • Blut
  • Immunsystem
  • Stoffwechsel
  • Arme
  • Beine
  • Rumpf

Gesamt-GdB ist ausgehend von der stärksten Beeinträchtigung zu entwickeln

Aufgrund der Überschneidungen der Auswirkungen sind in der Regel die Einzelgrade der einzelnen Beeinträchtigungen aber nicht zu addieren. Dies gilt auch dann, falls die Beeinträchtigungen beziehungslos nebeneinander stehen. Der Gesamt-GdB ist ausgehend von der stärksten Beeinträchtigung mit Blick auf die weiteren Beeinträchtigungen zu entwickeln. Dabei gilt es zu beachten, dass sich die Auswirkungen einzelner Beeinträchtigungen einander verstärken, sich überschneiden oder auch gänzlich voneinander unabhängig sein können.

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