Posing-Bilder von Kindern - legal oder Kinderpornografie gemäß § 184b StGB?

Nach den Änderungen des Sexualstrafrechts wird der Begriff der Kinderpornographie nun noch detaillierter umschrieben. Hierzu gehört gemäß § 184b StGB auch das sogenannte Posing. Hierunter fallen Bilder mit der besonders aufreizenden Darstellung von Kindern.

Posing – Definition

Unter dem Begriff des Posings versteht man Bilder, die Kinder in sehr aufreizender Haltung darstellen. Eine sexuelle Handlung wird dabei jedoch nicht direkt vorgenommen. Das Kind wird auf den Bildern bewusst aufreizend zur Schau gestellt, etwa durch eine aufreizende Pose. Dabei reicht es aus, dass das Kind zufällig in einer aufreizenden Pose fotografiert wurde, es muss somit nicht selbst absichtlich entsprechend posiert haben, noch muss es von einem Dritten in die gewünschte Position gebracht worden sein.

Sind Kinder-Posing-Bilder strafbar?

Durch den § 184b StGB wird das Verbreiten, der Erwerb und der Besitz von kinderpornographischen Schriften unter Strafe gestellt. Somit ist die Darstellung von sexuellen Handlungen von, an oder vor Kindern strafbar. Hierzu gehören auch die sogenannten Posing-Bilder

 Kinderposing (© Marco2811 / fotolia.com)
Kinderposing (© Marco2811 / fotolia.com)
Bis vor einigen Jahren war dies anders. Um eine Strafbarkeit wegen Besitzes von Kinderpornographie zu bejahen, wurde verlangt, dass ein tatsächlicher sexueller Missbrauch abgebildet wird. Erst die Neufassung des § 184b StGB aus dem Jahr 2008 schloss schließlich diese Regelungslücke. Dasselbe gilt für Bilder, die in Nahaufnahmen Gesäß oder Genitalien zeigen. Auch diese ließen sich bis zur Gesetzesänderung nicht immer entsprechend strafrechtlich einordnen. Auch diese Lücke wurde durch den neu gefassten § 184b StGB geschlossen.

In einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2013 geht zudem hervor, dass nur solche Bilder als strafbares Posing anzusehen sind, bei denen sich aus der Darstellung ergibt, dass das Kind selbst aktiv eine bestimmte sexualbezogene Körperhaltung oder Position eingenommen hat. Basierend auf dieser Entscheidung würde die Abbildung unwillkürlicher Positionen nicht unter § 184b StGB fallen. So etwa, wenn das Kind schläft und keine Handlungskomponente des Kindes oder Dritten gegeben wäre. Es wird also im Einzelfall individuell zu entscheiden sein, ob die Grenze zum strafbaren Posing überschritten wurde oder ob eine Straffreiheit anzunehmen ist.

Strafmaß für Posing-Bilder

§ 184b StGB sieht für das Verbreiten, den Erwerb und den Besitz kinderpornographischer Schriften eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren vor. Die Strafbarkeit für Posing unterscheidet sich indes nicht von der Strafbarkeit bezüglich anderem kinderpornographischen Materials. Es wird letztlich darauf abgestellt, welche Handlung dem Täter konkret vorgeworfen werden kann, etwa der Besitz oder die Verbreitung des Materials. Üblicherweise wird Posing-Bildern jedoch nicht der Schweregrad beigemessen wie es bei harter Kinderpornographie der Fall ist. Dies dürfte sich daher regelmäßig auch bei der Strafzumessung bemerkbar machen.

Generell ist nicht jedes Bild, auf dem ein Kind unbekleidet zu sehen ist, als kinderpornographisch zu werten. Straffrei sind demnach private Fotos, die unbekleidete Kinder beispielsweise beim Familienurlaub am Strand oder in anderen harmlosen Alltagssituationen zeigen.

Fachanwalt.de-Tipp: Von einer Strafbarkeit ist erst dann auszugehen, wenn die Bilder einen kinderpornographischen Charakter haben, also einen sexuellen Bezug vorweisen.



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