Führerschein verloren - Welche Kosten kommen auf einen zu? Was kann man tun? Wie kann man ihn neu beantragen?

Von fachanwalt.de-Redaktion, letzte Aktualisierung am: 9. November 2020

Der „Lappen“, der Führerschein, die Erlaubnis zum Führen bestimmter Kraftfahrzeuge hat eine lange Tradition. Gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts kaum motorisierte Fahrzeuge auf den Straßen, stehen wir in unseren Tagen vor dem wachsenden Problem der Massenmobilität. Ein erster Führerschein, der Deutschlandweit seine Gültigkeit hatte, wurde eingeführt im Jahre 1909. Im Januar 1999 konstituierte man die EU-Fahrerlaubnisverordnung, die alten Gesetze waren bis dahin mehr oder weniger noch geltendes Recht. Was ist zu tun, wenn der Führerschein verloren wurde?

Führerschein verloren -  was tun?

 Führerschein verloren (© fotodo / fotolia.com)
Führerschein verloren (© fotodo / fotolia.com)
Wenn man den Führerschein verloren hat, ist es zwar eine ernste Angelegenheit. Doch das Falsche ist es, nun in Panik zu geraten. Der Inhaber hat trotzdem die Erlaubnis, Kraftfahrzeuge zu führen, der Geprüfte ist der Inhaber, auch wenn die Bescheinigung sich momentan an einem anderen Ort befindet. Es gibt Verkehrskontrollen, doch für den Augenblick ist das uninteressant. Nachdem man sich mit allen Mitteln vergewissert hat, dass der Schein nicht nur verlegt, sondern tatsächlich verloren, zerstört oder gestohlen wurde, wird das Ziel nun auf jeden Fall die für den Hauptwohnsitz zuständige Fahrerlaubnisbehörde sein.

Die Fahrerlaubnisbehörde wird sich des Falles annehmen, hier gibt es die Anträge für einen neuen EU-Führerschein, hier erhält der Bürger einen vorläufigen Ersatzführerschein, wenn der alte Führerschein verloren wurde. Für den Fall, dass die Fahrerlaubnis gestohlen wurde, ist es sinnvoll, sich zur nächsten Polizeidienststelle zu begeben und den Diebstahl anzuzeigen. Die entsprechende Bescheinigung ist für die Führerscheinstelle von großer Wichtigkeit. Im einfachen Verlustfall muss der Betroffene eine eidesstattliche Versicherung abgeben, die klar stellt, dass er keine Dokumentenfälschungsabsichten hegt. Für die Ausstellung eines Ersatzführerscheins werden Personalausweis und biometrisches Lichtbild benötigt. Ist der Führerschein von einer anderen Dienstelle als der aufgesuchten ausgestellt worden, wird eine sogenannte „Karteikartenabschrift“ notwendig werden, die gesondert beantragt werden muss. Der Ersatzführerschein wird solange Gültigkeit besitzen, bis der neue EU-Kartenführerschein bei der Behörde vorliegt, er abgeholt oder zugestellt wird. 

Karteikartenabschrift

Hat der Betroffene seinen Wohnsitz in der letzten Zeit geändert, ist also eine Behörde in einem anderen Bundesland für die Ausstellung der Fahrerlaubnis tätig gewesen, wird die Führerscheinstelle am jetzigen Wohnort eine sogenannte Karteikartenabschrift benötigen, wenn der Führerschein verloren wurde und neu beantragt wird. Dies definiert sich als Bescheinigung über die jeweils individuellen Fahrerlaubnisdaten, welche dem örtlichen Führerscheinregister entnommen sind. Die Rechtsgrundlage wird hier die Fahrerlaubnisverordnung FeV sein.

Führerschein verloren - Eidesstattliche Versicherung notwendig

Die eidesstattliche Versicherung wird dem Betroffenen abverlangt, nicht zuletzt um die Dimension des Führerscheinverlustes deutlich klar zu machen. Der Führerschein ist ein ausgesprochen wichtiges amtliches Dokument; eine entsprechend pflegliche Behandlung wird vom Gesetzgeber auch erwartet. In erster Linie jedoch ist das Prozedere gedacht, Fälschungsversuchen von vorne herein keine Möglichkeit zu geben. Es ist möglich, die eidesstattliche Versicherung auch bei einem Notar freier Wahl abzugeben, doch wird diese Version dann mit Kosten verbunden sein.

Personalausweis oder Reisepass

Personalausweis (© stadtratte / fotolia.com)
Personalausweis (© stadtratte / fotolia.com)
Dieses Dokument dient der einwandfreien Identifikation des Geschädigten und ist zwingend erforderlich, wenn der Führerschein verloren gegangen ist und neu beantragt wird. Wenn auch der Personalausweis verloren gegangen ist, wird es notwendig sein, einen Ersatzausweis bei der Gemeinde des Wohnortes des Betroffenen zu beantragen. Mithilfe der Identität ist festzustellen, welche Führerscheinklassen und Schlüsselzahlen auf dem verlorenen Führerschein eingetragen waren.

Kosten

Wenn der Führerschein entwendet wurde, fallen lediglich 35 bis 40 Euro für den Ersatzführerschein an. Mit der Zeit, welche die Bundesdruckerei in aller Regel benötigt, um ein neues Ausweispapier herzustellen, nämlich bis zu vier Wochen, tut sich ein weiterer Kostenfaktor auf. Möchte man seinen „richtigen“ EU-Führerschein möglichst schnell wieder in Besitz haben, bietet sich der „Expressführerschein“ an. Der Betroffene beantragt hierzu bei der Behörde eine Vorzugsbehandlung, eine Expresslieferung. So ist es gegen Aufpreis möglich, den Führerschein innerhalb von 2 Werktagen bei der entsprechenden Behörde abzuholen, oder aber, sich ihn, gegen nochmalige Liefergebühren, zustellen zu lassen. Das kostet erneut gut Geld.

Führerschein für Mofa verloren

Wer seinen Mofaführerschein verloren hat, der wird nicht zur Fahrerlaubnisbehörde, also zur Führerscheinstelle gehen, sondern direkt zum TÜV. Hier kann ein neuer Führerschein beantragt und  ausgestellt werden. Die TÜV-Stelle hat Zugriff auf eine Liste aller Mofaführerscheine. Der neue Schein wird etwa 5 bis 20 Euro kosten.

Fahren ohne Führerschein

Wenn ein Autofahrer nicht mehr im Besitz seiner Fahrerlaubnis ist, weil diese z.B. entzogen wurde, macht er sich des Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig, wenn er trotzdem fährt. Das ist jedoch sehr grundsätzlich zu unterscheiden von dem Fahren ohne Führerschein. Letzteres stellt lediglich eine Ordnungswidrigkeit dar und wird mit einem Bußgeld in Höhe von 10 Euro bestraft. Anders dagegen sieht es tatsächlich aus, wenn die Fahrerlaubnis gar nicht vorhanden ist. Hier kann es von einer Geldstrafe bis hin zum Freiheitsentzug gehen. Wer nun vergisst, den Verlust des Dokumentes sofort bei den Behörden zu melden, wird mit 10 Euro bestraft. Wer seinen verloren geglaubten Führerschein schließlich doch wieder findet, hat ihn sofort den Behörden zu übergeben. Tut man das nicht, hat man 25 Euro zu bezahlen.

Um auf die Wichtigkeit des Führerschein-Dokuments hinzuweisen, ist vielleicht folgendes Urteil interessant. Das Bundessozialgericht entschied in einem Fall, dass ein Verkehrsteilnehmer, der nicht über die notwendige Fahrerlaubnis verfügte, nach einem Unfall in einem von ihm ohne Erlaubnis geführten Fahrzeug keinerlei Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente hat (Urteil aus dem Jahre 2007, Az. B 2 U 1/07 R). Diese Entscheidung fiel, nachdem die Rentenversicherung sich geweigert hatte, zu bezahlen, weil der Betroffene zum Unfallzeitpunkt, auch alkoholbedingt, offensichtlich keineswegs mehr über die für das Führen von Kraftfahrzeugen benötigten theoretischen und praktischen Kenntnisse verfügt habe. Dies ist letztendlich der Grund und die Ursache, weshalb ihm keine Fahrerlaubnis erteilt worden sei.




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