Grünes Kennzeichen - Voraussetzungen für Traktoren / Steuerbefreiung beim Finanzamt

Traktor (© Countrypixel / fotolia.com)
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Unter den verschiedenen Kennzeichenvarianten findet sich auch das grüne Kennzeichen – auch wenn dieses auf den Straßen eher selten anzutreffen ist. Ein Fahrzeug, das ein solch grünes Kennzeichen vorzuweisen hat, ist aufgrund seiner Nutzungsbestimmungen von der Steuer befreit. Auch wenn dies natürlich für jeden Fahrzeughalter interessant klingt, so ist das grüne Kennzeichen selbstverständlich an verschiedene Bedingungen geknüpft.

Farbe macht den Unterschied

Der Hauptunterschied des grünen Kennzeichens gegenüber herkömmlichen Nummernschildern liegt ausschließlich in der Farbe. Die Buchstaben und Ziffern sind komplett in Grün gehalten. Ansonsten sind alle weiteren Angaben zu finden, die auch auf anderen Kennzeichen abgebildet sind, darunter das Siegel des Landkreises und die Plakette für die Hauptuntersuchung.

Grünes Kennzeichen wird vor allem für landwirtschaftliche Zwecke genutzt

Eine weite Verbreitung findet das grüne Kennzeichen in der Land- aber auch in der Forstwirtschaft. Für die hier genutzten Fahrzeuge muss keine Steuer gezahlt werden, sie sind aber dementsprechend auch an bestimmte und festgelegte Einsatzzwecke gebunden, was die Flexibilität bei der täglichen Nutzung natürlich einschränkt.

Das grüne Kennzeichen kann aber auch für andere Fahrzeuge, abseits der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung ausgestellt werden. Dazu gehören u.a.:

  • Fahrzeuge von Hilfsorganisationen
  • Pferde- oder Bootsanhänger
  • Lkw-Anhänger und -Auflieger
  • LKWs
  • Selbstfahrende Arbeits- und Baumaschinen
  • Stapler
  • Kommunalfahrzeuge (z.B. Reinigungsfahrzeuge)
  • Einige der Fahrzeuge von Schaustellern

Einen genauen Überblick darüber, wann ein Fahrzeug von der Steuer befreit ist, gibt § 3 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes. Dort kann man nachlesen, ob eventuell auch für das eigene Fahrzeug eine mögliche Steuervergünstigung in Frage kommen kann.

Damit landwirtschaftliche Fahrzeuge das grüne Kennzeichen für sich nutzen können, sind besondere Anforderungen zu erfüllen. Nur einen bewirtschafteten Hof zu betreiben, reicht nicht aus. Was genau für die Ausstellung eines grünen Kennzeichens verlangt wird, hängt von dem jeweiligen Bundesland ab, üblich ist dabei zumindest stets die Bewirtschaftung von wenigstens zwei Hektar Land.

Ausnahmen bestätigen auch im Falle des grünen Kennzeichens die Regel

Es lassen sich einige Fahrzeuge finden, die durchaus von der Steuer befreit sind und an denen dennoch kein grünes Kennzeichen angebracht werden darf. Welche Fahrzeuge dies sind, darüber gibt § 9 Absatz 2 Fahrzeugzulassungsverordnung Auskunft:

  • Fahrzeuge von Behörden.
  • Fahrzeuge des Personals von diplomatischen und konsularischen Vertretungen.
  • Leichtkrafträder und Kleinkrafträder.
  • Kraftomnibusse und Personenkraftwagen mit acht oder neun Sitzplätzen einschließlich Fahrersitz sowie Anhänger, die hinter diesen Fahrzeugen mitgeführt werden, wenn das Fahrzeug überwiegend im Linienverkehr eingesetzt wird.
  • Fahrzeuge von schwerbehinderten Personen im Sinne des § 3a Absatz 1 und 2 des Kraftfahrzeugsteuergesetzes.
  • Fahrzeuge mit einem Wechselkennzeichen nach § 8 Absatz 1a.
  • Besonders emissionsreduzierte Kraftfahrzeuge im Sinne des Kraftfahrzeugsteuergesetzes.
Fachanwalt.de-Tipp: Für welches Fahrzeug eine Steuerbefreiung zu bejahen ist oder nicht, entscheidet das Finanzamt und nicht die Zulassungsstelle. Das Finanzamt ist daher auch der richtige Ansprechpartner bei Fragen rund um die Steuerbefreiung für das Fahrzeug.

Zuerst die Steuerbefreiung, dann das grüne Kennzeichen

Schild 1914 (© ufotopixl10 / fotolia.com)
Schild 1914 (© ufotopixl10 / fotolia.com)
Ein grünes Kennzeichen führt nicht zur Steuerbefreiung, es wird vielmehr erst dann ausgestellt, wenn nachgewiesen werden kann, dass für das Fahrzeug keine Steuern bezahlt werden müssen. Der Nachweis muss gegenüber der zuständigen Zulassungsbehörde getätigt werden. Als Nachweis dient dabei ein Schriftstück, das beim Finanzamt beantragt werden kann.

Die Steuerfreiheit ergibt sich aus der Zweckbindung! Es kommt also nicht auf den Fahrzeugtyp an, sondern vielmehr, für welche Zwecke das Fahrzeug genutzt wird. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass eine Steuerbefreiung und damit auch ein grünes Kennzeichen für einen gewöhnlichen Pkw möglich sind.

Damit der steuerliche Vorteil nicht verloren geht, darf das Fahrzeug fortan nur noch für den jeweiligen Zweck eingesetzt werden, den man gegenüber dem Finanzamt genannt hat.

Wichtig: Man darf sich mit einem Fahrzeug mit grünem Kennzeichen uneingeschränkt bewegen, aber es darf nicht für uneingeschränkt beliebige Fahrten genutzt werden. Es muss stets der Nutzungszweck für die jeweilige Fahrt nachgewiesen werden können.

Wer das Fahrzeug mit grünem Kennzeichen also rechtswidrig dazu nutzt, um damit beispielsweise seine Urlaubsfahrt anzutreten, macht sich strafbar und verstößt gegen das Steuergesetz. Dasselbe gilt, wenn etwa der Pferdeanhänger nicht dazu genutzt wird, das Tier zum nächsten Turnier zu bringen, sondern Möbel für einen Umzug zu transportieren. Durch das grüne Kennzeichen ist für jeden natürlich gut erkennbar, dass es sich hier um ein zweckgebundenes Fahrzeug handelt. Daher sind entsprechende Kontrollen keine Seltenheit. Den Nutzungszweck sollte man daher immer nachweisen können.

Beantragung eines grünen Kennzeichens

Zunächst muss einmal die Steuerbefreiung des Fahrzeugs gegeben sein. Für die Beantragung des grünen Kennzeichens wendet man sich dann an die zuständige Zulassungsstelle, wie bei den anderen Nummernschildern auch. Vorlegen können sollte man u.a. folgende Dokumente:

  • Eine Bestätigung der Steuerbefreiung durch das Finanzamt
  • Nachweis über die Hauptuntersuchung
  • Versicherungsbestätigung
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und II
  • Personalausweis / Reisepass mit aktueller Meldebestätigung

Hinzu kommt bei Firmen beispielsweise noch die Gewerbeanmeldung oder ein Auszug aus dem Handelsregister, bei Vereinen hingegen ein Auszug aus dem Vereinsregister.

Steuerbefreiung ist der einzige Unterschied

Für Fahrzeuge mit grünem Kennzeichen müssen keine Steuern bezahlt werden. Dies ist jedoch der einzige Unterschied zu anderen Fahrzeugen. Selbstverständlich muss auch bei einem grünen Kennzeichen der gesetzlichen Versicherungspflicht nachgekommen werden. Zudem muss das Fahrzeug auch weiterhin zur Hauptuntersuchung und zur Abgasuntersuchung vorgeführt werden. Entsprechende Nachweise darüber (z.B. über die Hauptuntersuchung) sind in Form einer Plakette auch auf dem grünen Kennzeichen anzubringen.

Wichtig: Für Fahrzeuge mit grünem Kennzeichen muss mindestens eine Kfz-Haftpflichtversicherung vorliegen. Darüber hinaus kann bei Bedarf auch eine Teilkasko oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen werden.

Aber auch hier gilt natürlich auch wieder: Ausnahmen bestätigen die Regel. Pferdeanhänger oder auch Bootstrailer, die ausschließlich zu Sportzwecken genutzt werden, sind gleichzeitig auch noch von der Versicherungspflicht befreit. Ratsam ist eine Haftpflichtversicherung jedoch allemal, denn auch bei Anhängern kann es zu einem Unfall kommen.

Vom grünen Kennzeichen zum normalen EU-Kennzeichen

Es ist natürlich möglich, auch wieder von einem grünen Kennzeichen zu einem normalen EU-Kennzeichen zu wechseln. Dies geht ganz einfach über die zuständige Zulassungsbehörde. Dort kann die Ummeldung vorgenommen werden. Aber natürlich besteht dann auch keine Steuervergünstigung mehr. Dafür jedoch kann das Fahrzeug anschließend wieder flexibel und ohne Bindung an einen bestimmten Zweck genutzt werden.

Fachanwalt.de-Tipp: Ein grünes Kennzeichen ist also für die genannten Fahrzeuge keine Pflicht. Wer sich also nicht durch die strengen Auflagen einschränken lassen möchte, der verzichtet auf das grüne Kennzeichen und verwendet weiterhin das reguläre schwarze Nummernschild.
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