H-Kennzeichen - ab wann bekommt man eins und unter welchen Voraussetzungen?

H-Kennzeichen (© FM2 / fotolia.com)
H-Kennzeichen (© FM2 / fotolia.com)
Bei einem H-Kennzeichen handelt es sich um ein spezielles Nummernschild für Oldtimer. Ein solch altes oder gar historisches Auto ist ein echtes Liebhaberstück, von dem man sich meist nur schwer trennen kann. Daher besitzen Oldtimer eine entsprechend große Fangemeinde. Und mit einem H-Kennzeichen wird aus einem alten Fahrzeug ein „kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“.

Was bekommt man ein H-Kennzeichen?

In Deutschland ist das H-Kennzeichen seit 1997 vertreten. Um ein solches spezielles Kennzeichen zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

  • Das Fahrzeug muss älter als 30 Jahre sein
  • Das Fahrzeug muss sich in einem guten Zustand befinden

Das heißt, nicht jedes alte Fahrzeug, das irgendwo in einem Schuppen vor sich hin rostet, erhält ein H-Kennzeichen. Vielmehr muss dem Fahrzeug anzusehen sein, dass es über die Jahre gepflegt oder vielleicht sogar restauriert wurde.

Das „H“ wird auf dem Nummernschild im Anschluss an die Zahlenreihe angefügt. Das H-Kennzeichen sieht also im Prinzip wie ein gewöhnliches Nummernschild aus, mit dem Unterschied, dass es noch um den Buchstaben H ergänzt wurde.

Was genau versteht man eigentlich unter einem Oldtimer?

Wer wissen möchte, wie der Begriff des Oldtimers rechtlich definiert ist, sollte einen Blick in die Fahrzeug-Zulassungsverordnung werfen. Dort heißt es in § 2 Nr. 22:

„Oldtimer: Fahrzeuge, die vor mindestens 30 Jahren erstmals in Verkehr gekommen sind, weitestgehend dem Originalzustand entsprechend, in einem guten Erhaltungszustand sind und zur Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen.“

Dies zeigt auch, dass ein Oldtimer nicht mehr nur aus den 50er oder 60er Jahre stammen muss. Vielmehr können auch Fahrzeuge aus den 80er Jahren unter diesen Begriff fallen.

Welche Vorteile bringt nun solch ein H-Kennzeichen?

Die Frage ist nun, was man davon hat, sich solch ein H-Kennzeichen zuzulegen, außer, dass dadurch das eigene Fahrzeug als Oldtimer gekennzeichnet wird. Tatsächlich ist es so, dass ein H-Kennzeichen verschiedene Vorteile mit sich bringt, wodurch es für den Besitzer eben gerade so interessant wird, sich um den zusätzlichen Buchstaben auf dem Nummernschild zu bemühen.

  • Oldtimer genießen steuerliche Vergünstigungen
  • Auch die Kfz-Versicherung fällt günstiger aus. Der einheitliche Betrag liegt hier bei 191,74 Euro. Motorräder kommen sogar noch günstiger weg.
  • Die Umweltauflagen sind für Oldtimer weniger streng.

Besitzt ein Fahrzeug ein H-Kennzeichen, braucht es keinen Katalysator und darf dennoch durch Umweltzonen fahren. Auch ist es nicht nötig, sich die grüne Plakette für das Auto zuzulegen.

Tipp: Es kann sich lohnen, bei der Kfz-Versicherung einen Preisvergleich durchzuführen. Oldtimer werden sehr gerne und vor allem meist sehr günstig versichert. Das hat den einfachen Grund, dass man bei der Versicherung der Meinung ist, dass Oldtimer-Besitzer sehr umsichtige Fahrer sind, die auf riskante Situationen im Straßenverkehr verzichten. Schließlich sind die Fahrzeuge echte Liebhaberstücke, bei denen man keinesfalls einen Unfall riskieren möchte. Immerhin sind in den meisten Fällen Ersatzteile nur sehr schwer und sehr teuer erhältlich. Diese Umsicht belohnt die Versicherung meist mit sehr attraktiven Konditionen. Zudem werden Oldtimer vergleichsweise selten gefahren und meist nicht für die täglichen Touren zur Arbeit oder zum Einkaufen genutzt. Auch hierdurch senkt sich natürlich das Risiko eines Unfalls. Achten sollte man bei Abschluss einer Versicherung darauf, ob eventuell eine Beschränkung der jährlichen Kilometerzahl vorgeschrieben ist, an die man sich natürlich halten sollte, um den Versicherungsschutz nicht zu riskieren.

H-Kennzeichen bekommt man nicht geschenkt

Nun ist es jedoch nicht so, dass man auf der Zulassungsstelle erscheint und automatisch sein H-Kennzeichen ausgestellt bekommt. Vielmehr muss ein spezielles Oldtimer-Gutachten vorgelegt werden. Dieses erhält man, indem man einen Sachverständigen beauftragt. Hierzu kann man sich an eine Prüfstelle wie DEKRA oder TÜV, oder an einen beliebigen zertifizierten Prüfingenieur wenden. Die Grundlage für das Gutachten findet sich in § 23 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung.

Wichtig: Ob das Fahrzeug für das H-Kennzeichen geeignet ist oder nicht, entscheidet allein der Prüfer. Da die Fahrzeug-Zulassungsverordnung hierzu keine klaren Vorgaben gibt, sondern dem Prüfer hier einen gewissen Ermessens- und Spielraum lässt, kann man also im Vorfeld nie zu 100% sagen, wie der Prüfer sich letztlich entscheiden wird.

Voraussetzungen, die für das Gutachten in jedem Fall gegeben sein müssen

Liegen die folgenden Voraussetzungen nicht vor, sieht es von vorneherein eher schlecht aus mit einem Oldtimer-Gutachten:

  • Die Originalbauteile müssen Hauptbestandteil sein.
  • Es ist prinzipiell erlaubt, Umbauten vorzunehmen. Diese müssen jedoch in jedem Fall „typisch und zeitgenössisch“ sein. Jüngere Bauteile sind also bei einem Oldtimer nicht erwünscht.
  • Es dürfen keine gröberen Mängel oder Gebrauchsspuren feststellbar sein, auch Rost darf nicht vorhanden sein.
  • Es muss eine gültige Hauptuntersuchung vorliegen.

Dass sich das Fahrzeug in einem guten und gepflegten Zustand befinden muss, bedeutet natürlich nicht, dass nicht ein einziger kleiner Mangel vorliegen darf, der einfach durch den Gebrauch entstanden ist.

Auf der Zulassungsstelle

Hat der Prüfer das Fahrzeug als geeignet für das H-Kennzeichen eingestuft und ein entsprechendes Oldtimer-Gutachten ausgestellt, kann die Zulassung erfolgen. Hierfür wird man auf der zuständigen Zulassungsbehörde vorstellig. Mitbringen sollte man Personalausweis oder Reisepass mit aktueller Meldebescheinigung, Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief im Original, das Gutachten, die elektronische Versicherungsbestätigungsnummer sowie den Nachweis, dass eine gültige Hauptuntersuchung vorliegt. Ist der Oldtimer bereits zugelassen, wird auch das bis jetzt genutzte Nummernschild benötigt.

Es kann im Falle eines Oldtimers möglich sein, bei dem zuständigen Sachbearbeiter nachzufragen, ob man Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief weiterhin nutzen kann, sollten diesen einen besonderen historischen Wert besitzen. Andernfalls gilt auch hier, dass die bisherigen Dokumente gegen die nun genutzten Zulassungsbescheinigungen Teil I und II ausgetauscht werden.

Was kostet das H-Kennzeichen?

Autokosten (© Jürgen Fälchle / fotolia.com)
Autokosten (© Jürgen Fälchle / fotolia.com)
Für sein Oldtimer-Kennzeichen muss man mit Gebühren von knapp 30 Euro rechnen. Die Kosten erhöhen sich etwas, wenn man ein Wunsch-Kennzeichen beantragt.

Hinzu kommen letztlich natürlich noch die Kosten für die Hauptuntersuchung sowie für das Gutachten durch den Prüfer, welches beispielsweise beim TÜV um die 100 Euro kostet. Nicht zu vergessen die Kosten für das Prägen des Kennzeichens.

Was sonst noch beachtet werden sollte:

  • Mit einem H-Kennzeichen kann man mit seinem Oldtimer auch ins Ausland fahren
  • Das H-Kennzeichen kann nicht mit einem Saisonkennzeichen kombiniert werden
Fachanwalt.-de-Tipp: Wer internationale Kontakte pflegt und gern über sein Liebhaberstück fachsimpeln möchte, sollte die sprachlichen Unterschiede beachten. Der Begriff „Oldtimer“ ist, entgegen des ersten Anscheins, kein englischer Begriff. Möchte man beispielsweise in den USA von seinem Auto schwärmen und bezeichnet es als Oldtimer, kann dies Verwirrung hervorrufen, denn dort versteht man unter einem Oldtimer einen älteren Menschen. Was hier als Oldtimer bezeichnet wird, nennt man in englischsprachigen Ländern in der Regel „classic car“.
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