Haaranalyse - Was kostet eine Haaranalyse? Muss die bei einer MPU wegen Alkohol am Steuer gemacht werden?

Die Haaranalytik definiert sich als chemische Analyse eines Haares. Grundsätzlich versteht sich ein Haar als vorzüglicher Biomonitor, sehr einfach zugänglich. In Haaren werden Verbindungen, die körperfremd sind, in einer Konzentration abgelagert, die es möglich macht, sie zu identifizieren. Die Haaranalytik ist geeignet, eine retrospektive Untersuchung der Aufnahme von organischen Verbindungen und chemischen Elementen über viele Wochen hinweg zu leisten. Angewandt werden diverse Analyseverfahren. Gerade, wenn es darum geht, nachzuweisen, ob ein Fahrzeugführer Drogen langanhaltend konsumiert, wird die Haaranalyse als Beweismittel herangezogen. Genauso, wenn beispielsweise aufgrund eines Führerscheinentzugs nachgewiesen werden soll, dass kein Drogenkonsum bzw. Alkoholmissbrauch mehr vorliegt.

Wie gelangt der Wirkstoff in die Haare?

Sogenannte „exogene Stoffe“, also letztlich auch die Überreste von irgendwelchen Betäubungsmitteln, finden sich in der Struktur des Haares in fast unveränderter Form wieder, die Haare lagern die Stoffe ein. Ob der Stoff über die Nase, den Magen, direkt in den Blutkreislauf oder über die Lunge aufgenommen wurde, spielt keine Rolle. Die Haarpapillen sind über Blutgefäße mit dem Blutkreislauf verbunden. Das Verhängnisvolle: Sie sind sehr schnell wachsende Zellen, die sich also häufig teilen. Das wiederum heißt, sie haben großen Hunger, Nährstoffbedarf. Den stillen sie durch die verstärkte Aufnahme von Nährstoffen, dabei eben auch exogene Fremdstoffe in entsprechender Konzentration. 

In den sogenannten „Haarfollikeln“, nur etliche Millimeter unterhalb der Oberfläche der Haut, beginnt das Wachstum der Haare. Dort verhornen Zellen, bündeln sich und werden zu Fasern aus Keratin. Sie sind der spätere Haarschaft, der bis an die Oberfläche der Haut nach oben wächst. In dieser Phase des Wachstums werden auch die Fremdsubstanzen mit eingebaut. 10 Millimeter wächst das Haar ungefähr im Monat. So kann theoretisch ein recht genauer Konsumzeitplan aufgestellt werden. Im Übrigen erweisen sich die Haare als recht hartnäckig, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Behörden geht. Eine Behandlung der Haare durch häufiges Waschen, durch Tönen, durch die Verwendung von Wasserstoffsuperoxid - nützt nichts. 

Haaranalysemethoden

Labor (© Nastassia Yakushevic / fotolia.com)
Labor (© Nastassia Yakushevic / fotolia.com)
Für Untersuchungsareale außerhalb der Betäubungsmittelproblematik existieren Methoden wie die Neutronenaktivierungsanalyse, die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma, die Identifizierung durch ein Funkenspektrometer also ICP-OES, schließlich gibt es noch die Laserablation. Mit einem anschließenden ICP-MS können so auch Haarabschnitte untersucht werden. Bei Betäubungsmitteln, hier handelt es sich dann um chemische Verbindungen, wird regelmäßig die Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung, abgekürzt LC-MS/MS zum Einsatz kommen.

Auch mit der modernen Gaschromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung, abgekürzt GC-MS, bekannt auch als Radioimmunassays, können Betäubungsmittel bestimmt werden. Viele Substanzen werden auch anhand ihrer Abfallprodukte, Stoffwechselprodukte, Metabolite identifiziert. Ist eine kriminaltechnische Untersuchung von Haarproben notwendig, werden die Beamten diese vorzugsweise vom Hinterkopf nehmen. Der Haarwuchs dort erweist sich als besonders gleichmäßig. Prinzipiell kann jedes Haar benutzt werden. Man benötigt etwa 50 Milligramm Material für eine entsprechende Untersuchung. Daraus, aus einer sogenannten „segmentweisen Analyse“, basteln die Wissenschaftler nun eine „Drogenkarriere“. Ganz am Ende wird man die Haarprobe einem Extraktionsverfahren zuführen. Will heißen, das Haar wird in einer speziellen Mühle zu Staub zermahlen. Dann löst der Untersuchende das Haar in Säure auf, um anschließend die Wirkstoffe, die er zu finden gedenkt, mit Methanol zu extrahieren.

Was wird gesucht?

Bei einer Suche muss immer klar sein, was gesucht wird. In aller Regel wird eine Haaranalyse nach  Alkoholmarkern also ErG, FSEE beziehungsweise FAEE´s, aber vornehmlich nach beispielsweise  Monoacetylmorphin, Dihydrocodein, Heroin, Morphin und Acetylcodein, EDDP und Codein sowie Methadon suchen, nach Opiaten also.

Dann wird im Bereich Kokain neben Kokain auch nach seinen Stoffwechselprodukten Norcocain, Benzoylecgonin, Cocaethylen gesucht. Bei den synthetischen Betäubungsmitteln sind es die Amphetamine also MDA, MDMA, MDE und Amphetamin, Speed, das Methamphetamin Crytal Meth. Schließlich die Haaranalyse für Cannabis-Konsumenten. Da sucht  man nach THC, THC-COOH, CBD und 9-Carboxy-THC. Es kann durchaus sein, dass, es kommt auf das untersuchende Labor an, auch nach den Substanzen Mephedron, MDPV, m-CPP sowie Butylon, Methylon und anderen Substanzen aus dem "research chemicals und legal high"-Sortiment, speziell solchen aus der JWH-Gruppe, das sind synthetische Cannabinoide wie beispielsweise „Spice“, gesucht wird. Das Spektrum der Suche kann und wird regelmäßig erweitert.

So kann auch nach Opioiden, Benzodiazepinen sowie Hypnotica und Neuroleptica oder Antidepressiva und ihren Stoffwechselprodukten oder nach sogenannten „Badesalzdrogen“, also Cathinon- und Piperazinderivaten, gesucht werden.

Nachweisbarkeit von LSD und Amphetaminen

LSD kann bisher mit keiner sicheren Routinemethode in Haaren nachgewiesen werden. Auch wenn jemand nur einmalig GHB, also Liquid Ecstasy zu sich genommen hat, ist das in den Haaren nicht nachzuweisen. Das liegt zum größten Teil daran, dass es sich bei dieser Substanz um eine endogene Substanz handelt. Endogen bedeutet, dass etwas aus einer inneren Ursache entsteht, aus dem Inneren eines Systems. Körpereigene Substanzen sind aber in niedriger Konzentration nur schwer abzugrenzen.

Auch bei Amphetaminen muss man ordentlich zugelangt haben, um bei der Haaranalyse Auffälligkeiten nachgewiesen zu bekommen. Ecstasy, MDMA ist dagegen sehr einfach nachzuweisen, auch in verschwindend kleinen Dosen. Alle anderen Drogen können, wenn es sich nicht um absolute Exoten handelt, theoretisch ausgemacht werden. Man findet, so lautet der Schluss, was man sucht, wenn es denn da ist. 

Haaranalyse bei Alkohol

Eine Möglichkeit, eine Abstinenz von Alkohol nachzuweisen, ist ebenfalls die Haaranalyse. Dabei findet die Untersuchung eines kleinen Haarabschnittes auf das Abbauprodukt Ethylglucuronid statt. Nachdem das menschliche Haar in aller Regel um etwa einhundert Millimeter in 12 Monaten wächst, kann man bei einer Haarlänge von drei Zentimetern also drei Monate zurückblicken. Während ein Urintest gerade einmal etwa 1 Monat abdeckt, ist die Haaranalytik für längere Zeiträume geeignet. Mittlerweile hat die Wissenschaft gewisse Parameter festgelegt, die mit großer Sicherheit eine Einteilung vornehmen für Abstinenz, gelegentlichen Alkoholkonsum sowie suchtartigen Konsum.

MPU und Haaranalyse

MPU (©  mpu-animaflora / fotolia.com)
MPU (© mpu-animaflora / fotolia.com)
Wird bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung ein Nachweis von Abstinenz erbracht, kann dies mit einer Urinprobe erfolgen oder auch mittels einer Haaranalyse. Bei der Urinprobe  wird der Betroffene bei dem eingetragenen Anbieter, den er gewählt hat, je nach Auflage, vier oder sechs Mal sehr überraschend einbestellt. Man muss telefonisch immer erreichbar sein. Sollte man einen Termin zur Urinprobe versäumen, beginnt die Abgabezeremonie von vorne.

Die Haaranalyse benötigt zwei oder vier Proben. Seit 2014 darf der Hausarzt die Haarprobe nicht mehr entnehmen. Die Kosten für die Haaranalyse sind teurer als die für die Urinprobe. Das gleicht sich jedoch in etwa durch die geringere Anzahl der Besuche im Labor ungefähr aus.

THC-COOH und Körperkontakt

Das Abbauprodukt von Cannabis namens THC-COOH kommt auch in Schweiß und Speichel eines Konsumenten vor. Wenn dieser nun einem „Nichtkiffer“ über die Haare streicht, kann in dessen Haaren bei einer Analyse das Abbauprodukt auftauchen. Das haben Freiburger Wissenschaftler in einer umfangreichen Studie, zu der auch ein Selbstversuch mit dem Dronabinol gehörte, nachgewiesen.

Kosten der Haaranalyse bei Alkohol oder Drogen

Die Kosten liegen bei der Haaranalyse bei Alkohol (EtG) ca. bei 140-250 Euro und bei der Haaranalyse wegen Drogen bei ca. 150-300 Euro. Die Preise variieren stark je nach Anbieter, aber sind grundsätzlich bei Drogen immer etwas höher als bei Alkohol. Die Haaranalyse ist ein gängiges Verfahren zum Nachweis der Abstinenz von Alkohol oder Drogen und ist daher bei einer MPU gut als Nachweis geeignet. Die Testergebnisse liegen ca. nach 14 Tagen vor.

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