Kfz - Gutachten - Abgrenzung zum Kostenvoranschlag / Was kostet ein Kfz - Gutachten? Wie findet man gute Sachverständige?

Auch ganz ohne eigenes Verschulden kann man Beteiligter eines Unfalls im Straßenverkehr werden. Der Ärger und die Aufregung sind zunächst groß, doch sollte man die Ruhe bewahren und die nötigen Schritte einleiten, um seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Wer unverschuldet in einen Unfall verwickelt wurde, bekommt seinen Schaden durch die gegnerische Versicherung ersetzt. Doch zunächst muss einmal festgestellt werden, wie hoch dieser genau ausfällt. Hierfür ist ein Sachverständiger zuständig, der ein entsprechendes Kfz-Gutachten anfertigt, welches für die Schadensregulierung benötigt wird. Schließlich darf der Schaden nicht nur geschätzt, sondern muss genau beziffert werden.

Kostenvoranschlag oder Kfz - Gutachten?

stempel-gutachten (© wogi / fotolia.com)
stempel-gutachten (© wogi / fotolia.com)
Auch mit einem Kostenvoranschlag lässt sich benennen, mit welchen Kosten im Rahmen der Reparatur des Fahrzeugs zu rechnen sein wird. Ein Kostenvoranschlag ist wesentlich günstiger als ein Kfz-Gutachten und noch schneller erstellt. Und dennoch wird er im Rahmen der Schadensregulierung nicht gern anstelle eines Kfz-Gutachten genutzt, was daran liegt, dass ein Gutachten einfach weitaus detaillierter und präziser ist. Dies würde letztlich einen Nachteil für den Geschädigten bedeuten, würde man stattdessen nur einen Kostenvoranschlag erstellen, da der Schaden hier lediglich grob benannt werden kann. Es dürfte jedoch im Interesse des Geschädigten sein, den Schaden in allen Details auflisten zu können.

Ein Kostenvoranschlag kommt bei einer Schadensregulierung daher allenfalls bei kleineren Schäden in Fragen. Je komplexer jedoch die Beschädigung des Fahrzeugs, umso wichtiger ist es, ein echtes Kfz-Gutachten erstellen zu lassen.

Konkrete Unterschiede zwischen Kostenvoranschlag und Kfz-Gutachten

Schaut man sich Kostenvoranschlag und Kfz-Gutachten einmal genauer an, sieht man schnell, wie umfangreicher ein Gutachten tatsächlich ist. Folgende Punkte sind u.a. in einem Kfz-Gutachten angeführt, nicht jedoch in einem Kostenvoranschlag. Die Auflistung ist dabei nicht abschließend.

  • Die Schäden werden bildlich dokumentiert.
  • Der optische sowie technische Zustand des Wagens wird genau beschrieben.
  • Das Gutachten nennt eventuelle Spezialumbauten und führt an, welche Sonderausstattungen vorhanden sind.
  • Die Wertminderung wird mitgeteilt.
  • Der Nutzungsausfall wird berechnet.
  • Das Gutachten gibt Auskunft darüber, wie verkehrssicher und fahrtüchtig das Fahrzeug ist.

Kein Kfz-Gutachten ohne Sachverständigen

Ein professionelles Gutachten darf nicht durch jeden beliebigen Mechaniker erstellt. Stattdessen muss sich ein anerkannter Sachverständiger mit der genauen Auflistung des Schadensumfangs befassen. Der Sachverständiger muss dabei neutral und unabhängig sein und ist keinen Weisungen seitens Dritter unterstellt.

Der Geschädigte muss zudem keine Bedenken haben, dass das Kfz-Gutachten nur in „Fach-Chinesisch“ und damit für ihn nicht nachvollziehbar verfasst ist. Auch Kfz-technische Laien müssen das Gutachten nachvollziehen können.

Zudem gilt bei einem Kfz-Gutachten das sogenannte Prognoserisiko. Der Sachverständige trägt hier also das Risiko für die Richtigkeit seiner Angaben. Es ist also nicht das Problem des Geschädigten, wenn sich bei der späteren Reparatur herausstellen sollte, dass diese doch mehr kostet als zuvor durch das Gutachten erläutert. Die Versicherung muss die tatsächlich anfallenden Reparaturkosten tragen, auch wenn diese letztlich höher ausfallen, als durch das Gutachten genannt. Anders bei einem Kostenvoranschlag. Hier würde die Werkstatt bzw. der Geschädigte das Risiko tragen, dass eine nun doch teurere Reparatur nicht ersetzt wird.

Kurzgutachten

Ein reguläres Kfz-Gutachten dauert seine Zeit bei der Anfertigung, ist sehr ausführlich und entsprechend teuer. Nicht immer sehen die Versicherungen daher ein, diese Kosten zu tragen, wenn es sich nur um einen Bagatellschaden handelt. Dieser wird in der Regel angenommen, wenn die Schadenshöhe bei ca. 700 Euro liegt.

Wichtig: Die Grenze von 700 Euro ist nicht gesetzlich geregelt und es ist daher immer Ermessenssache, wann ein Schaden zu „gering“ ist, um dafür ein ausführliches Gutachten anzufertigen.

Gänzlich verzichten muss man jedoch auch bei einem Bagatellschaden nicht auf ein Kfz-Gutachten. In diesem Fall wird einfach ein Kurzgutachten angefertigt. Dieses ist immer noch ausführlicher als ein Kostenvoranschlag, aber günstiger als ein vollwertiges Kfz-Gutachten.

Versicherungsgesellschaften sind keine Freunde des Kfz-Gutachten

Versicherungsgutachten  (© Andrey Popov / fotolia.com)
Versicherungsgutachten (© Andrey Popov / fotolia.com)
Dass die gegnerische Versicherung gern einen Kostenvoranschlag empfiehlt und von einem Kfz-Gutachten absehen möchte, hat mehrere Gründe.

  • Der Kostenvoranschlag kommt die Versicherung günstiger.
  • Im Gutachten wird nicht nur die Höhe der Reparaturkosten genannt, es werden auch weitere schadensrelevante Positionen angeführt. Je genauer und transparenter das Gutachten, umso teurer letztlich auch die Schadensregulierung.
  • Während der Kostenvoranschlag viele nicht ermittelte Ansprüche hat (Minderwert usw.), weiß der Geschädigte bei einem Kfz-Gutachten sehr genau, welche Ansprüche im letztlich zustehen. Mehr Ansprüche des Geschädigten bedeuten mehr Kosten für die gegnerische Versicherung.

Kosten für ein Kfz-Gutachten

Je höher der Aufwand für ein Kfz-Gutachten, umso teurer wird dieses. Es gibt also für Sachverständige keine einheitlichen Regelungen. Die Kosten für das Gutachten orientieren sich also an der Höhe des Schadens. Eine Tabelle gibt hier entsprechende Werte wieder. Denn für ein stark beschädigtes Fahrzeug werden umfangreichere Untersuchungen und Auflistungen fällig, was sich in den Gutachterkosten niederschlägt.

Wieso überhaupt ein Kfz-Gutachten?

Es ist Sache des Geschädigten, seinen Schaden zu beweisen. Es reicht daher nicht aus, bei der gegnerischen Versicherung lediglich anzumerken, dass das Auto kaputt sei. Vor allem dann nicht, wenn der Unfallgegner dies bestreitet. Es ist wichtig bei Verkehrsunfällen zu beweisen, dass der Schaden auch wirklich konform ist mit dem Unfallhergang und dass hier beispielsweise nicht versucht wird, der gegnerischen Versicherung einen schon älteren Schaden unterzujubeln.

Wie bereits erwähnt, kann bei Bagatellschäden auch ein Kostenvoranschlag ausreichen. Bei einem Haftpflichtfall wird ein Bagatellschaden gern bis zu einer Summe von ca. 750 Euro angenommen, bei einem Schaden im Kaskobereich liegt die Grenze bei etwa 2.000 Euro. Im Zweifel sollte man sich als Geschädigter mit einem Fachanwalt für Verkehrsrecht kurzschließen und klären, dass einem durch einen Kostenvoranschlag im konkreten Fall keine Ansprüche verloren gehen können.

Wer wählt den Sachverständigen aus?

Zu klären bleibt noch, wer den Sachverständigen zur Erstellung des Gutachtens überhaupt auswählt.

  • Im Haftpflichtfall kann der Geschädigte den Sachverständigen selbst auswählen. Das ist auch dann noch möglich, wenn die gegnerische Haftpflichtversicherung selbst schon ein Gutachten in Auftrag gegeben hat
  • Liegt der Schaden im Kaskobereich, darf der Geschädigte nicht selbst den Sachverständigen wählen. Hier hilft ein Blick in den Versicherungsvertrag. Wenn dort steht, dass eine Erstattung nur vorgenommen wird, wenn die Versicherung selbst das Kfz-Gutachten beauftragt, sollte man sich hieran auch halten.

Kann es Probleme mit dem Kfz-Gutachten geben?

Sollte der Geschädigte nicht ausreichend auf die Qualifikation des Sachverständigen Wert gelegt haben, kann der Unfallgegner das Gutachten anfechten. Zudem kann sich die Versicherung weigern, die Gutachterkosten zu ersetzen, wenn eine Nachbesichtigung durch einen eigenen Sachverständigen nicht möglich war, weil der Geschädigte dies bewusst verhinderte.




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