Jetzt mit einem Premiumeintrag mehr Mandate generieren & 1 Monat kostenlos testenPfeil rechtsPremiumeintrag jetzt kostenlos testenPfeil rechts

Abfindung 2025 – Steuerfallen, Fünftelregelung und neue Chancen

SternSternSternSternStern
(3 Bewertungen)01.06.2025 Arbeitsrecht

Wer im Jahr 2025 eine Abfindung erhält, muss sich mit erheblichen steuerlichen und rechtlichen Neuerungen auseinandersetzen. Die durch das Wachstumschancengesetz geänderte Besteuerung von Abfindungen betrifft insbesondere die Anwendung der Fünftelregelung. Zudem beeinflussen der progressive Steuertarif und Sonderabgaben wie der Solidaritzuschlag die tatsächliche Höhe der Abfindung nach Steuern. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Änderungen, mögliche Steuerfallen und rechtssichere Gestaltungsspielräume auf.

Ihnen liegt eine Kündigung oder ein Abfindungsangebot vor? Rufen Sie unsere Kostenlose Arbeitsrechts-Hotline an: 0821-999 84 990. Sie erreichen direkt einen Fachanwalt für Arbeitsrecht und erhelten eine kostenlose Ersteinschätzung!

1. Die Fünftelregelung entfällt im Lohnsteuerverfahren
Bis Ende 2024 musste der Arbeitgeber die Fünftelregelung direkt im Lohnsteuerabzugsverfahren berücksichtigen. Seit dem 01.01.2025 ist das anders: Arbeitnehmer müssen die Anwendung der Fünftelregelung selbst über ihre Einkommensteuererklärung beantragen. Wer das versäumt, zahlt unter Umständen deutlich mehr Steuern als nötig.

2. Der progressive Einkommensteuertarif
Die Einkommensteuer in Deutschland ist progressiv ausgestaltet, d.h. der Steuersatz steigt mit dem Einkommen. Wird eine Abfindung in einem Jahr ausgezahlt, führt dies oft zu einer "Zusammenballung von Einkünften" und damit zu einem höheren durchschnittlichen Steuersatz. Im Jahr 2024 gelten beispielsweise folgende Grenzsteuersätze für Ledige:

  • bis 11.604 EUR: 0 %

  • 11.605 bis 17.005 EUR: 14 % bis 24 %

  • 17.006 bis 66.760 EUR: 24 % bis 42 %

  • ab 66.761 EUR: 42 % (ab 277.826 EUR: 45 %)

Eine einmalige Abfindung kann dazu führen, dass man durch die Progression in einen wesentlich höheren Steuersatz rutscht.

3. Der Solidaritzuschlag lebt weiter
Auch wenn der Soli für ca. 90 % der Steuerzahler abgeschafft wurde, wird er weiterhin auf hohe Einkommen erhoben. Für Ledige liegt die Freigrenze 2024 bei 68.413 EUR. Durch eine Abfindung kann diese Grenze schnell überschritten werden – mit der Folge, dass der Solidaritzuschlag auf das volle zu versteuernde Einkommen fällig wird.

4. Sozialversicherungsfreiheit mit Ausnahmen
Abfindungen sind grundsätzlich nicht sozialversicherungspflichtig (vgl. § 14 SGB IV). Ausnahmen bestehen für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte. Diese sollten sich individuell beraten lassen.

5. Voraussetzungen für die Fünftelregelung
Damit die Fünftelregelung anwendbar ist, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss eine Zusammenballung von Einkünften vorliegen.

  • Die Abfindung muss außerordentlich sein, also z. B. im Zusammenhang mit einer Kündigung stehen.

  • Die Auszahlung muss zeitlich konzentriert erfolgen (nicht auf mehrere Jahre verteilt, außer Teilbeträge liegen unter 10 %).

6. Gestaltungsspielraum durch Auszahlungstermin
Durch geschicktes Timing kann die Steuerlast reduziert werden:

  • Wird die Abfindung ins Folgejahr verschoben und liegt dann kein weiteres Einkommen vor, kann die Steuerbelastung sinken.

  • Achtung: Die Fünftelregelung greift dann möglicherweise nicht mehr.

7. Alternative: Ratenzahlung statt Einmalbetrag
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Abfindung in mehreren Raten auszuzahlen. Dies kann die Steuerprogression mindern, allerdings ist dann meist die Anwendung der Fünftelregelung ausgeschlossen.

8. Weitere Steuertipps:

  • bAV-Nutzung: Umwandlung der Abfindung in steuerbegünstigte Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge.

  • Kirchensteuer-Erlass: Bis zu 50 % der gezahlten Kirchensteuer auf Abfindungen kann auf Antrag erstattet werden.

  • Vorauszahlung von Krankenversicherungsbeiträgen: Um Sonderausgaben zu optimieren.

Aufpassen bei der Abfindungsverhandlung!
Abfindungen bieten eine finanzielle Chance, bringen aber erhebliche steuerliche Risiken mit sich. Wer seine Möglichkeiten kennt und rechtzeitig handelt, kann viel Geld sparen. Die frühzeitige Abstimmung mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht und einem Steuerberater ist 2025 wichtiger denn je. Denn durch die Streichung der Fünftelregelung im Lohnsteuerverfahren und die verschärfte Soli-Problematik drohen steuerliche Nachteile – die sich mit guter Planung vermeiden lassen.

Diesen Artikel bewerten:
Diesen Artikel teilen: Linkedin Xing X
Whatsapp
Facebook
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema

Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Rechtsanwalt Alexander Meyer

*Pflichtfelder
Weitere Artikel des Autors
Termination and Severance Agreements under German Labor Law
SternSternSternSternStern
(1 Bewertung)03.06.2025Rechtsanwalt Alexander MeyerArbeitsrecht
Herr Rechtsanwalt Alexander Meyer

In Germany, employment termination is subject to strict legal requirements, especially if the German Protection Against Unfair Dismissal Act (Kündigungsschutzgesetz, or KSchG) applies. This law offers employees significant protection against unjust termination, but only under certain conditions. Understanding these rules—and the differences between various termination options—is essential for employees and employers alike.   1. When Does the Kündigungsschutzgesetz (KSchG) Apply? The KSchG is only applicable if: The employment relationship has lasted for more than six months continuously, and The employer regularly employs more than ten full-time employees in the establishment (excluding trainees). If these conditions are not met, an employer may terminate employment with...

weiter lesen weiter lesen

Abfindung bei Kündigung durch den Arbeitgeber – was Arbeitnehmer wissen müssen
SternSternSternSternStern
(1 Bewertung)28.05.2025Rechtsanwalt Alexander MeyerArbeitsrecht
Herr Rechtsanwalt Alexander Meyer

Eine Kündigung durch den Arbeitgeber ist für viele Beschäftigte ein Schock. Umso wichtiger ist es, die rechtlichen Möglichkeiten zu kennen – insbesondere die Frage, ob und in welcher Höhe eine Abfindung gezahlt werden kann. In diesem Artikel erfahren Sie, unter welchen Voraussetzungen Ihnen eine Abfindung bei Kündigung zusteht, wie hoch diese ausfallen kann und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten.   Gibt es bei Kündigung durch den Arbeitgeber automatisch eine Abfindung? Entgegen der weitverbreiteten Annahme besteht kein genereller gesetzlicher Anspruch auf eine Abfindung bei Kündigung. In vielen Fällen erhalten Arbeitnehmer dennoch eine Abfindung – etwa im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs , durch einen Aufhebungsvertrag oder bei einer...

weiter lesen weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Wann Teilzeitkräfte Überstundenzuschläge früher erhalten müssen
17.12.2025Redaktion fachanwalt.deArbeitsrecht
Wann Teilzeitkräfte Überstundenzuschläge früher erhalten müssen

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in seiner Entscheidung vom 26. November 2025 ( Az. 5 AZR 118/23 ) klargestellt, dass starre Grenzen für Mehrarbeitszuschläge in Tarifverträgen, die nur auf Vollzeitkräfte zugeschnitten sind, eine unzulässige Diskriminierung von Teilzeitbeschäftigten darstellen. Diese wegweisende Entscheidung betrifft alle Unternehmen und Verwaltungen mit tarifgebundenen Angestellten und hat unmittelbare finanzielle Konsequenzen für die Berechnung von Mehrarbeitszuschlägen in Teilzeitarbeitsverhältnissen. Das Diskriminierungsrisiko bei Teilzeitbeschäftigten in Tarifverträgen Das zentrale Problem, das dem Urteil zugrunde liegt, findet sich in vielen Branchen und Tarifverträgen: Dort werden Mehrarbeitszuschläge , wie die attraktiven 25 Prozent, oft erst ab dem Überschreiten einer...

weiter lesen weiter lesen

OLG Frankfurt: Fristlose Kündigung wegen Kontrollpflichtverstoß
15.12.2025Redaktion fachanwalt.deArbeitsrecht
OLG Frankfurt: Fristlose Kündigung wegen Kontrollpflichtverstoß

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Az. 5 U 15/24 ) entschied, dass ein Geschäftsführer wegen mangelhafter Kontrolle rechtswidriger Vorteilsgewährungen an Betriebsratsmitglieder wirksam fristlos gekündigt werden durfte. Streit um Tantieme und Vergütungsansprüche Die Beklagte betreibt den öffentlichen Personennahverkehr in Wiesbaden. Der Kläger war seit 2014 als Geschäftsführer tätig und zuletzt unter anderem im Bereich Personal eingebunden. Im Herbst 2021 erhielt die Stadt Wiesbaden mehrere anonyme Meldungen, die mögliche Pflichtverletzungen innerhalb der Unternehmensführung betrafen. Daraufhin leitete die Beklagte eine umfassende Aufklärung ein und beauftragte eine externe Kanzlei mit der Untersuchung. Auf Grundlage eines Zwischenberichts vom Ende Februar 2022 sprach die Beklagte Anfang März...

weiter lesen weiter lesen
LAG Düsseldorf: Ordentliche Kündigung nach Schichtstreit unwirksam
12.12.2025Redaktion fachanwalt.deArbeitsrecht
LAG Düsseldorf: Ordentliche Kündigung nach Schichtstreit unwirksam

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Az. 3 SLa 699/24 ) hat entschieden, dass eine Kündigung wegen in der Nachtschicht geäußerter, derb formulierter Kritik an der Schichtführung unwirksam ist, weil die Äußerung nicht als gravierende persönliche Beleidigung zu bewerten war. Konflikt in der Nachtschicht und türkische Aussage Der Kläger war seit 2020 bei der Beklagten beschäftigt, die als Teil einer Handelsgruppe ein Verteilzentrum betreibt, und arbeitete zuletzt als „Sortation Associate“ in einer festen Dauernachtschicht. Mit Schreiben vom 09.04.2024 erhielt er von der Arbeitgeberin zwei Abmahnungen: Eine wegen des Vorwurfs, seinen Arbeitsplatz eigenmächtig verlassen zu haben, sowie eine weitere wegen angeblicher Beleidigungen gegenüber Vorgesetzten. Diese Maßnahmen bildeten den Hintergrund für die...

weiter lesen weiter lesen

Fristlose Kündigung wegen Falschaussage gegen den Arbeitgeber rechtens
11.12.2025Redaktion fachanwalt.deArbeitsrecht
Fristlose Kündigung wegen Falschaussage gegen den Arbeitgeber rechtens

Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen (LAG) hat in seiner Entscheidung vom 13. August 2025 ( Az. 2 SLa 735/24 ) klargestellt, dass die bewusste Abgabe wahrheitswidriger Aussagen in einem Rechtsstreit gegen den Arbeitgeber eine fristlose Kündigung rechtfertigen kann. Diese Entscheidung ist von grundlegender Bedeutung bei einer Falschaussage vor Gericht (Prozessbetrug) und betont die hohen Anforderungen an die beiderseitige Treuepflicht. Falschaussage gegen den Arbeitgeber vor Gericht: Rechtliche Grundlagen Das deutsche Arbeitsrecht basiert auf einem besonderen Vertrauensverhältnis , das sich aus der Treuepflicht ergibt (§ 241 Abs. 2 BGB). Diese Pflicht bindet beide Vertragsparteien zur Rücksichtnahme auf die jeweiligen Interessen . Wird diese Pflicht in einem Maße verletzt, das die Fortsetzung des...

weiter lesen weiter lesen

Icon Über den Autor

Rechtsanwalt Alexander Meyer Premium
5,0 SternSternSternSternStern (4) Info Icon
Rechtsanwalt Alexander Meyer
Rechtsanwalt Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz
Adresse Icon
Zeuggasse 7
86150 Augsburg


Honorar/Leistung
SternSternSternSternStern (5)
Verständlichkeit
SternSternSternSternStern (5)
Erreichbarkeit
SternSternSternSternStern (5)
Freundlichkeit
SternSternSternSternStern (5)

Zum ProfilPfeil Icon Nachricht
Veröffentlicht von:
SternSternSternSternStern (4 Bewertungen)