Arbeitsrecht

Achtung! Häufige Irrtümer im Arbeitsrecht!

27.02.2020
 (1)

In meiner Praxis erlebe ich es immer wieder dass sich gewisse „Vorstellungen“ über arbeitsrechtliche Themen eingeschliffen haben, ohne dass diese eine rechtliche Grundlage haben.

Nachfolgend möchte ich einige dieser Fehlvorstellungen beleuchten und klarstellen.

1. Wenn ich dreimal abgemahnt wurde kann mir gekündigt werden!

Falsch!  Es kommt auf die Schwere des  Pflichtverstoßes an. Wenn dem Arbeitnehmer nur leichte Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind müssen mehr Abmahnungen vor einer Kündigung ausgesprochen werden als wenn die Pflichtverletzungen erheblich sind. Wenn ein Arbeitnehmer drei Mal wegen fünf Minuten Zuspätkommen abgemahnt wurde ist eine Kündigung nicht unbedingt wirksam. Wird er aber einmal wegen eines größeren Schadens, den er verursacht hat, abgemahnt, kann bei einem weiteren gleichgelagerten Pflichtenverstoß die Kündigung schon möglich sein. In diesem Zusammenhang spielt es auch eine Rolle wie lange ein Arbeitnehmer schon im Unternehmen beschäftigt ist und wie lange das Arbeitsverhältnis beanstandungsfrei bestanden hat.

2. Wenn ich krank bin, darf mir der Chef nicht kündigen!

Absolut falsch! Eine Arbeitsunfähigkeit (Krankheit) schützt nicht vor einer Kündigung. Ein Arbeitgeber dürfte einem erkranken Arbeitnehmer die  Kündigung sogar im Krankenhaus übergeben oder zustellen lassen. Ob dies moralisch vertretbar ist, ist juristisch nicht zu bewerten.

Ein Arbeitgeber kann einen Arbeitnehmer sogar wegen einer Krankheit kündigen. An eine solche krankheits- oder personenbedingte Kündigung sind aber hohe Anforderungen zu stellen.

3. Mein Chef kann mir mündlich kündigen!

Nein, kann er nicht! Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen kann nur schriftlich erfolgen. Entweder durch schriftliche Kündigung oder durch einen Aufhebungsvertrag.  Ausgeschlossen sind damit auch Kündigungen per SMS, WhatsApp, Fax oder E-Mail. Allerdings sollte man bei Erhalt einer solchen formunwirksamen Kündigung anwaltlichen Rat einholen damit die richtigen Schritte eingeleitet werden können.

 

4. Die Kündigung ist nicht begründet. Damit ist sie unwirksam!

Stimmt nicht! Im Kündigungsschreiben muss der Arbeitgeber die Kündigungsgründe nicht angeben. Dies muss er nur dann im Vorfeld tun,  wenn im Unternehmen ein Betriebsrat besteht. Dem Betriebsrat müssen vor Ausspruch der Kündigung  die Gründe mitgeteilt werden. Ansonsten erfährt der Arbeitnehmer die Gründe nur, wenn er fristgerecht (innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung) eine Kündigungsschutzklage bei dem zuständigen Arbeitsgericht einreichen lässt. Gegenüber dem Arbeitsrichter müssen die Gründe dann im Einzelnen vom Arbeitgeber dargelegt werden, damit die Wirksamkeit der Kündigung überprüft werden kann.

5. Wenn ich keinen schriftlichen Arbeitsvertrag habe , habe ich auch kein Arbeitsverhältnis!

Nein! Ein Arbeitsverhältnis kann zwar nur schriftlich beendet werden. Für den Abschluss gibt es in der Regel aber keine Formvorschriften. Hier gilt als auch der „Handschlag“. Natürlich empfiehlt es sich die Arbeitsbedingungen, allein schon aus Beweisgründen, schriftlich niederzulegen.  Vorschrift ist es aber nicht.

6. Ich habe keinen Urlaubsanspruch weil ich nur „geringfügig“ beschäftigt bin!

Falsch! Ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis ist auch ein Arbeitsverhältnis. Geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer haben die gleichen Rechte wie in Vollzeit beschäftigte Arbeitnehmer. Das bedeutet, dass geringfügig Beschäftigte Arbeitnehmer natürlich auch Anspruch auf Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall haben.

7. Wenn ich gekündigt werde steht mir eine Abfindung zu!

Ganz falsch! Kein Arbeitnehmer hat nach Ausspruch einer Kündigung automatisch Anspruch auf eine Abfindung. Es gibt eine Ausnahme. Wenn in dem Betrieb ein Sozialplan vereinbart wurde und der betroffene Arbeitnehmer unter die Anwendung des Sozialplans mit Abfindungszahlung fällt.

In allen anderen Fällen muss man sich die Abfindung erstreiten. Oft zahlen Arbeitgeber erst dann Abfindungen wenn Sie mit einer Kündigungsschutzklage überzogen  werden. 

8. Für Sonntags- und Feiertagsarbeit steht mir ein Zuschlag zu!

Nein, stimmt nicht! Grundsätzlich sind Sonntage und Feiertage genau so zu vergüten wie die anderen Tage. Ein Zuschlag kann sich aber aus einer Betriebsvereinbarung oder einem Tarifvertrag ergeben. Dann muss der Arbeitgeber Zuschläge zahlen.

Natürlich gibt es noch eine Reihe weiterer Irrtümer. Diese hier sind jedoch die häufigsten und wichtigsten. Im Zweifel sollte man sich beraten lassen.

Jörg  Wohlfeil, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht, Gießen.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Jörg Wohlfeil
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Arbeitsrecht
Aulweg 41B
35392 Gießen

Telefon: 0641/3012626


Honorar/Leistung: (0)
Erreichbarkeit: (0)
Verständlichkeit: (0)
Freundlichkeit: (0)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Jörg Wohlfeil:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Arbeitsrecht Wie gehe ich mit einer arbeitsrechtlichen Abmahnung richtig um?
27.02.2020

Der Mandant hat eine arbeitsrechtliche Abmahnung erhalten. Er möchte mich beauftragen dafür zu sorgen, dass die Abmahnung aus seiner Personalakte ersatzlos entfernt wird. Dies kann zwar richtig sein, muss es aber nicht. Oft rate ich meinen Mandanten gar nichts, jedenfalls was nach außen in Erscheinung tritt, gegen die Abmahnung zu unternehmen. In diesen Fällen rate ich dazu sich zeitnah detailliert aufzuschreiben, wie sich der Vorfall, der zur Abmahnung geführt hat, aus Sicht des Arbeitnehmers zugetragen hat. Diese Aufzeichnung soll der Arbeitnehmer aber keinesfalls seinem Arbeitgeber zu kommen lassen. Es reicht, wenn er die Aufzeichnungen für sich ... weiter lesen

Arbeitsrecht Was ist zu tun wenn das Gehalt oder der Lohn ausbleibt?
27.02.2020

Ein Arbeitsverhältnis besteht aus gegenseitigen Rechten und Pflichten. Der Arbeitnehmer erbringt seine Arbeitsleistung. Der Arbeitgeber bezahlt ihn dafür. Im Regelfall wird der Arbeitnehmer für seine Arbeitsleistung im Nachhinein bezahlt. Die meisten Arbeitsverhältnisse regeln, dass die Ansprüche auf Gehalt am Ende des Arbeitsmonats fällig werden. Was passiert also, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung ordnungsgemäß erbracht hat und die Zahlung des Arbeitgebers ausbleibt? Zunächst muss festgestellt werden, wann die Zahlung des Gehalts oder des Lohnes fällig ist. Dies ergibt sich meistens aus dem Arbeitsvertrag. Ist ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Coronavirus – welche rechtlichen Folgen bestehen im Arbeitsrecht

Viele Arbeitnehmer fragen sich, wie Ihre Rechte gegenüber ihrem Arbeitgeber wegen dem Coronavirus sind. Und wie sieht es bei Selbstständigen aus? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber. Die Ausbreitung des Coronavirus hat nicht nur erhebliche Auswirkungen im privaten Bereich. Vielmehr ist dies auch für Arbeitnehmer und Arbeitgeber von erheblicher Bedeutung. Dies gilt zunächst einmal dann, wenn das zuständige Gesundheitsamt gegen ihn wegen des Coronavirus´ Quarantäne inklusive eines Beschäftigungsverbotes angeordnet hat auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes und er deshalb nicht im Home-Office arbeiten kann.   ... weiter lesen

Arbeitsrecht Ist Burnout ein krankheitsbedingter Kündigungsgrund?

Eine krankheitsbedingte Kündigung wegen Burnout ist für Arbeitgeber nicht so einfach möglich. Sie sollte trotzdem vom Arbeitnehmer ernstgenommen werden. Näheres erfahren Sie in diesem Ratgeber.   Was ist unter einem Burnout zu verstehen? Viele Arbeitnehmer leiden unter Burnout. Wobei es für diesen Begriff keine genaue Definition gibt. Burnout ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sich Arbeitnehmer so abgeschlagen fühlen, dass sie sich an ihrem Arbeitsplatz kaum noch konzentrieren können. Die genaue Ursache ist häufig nicht ersichtlich. Burnout wird im Gegensatz zur Depression darauf zurückgeführt, dass der ... weiter lesen

Arbeitsrecht Alkoholabhängigkeit: Kann einem Arbeitnehmer wegen Alkoholkonsums gekündigt werden?

Inwieweit Arbeitgeber einen Arbeitnehmer wegen Alkoholkonsums kündigen dürfen, ist unterschiedlich. Näheres erfahren Sie in diesem Ratgeber. Vergleichbar einfach ist eine Kündigung normalerweise dann, wenn eine Kündigung wegen dem Konsum von Alkohol am Arbeitsplatz als einem verhaltensbezogenen Kündigungsgrund in Betracht kommt. Diese ist dann am einfachsten, wenn am Arbeitsplatz ein Alkoholverbot ausgesprochen worden ist, gegen das der Arbeitnehmer nachweislich verstoßen hat. Allerdings muss der Arbeitnehmer normalerweise erst einmal abgemahnt werden. Anders ist die rechtliche Situation, wenn es sich bei dem Arbeitnehmer um keinen ... weiter lesen

Arbeitsrecht Darf der Arbeitgeber Strafzettel des Arbeitnehmers bezahlen?

Manche Arbeitgeber sind großzügig, wenn ihr Arbeitnehmer eine Geldbuße oder Geldstrafe etwa wegen zu schnellen Fahrens bekommen hat und zahlen diese. Doch dürfen sie das? Normalerweise spricht nichts dagegen, wenn ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter mal ein Knöllchen erstattet. Dies verstößt für sich genommen gegen keine gesetzliche Vorschrift.   Arbeitgeber macht sich eventuell strafbar Allerdings kann dies unter bestimmten Umständen dazu führen, dass der Arbeitgeber sich strafbar macht. Dies kommt dann in Betracht, wenn er den Mitarbeiter etwa zur Missachtung von Lenkzeiten oder Tempolimits auffordert ... weiter lesen

Ihre Spezialisten