Versicherungsrecht

Berufsunfähigkeit kann jeden treffen

11.04.2022
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Zuletzt bearbeitet am: 14.02.2024

Einige Menschen arbeiten in Berufen, in denen eine Berufsunfähigkeitsversicherung praktisch dazu gehört – man empfiehlt sie ihnen an Tag eins im Job. Körperliche Belastung entstehen in der Baubranche, aber auch in Pflegeberufen oder im Leistungssport. Dass man damit rechnen muss, einen solchen Beruf nicht bis zum Renteneintritt auszuüben, ist selbstverständlich. Wenn man allerdings komplett aus dem Beruf ausscheidet, ist das tragisch. In der Realität sind es aber keineswegs nur körperlich belastende Berufe, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können. 

Ob Schreibtischjob, Lehrtätigkeit oder Forschung – jeder Bürger kann früher oder später mit Krankheiten konfrontiert werden, die eine Ausübung des Berufs unmöglich machen. Leider ist kaum jemand darauf vorbereitet, vor allem weil angenommen wird, dass die staatliche Absicherung über Krankengeld oder Erwerbsminderungsrente ausreichen würde, was leider selten der Fall ist. Ein Berufsunfähigkeitsversicherung Vergleich ist daher für jeden Arbeitnehmer empfehlenswert. Denn oft reichen schon geringe monatliche Beiträge aus, um sich gegen die unvorhersehbaren Folgen einer Berufsunfähigkeit abzusichern. 

Ursachen für Berufsunfähigkeit

Um sich die Bedeutung ausreichender Vorsorge bewusst zu machen, sollte zunächst ein Blick auf die vielen Dinge geworfen werden, die zu einer Berufsunfähigkeit führen können. Da gibt es zum einen die konstante Belastung durch physisch anspruchsvolle Tätigkeiten. Maurer, Fliesenleger oder auch Reinigungskräfte sind sehr anfällig für Rückenprobleme, Gelenkschmerzen oder Nervenschäden. 

Unfallverletzungen sind ebenfalls eine Top-Ursache für Berufsunfähigkeit. Dabei entstehen die körperlichen Leiden nicht durch wiederholte Belastung, sondern durch einen Einzelfall, bei dem Verletzungen entstehen, die eine weitere Ausübung des Berufs zeitweise oder auf Dauer unmöglich machen – Nervenschäden oder komplizierte Brüche zum Beispiel. 

Wer nicht in einem risikoreichen oder körperlich anstrengenden Job arbeitet, sollte sich aber nicht in allzu großer Sicherheit wiegen. Auch Krankheiten können zur Aufgabe des Berufs führen. Krebs bedeutet häufig, dass das Leben komplett auf den Kopf gestellt wird. Bluthochdruck, Diabetes und Herzrhythmusstörungen zählen ebenfalls zu den Krankheiten, die manchmal schleichend und manchmal plötzlich auftreten und das Arbeiten unmöglich machen. 

Auf dem Vormarsch als Ursache für Berufsunfähigkeit sind psychische Erkrankungen. Stress ist in nahezu allen Berufsgruppen zu finden und er hinterlässt seine Spuren. Burnout, Depressionen oder auch Suchterkrankungen können die Folge sein. Immer mehr Menschen haben zwar einen arbeitsfähigen Körper, doch einen Geist, der nicht mehr voll belastbar ist. 

So wird Berufsunfähigkeit festgestellt

Als wäre eine Erkrankung nicht schon schlimm genug, ist es auch noch eine ziemliche Herausforderung, die Berufsunfähigkeit feststellen zu lassen. Ein Arzt erstellt zunächst ein Attest, doch dieses wird anschließend noch von einem Gutachter beim Versicherer überprüft. Detailfragen müssen geklärt werden – eine Arbeitsunfähigkeit muss beispielsweise von der Berufsunfähigkeit unterschieden werden. 

Für die gesetzliche Rentenversicherung ist relevant, ob der Beruf überhaupt nicht mehr ausgeübt werden kann oder noch in verringerter Stundenzahl. Hier kommt es oft zu Streitigkeiten. Patienten schätzen ihre Situation anders ein als der Arzt oder das Attest vom Arzt wird vom Gutachter als nicht ausreichend angesehen. 

Zunächst bekommt man bei Krankheit oder nach einem Unfall für einen Zeitraum von bis zu 78 Wochen in drei Jahren Krankengeld (Achtung: Selbstständige, Rentner und weitere Personen können unter Umständen keinen Anspruch darauf haben). Sollte die Erwerbsunfähigkeit bestehen bleiben, greift die Erwerbsminderungsrente – allerdings nur, wenn lange genug in die Rentenversicherung eingezahlt wurde. Bei verminderter Erwerbsfähigkeit ergänzt sie das Einkommen, bei einem Komplettausfall der Arbeitskraft soll sie das Einkommen ersetzen. Leider ist das Verständnis von „Einkommen“ durch die Versicherung nicht immer das, was sich ein Betroffener wünscht. Häufig reicht die Erwerbsminderungsrente kaum aus, um laufende Kosten zu decken. Da kommt die Berufsunfähigkeitsversicherung ins Spiel. 

Folgen der Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit ist immer ein riesiges Problem. Manchmal aufgrund der finanziellen Situation, aber häufig vor allem für die betroffene Person und ihre Psyche. Die Ausübung eines Jobs ist Teil der Identität und somit wichtig für Selbstbewusstsein und sozialen Anschluss. Auch die Krankheit, die zur Berufsunfähigkeit geführt hat, ist weiterhin Teil des Lebens. Somit ist die Belastung selbst dann hoch, wenn die finanziellen Folgen abgefedert werden.

In den meisten Fällen bleibt die „Geldfrage“ allerdings bestehen. Selbstständige sind oft nicht ausreichend abgesichert, Menschen mit Familien müssen nicht nur an sich selbst denken. Bestehen noch Verbindlichkeiten wird auch die Erwerbsminderungsrente nicht ausreichen. 

Berufsunfähigkeitsversicherungen und ihre Besonderheiten

Die sogenannte BU, also die Berufsunfähigkeitsversicherung, ist eine Möglichkeit, um sich (und die Familie) abzusichern. Besonders beliebt ist sie bei Menschen, die Hauptverdiener in einer Familie sind, bei Selbstständigen oder bei jungen Menschen. Letztere haben den Vorteil, dass sie sehr geringe Beiträge zahlen und daher ohne größere finanzielle Belastung eine solche Absicherung wählen können.

Selbstständige sind aktuell nicht verpflichtet, in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen. Einige zahlen freiwillig ein, andere entscheiden sich stattdessen für eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Hauptverdiener in Familien wählen die Versicherung wiederum, da ein Ausfall ihrer Arbeitskraft nicht nur sie selbst betrifft. Partner und Kinder sind ebenfalls auf das Einkommen angewiesen. Über die Erwerbsminderungsrente (wenn diese denn gewährt wird) ist eine Familie oftmals nicht zu ernähren. 

Wird die Erwerbsunfähigkeit bestätigt, zahlt der Versicherer eine monatliche Rente aus, die beim Abschluss der Versicherung vereinbart wurde. Der große Vorteil für Menschen auf der Suche nach einer solchen Absicherung ist die Auswahl an Versicherern. Jeder kann Angebote vergleichen und schauen, welcher Versicherer am besten zu den eigenen Ansprüchen passt. Einige Anbieter haben hervorragende Angebote für Selbstständige, andere für Menschen in jungem Alter. Ein Vergleich ist auf jeden Fall immer sinnvoll, denn der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine langfristige finanzielle Verpflichtung und schon kleine Einsparungen können einen großen Unterschied machen. 

Symbolfoto: © Zerbor - stock.adobe.com

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