Versicherungsrecht

Berufsunfähigkeitsversicherung und Fehler in Gutachten der Versicherer durch fehlende Herleitung des Ergebnisses

14.04.2019

In meiner täglichen Praxis erhalte ich ständig medizinische Gutachten, welche von Versicherern eingeholt wurden um zu prüfen, ob bei dem Versicherungsnehmer die Berufsunfähigkeit eingetreten ist.

Der Hintergrund ist natürlich der, dass der Versicherungsnehmer aus medizinischen Gründen berufsunfähig ist, das Gutachten, welches der Versicherer eingeholt hat, jedoch das Gegenteil behauptet.

Leider gibt es auch bei den von Versicherern beauftragten Gutachtern schwarze Schafe.

Diese Gutachter versuchen, Gutachten im Sinne des Versicherers zu schreiben um hierdurch ein für den Versicherer genehmes Ergebnis zu liefern und auch zukünftig von dem Versicherer beauftragt zu werden.

Die Tätigkeit ist hierbei für den Gutachter äußerst lukrativ, denn die Rechnung des Gutachters für ein solches Gutachten beläuft sich häufig auf ca. 2.000 €.

Das Gutachten soll hierbei seriös und fachlich fundiert wirken, damit es auch als überzeugende Begutachtung abgenommen und verwendet werden kann.

Dieser Eindruck wird dadurch zu erwecken versucht, dass das Gutachten umfangreich und in verschiedenen Teilen detailliert ist.

Solche Gutachten haben häufig 30 oder mehr Seiten und werden mit umfangreichen Angaben zur Anamnese, zu Untersuchungen und Messungen, zu Tests und zu anderen bereits vorliegenden Befunden mit vielen medizinischen Fachwörtern gefüllt.

Bereits nach wenigen Seiten muss der Leser den Eindruck haben, dass hier ein hochkomplexes wissenschaftliches Werk erarbeitet wurde.

Allerdings muss der Gutachter ja auch die Kurve bekommen, dass das Ergebnis für den Versicherten am Ende negativ ist.

Dieses häufig mit dem Trick, dass der Sachverhalt auf vielen Seiten zunächst wissenschaftlich aufgearbeitet wird und recht unvermittelt das Ergebnis präsentiert wird.

Da heißt es dann häufig „der Umfang der Berufsunfähigkeit wird mit 40 % bewertet“.

Es besteht jedoch bei solchen Gutachten keinerlei Herleitung aus den vielen vorangehenden Seiten des Gutachtens und dem Ergebnis des Gutachters.

Das Ergebnis kommt quasi wie das Kaninchen aus dem Zylinder und der Leser kann sich fragen, warum es nur 40 % sind und nicht 50 % oder 60 %.

Wenn Sie also diese Frage in dem Gutachten nicht nachvollziehbar beantwortet sehen, sollten Sie gegenüber dem Gutachten äußerst kritisch sein.

Diese Variante findet sich in der Regel dann, wenn die Erkrankung organisch ist, da diese Erkrankungen in der Regel nicht vollständig geleugnet werden können.

Beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall ist die Auswölbung auf einem Röntgenbild erkennbar, jedoch muss dann noch ärztlich beurteilt werden, inwieweit hierdurch auch Beschwerden bestehen.

Für weitere Nachfragen stehe ich Ihnen selbstverständlich jederzeit gern persönlich zur Verfügung.

Sämtliche Kontaktdaten erhalten Sie auch unter:

www.rechtsanwaelte-werne.de

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Frank Vormbaum
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Bült 27
59368 Werne

Telefon: 02389 - 4030660


Honorar/Leistung: (0)
Erreichbarkeit: (0)
Verständlichkeit: (0)
Freundlichkeit: (0)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Frank Vormbaum:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Versicherungsrecht Beitragserhöhungen in der privaten Krankenversicherung können unwirksam sein
07.06.2019

Die private Krankenversicherung ist ein ganz besonderes Versicherungsverhältnis, weil dieses für den Versicherer grundsätzlich ordentlich unkündbar ist und auch der Versicherte faktisch den Versicherungsvertrag nur sehr schwer beenden kann, weil Beitragsrückstellungen für spätere Versicherungsjahre gebildet worden sind. Beide Seiten sind also relativ stark aneinander gebunden. Allerdings hat der Versicherer einseitig das Recht, die Beiträge zu erhöhen. Dieses ist auch bei den Versicherern insbesondere in den letzten Jahren zunehmend erfolgt. Allerdings bestehen Grenzen, welche bei den Beitragserhöhungen von den ... weiter lesen

Versicherungsrecht Berufsunfähigkeit und Fehler in Gutachten der Versicherer weil die Kerntätigkeit fehlt
14.04.2019

In meiner täglichen Praxis erhalte ich ständig medizinische Gutachten, welche von Versicherern eingeholt wurden um zu prüfen, ob bei dem Versicherungsnehmer die Berufsunfähigkeit eingetreten ist. Der Hintergrund ist natürlich der, dass der Versicherungsnehmer aus medizinischen Gründen berufsunfähig ist, das Gutachten, welches der Versicherer eingeholt hat, jedoch das Gegenteil behauptet. Leider gibt es auch bei den von Versicherern beauftragten Gutachtern schwarze Schafe. Diese Gutachter versuchen, Gutachten im Sinne des Versicherers zu schreiben um hierdurch ein für den Versicherer genehmes Ergebnis zu liefern und auch ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Versicherungsrecht Wegunfall - Definition des versicherten direkten Weges

Unter einem Wegeunfall versteht man einen Unterfall des Arbeitsunfalls, also einen Versicherungsfall der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch wenn ein Elternteil das Kind zur Schule oder zum Kindergarten bringt, um arbeiten zu können und dabei ein Unfall passiert liegt, ein Wegeunfall vor. Welcher Weg ist versichert? Versichert ist grundsätzlich das Zurücklegen des Wegs nach und von dem Ort der versicherten Tätigkeit (§ 8 Abs. 2 SGB VII). Dies können verschiedene versicherte Tätigkeiten sein, im Regelfall handelt es sich aber um Wege zur und von der Arbeit . Versichert ist grundsätzlich nur der direkte Weg , dies muss ... weiter lesen

Versicherungsrecht Was ist der Rückkaufswert?

Der Rückkaufswert ist der nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik errechnete Betrag, den ein Versicherer dem Versicherungsnehmer rückzuzahlen hat, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein Risiko bietet, bei dem der Eintritt der Verpflichtung des Versicherers gewiss ist, durch Kündigung des Versicherungsnehmers oder durch Rücktritt oder Anfechtung des Versicherers aufgehoben wird. Der Begriff Rückkaufswert stammt aus dem Versicherungsrecht. Nach § 169 Absatz 1 VVG hat der Versicherer dem Versicherungsnehmer den Rückkaufswert zu zahlen, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein ... weiter lesen

Versicherungsrecht Bundesgerichtshof erleichtert Rückabwicklung oder Schadenersatz bei Lebensversicherungen

Mannigfaltige Rechtsgründe für Rückabwicklung Der BGH entschied durch sein aktuelles Urteil vom 28.06.2017 (Az. IV ZR 440/14), daß - völlig unabhängig vom Widerruf - auch ein Schadensersatzanspruch für die Rückabwicklung einer Lebensversicherung ausreichen kann – auch bei ab 2008 abgeschlossenen Verträgen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn dem Versicherungsnehmer (VN) schuldhaft vor Vertragsabschluß die Versicherungsbedingungen nicht zur Verfügung gestellt wurden, und er deshalb einen Schaden erlitten hat bzw. er den Vertrag bei rechtzeitiger Übergabe der Versicherungsbestimmungen nicht abgeschlossen ... weiter lesen

Versicherungsrecht Wohngebäudeversicherung des Vermieters muss für Wohnungsbrandschaden des Mieters zahlen

Karlsruhe (jur). Verursacht ein Mieter fahrlässig einen Wohnungsbrand, muss die Wohngebäudeversicherung des Vermieters grundsätzlich für die Gebäudeschäden aufkommen. Beseitigt der Vermieter die Brandschäden nicht, kann der Mieter gegebenenfalls auch die Miete mindern, urteilte am Mittwoch, 19. November 2014, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Az.: VIII ZR 191/13). Da die Kosten für die Wohngebäudeversicherung auf den Mieter umgelegt werden, müsse dieser so gestellt werden, „als hätte er die Versicherung selbst abgeschlossen“. Hintergrund des Rechtsstreits war ein brandgefährlicher Kochversuch. Am 7. ... weiter lesen

Ihre Spezialisten