Berufungsverfahren an staatlichen Hochschulen unterliegen keinen freien Auswahlentscheidungen, sondern sind rechtlich gebundene Verfahren. Auch wenn Hochschulen bei der Bewertung wissenschaftlicher Leistungen über einen Beurteilungsspielraum verfügen, sind sie an verfahrensrechtliche Vorgaben und den Gleichbehandlungsgrundsatz gebunden. Werden diese Grenzen überschritten, kann eine Konkurrentenklage in Betracht kommen.
Typische Fehlerquellen finden sich bereits im Ablauf des Berufungsverfahrens. Dazu zählen etwa eine fehlerhafte Zusammensetzung der Berufungskommission, unklare oder wechselnde Bewertungsmaßstäbe, unzureichende Dokumentation der Auswahlentscheidung oder eine nicht nachvollziehbare Gewichtung von Leistungsmerkmalen. Auch die Gleichbehandlung der Bewerberinnen und Bewerber ist rechtlich zwingend. Abweichungen bedürfen einer sachlichen und belegbaren Begründung.
Eine Konkurrentenklage richtet sich nicht darauf, eine bestimmte Professur unmittelbar zu erhalten. Ziel ist vielmehr, eine fehlerhafte Auswahlentscheidung gerichtlich überprüfen zu lassen und ihre Vollziehung zu verhindern. Gelingt dies, muss das Berufungsverfahren regelmäßig erneut durchgeführt oder korrigiert werden. Die Erfolgsaussichten hängen dabei maßgeblich davon ab, ob konkrete Verfahrens- oder Bewertungsfehler nachweisbar sind.
Von zentraler Bedeutung ist der Zeitfaktor. Da Berufungsverfahren zügig abgeschlossen werden und Ernennungen rechtliche Bindungswirkung entfalten, kommt häufig nur vorläufiger Rechtsschutz in Betracht. Eine frühzeitige rechtliche Prüfung ist daher entscheidend, um effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten.
Nicht jede unterlegene Bewerbung rechtfertigt jedoch eine Klage. Wissenschaftliche Bewertungen sind nur eingeschränkt überprüfbar. Erfolgversprechend sind Konkurrentenklagen vor allem dann, wenn formelle Fehler, sachwidrige Erwägungen oder Verstöße gegen das geltende Auswahlverfahren vorliegen.









