Steuerrecht

BFH-Urteil zu Mitarbeiterbeteiligungen und ihrer steuerlichen Behandlung

Zuletzt bearbeitet am: 28.02.2024

Ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) unter dem Aktenzeichen VI R 1/21 vom 14.12.2023 hat weitreichende Bedeutung für die steuerliche Behandlung von Mitarbeiterbeteiligungen. Laut diesem Urteil sind Gewinne aus der marktüblichen Veräußerung von Mitarbeiterbeteiligungen nicht als lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn zu werten, selbst wenn diese Beteiligungen zuvor unter dem Marktwert erworben wurden.

Manager profitiert von Börsengang: Finanzamt wertet Millionen-Aktien als Lohn

Ein leitender Angestellter der A GmbH, die unter der Führung der Y AG stand, erwarb im Rahmen eines Managementbeteiligungsprogramms Anteile an einer Kommanditgesellschaft (KG). Diese KG hatte wiederum Anteile an der S Kapitalgesellschaft, die mit dem Ziel einer späteren Börseneinführung erworben wurden.

Nach erfolgreicher Börsenplatzierung der Y AG wurden dem Angestellten gemäß seiner Beteiligung an der KG Aktien im Wert von über 3 Millionen Euro übertragen.

Das Finanzamt sah die Differenz zwischen dem Wert der erhaltenen Aktien und der Einlage in die KG als steuerpflichtigen Arbeitslohn an.

BFH-Urteil: Gewinne aus Mitarbeiterbeteiligungen nicht als Arbeitslohn zu versteuern

Der BFH widersprach der Auffassung des Finanzamts.

Er stellte klar, dass Vorteile, die durch das Arbeitsverhältnis bedingt sind, grundsätzlich zu Arbeitslohn führen können. Allerdings sei ein solcher Vorteil im vorliegenden Fall nur in der Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert der Beteiligung und den Anschaffungskosten anzunehmen. Da jedoch eine unabhängige Einkunftsquelle durch die Beteiligung begründet wurde, sei der Veräußerungsgewinn nicht als Arbeitslohn, sondern nach den Regeln des Einkommensteuergesetzes zu besteuern.

Der BFH betonte zudem, dass der Gewinn aus der Veräußerung im Jahr 2007 steuerfrei blieb und ab 2018 Veräußerungserlöse zwar als Einkünfte aus Kapitalvermögen gelten, jedoch einem gesonderten Steuersatz unterliegen.

Tipp: Basierend auf diesem Urteil sollten Unternehmen und deren Mitarbeiter die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen sorgfältig prüfen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem sofortigen steuerpflichtigen Vorteil beim verbilligten Erwerb und den langfristigen steuerlichen Konsequenzen aus der Veräußerung solcher Beteiligungen.

Symbolgrafik:© Marco2811 - stock.adobe.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor





Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Steuerrecht Bundesfinanzhof begrenzt Absetzbarkeit der Zweitwohnungsteuer

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat unter dem Aktenzeichen VI R 30/21 entschieden, dass die Zweitwohnungsteuer, die im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung anfällt, innerhalb des Höchstbetrags von 1.000 Euro pro Monat für Unterkunftskosten liegt und somit nicht über diesen Betrag hinaus als Werbungskosten abgezogen werden kann. Münchnerin mit Zweitwohnung scheitert vor BFH wegen Höchstbetragsgrenze Die Fallkonstellation betraf eine Klägerin, die in München aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit eine Zweitwohnung innehatte. Sie zahlte für diese Wohnung Zweitwohnungsteuern in Höhe von 896 Euro bzw. 1.157 Euro in den strittigen Jahren. Zusätzlich entstanden ... weiter lesen

Steuerrecht Was Bürger 2024 über neue Gesetze und Änderungen wissen müssen

Regelmäßig werden in Deutschland neue Gesetze verabschiedet, welche unter anderem finanzielle Veränderungen bei Verbrauchern hervorrufen. Dementsprechend ist es von Vorteil, sich mit den durch neue Gesetze entstehenden Konsequenzen auseinanderzusetzen. Manche Gesetzesänderungen sind vorteilhaft, andere wiederum führen zu gewissen Nachteilen, die berücksichtigt werden sollten. Steuerliche Veränderungen im Jahr 2024 Sowohl Selbstständige als auch Arbeitnehmer müssen in Deutschland Steuern zahlen, wenn sie hier einer Arbeit nachgehen. Aber auch Rentner und andere Personengruppen sind unter Umständen steuerpflichtig. Daher spielen Änderungen hinsichtlich der ... weiter lesen

Steuerrecht BFH entscheidet: Bankenprivileg gilt auch für Konzernfinanzierungsgesellschaften

In einem Urteil vom 30. November 2023 (Aktenzeichen III R 55/20 ) hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass Konzernfinanzierungsgesellschaften das gewerbesteuerliche Bankenprivileg beanspruchen können, sofern ihre bankbezogenen Aktivposten die anderweitigen Geschäftsposten überwiegen. BFH erkennt Konzernfinanzierer als Kreditinstitut trotz Dienstleistungseinkünften an Die betroffene Gesellschaft erbrachte mehrheitlich innerhalb eines Konzernverbundes verschiedene Dienstleistungen und agierte zudem als Konzernfinanzierungsgesellschaft, was sie nach § 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) als Kreditinstitut qualifizierte. Ein Vergleich der Aktivposten zeigte, ... weiter lesen

Steuerrecht BFH entscheidet über Kindergeldanspruch bei Pflegeeltern

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit dem Urteil vom 18. Januar 2024, Aktenzeichen III R 5/23 , klargestellt, wie bei mehreren kindergeldberechtigten Personen im gleichen Monat der Vorrang des Anspruchs zu ermitteln ist: Maßgeblich ist, wer zu Beginn des Monats die Bedingungen für eine vorrangige Berechtigung erfüllt. BFH verweigert Kindergeld für Pflegeeltern im Dezember 2020 Ein Paar, bestehend aus dem Kläger und seinem Lebensgefährten, nahm ein im November 2020 geborenes Kind, welches von einer obdachlosen Mutter stammt, am 7. Dezember 2020 in ihren Haushalt auf. Dadurch wurden sie zu Pflegeeltern des Kindes. Unter ihnen wurde vereinbart, dass der Kläger als ... weiter lesen

Ihre Spezialisten