Baurecht und Architektenrecht

Checkliste: Worauf sollte man bei der Bauabnahme achten?

06.01.2017

Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase möchten immer mehr Verbraucher ein Eigenheim errichten. Sie wenden sich an ein Bauunternehmen und schließen mit diesem einen Bauvertrag ab. Im Folgenden kommt der Abnahme durch den Bauherrn eine wichtige Bedeutung zu. Wer hier nicht aufpasst, der hat bei einem Baumangel schnell das Nachsehen. Im dem folgenden Ratgeber erfahren Bauherrn, worauf sie vor allem achten sollten.

Bei der Errichtung eines Neubaus ist zunächst einmal wichtig, dass Bauherrn beim Abschluss des Bauvertrages aufpassen. Dabei sollte vor Vertragsschluss darauf geachtet werden, dass es sich um ein seriöses und solventes Bauunternehmen handelt.

Was Bauherrn bei Bauvertrag beachten sollten

Der Bauvertrag sollte schriftlich abgeschlossen werden. In ihm sollten alle wichtigen Punkte geregelt werden. Hierzu gehört das Bauprojekt als solches.

Ein besonderes Augenmerk sollte auf den Zeitpunkt der Fertigstellung gelegt werden. Dieser sollte möglichst genau festgelegt werden. Ansonsten kann Ihnen als Bauherr passieren, dass der Bauunternehmer sich damit Zeit lässt. Wenn dabei ein bestimmtes Datum festgelegt wird, gerät das Bauunternehmen bei Überschreiten dieses Zeitraums automatisch in Verzug. Das bedeutet: Es muss Ihnen auch einen Verzugsschaden ersetzen, ohne der Bauherr zuvor die Firma eine Mahnung geschickt und eine Nachfrist gesetzt hat.

Schließlich sollte man sich auch über die Vergütung einig werden. Für Bauherrn ist häufig ein Festpreis vorteilhaft. Denn er kann hierbei besser kalkulieren, welche Kosten auf ihn zukommen. Bei einer Vergütung nach Arbeitsstunden sollte der Bauherr auf einem Kostenvoranschlag bestehen. Dabei sollte am besten geregelt werden, inwieweit dieser überschritten werden darf.

Regelmäßige Kontrollen auf Baustelle durchführen

Als Bauherr sollten Sie sich am besten schon während des Baus in regelmäßigen Abständen auf die Baustelle begeben. Dabei sollten Sie darauf achten, ob alles an Ihren Wünschen fertiggestellt wird. Diese Kontrollen sollten vor allem dann durchgeführt werden, wenn durch nachfolgende Arbeiten ein Mangel nicht mehr ohne Weiteres gesehen werden kann. Wenn solche verdeckten Mängel bei der Abnahme nicht gesehen werden, hat dies zwar normalerweise keine negativen juristischen Konsequenzen. Allerdings müssen Sie mit teuren Folgeschäden rechnen. Ein typisches Beispiel ist etwa, wenn der Keller nicht ordnungsgemäß abgedichtet worden ist. Die Behebung der damit verbundenen Feuchtigkeitsschäden ist eine kostspielige und zeitraubende Angelegenheit.

Was am Tag der Bauabnahme wichtig ist

Auf den Termin der Bauabnahme sollten Sie sich als Bauherr gründlich vorbereiten. Sie sollten genau kontrollieren, ob vielleicht ein Baumangel im Sinne von § 633 BGB vorliegt. Diese sollten Sie genau dokumentieren und sie auch fotografieren. Sie sollten die einzelnen Baumängel in einem Protokoll auflisten und dieses vom Bauunternehmer unterschreiben lassen. Sofern dieser seine Unterschrift verweigert, können Sie ihn nicht dazu zwingen. Hier sollten Sie jedoch besonders auf eine sorgfältige Dokumentation und Beweissicherung achten. Neben Verwendung einer Videokamera sind auch unabhängige Zeugen hilfreich.

Dies ist deshalb so wichtig, weil der Abnahme rechtlich eine große Bedeutung zukommt. Unter ihr ist erst die Übergabe an den Bauherrn zu verstehen. Spricht der Bauherr dabei keine Mängelrügen aus, darf das Bauunternehmen normalerweise davon ausgehen, dass der Bauherr das Werk in dieser Form als vertragsgemäß anerkennt. Dies hat zur Konsequenz, dass er im Regelfall keine Gewährleistungsansprüche wie etwa Nachbesserung oder Minderung geltend machen kann. Sofern die Mängel erheblich sind, darf der Bauherr sogar die Abnahme verweigern. Von einem erheblichen Mangel ist vor allem dann auszugehen, wenn es sich um Sicherheitsmängel handelt. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn es einsturzgefährdet ist. Ebenso ist es, wenn unzumutbare Schäden drohen.

Für die Nachbesserung von Mängeln sollte eine Frist gesetzt werden

Bei einer Mängelrüge sollten Sie auch festhalten, bis wann der Mangel durch das Bauunternehmen spätestens behoben worden ist. Denn dann gerät das Bauunternehmen bei einer späteren Fertigstellung in Verzug. Dies hat den Vorteil, dass der Bauherr dann möglicherweise statt Nachbesserung oder Minderung auch auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung in Anspruch nehmen kann.

Worauf Sie bei der Vergütung achten sollten

Bauherrn sollten normalerweise erst nach vollständiger Fertigstellung, Abnahme sowie eventuell erforderlicher Nachbesserung von Mängeln die gesamte Vergütung bezahlen. Ansonsten kann dies rechtlich so verstanden werden, dass der Bauherr als Werk als ordnungsgemäß erbracht ansieht. Anders ist das allenfalls dann, wenn die Zahlung ausdrücklich unter Vorbehalt erfolgt. Dies sollte nicht nur bei der Überweisung unter dem Verwendungszweck angegeben werden. Vielmehr sollte der Bauherr dies auch in einem Schreiben an den Bauunternehmer klarstellen.

Hinweis:

Bauherrn die unsicher sind, sollten sich am besten vor der Abnahme an Fachleute wie Architekten oder Bauingenieure wenden. Diese bieten häufig eine Baubegleitung an.

Quelle: Fachanwalt.de (Harald Büring)

Symbolgrafik: © Marco2811 - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Redaktion fachanwalt.de




Jetzt Rechtsfrage stellen
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Baurecht und Architektenrecht Was ist ein Bauherr?

Der Bauherr ist, so die Definition des Baurechts, der wirtschaftlich und rechtlich verantwortliche Auftraggeber, wenn es um die Durchführung eines Bauvorhabens geht. Er bereitet das Bauvorhaben vor, führt es aus oder veranlasst dies, auf eigene oder auch auf fremde Rechnung. Ein Bauherr kann sowohl eine juristische Person als auch eine natürliche Person im Sinne des Gesetzes sein. Bauherren haben eine mannigfaltige Verantwortung Die Verantwortungsbereiche für die ein Bauherr zuständig ist, sind vielfältig. Grundsätzlich bestellt er zum Zwecke der Überwachung, Ausführung und Vorbereitung des anzeigebedürftigen oder ... weiter lesen

Baurecht und Architektenrecht Wie ist die Rechtslage zur Nutzung & dem Wegerecht einer Privatstraße?

Die Bezeichnung „Privatstraße“ sagt schon das meiste über die Zuordnung so einer Verkehrsfläche, die sich nicht im Eigentum der öffentlichen Hand befindet. Dieser Ratgeber liefert Informationen über Nutzung, Errichtung und Erhaltung von Privatwegen und Straßen. Wer darf Privatstraßen und -wege nutzen, wer haftet bei Unfällen und dergleichen, denn oft besteht Rechtsunsicherheit hinsichtlich der Wegerechte.   Was bedeutet der Begriff „Wegerecht“? Damit muss sich jeder auseinandersetzen, der die Errichtung eines Gebäudes – unabhängig ob privat oder geschäftlich – plant: ... weiter lesen

Baurecht und Architektenrecht Braucht man für einen Wintergarten eine Baugenehmigung?

Manchmal muss auch vor der Errichtung eines Wintergartens eine Baugenehmigung eingeholt werden. Wie die rechtliche Situation aussieht, erfahren Sie in diesem Ratgeber. Dass für den Bau eines Hauses die Einholung eine Baugenehmigung erforderlich ist, dass weiß jeder Grundstückseigentümer. Längst nicht jedem ist jedoch bekannt, dass auch bei kleineren Objekten erforderlich sein kann. Ein typisches Beispiel ist die Errichtung eines Wintergartens. Denn das öffentliche Baurecht sieht vor, dass der Bauherr normalerweise vor Errichtung einer baulichen Anlage eine Baugenehmigung einholen muss. Diese muss von der zuständigen ... weiter lesen

Baurecht und Architektenrecht Terrassenüberdachung: Braucht man eine Baugenehmigung?

Draußen sitzen, während es stürmt und regnet, am Abend noch ein Glas Wein genießen, und all das, ohne Angst vor dem nächsten Regenguss zu haben: Eine Terrassenüberdachung macht es möglich und so spielen viele Eigenheimbesitzer mit dem Gedanken, ihrer Terrasse mit einer Überdachung wetterfest zu machen. Doch ist das ohne Weiteres überhaupt möglich? Schließlich darf nicht überall gebaut werden, es braucht eine Genehmigung. Gilt das jedoch auch für Anbauten im Eigenheim – und wie holt man sich eine solche Genehmigung überhaupt ein? Gut geplant, ist halb genehmigt Wer mit dem Gedanken spielt, seine ... weiter lesen

Ihre Spezialisten