Erbrecht

Die Nutzungsentschädigung: Gerechtigkeit für die Erbengemeinschaft

07.07.2023
 (5)
Zuletzt bearbeitet am: 07.07.2023

Angenommen, Ihre Eltern sind verstorben und haben Ihnen sowie Ihrem Geschwisterteil, entweder Ihrem Bruder oder Ihrer Schwester, ein Haus vererbt. Ihr Geschwisterteil wohnt bereits seit einigen Jahren kostenfrei in diesem Haus. Nun möchten Sie möglichst schnell eine finanzielle Entschädigung von Ihrem miterbenden Geschwisterteil für die Nutzung des Hauses nach dem Tod unserer Eltern erhalten. Es ist verständlich, dass Sie auch einen Anteil an den Einkünften aus dieser Immobilie erwarten.

Wenn ein Miterbe eine geerbte Immobilie unentgeltlich nutzt, kann es sein, dass er oder sie eine finanzielle Ausgleichszahlung an die anderen Miterben leisten muss.

Diese Zahlung, die auch als Nutzungsentgelt bezeichnet wird, soll den finanziellen Nachteil der anderen Erben ausgleichen. Der Nachteil ergibt sich daraus, dass der Miterbe das Haus unentgeltlich nutzt, während die anderen Miterben nicht in den Genuss der Nutzung kommen. Der Miterbe, der in der Immobilie wohnt, profitiert vom Wohnvorteil, also den ersparten Mietkosten. Die anderen Miterben haben diesen Vorteil jedoch nicht.

Die genaue Regelung und Höhe des Nutzungsentgelts können entweder durch Vereinbarung zwischen den Miterben oder durch eine gerichtliche Entscheidung festgelegt werden.

In solchen Situationen kommt es häufig zu Streitigkeiten, mangelnder Kompromissbereitschaft oder manchmal auch zu Untätigkeit, was verheerende Folgen haben kann. Denn wer nicht handelt und seine Position durchsetzt, kann später keine rückwirkende Nutzungsentschädigung verlangen.

Mein Rat lautet daher ganz klar: Handeln Sie schnell! Auch wenn es auf den ersten Blick kompliziert erscheinen mag. Am besten suchen Sie sofort einen erfahrenen Anwalt auf, der Sie in allen rechtlichen Angelegenheiten berät und Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche innerhalb der Erbengemeinschaft behilflich ist, um eine schnelle Lösung zu erreichen.

Es gibt einige Besonderheiten, auf die ich Sie hinweisen möchte, bei denen eine fachkundige Beratung besonders sinnvoll ist:

  • Das Berliner Testament kann zu Konflikten führen.
  • Ein weiterer Sonderfall tritt auf, wenn die Immobilie bereits an eine Person mit einem Nießbrauchrecht übertragen wurde.
  • Es ist auch ratsam, rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen, da finanzielle Forderungen steuerliche Auswirkungen haben können, sowohl in Bezug auf die Einkommensteuer als auch die Erbschaftsteuer.

Dies sind nur einige Beispiele, die im Zusammenhang mit der Nutzungsentgeltzahlung in der Erbengemeinschaft berücksichtigt werden sollten. Auf unserer Website haben wir einen ausführlichen Blog-Beitrag zu diesem Thema veröffentlicht.

Wie Sie sehen, ist es ratsam, einen Anwalt hinzuzuziehen. Nur ein Experte kann eine schnelle Abwicklung gewährleisten und berücksichtigt bei Entscheidungen der Erbengemeinschaft alle rechtlichen Aspekte.

Unsere Fachkanzlei wird Ihren Miterben in einer rechtlich korrekten Weise auffordern, Ihnen eine finanzielle Entschädigung für die Nutzung des Hauses zu zahlen.

Übrigens, befinden Sie sich möglicherweise auf der anderen Seite dieser Problematik? Werden Sie von Ihren Miterben aufgefordert, Mietzahlungen zu leisten oder wurden Sie entsprechend angeschrieben? Auch in dieser Situation helfen wir Ihnen gerne weiter und zeigen Ihnen die Möglichkeiten auf, den richtigen Weg einzuschlagen.

Vielen Dank für das Lesen dieser Zeilen. Ich hoffe, Sie haben Ihnen weitergeholfen.

Ihr Hartmut Göddecke.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Hartmut Göddecke
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Steuerrecht
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Auf dem Seidenberg 5
53721 Siegburg

Telefon: 02241-17330


Honorar/Leistung: (0)
Erreichbarkeit: (0)
Verständlichkeit: (0)
Freundlichkeit: (0)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Hartmut Göddecke:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Erbrecht Erbe vorenthalten? Pflichtteil einfordern!
13.10.2023

Sie finden sich in der Situation, dass Ihr Erbteil ausgeschlossen wurde und fragen sich, wie Sie Ihren Pflichtteil erhalten können? Sie möchten wissen, wie Sie den Wert Ihres Anteils am Erbe maximieren und sich gegen möglicherweise ungerechte Gutachten zur Wehr setzen können. Gemeinsam gehen wir durch die entscheidenden Schritte und Überlegungen. Zunächst einmal, was ist der Pflichtteil? Wenn Sie durch ein Testament von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen worden sind, haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf einen Teil des Erbes: den sogenannten Pflichtteil. Der Erbe ist verpflichtet, Ihnen diesen Ausgleichsbetrag zu zahlen. Für ... weiter lesen

Erbrecht Vorweggenommene Erbfolge: Stellen Sie sich unbedingt diese Fragen!
29.09.2023

Möchten Sie Ihr Vermögen auf Ihre Kinder übertragen und fragen sich, wie Sie dies am besten gestalten können? Sie erwägen möglicherweise, dies aus steuerlichen Gründen zu tun oder um sich vor absehbaren oder unerwarteten finanziellen Belastungen zu schützen? Vielleicht befinden Sie sich auch in einer Patchwork-Familie und suchen nach Möglichkeiten, Vermögenswerte sinnvoll zu vererben, ohne Streitigkeiten zu provozieren? Wie Sie sehen, geht es darum, die Zukunft zu planen und sicherzustellen, dass Ihre Vermögenswerte in den richtigen Händen sind. In diesem Video erhalten Eltern wertvolle Informationen darüber, worauf ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Erbrecht Kein Erbe nach ignorierter Gerichtspost

Karlsruhe (jur). Trotz aller Trauer nach dem Tod eines nahen Angehörigen sollte die Post vom Gericht nicht unbeantwortet liegenbleiben. Denn das kann dazu führen, dass man unverhofft ohne Erbe dasteht, wie ein am Montag, 12. Juni 2023, veröffentlichter Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe zeigt (Az.: IV ZB 11/22). Danach kann ein Gericht die „Erbunwürdigkeit“ auch in einem sogenannten Versäumnisurteil ohne jede Beteiligung der betroffenen Person aussprechen.  Im konkreten Fall war ein Mann aus dem Raum Köln am 9. November 2018 verstorben. Fünf Wochen später reichte seine Ehefrau beim Nachlassgericht ein von beiden Eheleuten unterzeichnetes ... weiter lesen

Erbrecht Erbfallkostenpauschale auch für „Nacherben“

München (jur). Sieht ein Testament vor, dass zunächst der Ehepartner und dann beispielsweise die Kinder erben sollen, sind dies zwei getrennte „Erbfälle“. Daher können zunächst der Ehemann als „Vorerbe“ und dann auch die Kinder als „Nacherben“ bei der Erbschaftsteuer die „Erbfallkostenpauschale“ absetzen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Donnerstag, 4. Mai 2023, veröffentlichten Urteil entschied (Az.: II R 3/20). Ein Nachweis, dass im Zusammenhang mit dem Erbe Kosten entstanden sind, sei dafür nicht nötig.  Gerade bei Ehepaaren mit Kindern sind solche Testamente inzwischen üblich. Auch im Streitfall hatte die Erblasserin ... weiter lesen

Erbrecht Pflichtteil beantragt heißt noch nicht Pflichtteil erhalten

Frankfurt/Main (jur). Setzen sich Eltern zunächst gegenseitig als Erben ein, hängt die Wirkung einer „Pflichtteilsstrafklausel“ von ihrer konkreten Formulierung ab. Das zeigt ein am Montag, 6. März 2023, bekanntgegebener Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) Frankfurt am Main (Az.: 21 W 104/22). Eine Klausel, die an den „Erhalt“ des Pflichtteils anknüpft, setzt danach „einen tatsächlichen Mittelabfluss voraus.“  Mehr als die Hälfte der Ehepaare vereinbaren inzwischen ein sogenanntes Berliner Testament, in dem sie sich zunächst gegenseitig als Erben einsetzen. Erst nach dem Tod auch des zweiten Elternteils sind dann die Kinder sogenannte ... weiter lesen

Erbrecht „Vermachen“ statt „vererben“ kann Erbschaftsteuer sparen

München (jur). Wenn Ausländer eine in Deutschland gelegene Immobilie vererben, wird darauf eigentlich Erbschaftsteuer fällig. Ist auch die Empfängerin im Ausland, können sie dies dank einer Gesetzeslücke aber umgehen, indem sie die Immobilie als „Vermächtnis“ weitergeben, wie am Dienstag, 28. Februar 2023, der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem bei seiner Jahrespressekonferenz bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: II R 37/19). Die Gesetzeslücke sei seit Jahren bekannt, sei aber nie geschlossen worden.   Die Erblasserin im Streitfall lebte in der Schweiz. Ihr gehörte eine Wohnung in München, die sie einer Nichte in den USA „vermacht“ hatte. Die ... weiter lesen

Ihre Spezialisten