Versicherungsrecht

Diverse Ausschlussklauseln – lohnt sich die Restschuldversicherung überhaupt?

27.11.2020
 (1)

Die bei Abschluss eines Kredits häufig von Banken angebotene Restschuldversicherung soll die Ratenzahlungen bei Eintritt unvorhergesehene Umstände wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit absichern. Doch in Anbetracht langer Warte- und Karenzzeiten sowie diverser Ausschlussklauseln stellt sich unweigerlich die Frage, wann die Versicherung überhaupt zahlt und ob sie sich dann noch lohnt.

Die Situationen, gegen die sich Kreditnehmer mit einer Restschuldversicherung absichern möchten, sind mit teilweise sehr unterschiedlichen Kosten verbunden. Arbeitslosigkeit ist dabei am teuersten. Eine Marktuntersuchung der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) im Jahr 2019 kam zu dem Ergebnis, dass es aber ebendiese teuer bepreisten Versicherungsfälle sind, bei denen die Zahlung seitens der Versicherer besonders häufig verweigert wird. Teilweise wurden mehr als die Hälfte aller Leistungsfälle bei Arbeitslosigkeit von einzelnen Versicherungen abgelehnt.

Achtung bei Warte- und Karenzzeiten

Unter anderem richten sich die Kosten für die Versicherung nach den vertraglich festgelegten Warte- und Karenzzeiten. Unter Wartezeit versteht man den Zeitraum, in dem der Versicherungsvertrag bestanden haben muss, bevor ein Leistungsanspruch besteht. Die Karenzzeit bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Eintreten eines Schadensfalls und der Auszahlung der Leistung.

Für Arbeitslosigkeit zahlen manche Versicherer z. B. erst nach einer Wartezeit von einem halben Jahr und einer zusätzlichen Karenzzeit von drei Monaten. Der Versicherungsnehmer zahlt also schon neun Monate für die Versicherung, obwohl er in diesem Zeitraum noch keinerlei Anspruch auf Leistung hat. Manchmal sind auch nur die ersten zwölf Monate des Versicherungsfalls abgedeckt. Ist der Versicherungsnehmer also länger als ein Jahr arbeitslos, zahlt die Versicherung nicht mehr. Wenn ein Versicherungsnehmer nach Leistungsinanspruchnahme wieder eine Anstellung findet, diese aber kurz darauf erneut verliert, sind weitere Karenzzeiten möglich. Einige Versicherer zahlen lediglich für drei Leistungsfälle. Wird ein Versicherungsnehmer zum vierten Mal arbeitslos, hat er keinen Leistungsanspruch mehr. Zudem greifen Restschuldversicherungen regelmäßig nicht, wenn die Arbeitslosigkeit selbstverschuldet ist.

Achtung bei Ausschlussklauseln

Hinzu kommen diverse Ausschlussklauseln in den Versicherungsverträgen, die den Versicherungsschutz zusätzlich einschränken. Zum Beispiel greift dann der Todesfallschutz nicht bei Suizid, der Schutz vor Arbeitsunfähigkeit nicht bei psychischen Erkrankungen oder Schwangerschaften und der Schutz vor Berufsunfähigkeit nicht bei gewissen Krankheiten.

Die individuelle Gestaltung der Verträge variiert mitunter stark. Daher sind Kreditnehmer gut beraten, im Vorfeld genau zu prüfen, wann die Versicherung überhaupt zahlt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kreditnehmer nicht zwischen verschiedenen Versicherungsanbietern wählen können. Sie können nur die Versicherung abschließen, die von der Bank zusammen mit dem Kredit angeboten wird.

Was muss ich als Verbraucher beachten?

Je nach Höhe des abgeschlossenen Darlehens und der Versicherungskosten gilt es, genau abzuwägen, ob der Abschluss einer Ratenschutzversicherung im individuellen Fall wirklich notwendig und sinnvoll ist. Außerdem ist auch nicht jede Ausschlussklausel immer rechtens. Im Dezember 2014 kam der Bundesgerichtshof (Az. IV ZR 289/13) beispielsweise zu dem Schluss, dass die folgende Formulierung zu unklar sei: „Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht auf die der versicherten Person bekannten ernstlichen Erkrankungen.“

Sollten Sie sich in Bezug auf den Abschluss einer Restschuldversicherung unsicher sein, steht Ihnen die Anwaltskanzlei Lenné gerne zur Seite. Wir prüfen den Vertrag, die Kosten – insbesondere im Verhältnis zur Höhe des Kredits – und die Ausschlussklauseln. Lassen Sie sich dazu einfach im Rahmen eines kostenlosen Erstgesprächs beraten.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Guido Lenné
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Max-Delbrück-Str. 18
51377 Leverkusen

Telefon: 0214 90 98 40 0


Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Guido Lenné:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Versicherungsrecht Restschuldversicherung: wann sie widerrufen werden kann
04.12.2020

Die sogenannte Restschuldversicherung bleibt in ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis leider oft hinter dem zurück, was sie verspricht. Wo sie eigentlich die Ratenzahlungen des Kredits im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit usw. absichern soll, entpuppen sich lange Warte- und Karenzzeiten sowie unterschiedlichste Ausschlussklauseln in den Verträgen im Ernstfall als herbe Enttäuschung: Die Versicherung zahlt dann nämlich doch nicht. Deshalb ist vor allem Kreditnehmern, die einen kleineren Ratenkredit abschließen, von einer Restschuldversicherung eher abzuraten. Was ist aber, wenn man nun die Ratenschutzversicherung etwas unüberlegt abgeschlossen hat: Kommt ... weiter lesen

Versicherungsrecht Wie teuer darf eine Restschuldversicherung sein?
23.10.2020

Bereits bei Abschluss kleinerer Ratenkredite bieten Banken gerne eine Restschuldversicherung an, obwohl sie hier eigentlich überflüssig ist. Doch auch im Falle von größeren Darlehen, wenn eine Absicherung durch eine Restschuldversicherung durchaus sinnvoll sein könnte, stimmt oft das Kosten-Nutzen-Verhältnis einfach nicht. Die Frage lautet also, wie teuer eine solche Versicherung sein darf. Die Antwort ist aber nicht so einfach, denn eine pauschale Bezifferung der Kosten ist kaum möglich. Es gibt nämlich keine Formeln oder festen Prozentsätze, anhand derer sich die zu erwartenden Kosten für die Absicherung des Darlehens berechnen ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Versicherungsrecht Schulden bei der Krankenkasse: Ist ein Versicherungsschutz bei Erkrankung gegeben?

Schulden bei der Krankenkasse können sich schnell fatal auswirken. Unter Umständen braucht die Krankenkasse keine Leistungen erbringen. Das gilt aber nicht immer.  Obwohl vor über 10 Jahren eine Versicherungspflicht in der Krankenversicherung eingeführt wurde, bedeutet dies noch lange nicht, dass jeder Patient die ihm eigentlich zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen kann. Insbesondere Selbstständige oder auch andere Personen, die ihre Beiträge selbst an die Krankenkasse bezahlen müssen aufpassen, dass sie diese regelmäßig entrichten.    Krankenkasse braucht unter Umständen nicht für Behandlungen etc. aufkommen Zwar brauchen Mitglieder einer ... weiter lesen

Versicherungsrecht Sturmschäden: Wann zahlt die Versicherung?

Wann Versicherungen für Sturmschäden aufkommen, erfahren Sie in diesem Ratgeber. Bei Stürmen kommt es schnell zu einem großen Schaden, was für die Betroffenen ärgerlich ist. Umso besser ist es, wenn sie dafür eine Versicherung in Anspruch nehmen können. Welche Versicherung womöglich aufkommt, hängt davon ab, wo die Schäden eingetreten sind. Soweit das Gebäude selbst betroffen ist, ist normalerweise die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers zuständig. Wenn es hingegen um Gegenstände geht, ist gewöhnlich die Hausratversicherung zuständig. Inwieweit diese Versicherungen für ... weiter lesen

Versicherungsrecht Wegunfall - Definition des versicherten direkten Weges

Unter einem Wegeunfall versteht man einen Unterfall des Arbeitsunfalls, also einen Versicherungsfall der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch wenn ein Elternteil das Kind zur Schule oder zum Kindergarten bringt, um arbeiten zu können und dabei ein Unfall passiert liegt, ein Wegeunfall vor. Welcher Weg ist versichert? Versichert ist grundsätzlich das Zurücklegen des Wegs nach und von dem Ort der versicherten Tätigkeit (§ 8 Abs. 2 SGB VII). Dies können verschiedene versicherte Tätigkeiten sein, im Regelfall handelt es sich aber um Wege zur und von der Arbeit . Versichert ist grundsätzlich nur der direkte Weg , dies muss ... weiter lesen

Versicherungsrecht Was ist der Rückkaufswert?

Der Rückkaufswert ist der nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik errechnete Betrag, den ein Versicherer dem Versicherungsnehmer rückzuzahlen hat, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein Risiko bietet, bei dem der Eintritt der Verpflichtung des Versicherers gewiss ist, durch Kündigung des Versicherungsnehmers oder durch Rücktritt oder Anfechtung des Versicherers aufgehoben wird. Der Begriff Rückkaufswert stammt aus dem Versicherungsrecht. Nach § 169 Absatz 1 VVG hat der Versicherer dem Versicherungsnehmer den Rückkaufswert zu zahlen, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein ... weiter lesen

Ihre Spezialisten