Bankrecht und Kapitalmarktrecht

Ein eigenes Haus kaufen: Worauf sollte ich achten?

02.11.2023
 (3)
Zuletzt bearbeitet am: 20.02.2024

Ein eigenes Haus – davon träumen zahlreiche Menschen. Doch dieser Traum lässt sich nicht so leicht umsetzen. Bis man Eigentümer ist, dauert es oftmals eine lange Zeit. Dabei ist es zunächst notwendig, ein passendes Haus zu finden und sich um die Finanzierung zu kümmern. Anschließend folgen der Kaufvertragsentwurf, der Termin beim Notar, die Grundbuchänderung und letztendlich die Übergabe der Schlüssel.

Ein Eigenheim finanzieren: Welche Optionen gibt es?

Die wenigsten Menschen haben die Möglichkeit, das Eigenheim aus eigener Tasche zu bezahlen. Meistens ist es notwendig, ein Darlehen aufzunehmen. Zur Immobilienfinanzierung wird häufig ein sogenanntes Annuitätendarlehen genutzt. Hierbei bleiben die regelmäßig anfallenden Kreditraten während der vereinbarten Zeit gleich hoch. Dazu wird im Vorfeld ein fester Sollzins vereinbart. Der Vorteil der langen Sollzinsbindung ist, dass man finanziell gut planen kann. Schließlich wird sich die Kreditrate innerhalb der Zinsbindung nicht verändern. Alternativ besteht die Möglichkeit, ein variables Darlehen aufzunehmen. In dem Fall kann der Kreditgeber die Zinsen während der Laufzeit anpassen. Man muss also das Risiko in Kauf nehmen, dass sich die Zinsen und damit auch die Raten im Laufe der Zeit erhöhen.

Vor der Aufnahme eines Darlehens ist es stets sinnvoll, sich verschiedene Finanzierungsangebote einzuholen – von der eigenen Hausbank sowie von anderen Kreditgebern. Vorab sollte man sich Gedanken um die notwendigen Kosten und die eigenen finanziellen Möglichkeiten machen. Bei der Finanzierung der Immobilie sollten sowohl der Kaufpreis des Hauses als auch die Nebenkosten wie die Grunderwerbssteuer und die Notarkosten berücksichtigt werden.

Das Eigenkapital spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich gilt: Je mehr Eigenkapital aufgebracht werden kann, desto niedriger kann der Zinsaufwand ausfallen und desto schneller lässt sich der Kredit abbezahlen. Häufig wird empfohlen, mindestens 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten selbst zu bezahlen. Das gesamte Eigenkapital zu verwenden, ist jedoch nicht ratsam. Schließlich können unvorhersehbare Kosten auf einen zukommen.

Zusätzlich sollte man abwägen, welche Kreditrate man regelmäßig stemmen kann. Hierbei ist es wichtig, realistisch zu bleiben und auch an die Zukunft zu denken – es sollte zum Beispiel ein eventueller Kinderwunsch mitberücksichtigt werden.

Die wichtigsten Kriterien beim Hauskauf im Überblick

Die Entscheidung zum Kauf eines Hauses sollte gut überlegt sein. Einer der wichtigsten Faktoren ist die Lage der Immobilie. Sie sollte zur eigenen Lebenssituation und den Zukunftsplänen passen. Wer Kinder hat oder plant, sollte beispielsweise auf Spielplätze, Kindergärten und Schulen in der Nähe achten. Für viele Menschen sind zudem eine gut ausgebaute Infrastruktur sowie eine möglichst gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel von Bedeutung.

Neben der Lage sollte man die direkte Nachbarschaft berücksichtigen. Es macht also Sinn, vor dem Erwerb der Immobilie bei den Nachbarn zu klingeln und mit ihnen zu sprechen. So kann man einen Eindruck davon bekommen, ob man sich in der Nachbarschaft wohlfühlen würde.

Darüber hinaus sind selbstverständlich die Einrichtung und der Zustand des Hauses äußerst relevant. Für den Besichtigungstermin sollte man sich daher ausreichend Zeit nehmen. Hilfreich können eine Checkliste und ein Maßband sowie ein Smartphone bzw. eine Kamera zur Erstellung von Fotos sein. Wer Gefallen an einer Immobilie findet, sollte einen weiteren Besichtigungstermin vereinbaren – und zu diesem am besten einen Experten mitnehmen. Eventuell ist es sogar sinnvoll, einen Gutachter zu beauftragen. Vor dem Hauskauf lohnt sich zudem ein Blick in verschiedene Dokumente. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Grundbuchauszug
  • Bebauungsplan
  • Energieausweis

Wie läuft der Kauf einer Immobilie ab?

Wer die passende Immobilie und eine passende Finanzierung gefunden hat, sollte sich zunächst eine Finanzierungszusage der Bank einholen. Sie ist für den folgenden Notartermin erforderlich. Ein bereits unterschriebener Darlehensvertrag ist hingegen noch besser, denn eine Finanzierungszusage der Bank ist nicht verbindlich. In dem Fall besteht jedoch die Gefahr, dass der Hauskauf platzt. Daher sollten zwischen dem Banktermin und dem Notartermin maximal 14 Tage liegen. Dadurch hat man notfalls noch die Möglichkeit, das 14-tägige Widerrufsrecht in Anspruch zu nehmen.

Bevor der Kaufvertrag tatsächlich unterschrieben wird, wird jedoch ein Kaufvertragsentwurf aufgesetzt. Diesen sollte man sorgsam lesen und überprüfen – gegebenenfalls kann hierbei ein Experte wie ein Anwalt behilflich sein. Sofern der Verkäufer und der Käufer dem Kaufvertrag zustimmen, wird dieser bei einem Notartermin von beiden Parteien unterschrieben.

Anschließend ist es erforderlich, die Grunderwerbssteuer und den Kaufpreis zu begleichen. Danach wird sich der Notar um die Grundbuchänderung kümmern. Zu guter Letzt wird der Verkäufer die Schlüssel an den Käufer übergeben. 

Autor: Fachanwalt.de

Symbolgrafik: © stokkete - stock.adobe.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor





Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Bankrecht und Kapitalmarktrecht Ist die Verwendung eines Geschäftskontos gesetzlich vorgeschrieben?

Wer ein Unternehmen gründet, muss sich mit einigen bürokratischen Angelegenheiten auseinandersetzen. Viele Selbstständige und Freiberufler stehen vor allem zu Beginn ihrer  Gründung vor der Frage, ob sie ein Geschäftskonto eröffnen sollen oder nicht. Ein Geschäftskonto ist eine Sonderform des Girokontos und bietet für Unternehmer einige Vorteile mit sich. Häufig herrscht jedoch Unsicherheit darüber, ob die Verwendung eines Geschäftskontos verpflichtend ist oder nicht. Welche Vorteile hat ein Geschäftskonto? Unabhängig davon, ob man ein Einzelunternehmen, eine GmbH oder eine AG gründen möchte - ein Geschäftskonto hilft Selbstständigen und ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Ratgeber Immobilien: Wie werden Maklerprovision & Maklercourtage definiert?

Im Segment der Immobilien gibt es zahlreiche Wege und Möglichkeiten, wie man die Hilfe eines Maklers in Anspruch nehmen kann. Für den erfolgreichen Verkauf oder für die Vermietung einer Immobilie wird eine so genannte Maklerprovision, oder aber auch Maklercourtage erhoben. Wie hoch die Courtage ausfällt und was erfüllt sein muss, damit sie wirklich fällig wird, ist vielen Kunden unklar. Viele Menschen wissen darüber hinaus nicht, dass es sogar gesetzliche Vorgaben beim Thema Maklerprovision und Maklercourtage gibt. In der Praxis bedeutet dies, dass seit dem 23. Dezember des Jahres 2020 ein neues Provisionsgesetz in Kraft getreten ist. Dieses Gesetz schreibt vor, dass die ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Banken durften Verwahrentgelte auf Spareinlagen verlangen

Frankfurt/Main (jur). Banken und Sparkassen durften während der Niedrigzinsphase sogenannte Verwahrentgelte für Guthaben auf Girokonten verlangen. Das hat am Donnerstag, 5. Oktober 2023, das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main entschieden (Az.: 3 U 286/22). Es wies damit eine Klage der Verbraucherzentrale Hamburg gegen die Commerzbank ab.  Die Commerzbank hatte von Mitte 2020 bis Mitte 2022 Negativzinsen von 0,5 Prozent auf Spareinlagen verlangt. Dabei galt für Neukunden ein Freibetrag von 50.000 Euro. Für Bestandskunden waren je nach Dauer der Geschäftsbeziehungen höhere Freibeträge von bis zu 250.000 Euro vorgesehen. Seit Juli 2022 erhebt die Bank keine ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Schufa-Eintrag löschen – Anleitung wie Sie richtig vorgehen inkl. Musterbrief

Negative Eintragungen in der eigenen Schufa haben nicht selten unangenehme Konsequenzen. Plötzlich verweigern Vermieter den Abschluss eines Mietvertrags oder Mobilfunkunternehmen den neuen Handytarif. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man jedoch seinen Schufa-Eintrag löschen lassen. Die Voraussetzungen, wann ein Eintrag in die Schufa gelöscht werden kann, samt Musterbrief und Handlungsempfehlungen sind im Folgenden umfangreich dargestellt. Wann können Schufa-Einträge gelöscht werden? Die Schufa ist eine Auskunftsdatei, die wirtschaftliche Daten von Privatpersonen sammelt . Diese Daten erhält sie von vielen Partnerunternehmen wie Banken, Versicherungen oder ... weiter lesen

Ihre Spezialisten