Arbeitsrecht

Gibt es "hitzefrei" ebenfalls für Arbeitnehmer?

14.06.2018
 (2)

Für viele Schüler ist der Hochsommer Grund zur Freude. Denn sie können auf „hitzefrei“ hoffen. Doch wie sieht die rechtliche Situation für Arbeitnehmer aus?

Längst nicht jeder Arbeitsplatz ist bei sommerlichen Temperaturen gut vor Hitze geschützt. Insofern kommt bei Arbeitnehmern der Wunsch auf, dass sie vom Arbeitgeber hitzefrei bekommen und nach Hause gehen dürfen. Das Gesetz sieht allerdings keinen Anspruch auf hitzefrei vor, wenn es an Arbeitsplätzen unangenehm heiß ist.

 

Arbeitgeber hat Fürsorgepflicht

Gleichwohl dürfen Arbeitgeber in einer solchen Situation nicht einfach die Hände in den Schoß legen und von ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie sich zusammenreißen. Dies ergibt sich daraus, dass der Arbeitgeber gegenüber seinen Arbeitnehmern eine Fürsorgepflicht hat. Diese ergibt sich aus § 618 Abs. 1 BGB als vertragliche Nebenpflicht aus dem Arbeitsvertrag. Das bedeutet: Er muss dafür Sorge tragen, dass seine Arbeitnehmer am Arbeitsplatz nicht in ihrer Gesundheit gefährdet werden. Diese Verpflichtung ergibt sich auch aus § 4 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG). Schließlich muss der Arbeitgeber nach § 3a Abs. 1 ArbStättV dafür Sorge tragen, dass Arbeitsstätten so eingerichtet und betrieben werden, dass von ihnen keine Gefährdung der Sicherheit und der Gesundheit der Beschäftigten ausgeht. Dabei hat er den Stand der Technik und insbesondere die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach § 7 Abs. 4 bekannt gemachten Regeln und Erkenntnisse zu berücksichtigen. Was das konkret bedeutet, wird durch die „technischen Regeln für Arbeitsstätten Raumtemperatur“ ASR A3.5 näher konkretisiert.

Hieraus folgt: Der Arbeitgeber muss sich umso mehr einfallen lassen, je unerträglicher die Hitze am Arbeitsplatz wird. Hierfür gibt es die folgende Faustformel:

 

Faustformel für Arbeitnehmer bei Hitze

Sofern das Thermometer mehr als 26 Grad Celsius bis zu 30 Grad Celsius anzeigt, „soll“ der Arbeitgeber zusätzliche Maßnahmen ergreifen. Diese können etwa darin bestehen, dass der Arbeitgeber Sonnenschutz wie Jalousien oder Lüftungseinrichtungen effektiv steuert, die Fenster früh morgens geöffnet werden, er Klimageräte verwendet, die Kleiderordnung gelockert wird und kühlende Getränke wie vor allem Wasser bereitgestellt werden. Der Arbeitgeber muss zumindest prüfen, ob er diese Maßnahmen für angebracht hält.

Bei Temperaturen ab 30 Grad Celsius bis 35 Grad Celsius sind die ASR A3.5 strenger. Hier „muss“ der Arbeitgeber diese Maßnahmen anhand einer Gefährdungsbeurteilung durchführen. Hier steht also fest, dass er gegen die Hitze zumutbare Maßnahmen ergreifen muss.

Über 35 Grad Celsius ist dann wirklich Schluss mit lustig. Sofern technische oder organisatorische Maßnahmen nichts bringen, ist die jeweilige Arbeitsstelle nicht zum Arbeiten geeignet. Arbeitnehmer brauchen sich in dem betreffenden Raum nicht aufzuhalten. Hieraus ergibt sich allerdings nicht automatisch, dass sie ein Anrecht auf hitzefrei haben. Unter Umständen kann ihnen etwa eine kühlere Räumlichkeit zugewiesen werden, die sich etwas auf der Schattenseite oder im Keller des Gebäudes befindet.

 

Fazit:

Arbeitnehmer sollten daher das Thermometer im Blick haben. Wenn diese zu hoch sind, sollten sie sich beim Arbeitgeber darüber beschweren und von diesem verlangen, dass er entsprechende Maßnahmen ergreift. Dabei kann er auch eigene Vorschläge machen, z.B. Anschaffung von Standventilatoren (Arbeitnehmer kann sie nach Absprache auch von zu Hause mitbringen), sehr frühere Arbeitszeiten. Keine gute Idee ist es jedoch, einfach das Betriebsgelände zu verlassen und nach Hause zu gehen. Hierzu sollten sich Arbeitnehmer höchstens dann entschließen, wenn ihnen aufgrund der Hitze etwa ein Hitzekollaps droht. Dies sollten sie sich vom Betriebsarzt oder notfalls vom Hausarzt in einem Attest bestätigen lassen. Wenn der Arbeitgeber dann Probleme macht und eine Abmahnung bzw. sogar eine Kündigung ausspricht, sollte man sich durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder einen Rechtssekretär einer Gewerkschaft beraten lassen.

 

Autor: Harald Büring (Fachanwalt.de-Redaktion)

Foto: © kwarner - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Redaktion fachanwalt.de




Jetzt Rechtsfrage stellen
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Darf der Arbeitgeber Strafzettel des Arbeitnehmers bezahlen?

Manche Arbeitgeber sind großzügig, wenn ihr Arbeitnehmer eine Geldbuße oder Geldstrafe etwa wegen zu schnellen Fahrens bekommen hat und zahlen diese. Doch dürfen sie das? Normalerweise spricht nichts dagegen, wenn ein Arbeitgeber seinem Mitarbeiter mal ein Knöllchen erstattet. Dies verstößt für sich genommen gegen keine gesetzliche Vorschrift.   Arbeitgeber macht sich eventuell strafbar Allerdings kann dies unter bestimmten Umständen dazu führen, dass der Arbeitgeber sich strafbar macht. Dies kommt dann in Betracht, wenn er den Mitarbeiter etwa zur Missachtung von Lenkzeiten oder Tempolimits auffordert und...weiter lesen

Arbeitsrecht Urlaubsabgeltung bei Tod des Arbeitnehmers

Ist der Anspruch auf Urlaubsabgeltung vererblich, wenn der Arbeitnehmer stirbt? Hierzu hat jetzt der Europäische Gerichtshof eine wichtige Entscheidung gesprochen.   Der Tod eines nahestehenden Menschen kommt häufig überraschend. Sofern er als Arbeitnehmer tätig gewesen ist, fragen sich viele Angehörige als Erben, ob der Arbeitgeber ihnen eine finanzielle Vergütung wegen dem noch nicht genommenen Jahresurlaub bezahlen muss.     Arbeitgeber verweigern Zahlung der Urlaubsabgeltung an Erben Doch dazu sind viele Arbeitgeber nicht bereit. Sie vertreten die Auffassung, dass der restliche Jahresurlaub beim Tod des...weiter lesen

Arbeitsrecht Unfall während einer Dienstfahrt – wer übernimmt die Haftung für den Schaden?

Wenn Arbeitnehmer mit dem Firmenauto oder ihrem privaten Wagen eine Dienstfahrt unternehmen, kann es zu einem Unfall kommen. Wer haftet, erfahren Sie in diesem Beitrag.   Haftung bei Unfall mit Firmenwagen des Arbeitgebers Sofern der Arbeitgeber einen Firmenwagen zur Verfügung stellt und der Arbeitnehmer damit einen Unfall hat, ist dies zunächst einmal für den Arbeitgeber ärgerlich. Dies gilt vor allem, wenn der Mitarbeiter den Unfall verschuldet hat und daher die Haftpflichtversicherung des Arbeitgebers einspringen muss. Denn der Arbeitgeber muss dann damit rechnen, dass er infolge der Einstufung in eine ungünstigere Schadensklasse...weiter lesen

Arbeitsrecht Vergütung – was ist das und wer bekommt diese?

Eine Vergütung ist die für eine Dienstleistung in Geld zu entrichtende Gegenleistung (vgl. § 611 Absatz 1 BGB). Es handelt sich dabei also um einen Überbegriff:   im Arbeitsrecht:   Lohn  (für den Arbeiter) im öffentlichen Dienst:   Gehalt  (für den Angestellten) beim Militär und im Zivildienst: Sold grds. bei den freien Berufen (Ärzte, Gutachter, Architekten etc.):...weiter lesen

Ihre Spezialisten