Versicherungsrecht

Guido Lenné in der WDR Servicezeit: Gebrauchtwagengarantie an Person oder Auto gekoppelt?

09.10.2020
 (1)

Wenn ein Gebrauchtwagen nach dem Kauf kaputt geht und repariert werden muss, soll die Gebrauchtwagengarantie den Autokäufer absichern, indem sie die anfallenden Reparaturkosten abdeckt. Doch in der Realität steht dem Fahrzeugeigentümer möglicherweise eine böse Überraschung ins Haus. So geschehen in einem Fall, über den die WDR Servicezeit kürzlich berichtete.

Gerade mal drei Wochen nach dem Kauf hatte ein Käufer schon massive Probleme mit seinem Gebrauchtwagen. Die Nockenwelle brach und verursachte einen kapitalen Motorschaden. Es musste also ein Ersatzmotor her. Die Kosten für die Reparatur betrugen ca. 4.000 Euro. Für den Eigentümer kein Problem, verfügte er doch über eine noch gültige Gebrauchtwagengarantie. Diese hatte er vom Vorbesitzer des Wagens übernommen, der sie beim Kauf des Wagens im Autohaus abgeschlossen hatte. Doch das Autohaus verweigerte die Kostenübernahme. Schließlich sei die Garantie an die Person gekoppelt, nicht an das Fahrzeug.

Schadenverursacher: bekanntes Problem bei diesem Fahrzeugmodell

Für genau dieses Fahrzeugmodell wurde zwischenzeitlich seitens des Fahrzeugherstellers eine Rückrufaktion gestartet, denn bei dem Problem, das den Schaden verursacht hatte, handelte es sich keineswegs um einen Einzelfall. Auf die Frage, ob der Hersteller dementsprechend die Kosten für die Reparatur übernehmen würde, erhielt der Fahrzeugeigentümer aber keine Antwort. Für die Werkstatt, die die Reparatur durchgeführt hatte, gab es keinerlei Zweifel: Der Schaden war eindeutig der Rückrufaktion zuzuordnen, schließlich handelte es sich beim Verursacher des Schadens um einen konstruktionsbedingten Fehler.

Bzgl. der Gebrauchtwagengarantie „Audi CarLife Plus“ forschte die Servicezeit-Redaktion weiter nach und stellte fest, dass diese auch in anderen Autohäusern angeboten wurde. Bei einem dieser Autohäuser erkundigte man sich näher zu dem Versicherungsprodukt. Die eindeutige Antwort: Die Garantie sei definitiv an den PKW gebunden, nicht an die Person.

Die Redaktion erkundigte sich bei dem ursprünglichen Anbieter der Garantie – Volkswagen. Der Konzern gab an, dass dieses Versicherungsprodukt schon seit dem Jahr 2010 nicht mehr verkauft würde. Das heißt, dass es die Versicherung zum Zeitpunkt des Fahrzeugkaufs gar nicht mehr gab. Sie musste also vom Autohändler kreiert worden sein. Doch dieser äußerte sich dazu nicht, auch nicht auf wiederholte Nachfragen. Nur vom Anwalt des Autohauses gab es Nachricht: Man wolle nicht mit dem Fernsehteam reden.

Bleibt der Eigentümer nun auf den Kosten sitzen?

Das Fernsehteam bittet Guido Lenné, die Garantiebedingungen einmal genau zu prüfen. Die Schlussfolgerung des Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht: Die Garantie ist an das Auto gebunden, nicht an die Person. Da VW die Garantie schon lange nicht mehr anbietet, das Autohaus aber ein solches Produkt unter dem ursprünglichen Namen verkauft, vermutet Lenné Etikettenschwindel seitens des Autohauses. Aber was heißt das nun für den Fahrzeugbesitzer? Wer haftet für den Schaden: das Autohaus aufgrund der Garantie oder der Hersteller aufgrund der Rückrufaktion? Im Zweifelsfall beide, so der Leverkusener Anwalt. Sein Tipp: „Wir würden unseren Mandanten hier raten, den Hersteller und den Händler als Gesamtschuldner in Anspruch zu nehmen.“

Welchen Rat Guido Lenné Betroffenen sonst noch gibt und wie der Fall schließlich ausgegangen ist, erfahren Sie hier im WDR-Beitrag. Grundsätzlich gilt für Autokäufer, die Garantiebedingungen vorab genau zu prüfen bzw. von einem Anwalt prüfen zu lassen. Hier steht Guido Lenné seinen Mandanten gerne zur Seite, wie auch im Ernstfall, wenn die Garantie angeblich nicht greifen soll. Als Betroffener können Sie sich unverbindlich im Rahmen eines kostenlosen Erstgesprächs beraten lassen.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Guido Lenné
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Max-Delbrück-Str. 18
51377 Leverkusen

Telefon: 0214 90 98 40 0


Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Guido Lenné:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Versicherungsrecht Diverse Ausschlussklauseln – lohnt sich die Restschuldversicherung überhaupt?
27.11.2020

Die bei Abschluss eines Kredits häufig von Banken angebotene Restschuldversicherung soll die Ratenzahlungen bei Eintritt unvorhergesehene Umstände wie Arbeitslosigkeit oder Krankheit absichern. Doch in Anbetracht langer Warte- und Karenzzeiten sowie diverser Ausschlussklauseln stellt sich unweigerlich die Frage, wann die Versicherung überhaupt zahlt und ob sie sich dann noch lohnt. Die Situationen, gegen die sich Kreditnehmer mit einer Restschuldversicherung absichern möchten, sind mit teilweise sehr unterschiedlichen Kosten verbunden. Arbeitslosigkeit ist dabei am teuersten. Eine Marktuntersuchung der BaFin (Bundesanstalt für ... weiter lesen

Versicherungsrecht Wie teuer darf eine Restschuldversicherung sein?
23.10.2020

Bereits bei Abschluss kleinerer Ratenkredite bieten Banken gerne eine Restschuldversicherung an, obwohl sie hier eigentlich überflüssig ist. Doch auch im Falle von größeren Darlehen, wenn eine Absicherung durch eine Restschuldversicherung durchaus sinnvoll sein könnte, stimmt oft das Kosten-Nutzen-Verhältnis einfach nicht. Die Frage lautet also, wie teuer eine solche Versicherung sein darf. Die Antwort ist aber nicht so einfach, denn eine pauschale Bezifferung der Kosten ist kaum möglich. Es gibt nämlich keine Formeln oder festen Prozentsätze, anhand derer sich die zu erwartenden Kosten für die Absicherung des Darlehens berechnen ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Versicherungsrecht Sturmschäden: Wann zahlt die Versicherung?

Wann Versicherungen für Sturmschäden aufkommen, erfahren Sie in diesem Ratgeber. Bei Stürmen kommt es schnell zu einem großen Schaden, was für die Betroffenen ärgerlich ist. Umso besser ist es, wenn sie dafür eine Versicherung in Anspruch nehmen können. Welche Versicherung womöglich aufkommt, hängt davon ab, wo die Schäden eingetreten sind. Soweit das Gebäude selbst betroffen ist, ist normalerweise die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers zuständig. Wenn es hingegen um Gegenstände geht, ist gewöhnlich die Hausratversicherung zuständig. Inwieweit diese Versicherungen für ... weiter lesen

Versicherungsrecht Wegunfall - Definition des versicherten direkten Weges

Unter einem Wegeunfall versteht man einen Unterfall des Arbeitsunfalls, also einen Versicherungsfall der gesetzlichen Unfallversicherung. Auch wenn ein Elternteil das Kind zur Schule oder zum Kindergarten bringt, um arbeiten zu können und dabei ein Unfall passiert liegt, ein Wegeunfall vor. Welcher Weg ist versichert? Versichert ist grundsätzlich das Zurücklegen des Wegs nach und von dem Ort der versicherten Tätigkeit (§ 8 Abs. 2 SGB VII). Dies können verschiedene versicherte Tätigkeiten sein, im Regelfall handelt es sich aber um Wege zur und von der Arbeit . Versichert ist grundsätzlich nur der direkte Weg , dies muss ... weiter lesen

Versicherungsrecht Was ist der Rückkaufswert?

Der Rückkaufswert ist der nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik errechnete Betrag, den ein Versicherer dem Versicherungsnehmer rückzuzahlen hat, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein Risiko bietet, bei dem der Eintritt der Verpflichtung des Versicherers gewiss ist, durch Kündigung des Versicherungsnehmers oder durch Rücktritt oder Anfechtung des Versicherers aufgehoben wird. Der Begriff Rückkaufswert stammt aus dem Versicherungsrecht. Nach § 169 Absatz 1 VVG hat der Versicherer dem Versicherungsnehmer den Rückkaufswert zu zahlen, wenn eine Versicherung, die Versicherungsschutz für ein ... weiter lesen

Versicherungsrecht Bundesgerichtshof erleichtert Rückabwicklung oder Schadenersatz bei Lebensversicherungen

Mannigfaltige Rechtsgründe für Rückabwicklung Der BGH entschied durch sein aktuelles Urteil vom 28.06.2017 (Az. IV ZR 440/14), daß - völlig unabhängig vom Widerruf - auch ein Schadensersatzanspruch für die Rückabwicklung einer Lebensversicherung ausreichen kann – auch bei ab 2008 abgeschlossenen Verträgen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn dem Versicherungsnehmer (VN) schuldhaft vor Vertragsabschluß die Versicherungsbedingungen nicht zur Verfügung gestellt wurden, und er deshalb einen Schaden erlitten hat bzw. er den Vertrag bei rechtzeitiger Übergabe der Versicherungsbestimmungen nicht abgeschlossen ... weiter lesen

Ihre Spezialisten