Sozialrecht

Hartz-IV: Jobcenter muss eventuell für Nachhilfelehrer aufkommen

10.12.2013

Jobcenter müssen unter Umständen im Rahmen von Hartz-IV Leistungen die Kosten für eine dauerhafte Nachhilfe übernehmen. Dis hat jetzt das Sozialgericht Braunschweig klargestellt.

Ein Schüler litt insbesondere unter Legasthenie. Er besuchte die 10. Klasse einer Realschule. Seine Eltern bezogen Hartz-IV beziehungsweise eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Als er beim Jobcenter Kostenübernahme für eine dauerhafte Nachhilfe beantragte, stellte sich das Amt quer. Es lehnte dies im Bescheid ab, weil es für dauerhafte Nachhilfen keine rechtliche Grundlage heben würde. Darüber hinaus erbringe der Schüler mittelmäßige Leistungen, so dass seine Versetzung nicht gefährdet sei. Der Schüler zog gegen diesen ablehnenden Bescheid und verklagte das Jobcenter auf Übernahme der Kosten.


Das Sozialgericht Braunschweig überzeugten die Argumente des Jobcenters nicht. Es gab der Klage des Schülers mit Urteil vom 08.08.2013 (Az. S 17 AS 4125/12) statt. Die Richter verwiesen darauf, dass das Jobcenter unter bestimmten Voraussetzungen für eine dauerhafte Nachhilfe aufkommen muss. Dies setzt allerdings voraus, dass die Lernförderung zum Erreichen der Lernziele geeignet sowie erforderlich ist. Dies bejahte das Gericht hier. Zunächst einmal ist zu bedenken, dass der Schüler aufgrund seiner Legasthenie sehr eingeschränkt ist. Er kann seine Lernziele daher nur sehr schwer erreichen. Dabei darf er nicht damit vertröstet werden, dass seine Versetzung außer Frage steht. Die Messlatte darf nämlich nicht zu tief aufgehängt werden. Er muss vielmehr ein ausreichendes Leistungsniveau erreichen können. Dies kann er aufgrund seiner Erkrankung jedoch nur, wenn er dauerhaft Unterricht durch eine Nachhilfe erhält.

Diese Entscheidung zeigt auf, dass Hartz-IV-Bezieher sich nicht zu schnell ins Bockshorn jagen lassen sollen. Sie sollten sich bei Problemen am besten mit einem Sozialverband in Verbindung setzen, der ihnen weiterhilft-notfalls mit einer Klage.

Quelle: Fachanwalt.de

Foto: Hartz IV -© PeJo - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Redaktion fachanwalt.de




Jetzt Rechtsfrage stellen
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Sozialrecht Wer hat das Recht auf die Gestaltung einer Grabstätte?

Wie eine Grabstätte gestaltet werden soll, darüber kommt es unter Angehörigen schnell zum Streit. Wer darf dies entscheiden? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.   Genauso wie es in Deutschland unterschiedliche Bestattungsformen gibt, so sind Gräber auf Friedhöfen unterschiedlich gestaltet. Wie eine Grabstätte zu gestalten ist, dafür ist eigentlich der Wille des Verstorbenen maßgeblich. Allerdings müssen dabei die Vorgaben der jeweiligen Friedhofsatzung beachtet werden. Häufig kann der Wille des Verstorbenen nicht festgestallt werden, weil er diesen nicht in Form einer Grabpflegeverfügung festgehalten hat. Hier ... weiter lesen

Sozialrecht Vermisstenanzeige: Muss man 24 Stunden warten?

In diesem Ratgeber erfahren Näheres darüber, wann eine Vermisstenanzeige bei der Polizei sinnvoll ist und was diese dann unternimmt. Immer wieder kommt es vor, dass nahe Angehörige nicht mehr zu Hause erscheinen und nichts mehr von sich hören lassen. Hierfür kommen die unterschiedlichsten Ursachen infrage.   Vermisstenanzeige: Wann wird die Polizei tätig? Die Vielfalt an denkbaren Situationen erklärt, weshalb die Polizei mit Vermisstenanzeigen unterschiedlich umgeht. Inwieweit sie aus rechtlicher Sicht überhaupt aufgrund einer Vermisstenanzeige tätig werden darf, richtet sich nach keiner bestimmten Frist. ... weiter lesen

Sozialrecht Polizeieinsatz im Stadion: Müssen Vereine die Kosten für Polizeieinsätze mittragen?

Fußballvereine müssen unter Umständen damit rechnen, dass sie bei Polizeieinsätzen im Stadion zur Kasse gebeten werden. Dies ergibt sich aus einer Grundsatzentscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes. Vorliegend ging es darum, dass das Bundesland Bremen gegen SV gegen die DFL GmbH einen Gebührenbescheid in Höhe von etwa Werder Bremen gegen den Hamburger SV in Höhe von etwa 400.000 Euro erlassen, hatte. Hierbei handelte es sich um eine Hochsicherheitsveranstaltung, das in einem Fußballstadion in Bremen stattgefunden hatte. Bei einem Hochsicherheitsspiel fallen die Kosten für einen Polizeieinsatz erfahrungsgemäß hoch aus. ... weiter lesen

Sozialrecht Hartz IV: Muss Jobcenter für PC oder iPad eines Schülers aufkommen?

Nicht alle Eltern können ihrem Kind einen Computer oder Tablet zur Verfügung stellen. Das gilt besonders für Hartz IV-Empfänger. Unter Umständen muss das Jobcenter die Kosten hierfür übernehmen. Da viele deutsche Schulen über keine hinreichende digitale Ausstattung mit Laptop, PC und Tablet verfügen, haben es insbesondere Kinder von Hartz IV Beziehern schwer. Denn ihren Eltern fällt es schwer, die hohen Kosten für ein neues Gerät in dreistelliger Höhe aufzubringen. Inwieweit der noch nicht endgültig umgesetzte Digitalpakt Schule eine Verbesserung bringt, bleibt abzuwarten. Umso interessanter ist die Frage, ob ... weiter lesen

Ihre Spezialisten