Wegen Streik, Naturkatastrophe oder Unwetter am Ferienort festzusitzen und den Rückflug zu verpassen, ist für Arbeitnehmer eine nervenaufreibende Situation. Die zentrale Frage lautet: Muss der Arbeitgeber das Gehalt weiterzahlen und drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen, wenn man nicht pünktlich zurück am Arbeitsplatz ist? Im Folgenden finden Sie einen kompakten Überblick über die wichtigsten arbeitsrechtlichen Grundsätze – verständlich erklärt und juristisch korrekt.
Kein Lohnanspruch bei verspäteter Rückkehr
Grundsätzlich gilt im deutschen Arbeitsrecht: „Ohne Arbeit kein Lohn“. Kann ein Beschäftigter seine Arbeitsleistung wegen einer verlängerten Urlaubsabwesenheit nicht erbringen, entfällt für diese Ausfallzeit der Vergütungsanspruch. Beispiel: Wer aufgrund eines annullierten Rückflugs nicht zur Arbeit erscheinen kann, hat seine Leistungspflicht nicht erfüllt – der Arbeitgeber muss den Lohn für die versäumten Tage nicht zahlen. Dieser Grundsatz ist in § 326 BGB verankert. Nur in seltenen Ausnahmefällen sehr kurzer Dauer (persönliche Verhinderung nach § 616 BGB) besteht dennoch Anspruch auf Lohnfortzahlung. Allerdings greift § 616 BGB bei wetter- oder streikbedingtem Festsitzen meist nicht, zumal viele Arbeitsverträge diese Regelung ausschließen. Die Faustregel lautet daher: Kein Gehalt ohne Arbeitsleistung.
Keine Abmahnung bei höherer Gewalt
Auch wenn kein Lohn gezahlt wird, müssen Arbeitnehmer in Fällen echter höherer Gewalt (unvorhersehbare Ereignisse) keine arbeitsrechtlichen Sanktionen befürchten. Weder Abmahnung noch Kündigung sind zulässig, wenn den Mitarbeiter kein Verschulden an der Verspätung trifft. Beispiel: Wird der Rückflug wegen eines Vulkanausbruchs gestrichen oder ein Schneesturm legt den Flugverkehr lahm, konnte der Arbeitnehmer das weder voraussehen noch verhindern – eine Kündigung oder Abmahnung wäre in solchen Fällen unwirksam. Arbeitgeber sollten hier Verständnis zeigen und fair bleiben. Anders sieht es aus, wenn den Arbeitnehmer ein Eigenverschulden trifft: Wer seine Reise z.B. zu knapp plant oder den Flug aus eigener Schuld verpasst, hat nicht alles Zumutbare getan, um pünktlich zurück zu sein. In solchen Fällen kann eine Abmahnung gerechtfertigt sein. Beispiel: Ein Mitarbeiter, der am Flughafen trödelt und dadurch den planmäßigen Flug verpasst oder zumutbare alternative Rückreisemöglichkeiten absichtlich ausschlägt, riskiert arbeitsrechtliche Konsequenzen.
Meldepflicht und Alternativen – richtig reagieren
Wer absehen kann, dass er nicht wie geplant zur Arbeit zurückkehren wird, muss unverzüglich den Arbeitgeber informieren. Diese Verpflichtung ergibt sich aus der arbeitsvertraglichen Treuepflicht – der Arbeitgeber muss planen können. Teilen Sie Ihrem Vorgesetzten also so früh wie möglich mit, dass Sie festsitzen, warum die Verzögerung eintritt und wie lange sie voraussichtlich dauert. Am besten erfolgt die Benachrichtigung telefonisch oder per E-Mail, sobald klar wird, dass der Arbeitsantritt sich verzögert. Parallel sollten Arbeitnehmer alle zumutbaren Rückreise-Alternativen prüfen, um doch noch rechtzeitig heimzukommen. Gibt es z.B. einen Ersatzflug über eine andere Route oder mit anderer Airline? Wäre statt des Flugzeugs eine Rückfahrt per Bahn oder Mietwagen möglich? Bei Zielen im europäischen Ausland kann es zumutbar sein, auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Natürlich müssen Beschäftigte keinen unverhältnismäßigen Aufwand oder extreme Kosten auf sich nehmen. Kleinere Unannehmlichkeiten und moderate Mehrkosten sind jedoch in Kauf zu nehmen, um die Arbeitspflicht zu erfüllen. Tipp: Dokumentieren Sie die Umstände der Verspätung (z.B. E-Mails der Airline über Flugausfälle, Fotos von Anzeigetafeln), um dem Arbeitgeber den unverschuldeten Reiseausfall belegen zu können.
Fehlzeit gemeinsam lösen: Urlaub, Überstunden oder unbezahlt
Fällt durch die verspätete Rückkehr Arbeitszeit aus, ist dieser Zeitraum rechtlich zunächst unbezahlte Fehlzeit – er gilt weder als Arbeitszeit noch automatisch als Urlaub. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollten jedoch kooperativ nach einer Lösung suchen, um den Ausfall fair abzufedern. Häufig bietet es sich an, die Fehltage nachträglich als Urlaubstage zu verbuchen, sofern der Mitarbeiter noch Resturlaub hat. Alternativ kann vereinbart werden, vorhandenes Überstunden-Guthaben abzubauen, um die ausgefallene Zeit zu decken. In beiden Fällen bleibt der Lohn erhalten – allerdings nur, wenn der Arbeitgeber zustimmt, ein einseitiger Anspruch darauf besteht nicht. Ist weder Urlaub noch Zeitguthaben verfügbar oder wird keine Umwandlung vereinbart, bleibt die Abwesenheit als entschuldigtes Fehlen ohne Vergütung im Raum. Der Arbeitgeber muss dann zwar kein Gehalt zahlen, darf die Fehlzeit aber auch nicht als unentschuldigt werten, sofern der Grund nachvollziehbar war und der Mitarbeiter ordnungsgemäß informiert hat. Einen automatischen Anspruch des Chefs, die versäumte Arbeitszeit nacharbeiten zu lassen, gibt es im Übrigen nicht – Nachholarbeit ist nur durch freiwillige Vereinbarung möglich.
Sinnvoll ist ein kulanter Umgang in solchen Fällen: Eine einvernehmliche Regelung – etwa die Umwandlung der Fehltage in Urlaub oder Überstundenabbau – fördert das Betriebsklima und vermeidet unnötigen Streit. Arbeitgeber sind gut beraten, bei unverschuldeten Verspätungen flexibel und fair zu reagieren statt vorschnelle Sanktionen zu verhängen. Umgekehrt sollten Arbeitnehmer proaktiv das Gespräch suchen und höflich um Möglichkeiten bitten, den Ausfall abzudecken. Wichtig: Bereits genehmigten Urlaub kann der Arbeitgeber nicht einfach widerrufen – einmal bewilligte Urlaubstage sind für beide Seiten verbindlich. Selbst bei akutem Personalmangel darf der Chef den Urlaub nicht einseitig streichen, sondern allenfalls um freiwilliges Verschieben bitten.
Wenn Arbeitnehmer unverschuldet im Urlaub gestrandet sind, gilt zwar der Lohn-wegfall nach dem Motto „kein Lohn ohne Arbeit“, aber Kündigungen oder Abmahnungen sind in der Regel ausgeschlossen. Entscheidend sind eine offene, schnelle Kommunikation und gegenseitige Kulanz, um für beide Seiten eine faire Lösung zu finden. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten in solchen Ausnahmesituationen partnerschaftlich zusammenwirken – so lässt sich der Stress einer ungeplanten Urlaubsverlängerung am besten bewältigen.
Rechtsanwalt & Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. jur. Jens Usebach LL.M. von der Kanzlei JURA.CC ist auf das Kündigungsschutzrecht im Arbeitsrecht spezialisiert.
Er berät und vertritt sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber bei der Gestaltung und Verhandlung von Aufhebungs- und Abwicklungsverträgen im Zusammenhang mit der Beendigung von Arbeitsverhältnissen.
Kommt es zu einer Kündigung, übernimmt er – falls erforderlich – auch die gerichtliche Vertretung im Rahmen einer Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht. Ziel ist dabei stets eine interessengerechte Lösung: Für Arbeitnehmer kann dies etwa die Durchsetzung einer angemessenen Abfindung, ein wohlwollendes Arbeitszeugnis oder die Rücknahme der Kündigung und Weiterbeschäftigung sein; Arbeitgeber unterstützt er bei rechtssicheren Kündigungen, der Vermeidung langwieriger Prozesse und der Gestaltung von fairen Einigungen.
Mehr Informationen unter www.JURA.CC oder telefonisch unter 0221-95814321









