Strafrecht

Ist ein Foulspiel im Fußball strafbar nach den Körperverletzungsdelikten?

17.08.2018

Ein Foul im Fußball ist kein Kavaliersdelikt. Unter Umständen muss der Spieler mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

 

Foul als einfache Körperverletzung gem. § 223 Abs. 1 StGB

Bei einem Foul kommt zunächst einmal eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung gem. § 223 StGB in Betracht. Der Tatbestand setzt voraus, dass eine anderer Person körperlich misshandelt beziehungsweise in ihrer Gesundheit geschädigt worden ist. Unter einer Misshandlung ist jede üble, unangemessene Behandlung zu verstehen, durch die das körperliche Wohlbefinden oder die körperliche Unversehrtheit eines anderen nicht nur unerheblich beeinträchtigt worden ist. Hierzu reicht bereits das Zufügen eines kleinen blauen Flecks aus bzw. einer kleinen Verletzung aus. Sofern dies dann noch vorsätzlich erfolgt ist, liegt der Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne von § 223 Abs.1 StGB vor.

 

Rechtfertigende Einwilligung?

Allerdings fehlt es an der Rechtswidrigkeit, wenn ein Rechtfertigungsgrund vorliegt. Als solche kommt hier eine rechtfertigende Einwilligung in Verbindung mit § 228 StGB seitens des Verletzten vorliegt und diese nicht als sittenwidrig anzusehen ist.

 

Hiervon ist bei einem Kampfsport wie Fußball dann auszugehen, wenn die Verletzung auch bei Einhaltung der Regeln aufgetreten wäre. Anders sieht das hingegen aus, wenn der jeweilige Spieler beim Beifügen der Verletzung grob gegen diese Regeln verstoßen hat. Ein solch unfaires Verhalten in Form eines rücksichtslosen und brutalen Fouls im Sinne der DFB Fußball Regel 12 ist von einer Einwilligung nicht mehr gedeckt. Diese Grundsätze gelten im Strafrecht sowie im Zivilrecht. Mangels strafrechtlicher Entscheidungen ist bei der Beurteilung auf die Entscheidung von Zivilgerichten zurückzugreifen.

 

Beispielsweise hat das Landgericht Bochum mit Urteil vom 21.03.2015 – 3 O 595/04 einen solchen groben Regelverstoß durch ein Foul bejaht und einen Spieler zur Zahlung von über 6.000 Euro Schadensersatz gem. § 823 Abs. 1 BGB verurteilt. Dies haben die Richter damit begründet, dass der verurteilte Spieler nicht gegen den Ball getreten, sondern bei einer Grätsche bewusst gegen das Bein eines anderen Spielers getreten hat. Der erhebliche Regelverstoß ergab sich nach den Feststellungen des Gerichtes daraus, dass er von hinten in die Beine getreten haben soll ohne dabei überhaupt den Ball treffen zu können. Dabei stützten sich die Richter u.a. auf den Vermerk des Schiedsrichters und die Vernehmung mehrerer Zeugen. Aufgrund der eingelegten Berufung bestätigte das Oberlandesgericht Hamm diese Entscheidung mit Urteil vom 04.07.2005 – 34 U 81/05.

 

Dass Gerichte bei der Beurteilung normalerweise nicht ein Beweisangebot zurückweisen dürfen, dass auf Einschaltung eines medizinischen Sachverständigen hin abzielt, hat das Oberlandesgericht Hamm unter Bestätigung dieser Grundsätze dargestellt. Anders ist das nur, wenn die Richter über die erforderliche Sachkunde verfügen (OLG Hamm, Urteil vom 07.02.2017 – 9 U 197/15).

 

Bei einer Verurteilung wegen Körperverletzung gem. § 223 Abs. 1 StGB wegen eines Fouls muss ein Fußballspieler damit rechnen, dass er zu einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren verurteilt wird.

 

Strafbarkeit wegen gefährlicher Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 StGB

 

Darüber hinaus kommt bei einem Foul auch eine Strafbarkeit wegen gefährlicher Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 StGB in Betracht. Dies setzt voraus, dass der Turnschuh als „gefährliches Werkzeug“ im Sinne dieser Vorschrift anzusehen ist. So etwa kommt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes nur infrage, wenn es sich um einen besonders festen Schuh handelt (z.B. Schuhe mit Stahlkappe) oder damit zumindest heftig in besonders empfindliche Körperteile getreten wird (BGH, Urteil v. 24.9.2009 – 4 StR 347/09). Hiervon ist bei einem typischen Foul nicht auszugehen, so dass hier eine Strafbarkeit wegen § 224 Abs. 1 StGB normalerweise ausscheidet.

 

Fazit:

Infolgedessen kommt bei einem Foul im Regelfall allenfalls eine Strafbarkeit wegen einfacher Körperverletzung gem. § 223 Abs. 1 StGB in Betracht. Eine Verurteilung setzt hier allerdings voraus, dass der verletzte Spieler einen Strafantrag stellt oder die Staatsanwaltschaft ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bejaht. Letzteres ist eher nicht der Fall.

 

Autor: Harald Büring (Fachanwalt.de-Redaktion)

Foto: © Franz Pfluegl - Fotolia.com

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