Jetzt mit einem Premiumeintrag mehr Mandate generieren & 1 Monat kostenlos testenPfeil rechtsPremiumeintrag jetzt kostenlos testenPfeil rechts

Ist eine Tischreservierung im Restaurant verbindlich?

SternSternSternSternStern
(12 Bewertungen)07.03.2026 Sozialrecht

Gäste die eine Tischreservierung in einem Restaurant verfallen lassen müssen unter Umständen mit rechtlichen Konsequenzen seitens des Gastwartes rechnen.

Immer wieder kommt es vor, dass Gäste einen Tisch in einem Lokal servieren und zu dem ausgemachten Zeitpunkt nicht erscheinen, ohne vorher Bescheid zu sagen. Sie sind der Auffassung, dass es sich bei einer Tischreservierung um eine unverbindliche Gefälligkeit handelt. Doch so ganz stimmt das nicht. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Landgerichtes Hannover.

Vorliegend hatte der Gast der in der Nähe von Kiel wohnte bei einem Restaurant in Hannover während der Cebit für mehrere Tage ab 19.30 Uhr einen Tisch für 5 bis 6 Personen bestellt. Der Gastwirt hatte die Reservierung auch per Fax bestätigt. Darüber hinaus schickte er die Menükarte zu. Nachdem zu dem vereinbarten Zeitpunkt keiner erschienen war, forderte der Gastwirt von dem betreffenden Gast Schadensersatz in Höhe von fast 3.000 DM. Er legte dabei den durchschnittlich erzielten Umsatz pro Gast zugrunde. Doch der Gast weigerte sich zu zahlen.

Reservierung für Tisch verbindlich?

Hierzu stellte das Landgericht Kiel mit Urteil vom 22.01.1998 - 8 S 160/97 klar, dass der Gastwirt im Prinzip gegen den Gast einen Anspruch auf Schadensersatz hat. Dies begründeten die Richter, dass durch die Reservierung ein vorvertragliches Schuldverhältnis begründet wurde. Dieses war auf den Abschluss eines Bewirtungsvertrages hin ausgerichtet. Der Gast hatte durch sein unangekündigtes Ausbleiben gegen seine vorvertraglichen Pflichten verstoßen.

Höhe des Schadens bei nicht eingehaltener Tischreservierung

Gleichwohl scheiterte eine Verurteilung zum Schadensersatz daran, dass der Schaden nicht festgestellt werden konnte. Dies ergibt sich daraus, dass der Gastwirt ohne spezielle Vereinbarung nach dem Ablauf von einer Stunde den Tisch anderweitig vergeben darf. Darüber hinaus hatte der Gastwirt nicht hinreichend dargelegt, dass er aufgrund der Reservierung andere Gäste abweisen musste. Ebenso problematisch ist, wie viel die Gäste eigentlich verzehrt hätten.

Fazit:

Inwieweit hier Gäste bei einer nicht eingehaltenen Tischreservierung mit einer Verurteilung zum Schadensersatz rechnen müssen auf Grundlage von § 311 Abs. 2 BGB, § 242 BGB, hängt von den jeweiligen Umständen des Einzelfalles ab. Dafür spricht vor allem, wenn eine Reservierung für eine größere Gesellschaft vorgenommen wird und der Wirt zum betreffenden Zeitpunkt Gäste abweisen musste. Dies sollte er genau darlegen und im Zweifel auch nachweisen können- was bei einer telefonischen Reservierung kaum möglich ist. Am besten sollten Wirte bei einer umfangreicheren Reservierung auf einer schriftlichen Vereinbarung bestehen und den Gast bei der Reservierung auf diese Folge hinweisen. Dies hat auch den Vorteil, dass Missverständnisse vermieden werden. Am besten sollte ein bestimmter Zeitpunkt vereinbart werden, bis zu dem der Gast absagen kann. Ebenso kann auch geregelt werden, wie lange der Tisch bei einem verspäteten Erscheinen verbindlich reserviert wird. Eventuell empfiehlt sich auch die Vereinbarung einer Strafzahlung.

 

Autor: Harald Büring, Ass. jur. (Fachanwalt.de-Redaktion)

Foto: © Andrew Bayda - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten:
Diesen Artikel teilen: Linkedin Xing X
Whatsapp
Facebook
Fragen? Jetzt Fachanwalt.de-KI kostenlos fragen

Ihr Chatverlauf

Schildern Sie Ihr Problem ausführlich und erhalten innerhalb von Sekunden eine kostenlose KI-Ersteinschätzung:

Mit Nutzung unseres KI-Features akzeptieren Sie unsere Nutzungsbedingungen.

SofortantwortSofortantwort 24/7
NachfragemöglichkeitNachfragemöglichkeit
Kostenlos!Kostenlos!
Antwort erhalten Pfeil nach rechts
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Keine 1:1-Schulbegleitung: Wann ein Pool-System reichen kann
28.07.2026Redaktion fachanwalt.deSozialrecht
Keine 1:1-Schulbegleitung: Wann ein Pool-System reichen kann

Wenn ein Kind im Schulalltag auf feste Hilfe angewiesen ist, kann der Wechsel von einer individuellen 1:1-Schulbegleitung zu einem Pool-System für Familien als Risiko erscheinen. Der Fall zeigt: Entscheidend kann auch sein, ob der bisherige Bedarf künftig durch ein anderes schulisches Unterstützungssystem gedeckt wird. Betroffen ist die Organisation von Schulassistenz im Rahmen der Eingliederungshilfe. Das Sozialgericht Gelsenkirchen hat im Eilverfahren den Antrag abgelehnt, die aufschiebende Wirkung des Widerspruchs gegen die Aufhebung der bisherigen Einzelbegleitung anzuordnen. Die Bewilligung der 1:1-Schulbegleitung wurde ab dem 01.08.2026 aufgehoben; der Träger ging davon aus, dass der Bedarf ab diesem Zeitpunkt durch eine systemische Schulassistenz gedeckt wird. Das Wichtigste in Kürze Ein Schüler...

weiter lesen weiter lesen

Berufskrankheit an den Händen: Anerkennung reicht nicht für eine Rente
SternSternSternSternStern
(1 Bewertung)16.06.2026Redaktion fachanwalt.deSozialrecht
Berufskrankheit an den Händen: Anerkennung reicht nicht für eine Rente

Wer wegen schwerer Hautprobleme an den Händen seinen Beruf aufgeben muss, rechnet oft mit einer Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Doch eine anerkannte Berufskrankheit führt nicht automatisch zu einer Verletztenrente . Entscheidend ist, wie stark die beruflich verursachten Folgen nach Aufgabe der belastenden Tätigkeit noch die Erwerbsmöglichkeiten einschränken. Für Beschäftigte mit Hauterkrankungen, etwa bei handwerklichen, gärtnerischen oder hausmeisterlichen Tätigkeiten, ist diese Entscheidung deshalb besonders wichtig. Das Wichtigste in Kürze Ein früherer Gärtner und Hausmeister hatte eine anerkannte Berufskrankheit 5101 wegen einer schweren Hauterkrankung an den Händen. Er verlangte eine Verletztenrente ab 20. April 2020, weil er seine Tätigkeit aufgegeben hatte und weiter...

weiter lesen weiter lesen
Privatklinik selbst gewählt: Krankenkasse muss nicht immer zahlen
SternSternSternSternStern
(2 Bewertungen)15.06.2026Redaktion fachanwalt.deSozialrecht
Privatklinik selbst gewählt: Krankenkasse muss nicht immer zahlen

Wer in einer psychischen Krise schnell Hilfe sucht und sich für eine Privatklinik entscheidet, erwartet häufig Unterstützung von der gesetzlichen Krankenkasse. Riskant wird es aber, wenn die Behandlung bereits organisiert oder begonnen wurde, bevor die Kasse über einen konkreten Antrag entscheiden konnte. Genau daran scheiterte eine Versicherte, die die Kosten einer akutpsychiatrischen Privatbehandlung erstattet bekommen wollte. Die Entscheidung ist besonders wichtig für gesetzlich Versicherte, die bei langen Wartezeiten oder abgelehnter Aufnahme selbst nach einer Klinik suchen. Das Gericht wies die Klage ab. Nach seiner Auffassung lag weder eine unrechtmäßige Leistungsablehnung der Krankenkasse noch eine unaufschiebbare Leistung im Sinne des Gesetzes vor. Außerdem stellte es klar: Wenn tatsächlich ein echter Notfall...

weiter lesen weiter lesen

SGB-II-Widerspruch: Fehlende Vollmacht kann den Fall stoppen
SternSternSternSternStern
(1 Bewertung)12.05.2026Redaktion fachanwalt.deSozialrecht
SGB-II-Widerspruch: Fehlende Vollmacht kann den Fall stoppen

Wer gegen einen Bescheid über SGB-II-Leistungen Widerspruch einlegt, rechnet oft mit einer inhaltlichen Prüfung: Stimmt die Berechnung, wurde der Zeitraum richtig bewertet, sind Leistungen zu niedrig angesetzt? Doch schon eine fehlende Vollmacht kann das Verfahren stoppen, wenn ein Bevollmächtigter handelt und die Behörde einen schriftlichen Nachweis verlangt. Für Leistungsbezieher ist das praktisch wichtig, weil dann nicht über die Sache selbst entschieden wird, sondern der Widerspruch als unzulässig scheitern kann. Das Landessozialgericht Hamburg hat in einem Verfahren zum Aktenzeichen L 4 AS 254/24 die Berufung zurückgewiesen. Im Kern ging es darum, dass eine aktuelle Vertretungsvollmacht im Widerspruchsverfahren trotz Aufforderung und Frist nicht eingereicht wurde. Das Wichtigste in Kürze Eine...

weiter lesen weiter lesen

Icon Über den Autor

Rechtsanwalt gesucht?
Sie haben Fragen?
Fall in wenigen Worten schildern
Kostenlose KI-Einschätzung erhalten
Jetzt Hilfe erhalten