Jetzt mit einem Premiumeintrag mehr Mandate generieren & 1 Monat kostenlos testenPfeil rechtsPremiumeintrag jetzt kostenlos testenPfeil rechts

Jobrad und Unterhalt

27.11.2025 • Familienrecht

Das OLG Karlsruhe (5 WF 96/24, Beschluss vom 16.07.2025) hat sich mit einer Frage befasst, die in der Praxis immer häufiger auftaucht: Wie wirkt sich ein über den Arbeitgeber geleastes Jobrad auf die Unterhaltsberechnung aus?
Das Modell ist bekannt: Ein Arbeitnehmer least ein Fahrrad über Gehaltsumwandlung, die Leasingrate wird vom Brutto abgezogen, nur der geldwerte Vorteil wird versteuert. Damit spart der Beschäftigte Steuern und nutzt gleichzeitig privat ein oft hochpreisiges Fahrrad.

Unterhaltsrechtlich schaut das Gericht genau hin. Entscheidend ist, ob der Unterhaltspflichtige unterhaltsrechtlich berechtigt ist, das Jobrad zu nutzen. Ist das der Fall, wird nur der geldwerte Vorteil seinem Einkommen zugerechnet. Die eigentliche Leasingrate schmälert das unterhaltsrelevante Einkommen nicht, weil die Steuerersparnis bereits im Netto berücksichtigt ist. Der Unterhaltsberechtigte profitiert damit indirekt vom steuerlichen Vorteil des Jobrads – eine zusätzliche fiktive Steuerberechnung braucht es dann nicht.

Besteht dagegen keine private Nutzungsberechtigung, behandelt das Gericht den Fall so, als gäbe es das Jobrad gar nicht. Es wird eine fiktive Steuerberechnung durchgeführt, und das Einkommen wird so ermittelt, wie es ohne Jobrad aussehen würde. Damit verhindert das Gericht, dass sich jemand durch eine Gehaltsumwandlung zulasten des Unterhaltsberechtigten „arm rechnet“.

Wie so oft im Familienrecht verbietet sich ein pauschaler Ansatz. Ob ein Jobrad den Unterhalt beeinflusst, hängt von den konkreten Vereinbarungen und der tatsächlichen Nutzung ab. Wer ein Jobrad nutzt und gleichzeitig Unterhalt zahlt, sollte daher im Blick behalten, ob eine private Nutzung ausdrücklich erlaubt ist und wie hoch der geldwerte Vorteil ausfällt.

Julia Hoffmann – Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht

www.anwalt-experten.de/rechtsanwaeltin-julia-hoffmann/

 

Diesen Artikel bewerten:
Diesen Artikel teilen: Linkedin Xing X
Whatsapp
Facebook
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema

Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Julia Hoffmann

*Pflichtfelder
Weitere Artikel des Autors
Zugewinnausgleich und Steuern: Wie lässt sich der Ausgleich steuerlich nutzen?
30.09.2026 • Julia HoffmannFamilienrecht
Frau  Julia Hoffmann

Beim Zugewinnausgleich denken die meisten an Scheidung und Streit. Dabei ist er auch ein wirksames Instrument der steuerlichen Vermögensplanung, etwa bei Schenkungen zwischen Ehegatten oder im Erbfall. Ich erkläre, wann der Ausgleich steuerfrei ist, wie die sogenannte Güterstandsschaukel funktioniert und was ein Ehevertrag leisten kann. Grundlagen: So funktioniert der Zugewinnausgleich Ohne Ehevertrag leben Eheleute in der Zugewinngemeinschaft. Endet sie, wird für jeden Ehegatten der Zugewinn ermittelt, also die Differenz zwischen End- und Anfangsvermögen. Wer mehr hinzugewonnen hat, zahlt die Hälfte der Differenz. Beispiel: Paul steigert sein Vermögen von 20.000 auf 220.000 Euro, Lisa von null auf 50.000 Euro. Die Zugewinne betragen 200.000 und 50.000 Euro, Lisa erhält 75.000 Euro....

weiter lesen weiter lesen

Zugewinnausgleich bei Scheidung: Wie wird er berechnet?
30.09.2026 • Julia HoffmannFamilienrecht
Frau  Julia Hoffmann

Die Scheidung steht bevor, und plötzlich geht es um viel Geld: Wer während der Ehe mehr Vermögen aufgebaut hat, muss die Hälfte des Überschusses ausgleichen. Für viele Betroffene ist der Zugewinnausgleich die folgenreichste finanzielle Frage der Scheidung. Ich erkläre, wie die Berechnung funktioniert, welche Sonderfälle gelten und wo typische Fehler lauern. Wann gibt es einen Zugewinnausgleich? Haben Eheleute keinen Ehevertrag geschlossen, leben sie automatisch im Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§ 1363 BGB). Das Vermögen wird dabei nicht zusammengelegt: Jeder behält und verwaltet sein eigenes Vermögen. Erst bei Scheidung wird ausgeglichen, was beide während der Ehe hinzugewonnen haben. Bei vereinbarter Gütertrennung oder Gütergemeinschaft...

weiter lesen weiter lesen
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
AG Frankenthal klärt melderechtliche Anmeldung bei Sorge
SternSternSternSternStern
(3 Bewertungen) • 19.03.2026 • Redaktion fachanwalt.deFamilienrecht
AG Frankenthal klärt melderechtliche Anmeldung bei Sorge

Das Amtsgericht – Familiengericht – Frankenthal (Pfalz) hat mit Beschluss vom 20.01.2026 (Az. 71 F 15/26 ) entschieden, dass ein getrennt lebender Elternteil sein Kind beim Wohnsitz anmelden darf, ohne eine gerichtliche Zuweisung der Entscheidungsbefugnis nach § 1628 BGB zu benötigen. Die Entscheidung ist rechtskräftig. Anmeldung beim Wohnsitz erfordert keine gerichtliche Zustimmung Die Eltern eines 13-jährigen Jungen teilen sich die elterliche Sorge, leben jedoch getrennt. Der Vater betreut das Kind überwiegend und wollte den Sohn offiziell bei der zuständigen Meldebehörde anmelden. Er war der Ansicht, dass hierfür die Mitwirkung der Mutter oder eine gerichtliche Übertragung der Entscheidungsbefugnis nach § 1628 BGB erforderlich sei, und stellte deshalb einen Antrag auf Übertragung der Befugnis...

weiter lesen weiter lesen

OLG Frankfurt ruft BVerfG wegen fehlender Einwilligung bei Adoption an
SternSternSternSternStern
(4 Bewertungen) • 13.02.2026 • Redaktion fachanwalt.deFamilienrecht
OLG Frankfurt ruft BVerfG wegen fehlender Einwilligung bei Adoption an

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat am 16.01.2026 entschieden, das Bundesverfassungsgericht anzurufen. Es geht um die gerichtliche Ersetzung der Einwilligung eines psychisch kranken Elternteils bei Adoption (Az. 1 UF 77/25 ). Pflegeeltern beantragen Adoption trotz fehlender Zustimmung Die Entscheidung betrifft ein Kind, dessen leibliche Mutter langjährig suchtmittelabhängig ist. Kurz nach der Geburt wurde das Kind in eine Pflegefamilie aufgenommen, in der es inzwischen drei Jahre lebt. Die Mutter verweigerte die Zustimmung zur Adoption. Die Pflegeeltern beantragten daher die gerichtliche Ersetzung der Einwilligung gemäß § 1748 BGB. Das zuständige Amtsgericht lehnte diesen Antrag ab, da die gesetzliche Voraussetzung nicht erfüllt war: Nach § 1748 Abs. 3 BGB darf die Einwilligung nur ersetzt werden, wenn das...

weiter lesen weiter lesen
OLG Frankfurt schützt Kindeswillen bei Umgangsverweigerung
SternSternSternSternStern
(4 Bewertungen) • 20.01.2026 • Redaktion fachanwalt.deFamilienrecht
OLG Frankfurt schützt Kindeswillen bei Umgangsverweigerung

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschied am 5. Januar 2026 (Az. 7 UF 88/25 ), dass der Wunsch eines Kindes gegenüber einem Elternteil vorrangig ist und eine pauschale Unterstellung von Beeinflussung durch den anderen Elternteil nicht ausreicht. Sohn verweigert Umgang – PAS-Annahme vom Gericht abgelehnt Im zugrundeliegenden Verfahren wandte sich ein elfjähriger Junge nach der Trennung seiner Eltern zunehmend vom Vater ab und verweigerte den Umgang. Die fünfjährige Schwester besuchte den Vater hingegen regelmäßig. Die eingesetzte Sachverständige im Sorgerechtsverfahren empfahl, beide Kinder in den Haushalt des Vaters zu geben, obwohl der Sohn klar äußerte, bei der Mutter bleiben zu wollen. Grundlage ihrer Empfehlung war die Annahme eines sogenannten Parental Alienation Syndrome (PAS) bzw. einer...

weiter lesen weiter lesen

OLG Frankfurt erlaubt Namensänderung zum Kindeswohl
19.01.2026 • Redaktion fachanwalt.deFamilienrecht
OLG Frankfurt erlaubt Namensänderung zum Kindeswohl

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat mit Beschluss vom 28. November 2025 (Az. 2 WF 115/25 ) entschieden, dass eine Tochter den Nachnamen ihrer Mutter und neuen Ehefamilie annehmen darf, auch wenn der Antrag vor Inkrafttreten der aktuellen Regelungen gestellt wurde. Tochter erhält Nachnamen der neuen Familie – Gericht entscheidet Die Eltern des Kindes hatten sich bereits vor der Geburt ihrer Tochter getrennt. Das Mädchen erhielt die Geburtsnamen der Mutter und des portugiesischen Vaters, lebte jedoch von Anfang an ausschließlich bei der Mutter, die das alleinige Sorgerecht innehatte. Der Vater unterlag mehrfachen Gewaltschutzanordnungen, und der Kontakt zwischen ihm und der Tochter war äußerst selten. Inzwischen heiratete die Mutter erneut und nahm den Nachnamen ihres neuen Ehemanns an, den auch ihr...

weiter lesen weiter lesen

Icon Über den Autor

Julia Hoffmann Premium
5,0 SternSternSternSternStern (9) Info Icon
Julia Hoffmann
Rechtsanwalt • Fachanwältin für Familienrecht
Adresse Icon
Wilhelm-Leuschner-Str. 2
67547 Worms



Zum ProfilPfeil Icon Nachricht
Veröffentlicht von:
SternSternSternSternStern (9 Bewertungen)