Kapitalanlagebetrug: Wie Betroffene ihr Geld zurückfordern können
Beim Kapitalanlagebetrug werden Anleger mit hohen Renditen, vermeintlich sicheren Investitionen oder angeblichen Gewinnen zur Zahlung erheblicher Geldbeträge bewegt. Besonders häufig erfolgt der Betrug über gefälschte Online-Trading-Plattformen, soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder angebliche Finanzberater.
Wer Opfer eines Anlagebetrugs geworden ist, sollte keine weiteren Zahlungen leisten und unverzüglich prüfen lassen, ob das investierte Geld noch gesichert oder zurückgefordert werden kann.
Was ist Kapitalanlagebetrug?
Kapitalanlagebetrug liegt vor, wenn Anleger durch falsche Angaben über eine Geldanlage getäuscht und dadurch zu einer Zahlung veranlasst werden.
Die Täter behaupten beispielsweise, das Geld werde investiert in:
- Aktien oder Investmentfonds,
- Kryptowährungen,
- Devisenhandel,
- Festgeldanlagen,
- Immobilienprojekte,
- Unternehmensbeteiligungen,
- nachhaltige oder besonders renditestarke Projekte.
Tatsächlich findet häufig keine echte Kapitalanlage statt. Das eingezahlte Geld wird unmittelbar weitergeleitet oder von den Tätern vereinnahmt.
Wie funktionieren betrügerische Trading-Plattformen?
Viele Betroffene gelangen über Werbung in sozialen Netzwerken oder Suchmaschinen auf professionell gestaltete Internetseiten. Nach einer ersten Registrierung meldet sich ein angeblicher Broker oder Anlageberater.
Zunächst wird häufig nur eine geringe Einzahlung verlangt. Auf der Plattform werden anschließend steigende Kontostände und hohe Gewinne angezeigt. Diese Gewinne existieren jedoch vielfach nur auf dem Bildschirm.
Sobald der Anleger eine Auszahlung verlangt, fordern die Täter häufig weitere Zahlungen, etwa für angebliche:
- Steuern,
- Gebühren,
- Versicherungen,
- Geldwäscheprüfungen,
- Liquiditätsnachweise,
- Freischaltungen des Kontos.
Auch diese Zahlungen führen regelmäßig nicht zur Auszahlung des angeblichen Guthabens.
Woran erkennt man Kapitalanlagebetrug?
Typische Warnzeichen für einen Anlagebetrug sind:
- ungewöhnlich hohe oder angeblich garantierte Renditen,
- Investitionen ohne erkennbares Verlustrisiko,
- unerwartete Kontaktaufnahme per Telefon oder Messenger,
- erheblicher Zeitdruck,
- Überweisungen auf ausländische oder wechselnde Konten,
- Zahlungen in Kryptowährungen,
- Aufforderung zur Installation einer Fernwartungssoftware,
- fehlende oder unklare Angaben zum Unternehmen,
- keine nachvollziehbare Erlaubnis der Finanzaufsicht,
- zusätzliche Zahlungen vor einer angeblichen Auszahlung.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der angebliche Berater Zugang zum Computer oder Smartphone verlangt. Seriöse Anbieter fordern Anleger nicht dazu auf, ihnen die Fernsteuerung ihrer Geräte zu ermöglichen.
Vor einer Investition sollte geprüft werden, ob das Unternehmen in der Unternehmensdatenbank der BaFin aufgeführt ist und ob bereits behördliche Warnmeldungen vorliegen. Auch gefälschte Einträge, Internetseiten und Identitäten sind jedoch möglich.
Kann man das verlorene Geld zurückholen?
Ob das Geld zurückgeholt werden kann, hängt insbesondere davon ab,
- wie die Zahlung erfolgt ist,
- wie schnell der Betrug erkannt wurde,
- auf welches Konto das Geld überwiesen wurde,
- ob das Empfängerkonto noch Guthaben aufweist,
- ob Banken, Zahlungsdienstleister oder weitere Beteiligte identifiziert werden können.
Bei einer bereits ausgeführten Überweisung besteht grundsätzlich kein automatischer Anspruch auf Rückbuchung. Die eigene Bank sollte dennoch sofort aufgefordert werden, einen Überweisungsrückruf einzuleiten und die Empfängerbank über den Betrugsverdacht zu informieren.
Bei Kreditkartenzahlungen kann ein Chargeback-Verfahren in Betracht kommen. Bei Lastschriften bestehen regelmäßig weitergehende Rückbuchungsmöglichkeiten. Entscheidend ist stets, unverzüglich zu handeln.
Haftet die Bank für den Anlagebetrug?
Dass eine Bank die Überweisung ausgeführt hat, führt nicht automatisch zu einer Haftung. Hat der Anleger die Zahlung selbst veranlasst, liegt grundsätzlich eine autorisierte Überweisung vor.
Eine Haftung der Bank kann jedoch im Einzelfall zu prüfen sein, wenn deutliche Anzeichen für einen Betrug bestanden.
Ob die Bank verpflichtet war, eine Zahlung anzuhalten oder weitere Nachfragen zu stellen, hängt von den konkreten Umständen ab. Eine Haftung kann daher nicht allein aus der Höhe oder dem Auslandsbezug einer Überweisung abgeleitet werden.
Welche Ansprüche bestehen gegen Berater und Vermittler?
Nicht jeder Fall eines Kapitalanlagebetrugs wird ausschließlich durch anonyme Täter im Ausland begangen. Mitunter sind Vermittler, Berater, Vertriebsgesellschaften oder andere Beteiligte in Deutschland eingebunden.
Schadensersatzansprüche können in Betracht kommen, wenn ein Berater oder Vermittler
- falsche Angaben zur Sicherheit oder Rendite gemacht hat,
- wesentliche Risiken verschwiegen hat,
- die Anlage nicht ausreichend geprüft hat,
- Warnsignale ignoriert hat,
- ohne erforderliche Erlaubnis tätig war,
- bewusst an einem betrügerischen Vertriebssystem mitgewirkt hat.
Auch eine persönliche Haftung von Geschäftsführern oder Hintermännern kann geprüft werden, wenn diese an der Täuschung der Anleger beteiligt waren.
Was sollten Opfer von Kapitalanlagebetrug sofort tun?
Betroffene sollten unverzüglich folgende Maßnahmen ergreifen:
-
Keine weiteren Zahlungen leisten.
-
Den Kontakt zu den Tätern beenden.
-
Die eigene Bank sofort informieren.
-
Einen Überweisungsrückruf verlangen.
-
Die Empfängerbank über den Betrugsverdacht informieren lassen.
-
Strafanzeige erstatten.
-
Die BaFin über den Anbieter informieren.
-
Sämtliche Unterlagen und Nachrichten sichern.
-
Fernwartungsprogramme entfernen und Zugangsdaten ändern.
-
Rechtliche Ansprüche gegen alle Beteiligten prüfen lassen.
Gesichert werden sollten insbesondere Kontoauszüge, Überweisungsbelege, E-Mails, Chatverläufe, Telefonnummern, Internetadressen, Vertragsunterlagen und Bildschirmaufnahmen der angeblichen Handelsplattform.
Vorsicht vor erneutem Betrug
Opfer eines Anlagebetrugs werden häufig ein zweites Mal kontaktiert. Angebliche Ermittler, Behörden oder spezialisierte Rückholunternehmen behaupten, das verlorene Geld bereits gefunden zu haben.
Vor der Auszahlung sollen erneut Gebühren, Steuern oder Sicherheitsleistungen gezahlt werden. Dabei handelt es sich häufig um einen weiteren Betrugsversuch.
Behörden verlangen keine Zahlung in Kryptowährungen und garantieren nicht, dass verlorenes Geld sicher zurückgeholt werden kann. Die Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor solchen sogenannten Recovery- oder Refund-Scams.
Fazit
Kapitalanlagebetrug beginnt häufig mit professioneller Werbung, persönlichen Kontakten und scheinbar hohen Gewinnen. Spätestens wenn vor einer Auszahlung weitere Gebühren oder Steuern verlangt werden, besteht ein erheblicher Betrugsverdacht.
Betroffene sollten keine weiteren Zahlungen leisten, unverzüglich ihre Bank und die Strafverfolgungsbehörden informieren und mögliche Ansprüche gegen Banken, Berater, Vermittler und weitere Beteiligte fachanwaltlich prüfen lassen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.









