Sozialrecht

LSG Niedersachsen-Bremen: Neues Urteil zum Versicherungsschutz bei Wegeunfällen

Zuletzt bearbeitet am: 04.06.2024

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) hat in einer aktuellen Entscheidung (Az. L 14 U 164/21) den Versicherungsschutz bei Wegeunfällen neu definiert. Ein Mann, der auf dem Rückweg von der Arbeit einen schweren Unfall erlitt, klagte gegen die Berufsgenossenschaft, die die Anerkennung des Unfalls verweigerte.

Diabetiker verursacht schweren Unfall: Versicherung lehnt Schutz ab

Der Kläger erlitt auf dem Heimweg von der Arbeit einen schweren Verkehrsunfall, als er mit seinem PKW auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal mit einem LKW kollidierte. Er zog sich erhebliche Verletzungen zu und der Notarzt diagnostizierte eine Hypoglykämie (Unterzuckerung).

Die Berufsgenossenschaft (BG) lehnte die Anerkennung als Wegeunfall ab, da der Mann 4 km über seinen Wohnort hinaus unterwegs war. Seine Wohnung und der Betrieb lagen in entgegengesetzter Richtung, sodass der Unfall auf einem unversicherten Abweg geschah.

Der Mann argumentierte, dass seine Diabetes-bedingte Unterzuckerung zur Orientierungslosigkeit führte, wodurch er seine Wohnung verfehlte und auf einen Abweg geriet. Er konnte sich an die Einzelheiten des Vorfalls nicht erinnern.

LSG-Urteil: Versicherungsschutz nur auf direktem Arbeitsweg

Das LSG bestätigte die Rechtsauffassung der BG und entschied, dass nur Unfälle auf direktem Weg vom Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst seien.

Abwege seien nur in Ausnahmefällen versichert, wenn sie durch äußere Umstände wie Dunkelheit oder schlechte Beschilderung verursacht würden. Im vorliegenden Fall führte eine innere Ursache, nämlich die diabetesbedingte Unterzuckerung, zur Orientierungslosigkeit des Mannes und somit zum Abweg. Eine solche Ausweitung des Versicherungsschutzes widerspräche dem Sinn und Zweck der Wegeunfallversicherung.

Aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung des Falls ließ das Gericht die Revision zu.

Tipp: Es ist ratsam, bei bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Diabetes stets Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und mögliche Risiken während der Fahrt zu minimieren. Im Falle eines Unfalls sollten genaue Umstände und Ursachen dokumentiert werden, um im Streitfall die Chancen auf Anerkennung als Wegeunfall zu erhöhen. Eine frühzeitige rechtliche Beratung kann helfen, die bestmögliche Strategie zu entwickeln.

Symbolgrafik:© Zerbor - stock.adobe.com

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