Bankrecht und Kapitalmarktrecht

Phishing- Opfer? Betrugsopfer? Was Sie jetzt tun sollten

Phishing- Opfer? Was Sie jetzt tun sollten:

Nicht selten kommt es dazu, dass man in seinem E-Mail- Postfach Nachrichten vorfindet, in denen von einer „Aktualisierung der Sicherheitsvorschriften“, „auffälligen Kontobewegungen“ oder einer „erforderlichen Bestätigung der Login-Daten“ die Rede ist. Dann ist Vorsicht geboten - denn meistens handelt es sich in solchen Fällen um sogenannte Phishing- Mails, die den Versendern dazu dienen sollen, an die persönlichen Daten der Opfer zu gelangen und diese so um ihr Geld zu bringen.

Klar ist: in den seltensten Fällen werden Sie von Ihrer Bank oder einem Online- Händler hinsichtlich wichtiger Themen formlos per E-Mail angeschrieben. Sollten Sie also derartige Nachrichten erhalten, bietet es sich immer an, diese zunächst zu überprüfen, beispielsweise durch ein Login auf der angeblich betroffenen Webseite (Achtung: Nicht über den Link in der E-Mail!) oder einen Anruf bei deren Kundendienst.

Sollten Sie jedoch durch nicht autorisierte Kontoabbuchungen festgestellt haben, dass Sie bereits Opfer eines Phishing- Angriffs geworden sind, sind ein schnelles Handeln und im Idealfall auch eine anwaltliche Beratung unerlässlich.

Was kann ein Anwalt konkret tun?

Sind Sie Opfer eines Phishing- Angriffs geworden, kann hiergegen sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich vorgegangen werden.

Es empfiehlt sich, beide Wege parallel einzuleiten.

Während in strafrechtlicher Hinsicht bei der Polizei eine Strafanzeige erstattet werden kann, woraufhin ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, können in zivilrechtlicher Hinsicht grundsätzlich Ansprüche gegen die Bank geltend gemacht werden.

Bank haftet für nicht autorisierte Abbuchungen

Nach § 675 u BGB ist die Bank verpflichtet, bei nicht autorisierten Abbuchungen den abgebuchten Betrag unverzüglich auf das Konto zurück zu überweisen.

Dies setzt voraus, dass der Geschädigte beweisen kann, dass die Abbuchung nicht durch ihn selbst, sondern durch einen Dritten vorgenommen wurde.

Allerdings ist zu beachten, dass der Bank auch gegen den Geschädigten ein Anspruch nach § 675 v BGB zustehen kann, sofern dieser schuldhaft seine Sorgfaltspflichten nach § 675 l BGB verletzt hat. Danach ist der Kontoinhaber verpflichtet, alle zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um sein Konto vor einem unbefugten Zugriff zu schützen.

Da diese Ansprüche sich dann in gleicher Höhe und in aufrechenbarer Weise gegenüberstehen, geht der Geschädigte in einem solchen Fall, welcher eher selten ist, leer aus. Dies hängt insbesondere davon ab, wie genau es zu der Abbuchung kam, ob das Verfahren der Bank dem aktuellen Stand der Technik entspricht und ob diese ausreichend auf die Risiken von Phishingmails hingewiesen hat.

Fazit:

Eine anwaltliche Beratung und Begleitung solcher Schadensfälle ist dringend anzuraten.

In der Regel ist der Gang zu einem Fachanwalt sinnvoll, da dieser die Rechtslage sorgfältig prüfen und die Ansprüche gegen die Bank mit wesentlich mehr Nachdruck durchsetzen kann.

Rechtsanwalt Dr. Martin Heinzelmann, LL.M., vertritt Ihre Interessen bundesweit.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Dr. Martin Heinzelmann
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Remstalstraße 21
70374 Stuttgart

Telefon: 0711 91288762


Honorar/Leistung: (5)
Erreichbarkeit: (4.9)
Verständlichkeit: (5)
Freundlichkeit: (4.9)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Dr. Martin Heinzelmann:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Bankrecht und Kapitalmarktrecht Darlehen - Nichtabnahmeentschädigung ja oder nein?

Die Nichtabnahmeentschädigung bei Darlehensverträgen Schließt man mit einem Kreditinstitut einen Darlehensvertrag ab und nimmt das Darlehen anschließend nicht in Anspruch, so kann gegebenenfalls ein Anspruch des Kreditinstituts auf Zahlung einer sogenannten Nichtabnahmeentschädigung gegeben sein. Was ist eine Nichtabnahmeentschädigung? Bei der sogenannten Nichtabnahmeentschädigung handelt es sich um einen Schadensersatzanspruch des Kreditinstituts gegenüber dem Kreditnehmer wegen Nichterfüllung. Dieser Anspruch steht der Bank dann zu, wenn bereits eine vertragliche Beziehung zwischen Kreditinstitut und Kreditnehmer ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Vorfälligkeitsentschädigung zurück? OLG Frankfurt a.M./17. Senat verurteilt Commerzbank.

Zur Vorfälligkeitsentschädigung bei vorzeitiger Darlehensrückzahlung- was Sie wissen sollten: Kündigt man einen Kredit vorzeitig, fordert die Bank meist eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Grund hierfür ist, dass der Bank bei einer vorzeitigen Kündigung des Darlehens die Zinserträge für die eigentliche Restlaufzeit des Darlehens verloren gehen. Sie erleidet demnach durch die vorzeitige Kündigung des Darlehens grundsätzlich einen Schaden. Um die hierdurch entstehenden finanziellen Verluste auszugleichen,  verlangt die Bank eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung, durch die ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Bankrecht und Kapitalmarktrecht Was ist eine Lastschrift und wann kann man diese zurückgeben?

Im Bereich des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gibt es neben der einmaligen Überweisung bzw. dem Dauerauftrag auch die Möglichkeit der Lastschrift. Im Unterschied zur Überweisung bzw. dem Dauerauftrag, geht die Initiative bei dem Lastschriftverfahren nicht vom Zahlungspflichtigen aus, sondern vom Zahlungsempfänger. Man spricht deshalb bei der Lastschrift auch von Bankeinzug. Was aber, wenn eine Lastschrift fehlerhaft ist? Kann man sich den abgebuchten Betrag zurückgeben lassen? Welche Fristen sind dabei zu beachten?   Wann ist eine Lastschrift überhaupt möglich? Die Zahlungsmethode der Lastschrift ist heutzutage sehr beliebt, da ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht BGH: Kontokündigung nur mit plausiblem Grund

Karlsruhe (jur). Sparkassen dürfen ein Girokonto nur ausnahmsweise und mit plausiblem Grund kündigen. Wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht darauf hingewiesen, dass eine Kündigung nur aus sachgerechten Gründen möglich ist, ist diese Klausel wegen des Verstoßes gegen das Transparenzgebot nichtig, urteilte am Dienstag, 5. Mai 2015, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Az.: XI ZR 214/14). Damit müssen über 400 Sparkassen in Deutschland nun ihre AGB ändern. Im konkreten Rechtsstreit hatte die Schutzgemeinschaft für Bankkunden e. V. die Sparkasse Mittelfranken-Süd verklagt, weil sie bestimmte ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Keine Bankgebühren für fehlerhafte Buchungen

Karlsruhe (jur). Führt eine Bank eine Girokonto-Buchung fehlerhaft aus, darf sie dafür keine Gebühr verlangen. Sehen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für jeden Buchungsposten einen pauschalen Preis vor, ist die Klausel daher insgesamt unwirksam, urteilte am Dienstag, 27. Januar 2015, der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Az.: XI ZR 174/13). Bei einer gänzlich unwirksamen Preisklausel können Bankkunden dann sämtliche gezahlten Buchungsposten-Gebühren der letzten drei Kalenderjahre zurückfordern. Geklagt hatte die Schutzgemeinschaft für Bankkunden. Die Verbraucherschützer hatten bei einer bayerischen Bank ... weiter lesen

Bankrecht und Kapitalmarktrecht Lehman-Zertifikate: beratende Banken zu Schadensersatzzahlung verurteilt

Karlsruhe (jur). In zwei neuen Urteilen zu den Lehman-Zertifikaten hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe am Dienstag, 25. November 2014, diesmal zu Gunsten der Anleger entschieden. Danach mussten die Banken ihre Kunden über Sonderkündigungsrechte der niederländischen Lehman-Tochter informieren, weil diese trotz „Kapitalschutz“ zu einem kompletten Verlust des angelegten Geldes führen konnten (Az.: XI ZR 169/13 und XI ZR 480/13). Die Anleger hatten bei der Frankfurter Privatbank Bethmann Bank AG verschiedene Lehmann-Zertifikate für 33.000 beziehungsweise 140.000 Euro gekauft. Die Geldanlagen waren mit „100 Prozent ... weiter lesen

Ihre Spezialisten