Strafrecht

Private Wetten – legal oder illegal?

28.11.2022
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Zuletzt bearbeitet am: 24.04.2024

Eine private Wette funktioniert im Grunde wie ein Vertrag zwischen mehreren Personen, der nicht öffentlich publiziert wird. Häufig steckt ein finanzieller Wetteinsatz dahinter. Doch sind diese Wetten wirklich legal? Und was muss bezüglich Steuern und Wettschulden beachtet werden? Diese und einige andere Fragen werden im Folgenden geklärt.

Was gilt als private Wetten?

Eine Wette wird zwischen zwei oder mehreren Personen abgeschlossen. Meistens geschieht dies mündlich – es wäre allerdings auch möglich, eine Wette schriftlich festzuhalten. Der Kern einer Wette sind die widersprüchlichen Behauptungen: Alle Parteien stellen Behauptungen auf, die einander widersprechen und schauen, welche Behauptung tatsächlich eintritt. Dafür wird explizit oder durch den Kontext ein fester Zeitrahmen festgelegt, in dem die Behauptung eintreten soll.

Beispiel:

A und B stellen zwei verschiedene Behauptungen über den Ausgang eines Länderspiels auf. A sagt zu B: „Ich wette mit dir, dass Deutschland das heutige Fußballspiel gewinnt!“ B sagt: „Ich wette dagegen. Portugal spielt viel besser.“ Am Ende des Spiels sehen A und B, welche Behauptung eingetreten ist. Die Länge des Länderspiels bestimmt den Zeitrahmen der Wette.

Beispiel:

A sagt zu B: „Ich wette, dass du es nicht schaffst, alle deutschen Bundesländer innerhalb von 45 Sekunden aufzuzählen.“ B sagt: „Die Wette gilt. Das schaffe ich sehr wohl.“ Hier bestimmt der explizit festgelegte Zeitraum von 45 Sekunden den Wettzeitrahmen.

In der Regel legen die Teilnehmenden einen Wetteinsatz fest. Dieser ist oft finanzieller Natur.

Beispiel:

A sagt zu B: „Ich wette mit dir um 10 Euro, dass Deutschland das heutige Länderspiel gewinnt!“

Wetten mehrere Personen gegeneinander, legen in der Regel alle Teilnehmenden den Wetteinsatz zusammen und der Gewinner erhält am Ende alles. Gewinnen mehrere Personen, wird der Einsatz aufgeteilt.

Beispiel:

A sagt zu B, C und D: „Ich wette 10 Euro, dass Deutschland das heutige Spiel gewinnt!“ B, C und D wetten jeweils 10 Euro, dass Portugal gewinnt. Gewinnt Deutschland, erhält A daher die gesamten 40 Euro. Gewinnt Portugal, teilen B, C und D die 40 Euro durch drei.

Private Wetten werden nicht öffentlich beworben, sondern finden in einem privaten Umfeld statt. Für die Teilnehmer ist eine private Wette vorwiegend aufgrund des entspannten und spaßigen Charakters reizvoll. Dagegen sind öffentliche Wetten häufig komplizierter gestaltet und stellen den finanziellen Zweck in den Fokus. Inhaltlich ist eine private Wette nicht anders als ein privater Vertrag zwischen zwei oder mehreren Parteien. Inwieweit sich das auch auf die Verbindlichkeit bezieht, wird später geklärt.

Wetten sind in Deutschland und vielen anderen Ländern streng geregelt. Sie fallen unter die Regelungen des Glücksspiels. Private Wetten sind grundsätzlich nicht verboten. Das gilt allerdings nur solange sie tatsächlich ausschließlich im privaten Rahmen abgehalten werden: Das bedeutet, sie dürfen nicht öffentlich bekanntgemacht oder gar beworben werden. Die Teilnehmeranzahl muss beschränkt sein und auf einem normalen privaten Kreis basieren.

Beispiel:

A lädt Fußballfreunde aus dem Verein zum Länderspielschauen ein. Am Abend wetten die Freunde auf den Ausgang des Spiels.

Dies ist eine private Wette und legal.

Beispiel:

A verteilt im Fußballverein einen Flyer mit einer Einladung zum „Spiel schauen und wetten“.

Diese öffentliche Bewerbung ist für private Wetten nicht erlaubt. A kann sich mit einem solchen Flyer strafbar machen.

Geregelt ist dies in § 284 des Strafgesetzbuchs (StGB). Demnach sind öffentlich ablaufende Wetten ohne behördliche Erlaubnis eine „unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels“. Wer eine solche Wette abhält, macht sich strafbar und muss mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Als unerlaubtes Glücksspiel gelten auch gewohnheitsmäßige Wetten in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften (vgl. § 284 Abs. 2 StGB). Würde A also regelmäßig alle Vereinsmitglieder zum Fußballschauen und Wetten einladen, könnte dies zu Schwierigkeiten führen. Die Übergänge zwischen legalen und illegalen Wetten sind für Laien oft nur schwer erkennbar. So muss A nicht zwingend Flyer verteilen, um die Strafbarkeit zu erfüllen. Es kann bereits ausreichen, wenn A die Vereinsmitglieder zum Spielschauen einlädt und es zur Selbstverständlichkeit für alle wird, an einem solchen Abend auch zu wetten.

Private Wetten sind außerdem nur dann legal, wenn sie für den Organisator nicht gewinnbringend sind. Werden spätestens am Ende des Abends alle Wetteinsätze ausgeschüttet, ist dies kein weiteres Problem. Behält der Organisator hingegen einen prozentualen Anteil aller Wetteinsätze, fällt dies unter die Regelung des StGB und ist damit illegal.

Fachanwalt.de-Tipp: Nicht nur Organisatoren eines unerlaubten Glücksspiels machen sich strafbar. Auch Teilnehmern eines solchen Glücksspiels droht eine Geld- oder Haftstrafe. Das Strafmaß ist jedoch geringer als jenes für den Organisator. Wer sichergehen möchte, dass sich alles im rechtlichen Rahmen aufhält, sollte sich genau informieren und gegebenenfalls einen Anwalt zur Beratung einschalten.

Wettschulden sind Ehrenschulden – oder was sagt das BGB dazu?

„Wettschulden sind Ehrenschulden“ – den Satz kennt wahrscheinlich jeder. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter?

Die Verbindlichkeiten einer Wette sind in § 762 BGB geregelt. Dort heißt es, dass Spiel und Wette keiner Verbindlichkeit entsprechen. Einsätze bei privaten Wetten können daher zivilrechtlich weder eingeklagt noch zurückgefordert werden. Allerdings können sich Organisatoren strafbar machen, wenn sie die eingenommenen Wetteinsätze veruntreuen. Der Satz Wettschulden sind Ehrenschulden ist daher im Grunde – zumindest bei privaten Wetten – durchaus wahr.

Muss man die Wettgewinne versteuern?

Auf Einkommen verschiedener Art muss grundsätzlich Steuern gezahlt werden. Allerdings werden dafür sieben verschiedene Kategorien vorgesehen. Diese betreffen Einkommen aus

  • Land- und Forstwirtschaft
  • Gewerbebetrieb
  • selbstständiger Arbeit
  • nichtselbstständiger Arbeit
  • Kapitalvermögen
  • Vermietung und Verpachtung
  • sonstigen Einkünften

Geregelt ist dies in den §§ 13 bis 23 des Einkommenssteuergesetzes (kurz EStG). Wett- und Spieleinnahmen fallen allerdings unter keine dieser Kategorien. Grundsätzlich fallen daher auch keine Steuern an. Dies gilt zumindest für private Wetten.

Fachanwalt.de-Tipp: Private Wetten befinden sich steuerrechtlich und auch in Bezug auf andere Details in einer Grauzone. Der Gewinn bleibt auf jeden Fall unversteuert, wenn ein Teilnehmer die Gewinnentstehung durch eine private Wette bestätigen kann.

Fazit

Wie die Situation im Einzelfall aussieht und wie eine private Wette gestaltet werden muss, um straflos zu bleiben, kann ein Anwalt rechtssicher erklären. Wer eine solche Wette veranstalten oder an ihr teilnehmen möchte, sollte sich daher im Vorfeld fachlich beraten lassen. Ein Fachanwalt für Strafrecht, der sich im Glücksspielrecht auskennt, ist dafür ein geeigneter Ansprechpartner.

Quelle: © Fachanwalt.de

Symbolgrafik: © blende11.photo - stock.adobe.com

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