Arbeitsrecht

Rechtliche Unterschiede von Mehrarbeit zu Überstunden

22.06.2015
 (11)

Es kommt häufig vor, dass ein Arbeitnehmer neben seiner regulären Arbeitszeit weitere Stunden für seinen Arbeitgeber leisten muss. In der Gesellschaft wird dann gesagt, dass der Arbeitnehmer Überstunden oder Mehrarbeit leisten musste. Beide Begriffe werden als Synonym füreinander verwendet, was jedoch falsch ist.

Was sind Überstunden?

In der Regel besitzen Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag, indem eine bestimmte Anzahl an Wochenstunden festgelegt ist. Dies hat der Angestellte als vertragliche Pflicht zu erbringen. In manchen Situationen kann es jedoch vorkommen, dass die Arbeitszeit nicht ausreicht und der Mitarbeiter weiter Stunden seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen muss. Tut er das, so leistet er Überstunden.

Überstunden liegen demnach vor, wenn der Angestellte die vertragliche Arbeitszeit überschreitet.

Was ist dann die Mehrarbeit?

Mehrarbeit ist zum Verständnis auch eine Form von Überstunden, allerdings besteht ein feiner Unterschied. Mehrarbeit liegt nach Ansicht des Bundesarbeitsgerichtes immer dann vor, wenn die gesetzlich zulässige Arbeitszeit überschritten wird. Es werden somit die gesetzlichen Grenzen bei einer Mehrarbeit kurzzeitig missachtet. Aufgrund dieser Missachtung ist eine Mehrarbeit auch nicht grenzenlos möglich. So ist es beispielshalber werdenden Müttern untersagt Mehrarbeit zu leisten. Auch Jugendlichen kann eine Mehrarbeit nur bis zu einer bestimmten Grenze auferlegt werden.

Zeitliche Grenzen für Überstunden

Überstunden  dürfen in Deutschland nicht zur Regel werden. Dementsprechend enthält das Arbeitszeitgesetz Vorschriften, die Höchstgrenzen festlegen. Nach § 3  ArbZG beträgt die Arbeitszeit maximal 8 Stunden täglich.

„Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.“

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Arbeitszeit jedoch auf insgesamt 10 Stunden verlängert werden.  Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Grenzen des Gesetzes beachtet werden.  So darf innerhalb der letzten 6 Monate im Durchschnitt lediglich acht Stunden täglich gearbeitet worden sein. Ist dies nicht der Fall, dann sind Überstunden gesetzlich nicht zulässig.

Ist der Arbeitnehmer verpflichtet Überstunden zu machen?

Sofern eine vertragliche Regelung im Arbeitsvertrag fehlt, sind Mitarbeiter in der Regel nicht verpflichtet zusätzliche Stunden zu arbeiten.  Lediglich in wenigen Ausnahmefällen kann der Arbeitgeber verlangen, dass der Beschäftigte Überstunden leistet. Dies kann vor allem dann der Fall sein, wenn dem Unternehmer andernfalls ein erheblicher Schaden droht.

Das Thema Überstunden ist sehr sensibel und kann unter Umständen Schwierigkeiten bereiten. Sollte es zu Problemen kommen, ist es ratsam einen Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Arbeitsrecht zu beauftragen.

Quelle: Rechtsanwalt Gramm (Fachanwalt.de)
Symbolgrafik: © PhotographyByMK - Fotolia

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Redaktion fachanwalt.de




Jetzt Rechtsfrage stellen
Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Ist eine Befristung im Arbeitsvertrag zulässig?

Wird ein Arbeitsverhältnis für eine bestimmte Zeit geschlossen, ohne dass es für dessen Beendigung einer Kündigung bedarf, wird besagtes Arbeitsverhältnis als „befristet“ bezeichnet. Eine Befristung ist – ebenso wie eine Kündigung – als Beendigungstatbestand eines Arbeitsverhältnisses anzusehen. Die befristeten Arbeitsverhältnisse sind in zwei verschiedene Kategorien einzuordnen: für einen bestimmten Zeitraum geschlossene Arbeitsverhältnisse für einen bestimmten Zweck geschlossene Arbeitsverhältnisse Während die ersteren über einen bestimmten Zeitraum geschlossen...weiter lesen

Arbeitsrecht Gibt es "hitzefrei" ebenfalls für Arbeitnehmer?

Für viele Schüler ist der Hochsommer Grund zur Freude. Denn sie können auf „hitzefrei“ hoffen. Doch wie sieht die rechtliche Situation für Arbeitnehmer aus? Längst nicht jeder Arbeitsplatz ist bei sommerlichen Temperaturen gut vor Hitze geschützt. Insofern kommt bei Arbeitnehmern der Wunsch auf, dass sie vom Arbeitgeber hitzefrei bekommen und nach Hause gehen dürfen. Das Gesetz sieht allerdings keinen Anspruch auf hitzefrei vor, wenn es an Arbeitsplätzen unangenehm heiß ist.   Arbeitgeber hat Fürsorgepflicht Gleichwohl dürfen Arbeitgeber in einer solchen Situation nicht einfach die Hände...weiter lesen

Arbeitsrecht Krankheit - so verhalten Sie sich als Arbeitnehmer richtig!

Wie müssen sich Arbeitnehmer verhalten, die krank geworden sind? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber. Wenn Arbeitnehmer aufgrund ihrer Krankheit arbeitsunfähig sind, brauchen sie nicht auf ihrer Arbeitsstelle zu erscheinen. Damit der Arbeitnehmer hierdurch keine finanziellen Probleme bekommt, muss der Arbeitgeber für diesen Zeitraum Entgeltfortzahlung leisten. Dies muss bis zu einer Dauer der Arbeitsunfähigkeit von sechs Wochen geschehen. Krankmeldung von Arbeitnehmer Damit Arbeitnehmer keine Probleme bekommen, müssen sie ihren Arbeitgeber unverzüglich d. d. so schnell wie möglich - über ihre krankheitsbedingte...weiter lesen

Arbeitsrecht Wegeunfall melden: Wann zahlt die Berufsgenossenschaft?

Bei der Fahrt zur Arbeit ist sowie auf dem Heimweg ist schnell ein Unfall passiert. Unter Umständen haben Sie Anspruch auf Leistungen der Berufsgenossenschaft wegen eines Wegeunfalls. Sofern Ihnen als Arbeitnehmer oder auch als Schüler oder Student ein solcher Unfall passiert, sollten Sie unbedingt abklären, ob es sich um einen Arbeitsunfall in Form eines Wegeunfalls handelt. Dies ist besonders dann interessant, wenn der Unfall für Sie mit schweren Folgen verbunden ist und Sie daher auf Rehabilitationsleistungen durch den jeweiligen Träger der gesetzlichen Unfallversicherung angewiesen sind. Diese sind großzügiger bemessen als die Leistungen,...weiter lesen

Ihre Spezialisten