Arbeitsrecht

Urlaub bei Teilzeitbeschäftigten

In Deutschland arbeiten nicht alle beschäftigten Personen in Vollzeit. Es gibt zahlreiche Angestellte, die lediglich einer Teilzeitbeschäftigung mit ungefähr 20 Arbeitsstunden pro Woche nachgehen. Die Gründe für die Beschäftigungsform sind ganz unterschiedlich. Fraglich ist allerdings, ob den Teilzeitbeschäftigten trotz der verringerten Arbeitszeit ein voller Urlaubanspruch zusteht oder ob der Anspruch vom Arbeitgeber gekürzt werden darf.

Grundsätzliches zum Urlaub im Arbeitsrecht

In der Bundesrepublik erhält jeder Arbeitnehmer einen Mindesturlaub von mindestens 20 Arbeitstagen Erholungsurlaub im Jahr. Wenn der Arbeitnehmer zudem eine 6-Tage-Woche hat, dann steht der Person sogar ein gesetzlicher Mindesturlaub in Höhe von 24 Arbeitstagen zu. Diese Regelung ist im Bundesurlaubgesetz in § 3 Abs. 1 zu finden.

„Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.“ 

Gilt die Regelung auch für Teilzeitbeschäftigte?

Das Bundesurlaubgesetz gilt uneingeschränkt auch für Teilzeitangestellte. Der Gesetzgeber macht insoweit keinen Unterschied, ob eine Person insgesamt 40 Stunden oder lediglich 20 Stunden die Woche für einen Arbeitgeber arbeitet.

Aufgrund dessen könnte man auf den ersten Blick meinen, dass auch Teilzeitangestellte einen Urlaubsanspruch von mindestens 20- oder sogar 24 Arbeitstagen haben.  Dies ist rechtlich jedoch nicht der Fall. Es kommt immer auf den Einzelfall an und ist davon abhängig, wie viele Tage der Mitarbeiter tatsächlich in der Woche auf der Arbeit ist. Die Anzahl der Stunden ist dabei nicht relevant. Ist der Mitarbeiter jeden Tag in der Woche auf der Arbeit, dann hat er einen gesetzlichen Anspruch von 20 Urlaubstagen. Ist er jedoch nur 3 Tage auf der Arbeit, besteht ein Urlaubsanspruch von 12 Tagen. Bei 2 Tage erhält der Arbeitnehmer lediglich 8 Tage Erholungsurlaub.
Problematisch ist es hingegen, wenn  er Mitarbeiter nicht regelmäßig arbeitet, so dass eine einzelne Arbeitswoche nicht als Bemessungsgrundlage herangezogen werden kann.  In diesen Fällen muss ein Jahresdurchschnitt der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Woche errechnet werden. Dieser Wert wird anschließend durch die normalen täglichen Arbeitsstunden dividiert, so dass eine Grundlage vorhanden ist.

Was ist wenn der Mindesturlaub nicht greift?

In einigen Fällen bestehen Tarifverträge, die gesonderte Urlaubsregeln besitzen. Diese sind grundsätzlich vorrangig. Allerdings dürfen die Regelungen den Mindesturlaub nicht unterlaufen, so dass festzuhalten ist, dass Tarifverträge für einen Arbeitnehmer prinzipiell förderlich sind.
Innerhalb der Verträge können auch Ausführungen zum Urlaubsanspruch eines Teilzeitbeschäftigten vorhanden sein. Ist dies nicht der Fall, dann berechnet sich der Urlaubsanspruch wie zuvor. Grundlage ist dabei jedoch nicht der Mindesturlaub, sondern der Urlaub eines Vollzeitbeschäftigten, bei dem der konkrete Tarifvertrag Anwendung findet.

Beispiel: Ein Mitarbeiter erhält insgesamt 30 Tage Urlaub im Jahr. Der Teilzeitbeschäftigte kommt im Durschnitt 3 Tage die Woche. Dann besitzt er einen Urlaubsanspruch in Höhe von 18 Arbeitstagen.
Bei Fragen zum Urlaub ist ein Rechtsanwalt oder Fachanwalt für Arbeitsrecht der richtige Ansprechpartner. So kann sichergesellt werden, dann Arbeitnehmer  auch die richtige Anzahl an Urlaubstagen erhalten.

Quelle: Rechtsanwalt Gramm
Symbolgrafik: © afp - Fotolia.com

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor





Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Unfälle im Home Office: Wann ist ein Unfall ein Arbeitsunfall und welchen Versicherungsschutz haben Arbeitnehmer?

Insbesondere seit der Corona-Pandemie arbeiten viele Arbeitnehmer im Home-Office. Wie sieht es hier mit dem Versicherungsschutz aus, wenn es zu einem Unfall kommt?   Bereits seit einiger Zeit haben manche Arbeitnehmer zumindest gelegentlich im Homeoffice gearbeitet, um sich beispielsweise besser auf eine bestimmte Aufgabe konzentrieren zu können oder sich das zeitraubende Pendeln zum Arbeitgeber sparen zu können. Dieser Trend ist durch die Corona-Pandemie erheblich verstärkt worden. Umso mehr stellt sich die Frage, wie die rechtliche Situation bei Unfällen im Homeoffice aussieht. Dies ist vor dem Hintergrund wichtig, dass Arbeitnehmer bei der Anerkennung eines ... weiter lesen

Arbeitsrecht Datenschutz im Home-Office: Was gilt es für Arbeitgeber zu beachten?

Aufgrund der Corona Pandemie arbeiten viele Arbeitnehmer im Homeoffice. Inwieweit sind Arbeitgeber für die Einhaltung des Datenschutzes verantwortlich?   Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass Arbeit im Homeoffice immer gefragter ist. Dies gilt jedenfalls für Arbeiten, die im Büro anfallen Häufig geschieht dies, weil der Arbeitnehmer lieber im Homeoffice tätig ist, um sich keiner unnötigen Gefahr einer Ansteckung auszusetzen. Ebenso kommt es vor, dass dies auf Weisung des Arbeitgebers geschieht.    Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Tätigkeit häufig personenbezogene Daten z.B. von Kunden verarbeiten. Hier stellt sich ... weiter lesen

Arbeitsrecht Berufsunfähigkeit und DSGVO: Müssen Versicherungen über interne Vermerke Auskunft geben?

Für die Geltendmachung von rechtlichen Ansprüchen ist interessant, inwieweit Versicherte ein Auskunftsrecht nach der DSGVO haben. Näheres erfahren Sie in diesem Ratgeber.   Vorliegend stritt sich ein Versicherter mit seiner Versicherung darüber, wie lange er bereits als berufsunfähig anzusehen ist. In diesem Zusammenhang verlangte er, dass diese im auch alle internen Vermerke offenlegt, die Mitarbeiter gemacht haben. Doch die Versicherung weigerte sich und erteilte lediglich Auskünfte über die bei ihr gespeicherten Personalstammdaten. Hiermit gab sich der Versicherte nicht zufrieden und klagte. Das Landgericht Köln schloss ich der Sichtweise der Versicherung an ... weiter lesen

Arbeitsrecht Kündigung wegen Datenschutzverstoß: Besteht dieses Risiko für Arbeitnehmer?

Wenn Arbeitnehmer nicht verantwortlich mit den ihnen vom Arbeitgeber anvertrauten personenbezogenen Daten umgehen, kann das erhebliche Konsequenzen haben. Diese reichen bis zur fristlosen Kündigung.    Viele Arbeitnehmer kommen im Rahmen ihrer Tätigkeit mit personenbezogenen Daten ihres Arbeitgebers in Berührung. Hierzu gehören vor allem sensible Daten ihrer Kunden. Wer hier als Mitarbeiter diese Daten abruft, um seine persönliche Neugier zu befriedigen, muss unter Umständen mit der Kündigung rechnen. Dies gilt erst recht dann, wenn er durch eigenmächtige Aktionen die Kunden vergrault. Denn hierdurch verletzt er seine arbeitsvertraglichen Pflichten aus dem ... weiter lesen

Ihre Spezialisten