Arbeitsrecht

Versetzung vs. Umsetzung – was ist der Unterschied?

Zuletzt bearbeitet am: 02.07.2024

In der Welt des deutschen Arbeitsrechts gibt es viele Begriffe, die für Laien oft verwirrend sein können. Zwei Begriffe, die häufig verwechselt werden, sind Versetzung und Umsetzung. Beide beziehen sich darauf, dass ein Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz wechseln muss, aber es gibt klare Unterschiede zwischen den beiden Begriffen. In diesem Ratgeber werden wir genauer darauf eingehen, was eine Versetzung und was eine Umsetzung ist und was der genaue Unterschied zwischen den beiden ist.

Beginnen wir mit der Umsetzung. Eine Umsetzung ist die einseitige Zuweisung eines neuen Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, zum Beispiel weil der bisherige Arbeitsplatz aus organisatorischen oder wirtschaftlichen Gründen wegfallen wird oder weil der Arbeitgeber den Arbeitnehmer an einen anderen Standort versetzen möchte. Eine Umsetzung muss jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um rechtmäßig zu sein.

Nach dem deutschen Arbeitsrecht braucht es keiner Zustimmung des Arbeitnehmers, es sei denn, dies ist im Arbeitsvertrag ausdrücklich anders geregelt. Außerdem muss die Umsetzung für den Arbeitnehmer zumutbar sein, das heißt, sie darf weder unverhältnismäßig sein noch seine Gesundheit gefährden. Der Arbeitnehmer hat auch das Recht, eine Umsetzung aus persönlichen oder familiären Gründen abzulehnen, wenn diese unzumutbar für ihn wäre.

Eine Versetzung hingegen ist die einvernehmliche Verlegung des Arbeitsplatzes eines Arbeitnehmers. Anders als bei einer Umsetzung erfolgt eine Versetzung immer mit dem Einverständnis des Arbeitnehmers. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen, zum Beispiel weil der Arbeitnehmer sich persönlich oder beruflich weiterentwickeln möchte und an einem anderen Arbeitsplatz bessere Möglichkeiten dafür hat. Eine Versetzung muss jedoch auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um rechtmäßig zu sein.

Im Gegensatz zu einer Umsetzung ist eine Versetzung nicht einseitig, sondern setzt die Zustimmung beider Parteien voraus. Sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer müssen damit einverstanden sein, dass der Arbeitsplatz des Arbeitnehmers verlegt oder verändert wird. Eine Versetzung ist ein deutlich größerer Einschnitt in das Beschäftigungsverhältnis, weil eine deutliche Veränderung erfolgt. Wenn der Arbeitnehmer einer Versetzung nicht zustimmt, bleibt dem Arbeitgeber in der Regel nur eine Änderungskündigung zur zwangsweisen Veränderung des Beschäftigungsverhältnisses.

Der Unterschied zwischen Versetzung und Umsetzung liegt also hauptsächlich darin, dass eine Umsetzung einseitig und zwangsweise erfolgt, während eine Versetzung einvernehmlich und freiwillig ist. Eine Umsetzung kann rechtliche Konsequenzen für den Arbeitnehmer haben, wenn er sich dagegen wehrt oder die Umsetzungsgründe nicht gerechtfertigt sind. Eine Versetzung hingegen ist in der Regel unproblematisch und dient dem beiderseitigen Interesse an einer besseren Arbeitsplatzgestaltung.

Es ist wichtig, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich über ihre Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit Versetzung und Umsetzung im Klaren sind. Arbeitnehmer sollten wissen, dass sie Veränderungen des Beschäftigungsverhältnisses nicht einfach hinnehmen müssen und geprüft werden muss, ob es sich um eine Umsetzung handelt, die der Arbeitgeber einseitig im Rahmen seines Weisungsrechts aussprechen kann oder ob der Arbeitgeber eine Versetzung ausgesprochen hat, der der Arbeitnehmer zustimmen kann aber nicht zustimmen muss. Arbeitgeber sollten wiederum darauf achten, dass sie eine Veränderungen des Beschäftigungsverhältnisses rechtzeitig und ordnungsgemäß ankündigen und die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen sicherstellen.

Insgesamt kann gesagt werden, dass sowohl Versetzung als auch Umsetzung wichtige Instrumente der Personal- und Organisationsentwicklung sind. Beide dienen dazu, die Arbeitsbedingungen und -beziehungen zu verbessern und den Bedürfnissen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gerecht zu werden. Indem man sich über die Unterschiede zwischen Versetzung und Umsetzung informiert und die rechtlichen Rahmenbedingungen beachtet, können Konflikte vermieden und ein harmonisches Arbeitsklima geschaffen werden.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Dipl.-Jur. Jens Usebach LL.M.
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Sozialrecht
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Heumarkt 50
50667 Köln

Telefon: 022195814321


Honorar/Leistung: (5)
Erreichbarkeit: (5)
Verständlichkeit: (5)
Freundlichkeit: (5)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Dipl.-Jur. Jens Usebach LL.M.:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Arbeitsrecht Kündigung: Was ist mit dem Resturlaub?

Eine Kündigung kann viele Fragen und Unsicherheiten hervorrufen, insbesondere wenn es um offene Urlaubstage geht. Viele Arbeitnehmer fragen sich, ob sie ihre restlichen Urlaubstage noch nehmen können oder ob sie diese einfach verfallen lassen müssen. In diesem Ratgeber klären wir darüber auf, was mit den restlichen Urlaubstagen nach einer Kündigung passiert und welche Rechte und Pflichten sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber haben. Grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmer auch nach einer Kündigung einen Anspruch auf den bereits erworbenen Urlaub haben . Das bedeutet, dass die bereits genehmigten bzw. noch ... weiter lesen

Arbeitsrecht Abfindungsprogramm SAP: Viele Arbeitnehmer wollen gehen!

Beim Softwarehersteller SAP , der weltweit zu den größten Anbietern von Unternehmenssoftware zählt, planen in Deutschland mehr als 5000 Mitarbeiter das Unternehmen zu verlassen , was einem erheblichen Anteil der Belegschaft entspricht. Dieser Schritt wird vor allem durch den geplanten Stellenabbau bei SAP verursacht, der im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen unumgänglich geworden ist. Die Gründe für den Stellenabbau bei SAP liegen unter anderem in der Neuausrichtung des Unternehmens, das sich verstärkt auf Cloud-Dienste und digitale Technologien fokussieren möchte. Dies erfordert Veränderungen in der Organisation und ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Arbeitsrecht Bundesarbeitsgericht bestätigt: Freistellung wegen Impfpflicht reduziert Urlaubsanspruch

Das Bundesarbeitsgericht entschied, dass Arbeitnehmer bei Freistellung wegen der einrichtungsbezogenen Impfpflicht nur anteiligen Urlaubsanspruch haben (Az. 5 AZR 167/23 ). Freistellung wegen fehlender Impfung: Kürzung des Urlaubsanspruchs und keine Vergütung Die Klägerin, eine Alltagsbegleiterin in einem Seniorenwohnheim, war im März 2022 nicht gegen COVID-19 geimpft und besaß keinen Immunitätsnachweis. Medizinische Gründe gegen die Impfung lagen nicht vor. Ab dem 1. April 2022 stellte der Arbeitgeber die Klägerin aufgrund der Regelungen des Infektionsschutzgesetzes (IfSG aF) von der Arbeit frei, solange sie keine Nachweise vorlegte, maximal bis zum 31. ... weiter lesen

Arbeitsrecht Bundesarbeitsgericht bestätigt Rechtmäßigkeit der Gesundheitsdatenverarbeitung durch Arbeitgeber

Das Bundesarbeitsgericht (Az. 8 AZR 253/20 ) entschied, dass ein Medizinischer Dienst Gesundheitsdaten seiner Mitarbeiter verarbeiten darf, wenn dies zur Klärung der Arbeitsunfähigkeit nötig ist. Systemadministrator klagt wegen Verarbeitung seiner Gesundheitsdaten Ein Kläger, der als Systemadministrator bei einem Medizinischen Dienst tätig war, war seit November 2017 arbeitsunfähig. Die gesetzliche Krankenkasse beauftragte den Medizinischen Dienst im Juni 2018, seine Arbeitsunfähigkeit zu überprüfen. Eine Ärztin des Dienstes führte eine Begutachtung durch und holte dazu telefonisch Informationen vom behandelnden Arzt des Klägers ein. Das erstellte ... weiter lesen

Arbeitsrecht LAG Köln: Kein Weiterbeschäftigungsanspruch für Vorfeld-Initiator von Betriebsratswahl

Das Landesarbeitsgericht Köln hat entschieden, dass ein Vorfeld-Initiator einer Betriebsratswahl keinen Anspruch auf Weiterbeschäftigung im einstweiligen Rechtsschutz hat (Az. 7 GLa 2/24 ). Kündigungsschutz für Betriebsrats-Initiatoren: Kein Anspruch auf Weiterbeschäftigung Ein Arbeitnehmer hatte seine Absicht zur Gründung eines Betriebsrats durch eine notariell beglaubigte Erklärung dokumentiert und Vorbereitungshandlungen unternommen. Nach seiner Kündigung beanspruchte er Weiterbeschäftigung im einstweiligen Rechtsschutz, da er sich auf den besonderen Kündigungsschutz für Vorfeld-Initiatoren gemäß § 15 Absatz 3b KSchG berief. Üblicherweise endet der ... weiter lesen

Arbeitsrecht Selbstständig neben dem Vollzeitjob: Wann greift das Wettbewerbsverbot?

Viele Arbeitnehmer träumen von der Selbstständigkeit. Vielleicht spielen auch Sie mit dem Gedanken, endlich Ihr eigener Chef zu sein. Gleichzeitig ist der sichere Arbeitsplatz im Angestelltenverhältnis aber auch ein Rettungsanker, wenn es mit dem eigenen Unternehmen doch nicht so läuft. Wenn Sie im Vollzeitjob bleiben und gleichzeitig eine Selbstständigkeit aufbauen möchten, gibt es jedoch viele Aspekte zu berücksichtigen. Gesetzliche und arbeitsrechtliche Grundlagen Bevor Sie sich in die nebenberufliche Selbstständigkeit wagen, müssen erst einmal die rechtlichen Rahmenbedingungen abgesteckt werden. Grundsätzlich spricht nichts gegen ein eigenes Unternehmen trotz ... weiter lesen

Ihre Spezialisten