Familienrecht

Was sollte bei einer Scheidung geregelt werden?

20.07.2021
 (13)

Zunächst einmal: Für ein einvernehmliches Scheidungsverfahren ist es erforderlich, dass beide Ehepartner die Scheidung wollen und sich über die Punkte Sorgerecht bei gemeinsamen Kindern, Umgangsrecht, Kindesunterhalt, Zuordnung der Ehewohnung und Aufteilung des Hausrats einig sind.

Nachfolgend sollen die klärungsbedürftigen Punkte bei einem streitigen Scheidungsverfahren kurz dargestellt werden.

Sorgerecht:

Seit 1998 ist gesetzlich geregelt, dass es im Grundsatz bei der gemeinsamen Sorge der Kindeseltern auch nach der Scheidung verbleibt. Wenn Sie sich über die Kindesbelange meist einigen können, dann muss im Scheidungsverfahren nicht mehr über das alleinige Sorgerecht eines Elternteils entschieden werden. Mit dem Begriff des gemeinsamen Sorgerechts ist nicht gemeint, dass die Kindeseltern sich über die alltäglichen Belange der Kinder abstimmen müssen. Diese Entscheidungen werden von dem Elternteil getroffen, bei dem die Kinder leben.

Umgangsrecht:

Die Frage des Umgangsrechts hat nichts mit dem Sorgerecht zu tun, was oftmals angenommen wird. Das Umgangsrecht ist ein völlig eigenständiger Begriff und regelt den Kontakt des Ex-Partners zu den gemeinsamen Kindern. Solange der Umgang nicht für das Kind schädlich ist, steht dem Ex-Partner das Umgangsrecht gesetzlich zu und wird auch regelmäßig gerichtlich „erstritten“, was für alle Beteiligten wiederum nicht erstrebenswert ist. Auch hier ist eine außergerichtliche Einigung immer vorzuziehen. Sprechen Sie uns an, wir sind Ihnen dabei behilflich.

Rentenausgleich/Versorgungsausgleich:

Der Rentenausgleich, auch Versorgungsausgleich genannt, wird im Regelfall automatisch im Scheidungsverfahren durchgeführt. Dabei werden während der Ehezeit erworbene Renten- und Lebensversicherungsansprüche ausgeglichen.

Vermögen/Zugewinnausgleich:

Im Zugewinnausgleich wird das Anfangs- und das Endvermögen beider Ehepartner bewertet. Im Grundsatz muss der Ehepartner, der nach der Eheschließung bis zum Scheidungsantrag ein höheres Vermögen erwirtschaftet hat, die Hälfte der Differenz der erwirtschafteten Vermögen zahlen.

Sowohl beim Anfangs- als auch beim Endvermögen sind alle geldwerten Positionen – außer Hausrat – wie z. B. Immobilien, Kontoguthaben, Antiquitäten usw. zu berücksichtigen.

Eventuelle Schulden sind abzuziehen.

Man ist nicht verpflichtet, den Zugewinnausgleich während des Scheidungsverfahrens vom Gericht prüfen zu lassen. Es kann sich also auch außergerichtlich geeinigt werden. Auch kann der Antrag auf Zugewinnausgleich noch bis zu drei Jahren nach Rechtskraft der Scheidung gestellt werden.

Haus/Eigenheim/Wohnung:

Im ungünstigsten Fall muss das Eigenheim nach der Scheidung versteigert werden wenn sich die Ehepartner nicht auf einen Verkauf oder eine Übernahme durch einen von beiden einigen können. Dies stellt jedoch die unsinnigste aller Lösungen dar und lässt sich mit anwaltlicher Hilfe meist vermeiden. Sprechen Sie uns an und suchen gemeinsam mit uns nach Lösungen.

Hausrat:

Auch hier gilt das Prinzip, dass eine einvernehmliche Aufteilung des Hausrats im Laufe der Scheidung für alle Beteiligten die sinnvollste und stressfreie Lösung ist. Wir haben aber auch schon Prozesse geführt, bei denen über jeden „Löffel“ gestritten wurde.

Unterhalt:

Die Berechnung sowohl des Kindes- als auch eines eventuellen Ehegattenunterhalts ist extrem kompliziert und für juristische Laien meist nicht nachzuvollziehen. Daher ersparen wir Ihnen und uns hier umfassende Erläuterungen und empfehlen ein persönliches Beratungsgespräch. Am sinnvollsten ist immer eine friedvolle Einigung. Dabei können wir Ihnen selbstverständlich behilflich sein. In Einzelfällen gelingt es aber selbst uns nicht, eine einvernehmliche Lösung bei allen Unterhaltsfragen außergerichtlich herbeizuführen. In diesen wenigen Fällen lässt sich eine gerichtliche Klärung nicht vermeiden.

Diesen Artikel bewerten
Über den Autor

Gesamt:

Thomas Staab
Rechtsanwalt • Fachanwalt für Familienrecht
Schlachte 22
28195 Bremen

Telefon: 0421 - 22 41 01 40


Honorar/Leistung: (5)
Erreichbarkeit: (5)
Verständlichkeit: (5)
Freundlichkeit: (5)
Diesen Rechtsanwalt bewerten
Vereinbaren Sie hier eine Rechtsberatung zum Artikel-Thema:
Kontaktieren Sie hier Fachanwalt Thomas Staab:
* Pflichtfeld
Ja, ich willige ein, dass meine im „Kontaktformular“ eingetragenen personenbezogenen Daten zum Zwecke der Angebotsvermittlung per Fax und E-Mail an den zu kontaktierenden Anwalt übermittelt und gespeichert werden. Diese jederzeit widerrufliche Einwilligung sowie die Verarbeitung und Datenübermittlung durch Dritte erfolgen gem. unserer Datenschutzerklärung.
Kontaktieren
Weitere Artikel des Autors
Familienrecht Warum gibt es ein "Trennungsjahr"?
10.10.2018

Das Eherecht hat im deutschen Familienrecht immer noch einen besonderen Status. Ehescheidungen unterliegen daher strengen Regeln und können erst dann beantragt werden, wenn das Scheitern der jeweiligen Ehe nachgewiesen wurde. Das sogenannte „Schuldprinzip“ wurde schon im Jahre 1976 vom „ Zerrüttungsprinzip” abgelöst. Es gibt also keinen „Schuldigen” mehr im Eherecht. Das Trennungsjahr soll unüberlegte und voreilige Scheidungen verhindern und den beiden „Scheidungswilligen” eine neue Chance zur Wiederherstellung der Ehe verschaffen. Aus diesem Grunde sieht das deutsche Gesetz eine einjährige „Trennung ... weiter lesen

Weitere Artikel der Redaktion zum Thema
Familienrecht Kindeswohlgefährdung durch herausreißen aus Pflegefamilie

Frankfurt/Main. Wenn ein direkt nach der Geburt bei Pflegeeltern aufgenommenes Kind zurück zu den leiblichen Eltern soll, ist regelmäßig ein psychologisches Gutachten über mögliche Gefährdungen des Kindeswohls einzuholen. Das Oberlandesgericht Frankfurt (OLG) entschied mit einem am 3. Mai 2022 veröffentlichten Urteil, dass dies auch dann gilt, wenn vom Jugendamt die Rückführung zu den Herkunftseltern befürwortet wird (Az.: 6 UF 225/21). Der streitige Fall betrifft ein 2020 geborenes Mädchen, das nur wenige Tage nach ihrer Geburt gegen den Willen ihrer unverheirateten Eltern, die das gemeinsame Sorgerecht haben, zu Pflegeeltern kam. Auch eine ältere Schwester wurde ... weiter lesen

Familienrecht BGH: Homosexuelles Paar besitzt Anspruch auf rechtliche Elternschaft

Karlsruhe (Recht). Wenn ein ausländisches Gericht ein schwules Paar als rechtliche Eltern eines von einer Leihmutter geborenen Kindes anerkennt, so ist dies für deutsche Behörden bindend. Der Bundesgerichtshof Karlsruhe (BGH) hat in einem kürzlich veröffentlichten Beschluss vom 12.01.2022 (Az: XII ZB 142/20) klargestellt, dass es trotz des deutschen Leihmutterschaftsverbots nicht gegen die öffentliche Ordnung verstößt, die Anerkennung als rechtliche Eltern durchzuführen, wenn zumindest ein Wunsch-Elternteil eine genetische Verwandtschaft mit dem Kind aufweist.   Allerdings, so der BGH in zwei früheren Entscheidungen, sind Entscheidungen ausländischer Behörden ... weiter lesen

Familienrecht Was passiert mit der Immobilie bei Trennung oder Scheidung?

Die eigene Immobilie stellt bei einer Scheidung oder Trennung nicht selten den größten Vermögenswert der Eheleute dar. Gleichzeitig ist das Eigenheim der Lebensmittelpunkt für Eltern und Kinder. Entsprechend schwierig gestaltet sich der Umgang mit der eigenen Immobilie häufig bei einer Scheidung. Was muss beachtet werden?  Wem gehört die Immobilie?  Zunächst ist es wichtig zu klären, wem die Immobilie gehört. Häufig ergibt sich bereits bei dieser vermeintlich einfachen Frage ein Klärungsbedarf. Dazu wird der Grundbucheintrag herangezogen. Dort ist eingetragen, wer Eigentümer der Immobilie ist. Wichtig ist hier, dass auch eine ungleiche Verteilung der ... weiter lesen

Familienrecht Versöhnungsversuch im Trennungsjahr: Haben solche Bemühungen Einfluss auf die Scheidung?

Ein Versöhnungsversuch im Trennungsjahr kann unter bestimmten Umständen dazu führen, dass die Scheidung erst später durchgeführt werden kann.   Wenn sich beide Eheleute scheiden lassen möchten, müssen sie sich gedulden. Denn sie müssen normalerweise mindestens ein Jahr getrennt gelebt haben, ehe eine Scheidung ausgesprochen werden kann. Dies ergibt sich aus § 1566 BGB. Ein solches Trennungsjahr dient dazu, dass Ehepaare sich wirklich noch mal überdenken können, ob ihre Ehe wirklich gescheitert ist. Um dies zu überprüfen, kommt der ein oder andere auf den Gedanken, dass man noch einmal mehr oder weniger zusammenzieht.    Die Frage ist ... weiter lesen

Ihre Spezialisten