Tipps zur Online-Rechtsberatung

Die Segnungen des Internets haben nicht vor der Zunft der Rechtsanwälte und Notare haltgemacht. Online-Rechtsberatungen anzubieten, gehört beinahe schon zum „guten Ton“ in der Branche.

Tipps zur Online – Rechtsberatung stellt die wichtigsten Informationen zur Verfügung und verweist auch auf die „Stolperfallen“, die der Ratsuchende tunlichst umgehen soll.

Was unter Online-Rechtsberatung zu verstehen ist

Büroausstattung (© Alexander Limbach / fotolia.com)
Büroausstattung (© Alexander Limbach / fotolia.com)
Grundsätzlich ist eine Rechtsberatung, jede konkrete Beratung, die beispielsweise das Steuerrecht, Sozialrecht oder Arbeitsrecht zum Thema haben kann. Solche Beratungen bedürfen einer entsprechenden Zulassung, damit sie nicht unter den Begriff „unerlaubte Rechtsberatung“ fallen. Unter Rechtsberatung in diesem Sinne, ist die Abstellung auf den Einzelfall erforderlich. Artikel im Internet, Studien und auch Vorträge sind daher keine Rechtsberatungen im rechtlichen Sinne, weil sie keinen konkreten Einzelfall zum Bezug haben.

Wenn also, wie in den meisten Fällen üblich, über ein Portal ein Formular mit der konkreten Fragestellung auszufüllen und dann abzusenden ist, bezieht sich das somit auf einen konkreten Einzelfall und bedarf der entsprechenden Zulassung des Beraters, unabhängig davon in welcher Form die Antwort übermittelt wird.

Allen, die auf diesem Weg nach einer Antwort suchen, sollte klar sein, dass mit der Erstberatung nur ein erster Schritt getan ist. Abhängig von der getroffenen Entscheidung wird es kaum möglich sein, den konkreten Rechtsfall weiterhin über das Internet abzuwickeln und es bedarf der Begleitung eines zugelassenen Anwalts, bei den nächsten Schritten.

Die Gemeinsamkeit aller Online-Beratungsangebote ist der Austausch zwischen Personen, die Rat suchen und Personen, die diesen Rat geben können, vermittelt über das Internet, meist mit Hilfe einer speziellen Software.

Eine Online-Rechtsberatung wird regelmäßig auch für die Rechtsgebiete Arbeitsrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht, Strafrecht und Mietrecht angeboten.

Fachanwalt.de-Tipp: Mit komplexen Verschlüsselungs-Technologien ist die Kommunikation sicher und vertraulich gestaltet.

Das Angebot an kostenlosen Rechtsberatungen im Internet

Eine Recherche im Internet ergibt eine lange Liste von Einträgen und es fällt auf, dass viele mit dem Attribut „gratis“ versehen sind. Das scheint für den Rechtsbereich etwas ungewöhnlich. Bei näherem Hinsehen stellt sich dann heraus, dass diese kostenlose Beratung, meist von Institutionen und Organisationen für ihre Mitglieder angeboten wird, oder sich auf ein kostenloses Erstgespräch bezieht. Das muss sich vom persönlichen Anwaltsgespräch nicht unterscheiden und kommt wohl auf die aktuelle Vereinbarung an.

Dennoch ist darauf Bedacht zu nehmen, dass dieses Gespräch nicht allzu oberflächlich erfolgt, denn oft sind diese kostenfreien Gespräche nur eine Möglichkeit um zu einem persönlichen Termin mit dem Fragesteller zu kommen, bei dem dann nach Tarif verrechnet werden kann. Ein Vorgang, der nicht unbedingt zu verurteilen ist, denn die Beratung und Hilfestellung durch einen Spezialisten im Rechtsbereich darf durchaus etwas kosten.

Manchmal wird, zusätzlich zur konkreten Beratung, ein telefonisches Gespräch zur Ergänzung angeboten. Sehr oft ist dazu eine sogenannte „Mehr-Wert-Nummer“ angegeben, die allerdings bei längeren Gesprächen teuer werden kann. Die Zulässigkeit dieser Vorgangsweise, die sich in der Gebührenordnung für Rechtsanwälte nicht wiederspiegelt, ist laut Bundesgerichtshof bestätigt. Bei Preisen ab 1,80 EUR pro Minute stellt sich allerdings die Frage, ob eine klassische Beratung beim Anwalt nicht günstiger kommt und auch effektiver ist.

Besonders zu beachten: Telefonische Beratungen fallen unter das Fernabsatz-Gesetz und der Anwalt muss dem Fragesteller bei Gesprächsbeginn Name, Adresse und Kosten bekanntgeben.
Sinnvoll kann so eine kostenlose Beratung allemal sein, denn der Fragesteller erhält auf alle Fälle eine erste – wenn auch grobe – Einschätzung und kann darauf basierende Entscheidungen treffen.

Fachanwalt.de-Tipp: Ebenso wird er durchaus fundierte Tipps erhalten, wie er sich im konkreten Einzelfall verhalten soll. In dem Sinne ist die Beratung zwar „gratis, aber nicht umsonst.“

Tipps für die Online-Rechtsberatung – Vorbereitung und Abwicklung

home office desk(© areebarbar / fotolia.com)
home office desk(© areebarbar / fotolia.com)
Für jemand der Auskunft und Hilfe sucht ist der aktuelle Status wichtig. Wenn bereits klar ist, dass der Rechtsstreit ohnehin nur mit Hilfe der Gerichte beizulegen ist, dann stellt sich die Frage, wie weit eine Online-Beratung noch Sinn macht, denn die meisten Anwälte bieten das Erstgespräch ohnehin schon kostenfrei an.

Falls dies aber nicht der Fall ist, empfiehlt sich folgende Vorgangsweise:

  • Anwalt oder Portal sollten nach dem Thema zu wählen, dass geklärt werden soll. Ob Arbeits- oder Mietrecht, ob es um Schadenersatzforderungen geht, oder Fragen zur Scheidung. Für jeden Bereich gibt es Spezialisten, die für derartige Fragestellungen die beste Expertise haben.
  • Bevor die Anfrage tatsächlich abgesandt wird, ist es wichtig, den Text inhaltlich zu prüfen. Kann der Anwalt schnell erkennen, um was es geht? Sind konkrete Fragestellungen vorhanden? Welche Schritte zur Lösung des Problems wurden schon unternommen? Je genauer und konkreter die Frage formuliert ist, desto konkreter und umfassender wird die Antwort ausfallen.
  • Im Falle einer kostenpflichtigen Online-Rechtsberatung macht es durchaus Sinn mit dem gewählten Anwalt über den Preis zu verhandeln. Das ist übliche und gängige Praxis. Falls es sich um ein Portal handelt, bei dem der Fragesteller, den Preis selbst bestimmen kann, ist ein niedriger Einstiegspreis zu empfehlen. In weiterer Folge ist eine Aufstockung des Angebotes noch immer möglich.
  • Kommt es zu einem konkreten Gespräch mit einem Anwalt über den Fall, dann ist es wichtig, gleich am Anfang die Kostensituation zu klären. Dies soll möglichst umfassend geschehen, damit keine böse Überraschung am Ende des Verfahrens übrigbleibt.
  • In manchen Portalen werden die Fragen und Antworten für alle Leser oder Abonnenten veröffentlicht. Daher ist eine Erkundigung vorher sinnvoll, ob diese Veröffentlichung unter dem „Klarnamen“ des Anfragers erfolgt, oder nur ein Pseudonym angegeben wird. Es ist aber auch möglich einer Veröffentlichung nicht zuzustimmen.

Seriös oder nicht – welche Erkennungsmerkmale gibt es

Selbst die honorige Zunft der Rechtsanwälte ist nicht davor gefeit, dass ihr guter Ruf ausgenutzt wird und unter dem Mantel der Seriosität Ratsuchende „abgezockt“ werden, sodass sie am Ende nur mit mehr Kosten dastehen, aber mit ihrem Problem keinen Schritt weitergekommen sind.

Woran sind seriöse Angebote im Internet zu erkennen:

  • Das Impressum, das auf jeder Internetseite verbindlich aufscheinen muss. Zu finden meist im Fuß- oder Kopfbereich der Seite. Vorsicht ist geboten, wenn das Impressum erst mühsam gesucht werden muss, nicht vollständig ist, die Kontaktdaten unbrauchbar sind und vielleicht auch noch die Zugehörigkeit zu einem Land außerhalb der EU wahrscheinlich ist. Dann besser Finger weg.
  • Seriöse Rechtsberatungen im Internet haben meist eine eigene Seite vorgeschalten, die alle Hinweise anbietet, die für die Nutzung des Portals von Bedeutung sind. Das beginnt bei den Vorteilen für den Fragesteller und geht über die Darstellung des Beratungsvorganges bis zur Gebühr, die unter Umständen zu entrichten ist.
  • Es soll auch die Zeit für die Abwicklung zu finden sein, wie bspw. innerhalb von 24 Stunden oder ähnliches.
  • Wird dem Ratsuchenden sein Berater mit Namen, Expertenstatus und den Kontaktdaten bekanntgegeben oder bleibt er weitgehend anonym.
  • Wie wird das Ergebnis der Beratung dokumentiert (schriftlich, persönlich, mittels Mail, etc.)
  • Welche Möglichkeiten stehen dem Fragesteller nach der Beratung offen und mit welchen Kosten ist dann zu rechnen.
  • Zu klären ist auch, wie die Bezahlung der Erstberatungs-Gebühr erfolgt, wann sie fällig ist und ob sie möglicherweise gutgeschrieben wird, wenn der Anwalt das Mandat zur weiteren Begleitung erhält.

Risiken und Chancen der Rechtsberatung mittels E-Mail

In dieser Form erfolgt der Austausch von Frage und Antwort mittels E-Mail, daher ist im weitesten Sinne der Begriff ON-Line-Beratung nichtzutreffend. Allerdings ist im Bewusstsein der Ratsuchenden diese Trennung wahrscheinlich nicht so scharf möglich, weshalb hier darauf eingegangen wird. Der gravierende Unterschied zur klassischen Online-Rechtsberatung liegt darin, dass die Beratung mittels Mail nicht zeitsynchron verläuft. Es ist bei beiden Parteien das Bewusstsein zu festigen, dass sehr oft sensible und sehr persönliche Daten ausgetauscht werden, die eines besonderes Schutzes bedürfen.

Der Datenaustausch über E-Mail ist ohne geeignete Schutzmaßnahmen als „offen“ zu betrachten, das bedeutet fast jeder mit ein wenig Grundkenntnissen der Übertragungsprotokolle kann die Inhalte nicht nur lesen oder zerstören. Er kann sie auch relativ einfach ändern oder umleiten. Deshalb ist eine unverschlüsselte Mail ein absolut ungeeignetes Mittel und es müssen Maßnahmen zum Schutz der Daten und der Privatsphäre getroffen werden.

Fachanwalt.de-Tipp: Laut einer Empfehlung des Datenschutzbeauftragten der Bundesregierung sollten „… die komplette Beratungsdokumentation auf dem Server des Beraters verwahrt und nach gesetzlichen Vorgaben geschützt und gelöscht wird.“

Zukunft der Rechtsberatung im Internet

Lawyer (© BillionPhotos.com / fotolia.com)
Lawyer (© BillionPhotos.com / fotolia.com)
Der Deutsche Anwaltsverein beobachtet die rasante Entwicklung und Zunahme von Internetplattformen, die konkrete Lebenssituationen zum Thema haben, wie Scheidung, Entschädigungen für abgesagte Flüge, Schadenersatz für verlorenes Gepäck und einiges mehr.

Die Zunahme wird sich auf Routineaufgaben beschränken, die im Wesentlichen von Computersystemen übernommen werden. In der Entwicklung von individuellen Lösungen für die Mandanten, ist der Anwalt jedoch der Maschine überlegen, denn selbst die beste Software kann die anwaltliche Erfahrung und Expertise nicht ersetzen. Dennoch sind einfache Dinge wie Miet- und Kaufverträge schon heute ganz einfach über das Internet zu beziehen.

Der Trend zum elektronischen Rechtsverkehr ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten. Im fortschrittlichen Holland kann man sich sogar an „Automaten“ scheiden lassen, selbst im eher konservativen Österreich sind automatisierte Verfahren längst an der Tagesordnung, wenn man nur das automatisierte Mahnklagesystem betrachtet, das dort eingesetzt wird.

Dennoch wird es Menschen geben müssen – Juristen und Rechtsanwälte, die den Maschinen „auf die Finger schauen“. Noch ist es nicht soweit, dass der „gesunde Menschenverstand“, der in vielen Rechtsfragen eine Rolle spielen soll, durch die künstliche Intelligenz der Maschine ersetzt werden kann. Und das ist auch gut so, denn die Bedeutung der Beratung von Mensch zu Mensch, auch wenn es über das elektronische Medium des Internets erfolgt, wird durch die Komplexität der rechtlichen Themen wieder immer wichtiger.

Zusammenfassung der Tipps für Online-Rechtsberatung

Diese Form der „virtuellen“ Beratung nimmt bereits einen breiten Raum in der Beratungslandschaft ein. Mittlerweile tun sich die Ratsuchenden schon schwer unter der immensen Anzahl der Angebote zu wählen. Speziell die Rechtsberatung auf einen konkreten Fall bezogen, darf nur durch einen zugelassenen Anwalt erfolgen.

Ratsuchenden ist zu empfehlen, dass sie sich auf das Beratungsgespräch gut vorbereiten, da die Zeit meist begrenzt ist und Rückfragen weniger leicht zu stellen sind, als im Gespräch zwischen zwei Personen.

Fachanwalt.de-Tipp: Der Austausch sensibler Daten über das Internet bedarf besonderer Schutzmaßnahmen und dem Ratsuchenden ist anzuraten, sich den Schutz seiner Daten auch ausdrücklich bestätigen zu lassen.
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