Patchworkfamilie - Begriff, Definition und Probleme von Patchworkfamilien

Der Begriff „Patchwork-Familie“ beschreibt die Struktur einer Stieffamilie, wie es in der Rechtsprache exakt heißt. Eine Patchwork-Familie ist definiert als eine Familie, in der zumindest ein minderjähriges Kind mit seinem biologischen Elternteil aufwächst, dabei einer der Elternteile eine neue Partnerschaft eingegangen ist. Die Patchworkfamilie kommt in Deutschland relativ häufig vor. Ungefähr 14 Prozent der Familien in Deutschland sind tatsächlich Patchworkfamilien. Die hohe Zahl erklärt sich durch die Tatsache, dass auch Familien nach einer Scheidung und Neuverheiratung als Stieffamilie beziehungsweise Patchworkfamilie bezeichnet werden. Die Struktur der Patchworkfamilie steht in den deutschen Familienstrukturen an dritter Stelle, gleich nach der sogenannten „Kernfamilie“ und der „Ein-Eltern-Familie. 

Begrifflichkeit

Stiefkinder (Kzenon / fotolia.com)
Stiefkinder (Kzenon / fotolia.com)
Bis in unser Jahrhundert hinein galt eine Neuverheiratung, ohne dass der Partner gestorben wäre, als unakzeptabel. Stiefkinder waren also zumeist Waisen oder Halbwaisen. Dem ohnehin negativ belegten Begriff „Stief“ haftete darum auch der Hauch des Todes an. In der heutigen Zeit entstehen neue Partnerschaften wesentlich einfacher, durch eine Scheidung und einer anschließenden Neuverheiratung oder eingetragenen Lebenspartnerschaft, die durchaus auch gleichgeschlechtlich sein kann. Die rechtliche Bedeutung im Sinne von Sozialleistungen, Renten, Erbe ist widersprüchlich, weil hier einer „Verwandtschaft“ nicht wirklich Rechnung getragen wird. Nach dem Gesetz besteht nämlich eine solche Verwandtschaft zwischen Stiefkind und Eltern oder auch den Stiefschwestern und Stiefbrüdern nicht, sie sind lediglich verschwägert. Das Gesetz räumt jedoch in § 25 und 55 SGBXI die Möglichkeit ein, die Pflegeversicherung des nichtehelichen Elternteils zu reduzieren. 

Diverse Einteilungsversuche

Ein Versuch, Patchworkfamilien zu kategorisieren, ist die Einteilung nach dem zugrunde liegenden Motiv. So gibt es denn „zusammengesetzte Stieffamilien“, sie entstehen aus einer Heirat, bei der beide Partner Sprösslinge aus vorherigen Partnerschaften mitbringen. Es wird weiter unterschieden die „freie Wahl“ will heißen, es gab vor der Partnerschaft eine Phase des Alleinseins. Bei den „Wiederversammelten Stieffamilien“ handelt es sich um eine Wiederheirat nach Scheidung, hier die Untergruppen „Liebesheirat“ immer dann, wenn das Stiefelternteil der Grund der Scheidung war, es keine Zwischenphase des Alleinerziehens gab. Schließlich die Untergruppe „Erleichterung“, meint eine Heirat aus sachlichen Überlegungen zur Lösung von Problemen. Die sogenannten „legitimierenden Stieffamilien“ tragen der Gesellschaftsmeinung Rechnung, hier geht es darum, einem unehelichen Kind "einen Vater zu geben". Schließlich die „wiederbelebten Stieffamilien“ das bedeutet, eine Wiederheirat nach dem Tod eines Elternteils. Neben der Einteilung mittels der Motive, kann es auch um eine soziologische Beschreibung gehen.

Soziologie

In der Bi- oder multinuklearen Familie existieren zwei oder mehr familiäre Zentren. Sind beispielsweise die beiden getrennt lebenden Eltern noch nicht in einer neuen Beziehung oder Partnerschaft oder Ehe, wird das Kind oder die Kinder mit beiden Elternwohnungen als neue Familienstruktur konfrontiert. In einer multinuklearen Familienstruktur, ein Beispiel sei eine Scheidung, nach deren Rechtskräftigkeit das Kind in eine Pflegefamilie gelangt. Hier entstehen drei Zentren. Das Beziehungsgeflecht, das resultiert, kann verwirrend sein.

Die rekonstruierte Familie beschreibt eine sogenannte „Kernfamilie“, die beispielsweise nach dem Unfalltod der Mutter durch eine erneute Heirat des Vaters wieder hergestellt wird. Die rekonstruierte Familie versteht sich in diesem Sinn als eine Untergruppe einer Stieffamilie, die es in soziologischer Sicht lediglich in der mononuklearen Familie gibt.

Als zusammengesetzte Familie wird auch eine Stieffamilie bezeichnet. Hier ist dies lediglich der Versuch, das negativ belegte „Stief“ zu vermeiden. Er versucht das Augenmerk nicht auf die „Stief“-Eigenschaft zu lenken, sondern vielmehr auf die Art und Weise der Zusammensetzung der Familie. So kann er auch als Synonym für die „Pachtwork-Family“ dienen, beziehungsweise ist eine bi- oder multinukleare Familie.

Die mononukleare Familie ist das Standardmodell. Ein Haushalt in dem alle ihren Mittelpunkt des Lebens haben, mehr oder minder. Also auch eine Familie, die sich nach dem Tod eines Elternteils durch eine Wiederheirat selbst erneuert hat.

Kindschaftsrecht

Im Kindschaftsrecht ist regelmäßig das Recht des jeweiligen Gerichtes anzuwenden. Ist also die Zuständigkeit geklärt, wird auch das entsprechende Recht angewandt. Im Kindschaftsrecht sind dies: 

  • Das Haager Kinderschutzüberkeinkommen
  • Das Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung
  • Die Verordnung (EG) Nr. 2201/2003 (EuEheVO)
  • Das Haager Minderjährigenschutzabkommen
  • Das europäische Sorgerechtsübereinkommen

Die Abstammung kann entweder über das Heimatrecht des betroffenen Elternteils geklärt werden, genauso aber durch das Ehewirkungsstatut, bei einer verehelichten Mutter. Weiter kann entscheidend sein der gewöhnliche Aufenthaltsort des Kindes oder Jugendlichen. Das Recht dieses Staates könnte dann angewendet werden. Niedergelegt ist dies in Artikel 19 EGBGB. Regenbogenfamilie (© detailblick-foto / fotolia.de)
Regenbogenfamilie (© detailblick-foto / fotolia.de)
Das Eltern-Kind-Verhältnis, welches rechtlich eingeordnet wird, umfasst in erster Linie die elterliche Sorge. Ist der Rechtsgegenstand eine Adoption, so wird in aller Regel das Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption angewandt werden.

Regenbogenfamilie

Eine Regenbogenfamilie wird eine Familie genannt, in der die Eltern dasselbe Geschlecht haben. Per Definition also eine Patchworkfamilie. Die Namensgebung hat mit dem Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung zu tun, der Flagge mit dem vielfarbigen Regenbogen. Gerade die Einstellung der Hippies in den 60ziger und 70zigern des vorigen Jahrhunderts, die Konsequenz der gegenkulturellen Flowerpowerbewegung, die alle Brüder und Schwestern waren, gab der Idee der Regenbogenfamilie großen Auftrieb. So gab es Massenadaptionen, sogenannte „Stämme“ und große „Rainbow-familys“.

Jedes Jahr im Mai findet in den USA, Kanada und auch Europa der „International Family Equality Day" statt.



Ihre Spezialisten
INHALTSVERZEICHNIS

TOOLS

Gratis-eBook „Scheidung“


Alle Infos zu Scheidung & Trennung!
Die wichtigsten Fragen zu Scheidung & Trennung!

  • Ablauf und Kosten einer Scheidung?
  • Wichtige Infos zu Unterhalt, Sorgerecht usw.!
  • Kostenlos als PDF-Download

Gratis-eBook „Fachanwalt finden“


Alle Infos zur Fachanwaltssuche!
Informationen und Tipps zur Fachanwaltssuche!

  • Was ist ein Fachanwalt?
  • Wichtige Infos zu Anwaltskosten, Beratungshilfe!
  • Kostenlos als PDF-Download

Jetzt Rechtsfrage stellen