Schmerzensgeld bei Schleudertrauma ? So viel Geld gibts beim HWS / Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall !

Schleudertrauma (© Paolese / fotolia.com)
Schleudertrauma (© Paolese / fotolia.com)
Ein Schleudertrauma setzt eine plötzliche Krafteinwirkung auf die Halswirbelsäule voraus, wodurch Verletzungen im Halsbereich entstehen. Erst kommt es zu einer kurzzeitigen Überstreckung, dann zu einer starken Beugung der Halswirbelsäule. Sehr typisch ist ein Schleudertrauma als gesundheitliche Beeinträchtigung, neben Sportunfällen, vor allem nach einem Autounfall. Und gerade weil es hier vergleichsweise häufig auftritt, stellt sich auch immer wieder die Frage, ob für ein Schleudertrauma eigentlich auch Schmerzensgeld verlangt werden kann. Schmerzen hat man schließlich und die Symptome wie Kopf- und Nackenschmerzen sind alles andere als angenehm. Und doch lässt sich die Schmerzensgeldfrage nicht immer automatisch mit einem klaren Ja beantworten, wie di
e bisherige Rechtsprechung gezeigt hat.

Eine besondere ärztliche Behandlung ist bei einem Schleudertrauma nicht immer erforderlich

Die mit einem Schleudertrauma einhergehenden Schmerzen können mit einem Schmerzmittel oder auch Muskelrelaxantien gemildert werden. Das nur von vorübergehender Dauer anhaltende Schleudertrauma bedarf jedoch keiner speziellen Behandlung. Der Patient sollte darauf achten, eine Schonhaltung zu vermeiden, um keine dauerhaften Folgeschäden zu fördern.

Bemerkbar macht sich ein Schleudertrauma durch verschiedene Symptome und Beschwerden:

  • Die Wirbelsäule wird in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.
  • Die Hals- und Nackenmuskulatur ist verspannt.
  • Es kommt zu Nacken- und Kopfschmerzen.
  • Ebenfalls möglich sind neben diesen typischen Symptomen aber auch Beschwerden wie Schwindel, Zittern oder auch Sehstörungen. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Symptome eines Schleudertraumas müssen zudem nicht unbedingt direkt nach dem Autounfall eintreten. Manchmal macht sich ein Schleudertrauma auch erst 24 oder sogar 48 Stunden später bemerkbar. Wer entsprechende Beschwerden feststellt, sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Die Diagnose eines Schleudertraumas ist sehr einfach. Röntgenaufnahmen sind daher nicht immer erforderlich.

Wichtig ist, dass der Patient sich bei einem Schleudertrauma ausreichend Ruhe gönnt und sich schont. Eine Operation ist in aller Regel nicht nötig. Meist wird dies nur der Fall sein, wenn Frakturen der Wirbelsäule festgestellt wurden. Je nach Stärke des Schleudertraumas wird der Arzt aber auch raten können, nicht in eine vollständige Schonhaltung überzugehen, um die Beweglichkeit von Kopf und Hals nicht einzubüßen. Es sollte daher mit dem Arzt abgesprochen werden, inwieweit vorsichtige Bewegungen angeraten sind. Ebenso kann dazu geraten werden, Krankengymnastik zu nutzen, um die Heilung aktiv besser voranzutreiben.

Ein Schleudertrauma hält meist nur einige Tage bis hin zu wenigen Wochen an und heilt dann von selbst wieder ab. Abhängig ist dies vor allem von der Schwere der Verletzungen der Wirbelsäule.

Chronische Beschwerden und das sogenannte Schmerzgedächtnis

Allzu lange sollte man sich also in der Regel nicht mit einem Schleudertrauma herumärgern müssen. Es kann jedoch auch dazu kommen, dass die Beschwerden chronisch werden, weil der Patient u.a. ein sogenanntes Schmerzgedächtnis entwickelt. Selbst wenn als eigentlich keine Ursache mehr gegeben ist, leiden die Betroffenen immer noch unter den Beschwerden des Schleudertraumas.

Gibt es für ein Schleudertrauma Schmerzensgeld?

Schleudertrauma (© highwaystarz / fotolia.com)
Schleudertrauma (© highwaystarz / fotolia.com)
Eine wichtige Frage für Betroffene ist natürlich, ob ihnen nun überhaupt Schmerzensgeld zusteht. Hierfür ist wichtig, von welchem Grad der Verletzung man auszugehen hat. Für das Schleudertrauma wurde eine Klassifizierung nach Schweregrad vorgenommen.

  • Schweregrad 0: Keine Verletzungen und Schmerzen.
  • Schweregrad 1: Leichte Beschwerden (beispielsweise Nackenschmerzen oder ein Gefühl von Steifheit sowie Überempfindlichkeit).
  • Schweregrad 2: Zusätzlich leidet der Patient unter einer Bewegungseinschränkung und anderen Beschwerden, es kann zu einer Bildung von Hämatomen aufgrund einer Gefäßverletzung kommen.
  • Schweregrad 3: Die Halsmuskulatur ist in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Es werden Frakturen, Risse, Verrenkungen oder Fehlstellungen der Halswirbelsäule festgestellt, es treten Lähmungserscheinungen auf und die Muskeleigenreflexe funktionieren nicht mehr richtig.
  • Schweregrad 4: Die Frakturen der Halswirbelsäule und die Verletzungen des Rückenmarks sind so schwer, dass eine Querschnittslähmung eintritt oder der Patient stirbt.

Den wesentlichen Großteil der zu verhandelnden Schleudertraumata machen leichtere Fälle aus, die den Schweregraden 0 bis 2 zuzuordnen sind.

Bei einem Schleudertrauma handelt es sich um ein sehr umstrittenes Krankheitsbild. Daher sind Streitigkeiten zwischen dem Patienten und der Versicherung des Schädigers in der Regel vorprogrammiert. Die besten Chancen auf Schmerzensgeld bestehen immer noch dann, wenn der Unfall nicht selbst verschuldet wurde. Die Höhe des Schmerzensgelds kann jedoch stark variieren. Einige Hundert Euro sind ebenso möglich wie mehrere Tausend Euro. Letzteres wird jedoch häufig nur dann der Fall sein, wenn die Halswirbelsäule einen dauerhaften Schaden davon getragen hat. Unverzichtbar ist zudem, eine schriftliche Bestätigung des Schleudertraumas durch einen Arzt einzuholen. Eine bloße Schilderung der Beschwerden reicht nicht aus, um seinen Anspruch durchzusetzen.

Vor allem, wenn es sich um einen nur leichten Unfall handelt, bei dem nur eine geringe Geschwindigkeitsübertretung vorlag, wird die Versicherung der Gegenseite alles versuchen, um durchzusetzen, dass die Geschwindigkeit nicht ausreichend gewesen sei, um ein Schleudertrauma hervorzurufen. Dies ist jedoch an sich nicht korrekt, da es hier keine allgemein gültigen Werte gibt, ab wann nun ein Schleudertrauma eintritt oder nicht. Dafür spielen zu viele Faktoren während des Unfallhergangs eine Rolle. Ohne entsprechende Gutachten wird man jedoch nur schlechte Chancen in solch einem Fall haben, seinen Anspruch auf Schmerzensgeld durchsetzen zu können.

Jeder Unfall ist anders

Schon ein leichter Auffahrunfall kann zu einem Schleudertrauma führen. Umgekehrt jedoch muss nicht jeder schwere Unfall gleichzeitig ein Schleudertrauma nach sich ziehen. Es kommt immer auch auf die Geschwindigkeit an, mit der aufgefahren wurde. Ebenso wie auf die eigene Sitzposition, die Körpergröße und die eigene psychische Belastung.

Was nach einem Unfall zu beachten ist

Kam es zu einem Autounfall, erfolgt meist direkt eine Befragung durch die Polizei vor Ort. Da sich ein Schleudertrauma nicht immer sofort bemerkbar macht, sollte man im Rahmen der Befragung nicht angeben, dass man beschwerdefrei ist. Besser ist es zu sagen, dass man hierzu noch keine Aussagen treffen kann. Dadurch hält man sich die Option offen, Beschwerden sprichwörtlich noch nachreichen zu können, sollten sie zeitverzögert eintreten. Wenn sich die ersten Beschwerden bzw. Symptome dann einstellen sollten, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Er sollte nun die Beschwerden schriftlich festhalten und auch die Diagnose schriftlich bestätigen. Kommt es zu einer Arbeitsunfähigkeit, sollte der Arzt festhalten, wie lange diese voraussichtlich andauern wird. Mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit können die Höhe des Schmerzensgeldes nach oben schrauben. 2000 Euro sind hier durchaus möglich, geht es nach dem Amtsgericht München.

Insbesondere wenn es sich nur um einen leichten Unfall mit einer Geschwindigkeitsüberschreitung von weniger als 10 km/h gehandelt hat, ist eine ärztliche Bescheinigung unverzichtbar.




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