MPU Test - Was kostet der sog. Idiotentest beim Führerschein? Wie ist der Ablauf und die rechtliche Grundlage dafür?

Ortstafel MPU Führerschein  (© animaflora / fotolia.com)
Ortstafel MPU Führerschein (© animaflora / fotolia.com)
Wenn man bedenkt, dass Einstein einmal gesagt hat, 99,9 Prozent der Menschheit wären Idioten und der Rest laufe Gefahr, zu solchen zu werden, betrachtet man die medizinisch-psychologische Untersuchung vielleicht von einer anderen Warte. Nichtsdestotrotz hat diese Auflage, welche die Behörden nur allzu gerne verhängt, einen sehr schlechten Ruf in der Gesellschaft. Vorurteilsbehaftet sei sie, tendenziös und unrealistisch. Die Begutachtung der Fahreignung, die es seit 1954 gibt, dient jedoch einem durchaus wertvollem Ziel: Die Verbesserung der Qualität der Verkehrssicherheit in der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Argument der Gesetzgeber pro die medizinisch-psychologische Untersuchung ist, dass in anderen Ländern der europäischen Union statt dieser harschen Prüfung auf den geistigen Gesundheitszustand, die in Deutschland bei vielen Vergehen im Straßenverkehr fällig ist, stattdessen drastische Strafen verhängt würden. Dies sei jedoch der vollkommen falsche Ansatzpunkt, denn man könne nicht behaupten, dass die Höhe einer ausgesprochenen Strafe irgendeinen Einfluss auf ein Unfallrisiko in der Zukunft habe. Es drehe sich darum, Ursachenbekämpfung zu betreiben, eine Änderung im Verhalten des Betroffenen zu erreichen, die sich langfristig bewähre, die nachhaltig sei. Dazu ist natürlich auch der enorme Kostenaufwand, der mit dieser Untersuchung zusammenhängt, als Lernfaktor zu zählen. Ein Schluck bittere Medizin extra.

Was heißt „Fahreignung?“

Wenn von Fahreignung gesprochen wird, ist die geistige und körperliche Eignung, genauso aber die Ausprägung persönlicher Merkmale gemeint. Rund um die MPU sind ständig heftige Diskussionen zugange. Juristisch versteht sich die Kontrolle der Fahreignung, die man nun Mobilitätskompetenz nennen will, als eine schlichte Hoheitsverwaltung, ein Realakt. In der Verkehrspsychologie definiert sich der Begriff Mobilitätskompetenz als

 „die Gesamtheit überdauernder körperlicher, geistiger und verhaltens- bzw. einstellungsbezogener Voraussetzungen eines Fahrers zum sicheren und partnerschaftlichen Führen von Kraftfahrzeugen.“

Welche Aufgabe erfüllt die MPU?

Die MPU versteht für die Behörden als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung, letztlich aufgrund der Abgleichung statistischer Daten, in der Mundart der Ämter eine auf „Fakten und Erfahrungswissen“ basierende Aussage zur Wahrscheinlichkeit einer stattfindenden, stattgefundenen negativen oder positiven Änderung des Verhaltens des Probanden in der Zukunft. Was also zu beweisen ist, von Seiten des Untersuchten her, ist eine anhaltende Veränderung in Einstellung und Verhalten.

Das Ziel der MPU ist es, die Zweifel der Behörden, die den Führerschein ausstellen, in Bezug auf verkehrsmedizinische und verkehrspsychologische Eignung aus dem Weg zu räumen. Die entsprechende Behörde wird das Gutachten auf seine Schlüssigkeit und auf etwaige Formfehler hin überprüfen. Hier wird es um die Beachtung gesetzlicher Vorgaben, Begutachtungs-Leitlinien und Beurteilungskriterien zur Kraftfahrereignung, wissenschaftliche Nachprüfbarkeit und Widerspruchsfreiheit gehen. Außerdem wird die Qualität der MPU-Gutachten und ebenso die Arbeitsmethodik der MPU-Stellen von der Begutachtungsstelle Fahrerlaubniswesen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) überprüft.

Juristischen Grundlagen

Die zuständige Behörde ist das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen. Mit dem Paragraphen 6 StVG hat dieses Ministerium die Vollmacht, die konkreten Anforderungen, denen Personen Genüge tun müssen, um als geeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen zu gelten, festzulegen. Der Bundesrat hat zuzustimmen. Eine Beschreibung der entsprechenden Anordnungen und Gesichtspunkte zur MPU findet sich in der Fahrerlaubnisverordnung. So im Paragraph 14 FeV, wo es um die Klärung von Zweifeln hinsichtlich der Eignung geht, in Bezug auf Arzneimittel sowie Betäubungsmittel. Im Paragraphen 13 FeV wird die Klärung von Eignungszweifeln was die Problematik rund um den Alkohol angeht behandelt, in dem Paragraphen 11 FeV geht man detailliert auf die Eignung ein. Mit Hilfe und auf Grundlage dieser gesetzlichen Verordnung wird die Behörde die MPU anordnen, die individuelle Fragestellung für den Betroffenen zusammenstellen. Es steht dem Bewerber frei, sich die Prüfstelle selbstständig auszusuchen.

Im Paragraphen 2 StVG des Straßenverkehrsgesetzes ist festgelegt, welche Parameter gelten sollen bei der Erteilung einer Fahrerlaubnis, im Paragraphen drei ist der Entzug der Fahrerlaubnis definiert. Für die Erlaubnis ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr führen zu dürfen, sind gewisse Anforderungen zu erfüllen. Das sind natürlich geistige und körperliche Unversehrtheit, soweit sie zum Lenken eines Fahrzeuges notwendig sind, sowie u. a. das Mindestalter.

Ebenso spielt der juristische Status einer Person eine große Rolle. Wer häufig gegen das Gesetz verstoßen hat, im Besonderen natürlich gegen das Verkehrsrecht, neben dem Strafrecht, das Ganze nach Paragraph 2 Absatz 4 StVG, wird Probleme bekommen, die Fahrerlaubnis wird entzogen werden. Dasselbe, wenn irgendwelche Tatsachen, auf die die Behörde aufmerksam geworden ist, so körperliche oder geistige Mängel oder Auffälligkeiten im Verkehr offenkundig geworden sind. Dies wird nach Paragraph 2 Absatz 8 StVG abgehandelt. Wenn jemand den Merkmalen entspricht, die für eine Nichteignung sprechen, wird ihm die Begutachtungsstelle für Fahreignung ein entsprechendes Gutachten ausstellen. Damit steht fest, dass der Führerschein eingezogen wird, die Fahrerlaubnis des Betroffenen wird widerrufen, sie erlischt.

Wie sieht eine MPU aus?

Idiotentest (© klicki / fotolia.com)
Idiotentest (© klicki / fotolia.com)
Die MPU teilt sich gewöhnlich in drei Abschnitte. Es geht um ein psychologisches Gespräch, die Untersuchung durch einen oder mehrere Ärzte, die Testdiagnostik.

  • Verkehrsmedizin
    Der Arzt wird den zu Untersuchenden auf Drogen- oder Alkoholmissbrauch hin überprüfen, wozu er unter anderem auch die medizinische Vorgeschichte des Betroffenen bespricht. Hilfsmittel wie ein Drogenscreening oder Bluttests, Haaranalysen, Urinabgabe, Leberwerte und EtG und CTG-Werte werden herangezogen.
  • Verkehrspsychologie
    Die verkehrspsychologische Untersuchung besteht zum Großteil aus einem Gespräch des Betroffenen mit dem Psychiater. Hier ist vom Probanden Einsicht in sein Fehlverhalten gefordert, die Konsequenzen, die er getroffen hat, sind bildlich zu machen, Einsicht in die Notwendigkeit einer grundlegenden Verhaltensänderung ist aufzuzeigen. Dieses veränderte Verhalten in entsprechenden Lebenssituationen, der Benimm in der geplanten Zukunft, soll wenigstens bereits ein halbes Jahr ausdauernd gelebt worden sein. Dieses Schlüsselgespräch wird immer aufgezeichnet, ist als Dokument für die Behörden relevant.
  • Leistungdiagnostik
    Der am Computer durchgeführte Reaktionstest, den man im Übrigen vorher auch üben kann, ist entworfen, um Wahrnehmungsleistung, Reaktionsleistung, Konzentration und Aufmerksamkeit beurteilen zu können. Zusammen meinen diese Attribute die psychofunktionale Leistungsfähigkeit. Je nachdem, welche individuelle Fragestellung für den Probanden gilt, wird hier auch die Art der Fragen und Aufgaben variieren.  

Kosten der MPU

Die Alkohol- und Drogenuntersuchungen kommen auf 338,00 Euro netto. Bei kombinierten Fragestellungen erhöht sich diese Summe um die Hälfte der jeweils höchsten Teilgebühr. Ein Drogenscreening wird etwa 128,00 Euro ausmachen, die Kosten für Zweitschriften und Gutachtenversand kommen dazu. Die gesamten Gebühren für die MPU liegen zumeist gut über über 500,00 Euro. Besonders teurer werden die Angebote im Vorfeld einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. Die Verkehrspsychologen verlangen zum Teil etwa 60 bis 120 Euro pro Sitzung. Vor unseriösen Angeboten kann an dieser Stelle nur gewarnt werden. Es gibt durchaus seriöse Hilfe.

Bindungswirkung

Wer sich bereits bei Verhandlung vom Gericht bestätigen lässt, dass mit einer Maßnahme (beispielsweise eine Therapie) die Verkehrstauglichkeit wieder erreicht werden würde, dies mit einer sogenannten Bindungswirkung geschieht, muss keine MPU mehr ablegen, wenn er die Maßnahme erfolgreich hinter sich hat.  




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