Wasserzähler in der Mietwohnung: Messprobleme der Wasseruhr

Wasserzähler sind in vielen Häusern zu finden. Durch sie wird eine verbrauchsabhängige Umlage der Wasserkosten ermöglicht. Dies ist nur fair, schließlich hat jede Partei im Haus ein anderes Nutzungsverhalten und somit einen anderen Verbrauch. Mit Hilfe des Wasserzählers in der Mietwohnung fallen die Umlagen der Wasserkosten somit gerechter aus. Wer sparsam mit Wasser umgeht, hat entsprechend auch nur niedrige Betriebskosten. Was aber, wenn es zu Messproblemen der Wasseruhr kommt?

Sparsamer Umgang mit Wasser spart bares Geld

Wasserzähler Wasserkosten (© Gerhard Seybert / fotolia.com)
Wasserzähler Wasserkosten (© Gerhard Seybert / fotolia.com)
Die Preise für Wasser und Entwässerung sind stark gestiegen, was sich schnell in der jährlichen Nebenkostenabrechnung niederschlagen kann. Nicht selten rechnen Vermieter nach Wohnungsgröße oder Personenzahl ab, was jedoch oftmals in Streitigkeiten zwischen den Parteien endet. Denn was bringt es dem Mieter, möglichst sparsam im Umgang mit Wasser zu sein, wenn er doch nur eine Pauschale bezahlt und nicht für seine Sparsamkeit in Form sinkender Betriebskosten belohnt wird. Besser sind daher Wasserzähler in der Mietwohnung, mit denen verbrauchsabhängig abgerechnet werden kann. So kann jedes Nutzerverhalten individuell bewertet werden, was weitaus gerechter ist. Denn nur hier lohnt sich Wassersparen wirklich, da es sich schwarz auf weiß in der Nebenkostenabrechnung niederschlägt. Eigentlich sollten in diesem Fall Streitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter ausgeschlossen sein. In der Praxis ist das aber nicht immer der Fall, denn es kann mitunter auch zu Messproblemen der Wasseruhr kommen.

Technische Probleme beim Wasserzähler

Bei Wasseruhren handelt es sich um sogenannte Durchflussmesser. Das fließende Wasser setzt ein Flügelrad in Bewegung, welches Umdrehungen auslöst. Je mehr Wasser hindurchfließt, umso mehr Umdrehungen gibt es. Es kann jedoch zu Druckschwankungen kommen. Hierdurch entstehen wiederum Toleranzen. Bei einem geringen Rohrquerschnitt, fallen die Toleranzen größer aus. Hauptwasseruhren müssen dabei genauer messen als Wasseruhren, die als Wohnungszähler dienen. Wird eine Wasseruhr von einer staatlich anerkannten Prüfstelle überprüft, kann von ihrer Richtigkeit ausgegangen werden.

Verschiedene Gerichte haben bereits entschieden, dass es bei Messdifferenzen bis zu 20 Prozent zulässig ist, dass der Vermieter den Gesamtverbrauch im Verhältnis der festgestellten Verbräuche abrechnet, die an den verschiedenen Wasseruhren in den Wohnungen abzulesen sind. Bei Messdifferenzen von mehr als 20 Prozent muss nach den Wohnungszählern abgerechnet werden. Denn dann geht man von Wasserverlusten aus, die der Vermieter im Rahmen seiner Pflicht zur Instandhaltung selbst zu tragen hat.

Der Wasserzähler und das Eichgesetz

Wasserzähler fallen unter das Eichgesetz. Demnach gilt es auch, die einschlägigen Eichfristen zu beachten. Anstatt nachzueichen, erfolgt regelmäßig ein kompletter Austausch der Wasserzähler. Vor Ort wird üblicherweise nicht geeicht. Wasserzähler dürfen nicht mehr verwendet werden, wenn die Eichfrist abgelaufen ist. Bleiben ungeeichte Wasserzähler im Einsatz, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit nach § 19 EichG dar.

Fachanwalt.de-Tipp:
Über ungeeichte Zähler darf keine Abrechnung erfolgen. Als Ersatz-Umlagemaßstab wird dann die Wohnfläche heranzuziehen sein.

Auf eigene Kosten eine Wasseruhr einbauen

Dem Mieter ist es möglich, auf eigene Kosten eine Wasseruhr in seiner Mietwohnung anzubringen. Hiergegen kann der Vermieter nichts einwenden. Allerdings muss der Vermieter den Verbrauch, der auf der Wasseruhr angezeigt wird, nur akzeptieren, wenn Wasseruhren im gesamten Haus installiert sind.

Andersherum kann auch der Vermieter einen Kaltwasserzähler einbauen lassen. Dies wird als wertverbessernde Modernisierungsmaßnahme angesehen, die der Mieter zu dulden hat. Auf den Mieter kann dadurch aber auch eine Mieterhöhung zukommen, wenn der Vermieter die Kosten auf die Mieter umlegen will. Möglich ist eine Erhöhung von bis zu 11 Prozent des Kostenaufwandes pro Jahr. Wohingegen zu beachten ist, dass die Anschaffungskosten für den Wasserzähler kein Teil der umlagefähigen Betriebskosten sind. Umlagefähig sind aber die Kosten, die dem Vermieter durch die Wartung und Eichung der Wasserzähler entstehen.

Die Regelungen, wenn kein Wasserzähler vorhanden ist

Zunächst sollte ein Blick in den Mietvertrag geworfen werden. Findet sich hier keine entsprechende Regelung, hat der Vermieter das Recht, den Verteilerschlüssel nach billigem Ermessen festzulegen. Die Abrechnung erfolgt dann in der Regel nach Wohnfläche oder Personenzahl. Dem Wasserverbrauch zugerechnet wird auch der Wasserverbrauch, der allen Bewohnern des Hauses zugutekommt. Dazu gehört beispielsweise das Wasser, das für die Reinigung des Treppenhauses oder die Bewässerung des Gartens genutzt wird, wenn es sich um einen gemeinschaftlichen Garten handelt.

Ohne Wasseruhren hat der Vermieter das Bestimmungsrecht hinsichtlich des Verteilerschlüssels. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat dazu entschieden, dass der Maßstab aber nicht grob unbillig sein darf und dies auch nicht werden darf mit der Zeit. Kommt der Vermieter dem nach, muss der Vermieter den durch den Vermieter festgelegten Verteilerschlüssel so hinnehmen. Sagt ihm dieser nicht zu, muss er bereits mietvertraglich einen Verteilerschlüssel vereinbaren, der ihm mehr zusagt. Hierzu muss dann aber auch der Vermieter zustimmen. [OLG Düsseldorf ZMR 2000, 215 f.]

Zusammenfassung

  • Wasserzähler ermöglichen eine individuelle Bewertung des einzelnen Nutzerverhaltens der verschiedenen Mieter in ihrem Wasserverbrauch.
  • Der Mieter kann auf eigene Kosten einen Wasserzähler anbringen.
  • Gibt es keinen Wasserzähler in der Wohnung, erfolgt die Abrechnung in der Regel nach Wohnfläche oder Personenzahl.
  • Eine individuelle Abrechnung des Wasserverbrauchs muss der Vermieter nur vornehmen, wenn sämtliche Mietwohnungen einen Wasserzähler besitzen.



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