Mietminderung bei Wasserschaden in der Mietwohnung?

Kommt es zu einem Wasserschaden in der Mietwohnung, stehen schnell umfangreiche Reparaturen an. Mieter sollten hier ihre Rechte gut kennen, denn auch eine Mietminderung Wasserschaden ist durchaus möglich. Gerichte haben sich mit entsprechenden Fallgestaltungen schon häufig befassen müssen. Was es dabei bei einer Mietminderung Wasserschaden zu beachten gibt, soll im Folgenden aufgezeigt werden.

Wasserschaden kann unterschiedliche Auswirkungen haben

Wasserschaden ( © Gundolf Renze / Fotolia.com)
Wasserschaden ( © Gundolf Renze / Fotolia.com)
Ob nun ein Wasserrohr geplatzt oder die Spülmaschine des Nachbarn ausgelaufen ist, die Gründe für einen Wasserschaden können unterschiedlich sein. Ärgerlich ist ein solcher Vorfall aber in jedem Fall. Zumal auch die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein können. Mal treten nur optische Mängel auf, mal kommt es zur Schimmelbildung und in anderen Fällen ist die Wohnung so geflutet, dass die Mieter nicht mehr darin wohnen können.

Die Mieter sind in den meisten Fällen so verärgert, dass sie natürlich nicht mehr die volle Miete zahlen wollen. Und häufig steht ihnen dieses Recht auch zu. Gut für Mieter ist dabei zu wissen, dass eine Mietminderung Wasserschaden auch dann möglich ist, wenn der Vermieter den Wasserschaden nicht selbst zu verantworten hat. Auf ein Verschulden des Vermieters kommt es für eine Mietminderung Wasserschaden nicht an. Das Recht auf Mietminderung besteht also beispielsweise auch dann, wenn der Wasserschaden durch einen Nachbarn verursacht wurde. Denn den Vermieter trifft die Pflicht, einen mangelfreien Gebrauch der Mietwohnung zu gewährleisten. Ist er dazu nicht der Lage, etwa weil ein Wasserschaden vorliegt, muss auch nicht die Miete in vollständiger Höhe gezahlt werden.

Fachanwalt.de-Tipp:
Der Vermieter muss in dem genannten Beispiel mit dem durch den Nachbarn verursachten Wasserschaden natürlich nicht auf seinen Kosten sitzenbleiben. Einbußen kann er sich dann von dem Nachbarn wieder zurückholen, der für den Schaden verantwortlich ist.

Wie bemisst sich die Mietminderung Wasserschaden?

Nach § 536 BGB kommt es bei der Bemessungsgrundlage auf die Bruttomiete einschließlich der Nebenkostenpauschale oder Vorauszahlungen auf die Nebenkosten an.

Was die genaue Minderungsquote angeht, kommt es immer auf den Einzelfall an. Von Gesetz her sind keine festen Minderungsquoten vorgegeben, daher können keine pauschalen Aussagen getroffen werden. Die Rechtsprechung kann dabei jedoch als Orientierung herangezogen werden. Die Gerichte urteilen hier teilweise sehr unterschiedlich. Bei einer Durchfeuchtung der Zimmerdecke etwa erlaubte das Amtsgericht Osnabrück eine Mietminderung Wasserschaden von bis zu 25 Prozent [Amtsgericht Osnabrück, Urteil vom 31.03.1995, Az. 14 C 231/94], das Landgericht Hamburg hingegen legte sich auf 8 Prozent fest [LG Hamburg, Urteil vom 07.07.1972, Az. 11 S 86/71].

Prinzipiell lässt sich sagen: Je größer die Gebrauchsbeeinträchtigung der Wohnung, umso höher kann auch die Mietminderung Wasserschaden ausfallen. Fragen, die bei der Berechnung der Höhe der Minderungsquote gestellt werden können, sind u.a.:

  • Wie viele Zimmer sind von dem Schaden betroffen?
  • Welche Funktion haben diese Zimmer für den Mieter?
  • Welche Trocknungsmaßnahmen müssen ergriffen werden, und wie laut sind die dafür eingesetzten Trocknungsgeräte?
  • Wie viel nutzbare Wohnfläche geht durch das Aufstellen der Trocknungsgeräte verloren?

Das sollte der Mieter beachten

Zunächst sollte der Mieter den Vermieter schriftlich per Mängelanzeige über den Mangel informieren und ihn so über den Wasserschaden in Kenntnis setzen. Zugleich kann dem Vermieter so auch die Höhe der Mietminderung mitgeteilt werden. Die Miete kann ab dem Zeitpunkt gemindert werden, ab dem der Schaden entstanden ist und sie kann so lange aufrechterhalten werden, bis es zur Beseitigung des Mangels kommt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Vermieter selbst den Wasserschaden behebt oder dafür Handwerker beauftragt.

Auch bei Trocknungsgeräten ist eine Mietminderung möglich

Wasserschaden Trocknungsgerät (© Robert Kneschke / Fotolia.com)
Wasserschaden Trocknungsgerät (© Robert Kneschke / Fotolia.com)
Bei Wasserschäden kommen häufig spezielle Trocknungsgeräte zum Einsatz. Auch durch diese kommt es zu einer Beeinträchtigung der Wohnqualität des Mieters, denn die Geräte nehmen meist viel Platz ein und erzeugen in der Regel auch Dauerlärm. Daher ist eine Mietminderung auch beim Einsatz von Trocknungsgeräten anerkannt. Hier sind Minderungsquoten von 50 bis 80 Prozent möglich. Denn nicht selten verursachen diese Geräte derartigen Lärm, dass die Schwelle zur Erheblichkeit überschritten wird. Das subjektive Empfinden des Mieters wird dabei aber nicht berücksichtigt. Stattdessen stellt man auf das Lärmempfinden eines gewöhnlichen Durchschnittsmieters ab.

Fachanwalt.de-Tipp:
Sollten Trocknungsgeräte aufgestellt sein, aber der Mieter ist abwesend und bekommt den Lärm gar nicht mit, wird dadurch das Minderungsrecht nicht ausgeschlossen!

Kann der Mieter auch Schadensersatz verlangen?

Hat der Mieter weitere finanzielle Einbußen zu tragen, kann er zum Schadensersatz gegenüber dem Vermieter berechtigt sein gemäß § 536a Absatz 1 BGB soweit der Vermieter den Wasserschaden zu vertreten hat. Zu den hier typischen Vermögenseinbußen gehören beispielsweise die Kosten für die Einlagerung von Möbeln oder die erhöhten Stromkosten, die durch den Einsatz von Trocknungsgeräte entstehen.

Ausschluss der Mietminderung bei Eigenverschulden

Wenn der Mieter selbst für den Wasserschaden verantwortlich ist, kann er keine Mietminderung geltend machen und hat selbst dafür Sorge zu tragen, dass der Schaden behoben wird. Eine häufige Ursache für einen selbst verschuldeten Wasserschaden ist eine defekte Waschmaschine. Mieter sollten sich daher darum bemühen, die Waschmaschine regelmäßig zu überprüfen.

Wer zahlt den Hotelaufenthalt?

Manchmal kann der Wasserschaden so erheblich sein, dass die Mietwohnung dadurch unbewohnbar wird. Für die betroffenen Mieter kommt dann eine Hotelübernachtung in Frage. Dabei stellt sich die Frage, wer die Kosten für den Aufenthalt übernehmen muss. Sollte der Wasserschaden auf ein Verschulden des Vermieters zurückzuführen sein, wird dieser in der Regel auch für die Unterbringungskosten der betroffenen Mieter aufkommen müssen. Jedoch wohl nur dann, wenn sich die Wohnung in einem unbewohnbaren Zustand befindet. Hierzu kann auch die Zeit gehören, in der mehrere Trocknungsgeräte in der Wohnung aufgestellt werden müssen. Selbst wenn der Vermieter die Hotelkosten übernehmen muss, bedeutet dies nicht, dass sich der Mieter gleich in einem Luxus-Hotel einmieten darf. Hier muss immer das Gebot der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden.

Zusammenfassung:

  • Auf ein Verschulden des Vermieters kommt es für eine Mietminderung Wasserschaden nicht an. Die Miete kann auch dann gemindert werden, wenn der Vermieter den Schaden nicht zu verantworten hat. Stichwort: Garantiehaftung des Vermieters.
  • Im Gesetz finden sich keine Minderungsquoten für einen Wasserschaden. Die genaue Minderungsquote sollte je nach Einzelfall festgelegt werden. Verschiedenste Gerichtsurteile können hierbei als Orientierung dienen.
  • Je größer die Gebrauchsbeeinträchtigung der Wohnung, umso deutlicher kann auch die Miete gemindert werden.
  • Eine Mietminderung Wasserschaden ist nicht möglich, wenn der Mieter selbst für den Schaden verantwortlich ist.
  • Eine Mietminderung Wasserschaden setzt voraus, dass der Vermieter zunächst schriftlich über den Mangel informiert wurde. Der Mieter hat den Wasserschaden so schnell wie möglich anzuzeigen.
  • Sollte der Vermieter den Wasserschaden verschuldet haben und die Wohnung dadurch tatsächlich unbewohnbar werden, kann er für die Hotelkosten der Mieter aufkommen müssen.



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