Scamming – was versteht man darunter und wie kann man sich davor schützen?

Über das Herz an das Geld: Betrüger (meist aus Ghana, Nigeria, Westafrika etc.) erobern mit Fake-Profilen im Internet zunächst das Herz ihres einsamen Opfers, später dann das Geld. Oftmals beginnt es mit einer harmlosen Nachricht im Internetchat oder via Email. Später wird einem der Traumjob oder die große Liebe versprochen. Das Ergebnis: Die Opfer vom Scamming sind sowohl finanziell als auch emotional am Ende!

Definition

Scamming bedeutet übersetzt „betrügen“ und meint das Betrügen von Internet-Kriminellen, die an das Geld ihres Opfers wollen. Es gibt verschiedene Arten von Scamming.

Romance Scamming (Love Scamming)

Scamming (© oatawa / fotolia.com)
Scamming (© oatawa / fotolia.com)
Die am häufigsten vorkommende Form des Scammings ist das „Romance Scamming“, welches auch „Love Scamming“ genannt wird. Hierbei handelt es sich um eine Betrugs-Variante, die in erster Linie in Online-Partnerbörsen oder Online-Datingportalen vorkommt. Aber auch auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram etc. lauern die Scamming-Kriminellen („Scammer“).

Der Chat fängt hierbei meistens harmlos an. Irgendwann wird einem eine außergewöhnliche Geschichte erzählt, um das Interesse beim Opfer zu erwecken. Die männlichen Scammer geben sich meist als Computerspezialisten, Ingenieure, Mitarbeiter in der Ölindustrie etc. aus. Angeblich befinden sie sich grade – beruflich bedingt  - im Ausland oder in Amerika. Sie schicken einem attraktive Fotos, die gestohlen sind. Sie sprechen in der Regel fließend englisch, hin und wieder sogar deutsch.

Die weiblichen Scammer geben sich meistens als Krankenschwester, Mitarbeiter im gesundheitlichen Bereich, Ärztin, Geschäftsfrau oder Lehrerin aus. Ihre Bilder sind in der Regel sehr attraktiv. Auch diese Bilder sind gestohlen und zeigen in Wirklichkeit ganz andere Personen. Sie geben als Nationalität meistens russisch, polnisch, thailändisch etc. an und beherrschen die englische Sprache sehr gut. Einige von Ihnen können auch auf deutsch kommunizieren.

Der Scammer zeigt zunächst viel Interesse für sein Opfer, seinen Job oder gar für seine Familie. Es geht am Anfang überhaupt nicht ums Geld. Früh morgens schickt er eine Nachricht und wünscht einen erfolgreichen Tag. Nachmittags oder nach der Arbeit wird wieder geschrieben oder auch mal telefoniert.  Irgendwann geht’s dann um Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Ab da werden dem Opfer Liebesbekundungen, Zuneigung und ähnliches vorgegaukelt. Der Scammer verspricht seinem Opfer dann, dass er bald vorbeikommt, er müsse aber vorher noch beruflich bedingt ins Ausland oder ist bereits im Ausland.

Plötzlich berichtet der Scammer von großen Problemen. Oftmals geht es um Unfälle, Überfälle, Krankenhausaufenthalt oder andere gravierende Sachen, die der Scammer gerade erlebt oder erlebt hat. Manchmal will der Scammer auch Geld für ein Flugticket (manches Mal Flugticket nach Deutschland) oder die Operation seines Kindes. Das Opfer wird dann gebeten dringend und schnellstmöglich per Transfer (Western Union, MoneyGram etc.) Bargeld zu schicken.

Wenn das Opfer zögert, meldet sich später jemand beim Opfer, der sich als Polizist, Arzt oder Angehöriger des Scammers ausgibt und dem Opfer die bisherige Geschichte bestätigt und weiteren Druck ausübt. Wenn das Opfer weiter zögert, droht im schlimmsten Fall der Scammer sogar mit Selbstmord oder dergleichen.

Da in der Zwischenzeit beim Opfer oftmals bereits eine emotionale Abhängigkeit entstanden ist, fühlen sich viele Opfer dazu verpflichtet, dem Scammer zu helfen und Geld zu überweisen. Wenn der Scammer erst einmal das Geld erhalten hat, ist er entweder „verschollen“ und lässt nie wieder was von sich hören oder er will gar weiteres Geld.

Manches Mal wollen die Scammer vom Opfer nicht nur Geld, sondern Kopien vom Personalausweis oder vom Reisepass. Wenn Sie erst einmal im Besitz dieser Dokumente sind, werden diese gefälscht oder es werden Einladungen zwecks Visumerteilung unterstütz oder gar erstellt.

Scamming mit Traumjob

Auch in den Stellenanzeigen in Tageszeitungen oder Internetbörsen lauern die Scammer. Hier bieten sie den vermeintlichen Traumjob an und hinterlassen eine Telefonnummer, die man zunächst wählen soll. Nach dem Telefonat werden Bewerbung und Lebenslauf verlangt, die man faxen soll. In relativer kurzer Zeit hat man eine Zusage für den vermeintlichen Job. Man müsse jedoch erst Geld an den neuen Arbeitgeber überweisen für Arbeitskleidung oder dergleichen. Sobald man das Geld überwiesen hat, hört man von den Betrügern nichts mehr. Einen Job gibt es dann natürlich nicht!

Scamming mit Wohnungsangeboten

Beliebt bei den Scammern ist auch der Betrug mit Wohnungsangeboten. Dabei geben sich die Scammer in Internetbörsen für Immobilien als Amerikaner oder Engländer aus, die eine Wohnung geerbt hätten und diese nun zu vermieten sei. Der Mietzins ist meist verlockend günstig, so dass man glaubt man könnte eine Wohnung zum Schnäppchen-Mietzins bekommen. Die Scammer verlangen dann die Kaution und die erste Miete als Vorauszahlung auf ein Bankkonto, welches im Inland oder aber auch im Ausland liegt. Manches Mal verlangen sie auch die Vorauszahlung durch Banktransfer  (Western Union, MoneyGram etc.). Die Schlüssel würde der neue Mieter dann nach Geldeingang per Post oder über eine Agentur erhalten. Im Falle, dass einem die Wohnung nicht gefallen sollte, könne man das Geld ohne Probleme zurückhaben. Das Geld erhält das Opfer natürlich nicht wieder. Das Opfer erhält auch keine Schlüssel und erst recht keine Wohnung. Die Wohnung existiert entweder nicht oder aber gehört einem anderen.

Falsches Geldversprechen

Stark verbreitet und sehr alt ist der Betrug mit falschem Geldversprechen. Die Opfer erhalten in der Regel eine Nachricht (Email, Brief oder Fax), wo einem eine Menge Geld aus einer Erbschaft etc. versprochen wird. Damit man das Geld erhält, soll man jedoch die angeblichen jeweiligen Kosten für Rechtsanwälte, Notare, Bearbeitung, Steuern etc.  zahlen. Sobald das Opfer bezahlt hat, bricht der Scammer den Kontakt ab und lässt nie wieder was von sich hören/lesen.

Scamming (Betrug) mit falscher Identität

In manchen Fällen geben sich die Scammer auch als Soldaten im Ausland aus. Sie seien amerikanische Soldaten, die grade im Ausland seien und daher nicht an ihr privates Geld können. Es werden Telefonate mit dem Opfer geführt, wobei auch die Nummer mit angezeigt wird. Dadurch soll das Opfer Vertrauen bekommen und einem die Geschichte abkaufen. Es handelt sich hierbei allerdings um Prepaidkarten, wo man den tatsächlichen Inhaber nicht ausfindig machen kann. Manches Mal werden auch Telefonate über Skype geführt. Nach einiger Zeit wird das Opfer um finanzielle Unterstützung gebeten, indem das Opfer das Geld via Bartransfer über Western Union oder MoneyGram schicken soll. Das Opfer würde das Geld angeblich in ein paar Tagen oder Wochen zurück erhalten.

Betrug mit gefälschten Schecks

Im Internet und auch in Tageszeitungen suchen Scammer nach Personen, denen sie gefälschte Schecks anbieten. Angeblich sei alles legal! Die Schecks sind in der Regel auf einen höheren Betrag ausgestellt als einen Kauf, den sie privat erledigen wollen. Das Opfer soll den Differenzbetrag per Banktransfer an die Betrüger überweisen. Die gefälschten Schecks sind selbst für Bankangestellte kaum erkennbar. Am Ende ist das Geld des Opfers weg und den Scheck kann er natürlich nicht einlösen. Im schlimmsten Fall riskiert das Opfer sogar eine Anzeige wegen Betrugs seitens der Bank.

Strafe nach StGB

Scamming ist Betrug! (© 3dkombinat / fotolia.com)
Scamming ist Betrug! (© 3dkombinat / fotolia.com)
Das Scamming erfüllt in der Regel den Straftatbestand des Betruges nach § 263 StGB (Strafgesetzbuch). Der Scammer („Betrüger“) verlangt meistens Geld vom Opfer und verspricht eine Gegenleistung oder aber das Geld zurückzuzahlen. Beides hält der Betrüger aber nicht ein, so dass im Fall des scammings ein klassischer Eingehungs- bzw. Vorleistungsbetrug vorliegt. Dem Täter droht nach § 263 Absatz 1 StGB eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. In vielen Fallkonstellationen ist sogar ein gewerbsmäßiger Betrug als Bande gegeben, so dass den Tätern nach § 263 Absatz 3 StGB gar eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren droht.

Die Ermittlung der Betrüger ist sehr schwierig, da diese meistens aus dem Ausland heraus agieren und irgendwo in Europa oder Westafrika leben. Ganz selten kommt es vor, dass Kontaktpersonen in Deutschland gegriffen werden.

Schutz vor Scamming  

Folgende Regeln sollte man beachten, um sich vor einem Scammer zu schützen:

  • Im Internet gilt generell: Vorsicht!
  • Man sollte grundsätzlich vorsichtig sein gegenüber Menschen, die man nur aus dem Internet kennt bzw. gegenüber Menschen, die man nicht persönlich gesehen hat.
  • Man sollte nicht zu naiv und leichtsinnig sein. Den Traummann bzw. die Traumfrau sollte man nicht im Internet suchen. Zumindest ist der/die nicht in wenigen Mausklicks gefunden.
  • Man sollte sich von den Leuten, mit denen man im Internet verkehrt, die Identität in irgendeiner Form bestätigen lassen. Man sollte sich den richtigen Namen geben lassen und ggf. auch ein Foto schicken lassen.
  • Man sollte generell kein Geld an Leute schicken, die man nur vom Internet her kennt und schon garnicht an Leute, die man erst vor kurzem im Internet kennen gelernt hat. Gleiches gilt gegenüber Leuten, die einem Emails oder Briefe geschrieben haben, die man aber vorher nie gesehen hat.
  • Alle Nachrichten, Mails etc. aufbewahren und nicht löschen. Diese könnten später als Beweis benötigt werden.
Experten-Tipp: Wenn man bereits kontaktiert wurde oder bereits Opfer geworden ist, sollte man sofort jeglichen Kontakt vermeiden. Auf keine Mails, Anrufe etc. eingehen! Man sollte sich eine neue Telefonnummer und Email-Adresse besorgen. Den Scammer sollte man also ignorieren und auf keinerlei Forderungen eingehen. Auf keinen Fall Geld überweisen oder Schecks einlösen. Man sollte versuchen, geleistete Zahlungen rückgängig zu machen. In der Regel wird dies aber schwierig! Sämtliche Beweise sichern; hierzu gehören Nachrichtenverlauf, Telefonnummer, Namen, Überweisungsbelege etc. Diese Daten sollte man der Polizei übergeben und eine Strafanzeige erstatten. Im besten Fall wird ein Fachanwalt für Strafrecht konsultiert.

Autor: Fachanwalt.de Redaktion




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