Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz – oder ist Alkoholkonsum doch erlaubt?

Alkohol am Arbeitsplatz ist ein durchaus ernstzunehmendes Thema. Sind die Sinne benebelt, passieren schnell mitunter gravierende Fehler. Der Arbeitgeber muss dies nicht hinnehmen, sondern kann bei untersagtem Alkoholkonsum am Arbeitsplatz Abmahnungen aussprechen, wenn sich Mitarbeiter nicht an das Verbot halten. Im Folgenden erfahren Sie alle wichtigen Details zur Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz.

Arbeitsrecht: Ist Alkohol am Arbeitsplatz erlaubt?

Alkoholverbot am Arbeitsplatz (© gepard / Fotolia.com)
Alkoholverbot am Arbeitsplatz (© gepard / Fotolia.com)
Auch wenn das Arbeitsrecht kein grundsätzliches Alkoholverbot vorsieht, ist Alkohol am Arbeitsplatz ein heikles und mitunter komplexes Thema. Generell gilt, dass ein Arbeitnehmer die ihm durch Arbeitsvertrag auferlegten Pflichten zu erfüllen hat. Tut er dies auch dann, wenn er Alkohol konsumiert, obliegt es dem Arbeitgeber, dies zu tolerieren. Davon abzugrenzen sind Berufe, in denen es selbstverständlich sein sollte, während der Arbeitszeit nüchtern zu sein. Etwa beim Bedienen schwerer Maschinen oder wenn der Mitarbeiter Passagieren gegenüber eine Garantenstellung einnimmt, zum Beispiel als Busfahrer oder Pilot.

In vielen Unternehmen wird jedoch eine Nulltoleranzgrenze gefahren, was Alkohol am Arbeitsplatz angeht. Zu groß ist das Risiko, dass es aufgrund von Unkonzentriertheit zu Arbeitsunfällen kommt, dass die Produktivität sinkt oder es zu vermehrten Fehlzeiten kommt. Zudem trifft Vorgesetzte auch eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Angestellten. Sie sind dazu angehalten sicherzustellen, dass die Angestellten zur sicheren Ausübung ihrer Tätigkeit in der Lage sind. Daher ziehen es viele Unternehmen vor, Alkohol am Arbeitsplatz zu untersagen, um sich auch gegen mögliche Schadensersatzforderungen abzusichern. Einem strikten Alkoholverbot haben alle Mitarbeiter nachzukommen.

Fachanwalt.de-Tipp: Ist der Arbeitnehmer alkoholkrank, ist eine Abmahnung wegen Alkoholismus üblicherweise nicht möglich. Alkoholismus ist eine Erkrankung und somit kein steuerbares Verhalten – hier wird also unterschieden zwischen abhängig und lediglich trinkfreudig.

Dennoch ist eine Kündigung bei einer vorliegenden Alkoholismus-Erkrankung auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Eine solche personenbedingte Kündigung setzt jedoch strenge Anforderungen voraus. Sollten Vorgesetzte Kenntnis von der Alkoholkrankheit eines Mitarbeiters erlangen, sieht das Arbeitsschutzgesetz vor, dass sie entsprechende Maßnahmen ergreifen, um Unfällen vorzubeugen und gleichzeitig zur Wahrung der Gesundheit des Betroffenen beizutragen. In einem ersten Schritt wird hierzu üblicherweise das persönliche Gespräch gesucht, um den Betroffenen auf Angebote zur Suchtberatung hinzuweisen.

Gesetzliche Bestimmungen

Das Arbeitsrecht sieht kein allgemeines Verbot von Alkohol am Arbeitsplatz vor. Daher ist es Arbeitnehmer prinzipiell gestattet, Alkohol zu konsumieren, solange dies in keinster Weise ihre Arbeitsleistung einschränkt und sie gegen keine Pflichten des Arbeitsvertrags verstoßen.

Weisungsrecht / Unterweisung des Arbeitgebers

Was das Gesetz nicht vorsieht, kann jedoch der Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechts durchsetzen. Möchte er den Alkoholkonsum auf der Arbeit unterbinden, ist es ihm möglich, ein Alkoholverbot am Arbeitsplatz anzuordnen. Sollte das Unternehmen über einen Betriebsrat verfügen, ist dieser zunächst zu konsultieren, um seine Zustimmung zum Alkoholverbot einzuholen.

Fachanwalt.de-Tipp: Wurde ein Alkoholverbot ausgesprochen, ist dieses für jeden Mitarbeiter bindend!

Betriebsvereinbarung zum Alkohol am Arbeitsplatz

Wenn ein Alkoholverbot am Arbeitsplatz geplant ist, muss der Betriebsrat diesem zustimmen. Der Betriebsrat hat zudem ein Mitbestimmungsrecht, was die Ausgestaltung der Betriebsvereinbarung zum Alkoholverbot angeht. Wenn der Betriebsrat der Forderung des Arbeitgebers nach einem Alkoholverbot am Arbeitsplatz nachkommt, wird zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber ein Vertrag geschlossen, die sogenannte Betriebsvereinbarung. Durch diese wird das Alkoholverbot schriftlich festgehalten.

Wann ist eine Abmahnung wegen Alkoholkonsum rechtens?

Alkohol am Arbeitsplatz (© Edler von Rabenstein / Fotolia.com)
Alkohol am Arbeitsplatz (© Edler von Rabenstein / Fotolia.com)
Besteht ein Alkoholverbot am Arbeitsplatz und ein Arbeitnehmer widersetzt sich dieser Regelung, ist er abmahnfähig. Durch die Abmahnung wird der Arbeitnehmer auf sein Fehlverhalten hingewiesen und der Arbeitgeber stellt auch klar, dass bei einer Wiederholung der Pflichtverletzung eine Kündigung in Betracht gezogen wird.

Konsum im Dienst

Es kommt auf das Berufsfeld und die jeweils ausgeübte Tätigkeit an, ob ein maßvoller Konsum von Alkohol während der Arbeitszeit geduldet werden kann. In einigen Berufen etwa wird der Arbeitgeber oft nichts gegen ein Glas Sekt zum Geburtstagsumtrunk der Kollegen haben. In anderen Berufen hingegen, die im sicherheitsrelevanten Bereich angesiedelt sind, herrscht absolutes Alkoholverbot, etwa bei Ärzten oder Rettungswagenfahrern. Sollten Mitarbeiter solchen Tätigkeiten alkoholisiert nachgehen, kann dies eine sofortige Kündigung nach sich ziehen.

Wenn aber in weniger sicherheitsrelevanten Bereichen gegeben ist, dass ein minimaler Genuss von Alkohol keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsablauf hat, kann der Arbeitgeber von seinem Gestaltungsrecht Gebrauch machen und hier schon einmal das Glas Sekt zum Geburtstag erlauben. Jedoch hat er auch die Möglichkeit, deutlich engere Grenzen zu setzen und ein striktes Alkoholverbot während der Arbeitszeit aufzustellen, an das sich alle zu halten haben, um eine Abmahnung zu vermeiden.

Alkoholbedingtes Fehlverhalten

Kommt es zu alkoholbedingtem Fehlverhalten, ist der Arbeitgeber berechtigt, diese Ausfallerscheinungen zu dokumentieren, um Beweise zu sichern. Dies ist wichtig, um arbeitsrechtliche Konsequenzen in die Wege leiten zu können. Die dokumentierten Beweise (etwa Sprachschwierigkeiten, unsicherer Gang, Alkoholfahne) können von Zeugen unterschrieben werden.

Fachanwalt.de-Tipp: Einer Untersuchung des Alkoholwerts muss der Arbeitnehmer nicht zustimmen, da dies einen Eingriff in seine körperliche Integrität bedeuten würde. Atemkontrollen sind hingegen möglich.

Muster: Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz

An eine wirksame Abmahnung sind gewisse Anforderungen zu stellen. Die Anschrift des Mitarbeiters muss genannt werden, ebenso wie Ort und Datum der Ausstellung. Zudem muss der Arbeitgeber den genauen Sachverhalt des Verstoßes gegen das Alkoholverbot nennen. Eine Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz könnte wie folgt aufgebaut sein:

Name und Adresse des Arbeitnehmers

Name und Adresse des Arbeitnehmers

 

Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz

                                                                                                                                   Ort, Datum

Sehr geehrte/r Frau/Herr …,

leider mussten wir feststellen, dass es Ihrerseits zu einem arbeitsvertraglichen Pflichtverstoß kam. Trotz vertraglich festgelegtem Alkoholverbot, haben Sie am …. Ihren Dienst alkoholisiert angetreten. Die Folge des alkoholisierten Zustands war, dass eine vollständige Erbringung der Arbeitsleistung nicht möglich war.

Wir möchten Sie daher hiermit auf Ihre vertraglichen Pflichten hinweisen und Sie ausdrücklich dazu auffordern, das oben genannte pflichtwidrige Verhalten zukünftig zu unterlassen. Sollte es zu einer Wiederholung des genannten Sachverhalts kommen, behalten wir uns vor, das Arbeitsverhältnis zu beenden.

Eine Kopie dieser Abmahnung wird Ihrer Personalakte beigelegt.
 

Mit freundlichen Grüßen,

... (Unterschrift des Arbeitgebers)



Bestätigung durch den Arbeitnehmer, die Abmahnung erhalten zu haben:

... (Unterschrift des Arbeitnehmers)

Sie können hier ein Muster einer Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz als Word Dokument herunterladen

Rechtlicher Hinweis zu den Vorlagen: Bei dem kostenlosen Muster handelt es sich um ein unverbindliches Muster aus unserem Magazin. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Vorlage wird keine Gewähr übernommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die abrufbaren Muster nicht den zurzeit gültigen Gesetzen oder der aktuellen Rechtsprechung genügen. Die Nutzung erfolgt daher auf eigene Gefahr. Das unverbindliche Muster muss vor der Verwendung durch einen Rechtsanwalt oder Steuerberater individuell überprüft und dem Einzelfall angepasst werden.

Reaktion auf eine Abmahnung

Hat ein Arbeitnehmer eine Abmahnung wegen Alkohol am Arbeitsplatz erhalten, sollte er spontane Rechtfertigungen sowie eine übereilte schriftliche Stellungnahme vermeiden. Sollten die Anschuldigungen nicht der Wahrheit entsprechen, sollte ein Fachanwalt für Arbeitsrecht aufgesucht werden, der eine Überprüfung der Abmahnung vornimmt. Ebenso ist es möglich, sich an den Betriebsrat zu wenden, sollte ein solcher im Unternehmen bestehen.




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